Das Projekt untersucht, inwiefern die individuelle Mehrsprachigkeit von Sprecherinnen und Sprechern deutschbasierter Minderheitensprachen (in Italien, Rumänien, in der Ukraine und in der USA) an der Ausprägung einer spezifischen sprachlichen Identität beteiligt ist. Sprecherinnen und Sprecher deutscher Minderheitensprachen sind nahezu ausnahmslos mehrsprachig. So leben die deutschsprachigen Einwohner Sappadas in den Karnischen Alpen seit Jahrhunderten mit einer romanischsprachigen Bevölkerung zusammen. Die sich selbst als Schwoben bezeichnenden deutschsprachigen Bewohner Transkarpatiens (Westukraine) sind von einer mehrsprachigen Umwelt umgeben (v.a. Ukrainisch, Ruthenisch, Ungarisch, Russisch) und für die deutschen Minderheiten in den USA ist das Englische die Kontaktsprache. Die deutschbasierte Minderheitensprache stiftet Gruppenkohärenz und verbindet als ein wesentlicher Faktor die Sprecherinnen und Sprecher zu einer Gemeinschaft. Für die Minorität wird die Sprachlichkeit zugleich zu einem Symbol ihrer Identität. Die beobachtbaren kulturellen und gesellschaftlichen Annäherungen und kontaktsprachlichen Einflüsse geben Anlass, darüber nachzudenken, ob und inwiefern die Identität der Sprecherinnen und Sprecher dadurch eine Veränderung erfährt. Häufig bleibt die Minderheitensprache heute nur mehr auf die Verwendung innerhalb der Primärfamilie beschränkt. Die anderen Sprachdomänen werden von der Mehrheitssprache übernommen. Basierend auf der rezenten sprachlichen Situation will das Forschungsprojekt generell den Einfluss des oben skizzierten Sprachwechsels auf die Identität der Sprecherinnen und Sprecher erforschen. Darüber hinaus wird die individuelle Sprachverwendung dokumentiert, etwa in der Familie, Schule, Kirche oder im Alltag etc.

Einige der deutschsprachigen Minderheitensiedlungen bestehen seit mehr als zehn Generationen. Ob sich der Wunsch nach Bewahrung der eigenen Identität durch Festhalten an der Kommunikation in der Minderheitensprache stabilisierend auf den Spracherhalt auswirkt, stellt eine weitere Fragestellung des Projektes dar. Zudem tragen die durchgeführten und aufgezeichneten Interviews mit Sprecherinnen und Sprechern aus deutschsprachigen Siedlungen in Italien, Rumänien, in der Ukraine und in den USA zu einer Dokumentation deutschsprachiger Varietäten bei, die zunehmend als aktiv gebrauchte Sprachen verschwinden.

Professor
Variationslinguistik und DaZ/DaF

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