Aleida und Jan Assmann - Bild von Phillip Roth

Achtung: Im Zuge der Absage von Großveranstaltungen wegen der Ausbreitung des Coronavirus werden die Veranstaltungen im Rahmen der Internationalen Gastdozentur am Jakob-Fugger-Zentrum in das Wintersemester 2020/21 verschoben. Wir bedauern das sehr! Die neuen Termine folgen so bald wie möglich an dieser Stelle.

 

Zu unserer großen Freude werden im Sommersemester 2020 Prof. Dr. Dr. h.c. Aleida und Prof. Dr. Dr. h.c. Jan Assmann die Internationale Gastdozentur am Jakob-Fugger-Zentrum wahrnehmen.

 

Die Vorträge des vielfach ausgezeichneten, kongenialen Forscherpaares, deren Namen untrennbar mit dem Konzept des kulturellen Gedächtnisses verknüpft sind, widmen sich dem Thema "Erinnern und Vergessen".

 

 

Die Internationale Gastdozentur am Jakob-Fugger-Zentrum bietet Studierenden und Lehrenden der Universität Augsburg sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit, international ausgewiesene Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst in Augsburg zu erleben. Mit Vorträgen, Seminaren und Debatten zu zentralen Fragen unserer Zeit fördert die Internationale Gastdozentur den Austausch zwischen den Dozentinnen und Dozenten, der Universität Augsburg und der Stadtgesellschaft. Die Internationale Gastdozentur ist eine gemeinsame Initiative der geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Fakultäten und des Jakob-Fugger-Zentrums der Universität Augsburg.

 

Mit Aleida und Jan Assmann ist es gelungen, im Sommersemester 2020 die Eltern des Konzeptes des kulturellen Gedächtnisses für die Internationale Gastdozentur zu gewinnen. Was und wie erinnern Gesellschaften? Das ist die Kernfrage, die dieses Konzept in den Mittelpunkt stellt. Es beschreibt offiziell legitimierte, institutionalisierte, konstruierte Formen kollektiven Erinnerns, das von individuellen Erinnerungen abzugrenzen ist. Es geht dabei immer auch darum, wie aus der Vergangenheit Orientierungswissen für die Gegenwart und Zukunft generiert wird. Entsprechend nachhaltig haben Aleida und Jan Assmann die kulturwissenschaftliche Forschung geprägt, sich aber auch immer wieder in gesellschaftliche und politische Debatten eingeschaltet. Das vielfach ausgezeichnete, kongeniale Intellektuellenpaar, das zuletzt 2018 mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels geehrt wurde, widmet sich in seinen Augsburger Vorträgen dem Thema „Erinnern und Vergessen“. Die Vortragsthemen speisen sich aus der gemeinsamen Forschung ebenso wie aus der individuellen Expertise des Paares. So spricht Jan Assmann über die Erfindung des Altertums und die Bedeutung liturgischer Erinnerung, während Aleida Assmann sich räumlichen und zeitlichen Bildern des Erinnerns und Vergessens widmet und Überlegungen dazu anstellt, was den Gemeinsinn bedroht und was man gegen diese Bedrohung tun kann.

 

21. April 2020, 18.30 Uhr

Jan Assmann: Die Erfindung des Altertums: Schrift, Kanon, Vergangenheit

Universität Augsburg, Hörsaal 1009, Geb. H (Jura)

 

 

26. Mai 2020, 18.30 Uhr

Aleida Assmann: Räumliche und zeitliche Bilder des Erinnerns und Vergessens

Augustana-Saal, Evangelisches Forum Annahof, Im Annahof 4, 86150 Augsburg

 

 

23. Juni 2020, 18.30 Uhr

Jan Assmann: Solches tut zu meinem Gedächtnis. Liturgische Erinnerung

S-Forum, Stadtbücherei, Ernst-Reuter-Platz 1, 86150 Augsburg

 

 

30. Juni 2020, 18.30 Uhr

Aleida Assmann: Gemeinsinn. Was ihn bedroht und was man dagegen tun kann

tim: Staatliches Industrie- und Textilmuseum Augsburg, Provinostraße 46, 86161 Augsburg
 

 

Workshop-Reihe für Master- und Promotionsstudierende am 22. April, 27. Mai, 24. Juni und 1. Juli 2020 von 10-12 Uhr in D 2056

 

 

Aleida Assmann

ist Anglistin und Kulturwissenschaftlerin. Bis 2014 hatte sie den Lehrstuhl für Anglistik und allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz inne. Aleida Assmann hat 1977 in Heidelberg im Fach Anglistik mit einer Arbeit über „Die Legitimation der Fiktion“ promoviert und wurde dort 1992 habilitiert. 1993 folgte sie dem Ruf auf den Lehrstuhl in Konstanz. Zahlreiche Gastprofessuren und Fellowships führten Aleida Assmann unter anderem in die USA, nach Princeton und Yale, sowie an die Universität Wien. Neben zahlreichen Arbeiten zur englischen Literatur und zur Archäologie der literarischen Kommunikation forschte sie vor allem zum kulturellen Gedächtnis, der Erinnerung und dem Vergessen. Zuletzt sind von Aleida Assmann „Menschenrechte und Menschenpflichten. Schlüsselbegriffe für eine humane Gesellschaft“ (2017) und „Der europäische Traum. Vier Lehren aus der Geschichte“ (2018) erschienen.

 

Jan Assmann

ist Ägyptologe, Religions- und Kulturwissenschaftler. Bis zu seiner Emeritierung 2003 hatte er den Heidelberger Lehrstuhl für Ägyptologie inne. Seit 2005 ist Jan Assmann Honorarprofessor für Kulturwissenschaft und Religionstheorie in Konstanz. 1965 promovierte er in Heidelberg zum Thema „Liturgische Lieder an den Sonnengott“. 1971 habilitierte sich Jan Assmann über „Das Grab des Basa (Nr.389) in der thebanischen Nekropole“. Gastprofessuren und Fellowships führten ihn nach Berlin, München, in die USA, nach Paris und Jerusalem. Sein Forschungsinteresse gilt der ägyptischen Zivilisation als einer von Ordnungs- und Gerechtigkeitsvorstellungen geleiteten Gesellschaft. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Jan Assmann durch seine Arbeiten zum Monotheismus bekannt. Zuletzt sind von Jan Assmann „Totale Religion. Ursprünge und Formen puritanischer Verschärfung“ (2016) und „Achsenzeit. Eine Archäologie der Moderne“ (2018) erschienen.

 

Gemeinsam gründeten Aleida und Jan Assmann 1978 den Arbeitskreis „Archäologie der literarischen Kommunikation“, der verschiedene Disziplinen ins Gespräch bringen sollte. Seine erste Tagung hatte 1979 das Thema „Schrift und Gedächtnis“. Sie stellte die Weichen für die Ausarbeitung des Konzeptes und Erforschung des kulturellen Gedächtnisses. Aleida und Jan Assmann haben jeder für sich und gemeinsam zahlreiche Auszeichnungen erhalten. So wurde ihnen u.a. 2018 der Friedenspreis des deutschen Buchhandels und 2017 der Karl-Jaspers-Preis sowie der Balzan-Preis zuerkannt.

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