Lisa Maichle wurde mit ihrer Dissertation „Lasst Waffen sprechen!“ promoviert

Im Mittelpunkt der steht die Analyse parlamentarischer  im Kontext der deutschen Debatte über die Beschaffung bewaffneter Drohnen für die Bundeswehr. Entlang der Fragestellung, mithilfe welcher Topoi und Diskursstrategien es möglich wurde, dass politische Entscheidungsträger*innen diese Beschaffungsentscheidung treffen konnten, galt das Forschungsinteresse von Lisa Maichle den diskursiv etablierten Bedeutungszuschreibungen im Kontext dieser spezifischen Militärtechnologie.

Die (militär-) technologischen Entwicklungen innerhalb der letzten Jahrzehnte hin zu einer „vernetzten Kriegsführung“ (Network Centric Warfare, NCW) haben zu neuen beziehungsweise veränderten Einsatzmöglichkeiten von militärischem Gerät und Waffen geführt. Unbemannte bewaffnete Luftfahrzeuge, umgangssprachlich bewaffnete Drohnen, gelten dabei als exemplarisch für diese „moderne“ Art der Kriegsführung. Obgleich diese Entwicklungen von Beginn an eine Vielzahl offener, beispielsweise ethischer Fragen mit sich brachte, findet weltweit eine ungebremste Proliferation dieser Systeme statt. Auch Deutschland hat sich bereits im Jahr 2018 für eine Beschaffung von MALE-Drohnen (MALE = Medium Altitude Long Endurance) entschieden. Doch wodurch erschien eine Beschaffung unbemannter bewaffneter Luftfahrzeuge für eine politische Mehrheit im Bundestag eigentlich trotz aller damit verbundenen Risiken als eine sinnvolle, erstrebenswerte politische Option? Wie wurde es möglich, dass das deutsche Parlament aller Bedenken zum Trotz die Beschaffung von unbemannten bewaffneten Luftfahrzeugen beschließen konnte? An diesem Punkt setzt dieses Projekt an, nicht jedoch, indem es nach dem klassischen „Warum“ und damit nach der Erklärung möglicher Ursachen und Gründe für eine Rüstungsbeschaffung fragt. Stattdessen zielt die Untersuchung darauf ab, anhand eines rekonstruktiven Vorgehens die Art und Weise, „wie“ eine neue Waffe Streitkräften in demokratischen Staaten verfügbar gemacht wird, nachzuzeichnen. Damit wird die Aufmerksamkeit im Rahmen des Promotionsprojektes auf die diskursive, d.h. im Diskurs sprachlich entstehende (Bedeutungs-) Dimension von unbemannten bewaffneten Luftfahrzeugen im Kontext der deutschen Beschaffungsentscheidung gelenkt.

Sprache als Konstruktionswerkzeug der sozialen und damit zwingend auch der politischen Wirklichkeit sowie das Argumentieren als demokratische Praxis nehmen so einen besonders hohen Stellenwert bei der Analyse ein. Das Erkenntnisinteresse zielt demnach auf die sprachlich etablierten Perspektiven politischer Entscheidungsträger*innen und die sich darin spiegelnden Wirklichkeitsvorstellungen respektive die darin enthaltenen, verstehensrelevanten Wissensbestände in Bezug auf bewaffnete MALE-Drohnen. Als Datengrundlage dienten in erster Linie Plenarprotokolle, die einer diskurstheoretisch inspirierten Toposanalyse unterzogen wurden. Darüber hinaus flossen kleine und große Anfragen inklusive Antworten der Bundesregierung, schriftliche Anfragen inklusive Antworten der Bundesregierung, einschlägige Anträge sowie ergänzende parlamentarische Dokumente in die Auswertung mit ein. Der Untersuchungszeitraum umfasst insgesamt zehn Jahre und erstreckt sich vom Jahr 2009 bis ins Jahr 2018. Im Rahmen der Dissertation werden anhand des gewählten Vorgehens die im analysierten Diskurs kommunizierten sicherheitspolitischen wie auch technischen Selbstverständlichkeiten in Frage gestellt. Dies ermöglicht exemplarisch in einem deutschen Kontext einen erweiterten Blick auf die Drohnentechnologie und auf die legitimatorische Vorgehensweise bei deren Beschaffung.

 

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