WBGU-Lagebeurteilung: Warum Umweltrisiken zentral für moderne Sicherheitsstrategien sind – Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann erklärt die wichtigsten Erkenntnisse
Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) veröffentlichte heute, Dienstag, den 24. März, eine achtseitige Lagebeurteilung zum Thema Sicherheit. Die Mitautorin und Beirätin des WBGU, Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann, erläutert hier die zentralen Inhalte und erklärt, warum Umweltrisiken ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Sicherheitsstrategien sein müssen. „Liebe Mitarbeitende sowie Freundinnen und Freunde des Zentrums für Klimaresilienz, liebe Leser, das nächste Hauptgutachten des WBGU wird sich umfassend mit dem Themenfeld Sicherheit befassen und insbesondere jene Aspekte beleuchten, die in der aktuellen, stark militärisch geprägten politischen Debatte aus unserer Sicht bislang zu wenig berücksichtigt werden. Im Zentrum stehen dabei fünf Handlungsfelder, die es deutlicher in eine sicherheits-politische Strategie der Bundesregierung und des Nationalen Sicherheitsrates einzubeziehen gilt: (1) Sicherheit im Kontext von Klima, Umwelt und Gesundheit, (2) Sicherheit im Kontext von gesellschaftlichem Zusammenhalt, (3) Sicherheit im Kontext von KI und Informationsintegrität, (4) Sicherheit im Kontext von Rohstoff- und Technologieabhängigkeiten sowie (5) Sicherheit im Kontext internationaler Kooperation. Die Lagebeurteilung, die nun erschienen ist, erläutert, weshalb sich der WBGU gerade jetzt mit dem Thema Sicherheit befasst, und welchen spezifischen Beitrag wir in die Debatte einbringen möchten. Die fünf Themenschwerpunkte werden darin skizziert und erste Handlungsempfehlungen formuliert. Vertiefende Analysen und weiterführende Empfehlungen wird der WBGU im Laufe des Jahres in einer Reihe von Teilgutachten veröffentlichen. Aus meiner Perspektive als Umweltmedizinerin ist dabei ein Aspekt besonders zentral: Gesundheit. Sicherheit bedeutet heute nicht mehr nur geopolitische Stabilität, sondern auch die Stabilität der Umweltbedingungen, die unsere Gesundheit tragen. Hitze, Luftverschmutzung und Umweltveränderungen führen bereits jetzt zu einer messbaren Krankheitslast – wenn Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten, wird dies unmittelbar zur Gesundheitsfrage. Hier zeigt sich auch die Verbindung zur Medizin der Zukunft: Sie wird präventiver, systemischer und stärker auf die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt ausgerichtet sein. Das aktuelle Wissenschaftsjahr „Zukunftsmedizin“ bietet hierfür einen wichtigen Rahmen, um Sicherheit neu zu denken – als Schutz der natürlichen und sozialen Grundlagen von Gesundheit. Angesichts der aktuellen Weltlage – mit bedrohten Energie- und Rohstofflieferketten, einer zunehmend unter Druck geratenen regelbasierten internationalen Ordnung und einem nahezu unvermindert fortschreitenden Klimawandel – halten wir es für entscheidend, den Sicherheitsdiskurs um diese Perspektiven zu erweitern und die laufenden strategischen Diskussionen entsprechend zu ergänzen. Ihre Claudia Traidl-Hoffmann." Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffman, Stellvertretende Direktorin des Zentrum für Klimaresilienz, Direktorin des Instituts für Umweltmedizin und Integrative Gesundheit und Beirätin beim WBGU Weitere Informationen finden Sie
hier.