Der Lech - vom Wildfluss zum Cyborg

PROJEKTTEAM

  • Prof. Dr. Jens Soentgen,
  • Matthias Settele, M.A.

 

Lechausstellung in der Universitätsbibliothek Augsburg © Universität Augsburg

Die Ausstellung „Der Lech – Vom Wildfluss zum Cyborg“ zeichnet die Entwicklung des Lechs vom Wildfluss in eine Stauseenkette zur Stromproduktion nach und zeigt den Fluss als stark durch menschliche Nutzungsinteressen transformiertes Gewässer. Einst war der Lech ein typischer Wildfluss der Nordalpen. Sein Flussbett erreichte in Bayern stellenweise eine Breite von bis zu zwei Kilometern. Kiesinseln, die jedes Jahr umgestaltet wurden und ausgedehnte Auwälder waren dynamische Lebensräume für eine großartige Vielfalt von Fischen, Amphibien und Vögeln. 
Von all der Pracht sind heute nur mehr Überreste zu sehen. Während der Lech in Österreich aufgrund aufwändiger Renaturierungsmaßnahmen wieder einen Wildflusscharakter erkennen lässt, zeigt er sich in Deutschland noch immer als massiv transformiertes Gewässer, das in mehreren Schritten mit dem Ziel einer möglichst effizienten und umfassenden Wasserkraftnutzung umgebaut wurde. Die tiefgreifenden Umgestaltungen begannen am bayerischen Lech vor mehr als 150 Jahren. Der Fluss wurde begradigt und später auch durch Querbauwerke verbaut. In der NS-Zeit wurde der Lech dann für die Wasserkraftgewinnung herangezogen. 
In der Nachkriegszeit wurden die Pläne fast ohne Abstriche und trotz vieler Proteste weiter ausgeführt. Heute ist der bayerische Lech ein hocheffizientes Wasserkraftwerk mit zahlreichen Staustufen. Er wird aus einer zentralen Leitwarte gefahren und sein Abflussverhalten wird vom an der Börse gehandelten Strompreis fast deutlicher bestimmt, als von natürlichen Faktoren. Aufgrund der ausgeprägten technischen Überformung des Flusses kann vom „Cyborg Lech“ (Soentgen 2014), einem Hybridgewässer mit natürlichen und maschinellen Bestandteilen, gesprochen werden. Mitarbeiter des Wissenschaftszentrum Umwelt und der Universitätsbibliothek Augsburg konzipierten die Ausstellung in enger Zusammenarbeit. 
Mitarbeiter der Pressestelle der Universität Augsburg unterstützten das Vorhaben insbesondere bei Fragen zum Layout, dem Druck von Ausstellungselementen und Plakaten und der Öffentlichkeitsarbeit. Die Ausstellung wurde erstmals von 8.5. bis 28.7.2025 in den Räumlichkeiten der Zentralbibliothek gezeigt. Den Kern der Ausstellung bilden vergleichende Fotografien der Lechlandschaft. Diese Gegenüberstellungen von vergangenen und noch immer vorhandenen Landschaften bestimmter Lechabschnitte wurden vom renommierten Lechforscher Dr. Eberhard Pfeuffer konzipiert. Die historischen Aufnahmen der Ausstellung, die den Lech vielfach in unverbautem Zustand zeigen, stammen von Anton und Heinz Fischer, die aktuellen Aufnahmen, die den staugeregelten Lech als Energieproduzenten vor Augen führen, wurden von Dr. Eberhard Pfeuffer angefertigt. Die direkte Gegenüberstellung der Fotografien zeigt anschaulich wie radikal und tiefgreifend der Lech in Deutschland umgestaltet wurde. Begleitet von mehr als zehn großformatigen Ausstellungselementen können Besucher im Rahmen der Ausstellung am Lech entlang „reisen“ und anhand der historischen und aktuellen Fotografien anschauliche Einblicke in die radikalen Umgestaltungsprozesse der jeweiligen Lechabschnitte gewinnen.
Ergänzt wird die Ausstellung durch alte Karten und Bücher aus den Beständen der Universitätsbibliothek, die tiefe Einblicke in den historischen Umgang mit dem Lech und anderen Flüssen geben. Zusätzlich ist ein bisher selten gezeigter Film von Eugen Schumacher aus dem Jahr 1952 zu sehen, der unter dem Titel „Natur in Gefahr“ auch die menschlichen Eingriffe in den ehemals wilden Lech thematisiert. Als Berater des Filmemachers fungierte seinerzeit Prof. Otto Kraus, der von 1949 bis 1967 Leiter der Landesstelle für Naturschutz in Bayern war. Historische Dokumente, die das Werden der modernen Lechlandschaft und ihre Akteure zeigen runden zusammen mit einer Sammlung von Lechkieseln, Schwemmholz und anthropogener Flussbestandteile die Ausstellung inhaltlich ab. 
Neben dem Blick in die Vergangenheit und der Beschreibung des gegenwärtigen Status Quo ist auch ein Ausblick in die Zukunft des Flusses Bestandteil der Ausstellung. Seit mehr als zehn Jahren befinden sich Renaturierungsvorhaben in Planung, die den Lech bei Augsburg ökologisch aufwerten sollen. Die Rolle des Klimawandels und die Lage der Universität Augsburg in Flussnähe stellen weitere Themenbereiche dar, die auf mehreren Ausstellungselementen präsentiert werden. Im Rahmen der Ausstellung ergeben sich Einblicke in die Transformationsprozesse, die die ehemalige Naturlandschaft Lech in eine von menschlichen Interessen kontrollierte und technisch überformte Kulturlandschaft umgewandelt haben. Von 23.4. bis 24.5.2026 wurde die Ausstellung in Schongau gezeigt, nachdem sie von 29.1. bis 12.3.2026 in Königsbrunn zu sehen war. Im Sommer 2027 wird die Ausstellung im Naturparkzentrum in Elmen in Tirol zu Gast sein.

 

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