Bereits kurze Zeit nach ihrer Einführung erfreuten sich Correspondenzkarten in Europa so großer Beliebtheit, dass die Jahre von ca. 1890 bis 1918 auch als goldenes Zeitalter der Postkarte bezeichnet werden. Die Entwicklung der Drucktechnik ermöglichte den kostengünstigen Abdruck von Illustrationen und Fotografien, so dass die Postkarte „zum ersten globalen Bildmedium schlechthin“ (Békési 2004) avancierte. Millionen Exemplare wurden täglich versendet, weitere Millionen in den damals überaus beliebten Sammleralben abgelegt. Das „Postkartenfieber“ hatte rasch auch das am östlichsten gelegene und am stärksten multiethnisch geprägte Kronland Cisleithaniens erfasst, die Bukowina.

Das Forschungsprojekt „(Selbst-)Bilder einer Habsburger Peripherie in der Moderne 1895-1914 – oder: Die Geschichte der Bukowina nach dem Visual Turn“ fragt nach Produktion, Motivik und Rezeption dieser sehr niedrigschwelligen Massenmedien der Zeit. Es wird untersucht, welche Verlage existierten, wie sie arbeiteten und welche Motive sie jeweils prägten. Zudem werden Postkarten als semi-öffentliche Medien verstanden, über die politisch agitiert wurde.  Eine wichtige Frage die visuelle Inszenierung der unterschiedlichen Ethnien, denn Postkarten über „Volkstypen“ waren stark vertreten. Wie erfolgt die Darstellung von Deutschen, Juden, Ruthenen und Rumänen, Lipowanern und Huzulen? Was kann uns die visuelle Inszenierung über das Zusammenleben der Ethnien sagen? Zudem fragt die Studie nach den Aneignungen der Region: Wie kommentierten die Postkartenschreiber – egal, welcher Sprache sie sich bedienten – das Abgebildete, ja die Region insgesamt?

In bereits etablierter Kooperation mit den Universitäten Suceava (Rumänien) und Tscherniwzi (Ukraine) sowie dem Institutul Bucovinei in Radautz (Rumänien) wird über den Fokus auf Ansichtskarten hinaus die Geschichte des Habsburger Kronlandes Bukowina nach dem Visual Turn neu untersucht werden.

Professorin
Transnationale Wechselbeziehungen

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