SEMINARLEITUNG

  • Prof. Dr. Jens Soentgen (Universität Augsburg)
  • Dr. Konrad Heumann (Freies Deutsches Hochstift)

Kuratiert von:

  • Peter Finkenzeller
  • Julianna Forstner
  • Simon Frank
  • Thomas Fuchs
  • Tamara Schindler
  • Magdalena Schreieck
  • Michael Straub
  • David Wagner
  • Luisa Wagner

Tutor und Koordination

  • Nicholas Schoch

Mit Unterstützung durch

  • Sophie Ruiu (UB Augsburg)
 

Der Philosoph Theodor Lessing (1872-1933), der aus einer seit langem in Hannover ansässigen jüdischen Familie stammte, lehrte an der Technischen Hochschule Hannover als außerplanmäßiger Professor Philosophie. Sein Werk zeichnet sich dadurch aus, dass er einer der Denker war, die sich mit der globalen ökologischen Krise auseinandersetzten. Sein Hauptwerk Europa und Asien trägt den prophetischen Untertitel Untergang der Erde am Geist. In den 1920er Jahren, in denen Lessing die meisten seiner Schriften verfasste, wirkte die Lessing‘sche Diagnose einer globalen ökologischen Krise befremdlich. Heute ist zu konstatieren, dass er seiner Zeit weit voraus war.

Er setzte sich auch aktiv für eine gesündere, freundlichere Umwelt ein. So publizierte er frühzeitig Schriften gegen den Lärm und gründete auch einen Anti-Lärm-Verein, heute würde man sagen, eine Bürgerinitiative, die sich gegen vermeidbaren und gesundheitsschädigenden Lärm einsetzte.

1926, nachdem er sich in einer Schrift kritisch über Hindenburgs Präsidentschaft geäußert hatte, weil er vorhersah, dass diese nur der Auftakt einer Diktatur sei, setzten antisemitische Studentengruppen und rechtsextreme Organisationen seine Entfernung von der Universität durch. Lessing konnte nicht mehr öffentlich lehren. Im Mai 1933 zählten Werke von ihm zu den ersten Büchern, die auf den Schwarzen Listen der Nationalsozialisten geführt und dann auch verbrannt wurden. Lessing wurde im tschechischen Marienbad, wohin er mit seiner Familie geflohen war, im August 1933 von einem nationalsozialistischen Mordtrupp erschossen.

Um sichtbar zu machen, dass der Vorsatz der Nationalsozialisten, bestimmte ihnen missliebige Autoren zu vernichten und aus dem kulturellen Gedächtnis zu tilgen, nicht nur berühmte Dichter, sondern auch Philosophen betraf, wurde am Wissenschaftszentrum Umwelt der Universität Augsburg ein Seminar zur Philosophie von Theodor Lessing durchgeführt. Dabei wurde dann auch in gemeinsamer Arbeit der Plan konkretisiert, mit einer Ausstellung von Büchern an diesen durch die Nationalsozialisten gezielt eliminierten Autor zu erinnern. Ausgangspunkt der Recherche war die einzigartige Sammlung Salzmann – Bibliothek der verbrannten Bücher an der Universität Augsburg. Doch der Sammler Salzmann hatte sich auf belletristische Literatur konzentriert. Lessings Werk ist nur mit vereinzelten Büchern vertreten, die dann aber aus einer Privatsammlung ergänzt werden konnten.

So ist eine repräsentative Werkausstellung entstanden: die das Werk in seiner Breite sichtbar macht. Durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Germanisten Dr. Konrad Heumann, dem Leiter der Handschriftenabteilung am Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt (Main) konnte sichergestellt werden, dass die Ausstellung auch literaturwissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Kuratiert wurde sie gemeinsam von Philosophie-Studierenden der Universität Augsburg, die sich das Ziel setzten, die Aktualität des Lessingschen Werkes wieder ins Gedächtnis zu rufen und zu einer Begegnung mit einem Autor einzuladen, der unserer Zeit Wesentliches zu sagen hat.

 

Eröffnung der Ausstellung

Theodor Lessing (1872-1933): Unheilsprophet, Ökophilosoph, Kulturkritiker, Störenfried.

Am 17. Juli 2026, 16.00 Uhr

Ort: Zentralgebäude der Universitätsbibliothek Augsburg auf dem Campus der Universität Augsburg, Foyer. (Haltestelle Universität; Gebäude E)

Der Eintritt ist frei.

Die Ausstellung bleibt zu sehen bis zum 30. September 2026. Geöffnet ist die Universitätsbibliothek außer an Feiertagen täglich, auch am Wochenende (Sonntags nur von 12-18 Uhr).

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