Nachhaltigkeit von Krankenhäusern verbessern:
Wie es um Energieeffizienz, Umweltschutz und soziale Faktoren in Kliniken bestellt ist, untersuchen Forschende des Zentrums für Klimaresilienz bei der Fortentwicklung von „Green HospitalPLUS“

 

Über das Projekt

Im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege entwickelt das Team am Zentrum für Klimaresilienz der Universität Augsburg praxisnahe Indikatoren, mit denen sich die Nachhaltigkeit von Gesundheitseinrichtungen systematisch messen und bewerten lässt. Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird vom Freistaat Bayern mit 1,8 Millionen Euro gefördert.

Der Freistaat Bayern verfolgt das Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden. Dabei spielt auch der Gesundheitssektor eine wichtige Rolle, da er für knapp fünf Prozent der nationalen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Bereits 2011 hatte das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege mit der Green Hospital Initiative einen Beitrag zur Energiewende im Freistaat geleistet, indem die Energieeffizienz von Krankenhäusern verbessert werden sollte. Diese Initiative wurde inzwischen unter dem Label „Green HospitalPLUS“ um die Dimensionen „Umwelt“ und „Mensch“ erweitert.

Das neue Augsburger Forschungsprojekt knüpft daran an und soll die Initiative zu einem ganzheitlichen, indikatorbasierten Nachhaltigkeitsinstrument für bayerische Krankenhäuser weiterentwickeln.

 

 

Mehr über die Initiative Green HospitalPLUS erfahren Sie  hier.

 

 

 

 

Die Augsburger Forschungsgruppe des Green Hospital Projektes (v.l. Dr. Anja Kalch, Prof. Dr. Jens Brunner, Dr. Andrea Thorenz, Johannes Uhrmann, Markus Schug, Dr. Lukas Meßmann, Prof. Dr. Marcus Wagner, Prof. Dr. Axel Tuma, Prof. Dr. Helena Bilandzic)

Forschungsansatz und Ablauf

Untersucht werden die Nachhaltigkeitsbemühungen der bayerischen Krankenhäuser hinsichtlich der Säulen „Umwelt“, „Infrastruktur & Energie“, „Mensch“, „Organisation & Verwaltung“ und „Versorgungssicherheit“. Im Mittelpunkt des Projekts steht die Schaffung eines vollständigen, indikatorbasierten Managementsystems, das es den Nutzern ermöglicht, Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit in Krankenhäusern zu bewerten und umzusetzen. Nachhaltigkeit hat nicht nur ökologische Ziele, sondern auch eine wirtschaftliche und eine soziale Dimension. Die Versorgungssicherheit zielt nicht nur auf die Fähigkeit der Krankenhäuser ab, mit abrupten Veränderungen umzugehen (z.B. Pandemien, Lieferengpässe), sondern auch auf die Fähigkeit, sich an langfristige Veränderungen wie den demografischen Wandel anzupassen.

 

 

 

© Universität Augsburg

Das Forschungsprojekt ist in folgende Arbeitspakete aufgeteilt:

 

Das erste Arbeitspaket konzentriert sich auf die Ermittlung des aktuellen Stands der Nachhaltigkeitsbemühungen gemäß dem Säulenmodell des Projekts. Diese Säulen bestehen aus den Bereichen Umwelt, Infrastruktur & Energie, Menschen, Organisation & Management und Versorgungssicherheit. Um verlässliche Daten zu erhalten, werden eine Literaturrecherche nach der Methode von Brocke et al. (2009) sowie eine umfassende Status-quo-Erhebung aller bayerischen Krankenhäusern und detaillierte Interviews mit 26 repräsentativen Krankenhäusern durchgeführt.
Nicht nur aktuelle Nachhaltigkeitsfaktoren sind von Bedeutung, sondern auch die zukünftige Widerstandsfähigkeit der Lieferkette. Nachdem diese Faktoren identifiziert wurden, werden die Verfügbarkeit und Praktikabilität der Daten analysiert. Die Analyse erfolgt in vier Schritten, wobei der erste Schritt auf den Datenschutz und die Ethik abzielt, gefolgt von einer Zusammenführung der Daten in einem Datenzentrum, wo eine deskriptive und statistische Analyse erste Erkenntnisse liefert. Der dritte und vierte Schritt besteht aus der Anwendung der Indikatoren auf die Daten und der Anpassung der Indikatoren, falls erforderlich.
Ziel des dritten Arbeitspakets ist die Umsetzung und Bewertung der Indikatoren aus AP2 an einer Auswahl von 10 Betriebsstätten in 26 bayerischen Krankenhäusern. Dabei werden die geplanten und umgesetzten Nachhaltigkeitsmaßnahmen sowie deren Kosten-Nutzen-Verhältnis analysiert. Darüber hinaus werden die grundlegenden Prozesse dokumentiert und die Bereitstellung relevanter Schlüsselindikatoren ermittelt.
In AP4 wird eine Best-Practice-Datenbank mit den identifizierten Nachhaltigkeitsmaßnahmen erstellt. Zusätzlich werden die Indikatoren in einem Webbasierten „Demonstrator“ zusammengeführt, der es dem Endnutzer ermöglicht, sein Krankenhaus zu bewerten.
Ein Ziel ist die Steigerung des Bekanntheitsgrades der Green HospitalPLUS-Initiative. Dieses Zertifikat soll den Krankenhäusern helfen, neues Personal zu gewinnen, da eine der Säulen auf den Menschen ausgerichtet ist.

Publikationen

Erste Publikation im Rahmen des Projektes "Green Hospital Plus":

 

Krankenhäuser stehen aktuell vor der Herausforderung nachhaltiger und resilienter Transformationen. Hierbei stehen die Messung, Überwachung und Berichterstattung der Nachhaltigkeitsleistungen im Mittelpunkt. In der wissenschaftlichen Literatur herrscht weder Einigkeit darüber, wie und mit welchen Indikatoren die ökologische und soziale Nachhaltigkeit von Krankenhäusern bewertet und welche Aspekte dabei berücksichtigt werden sollten, noch sind Terminologien und Kategorien homogen. Vor diesem Hintergrund haben Forschende des ZfK um Dr. Andrea Thorenz und Prof. Dr. Axel Tuma im Rahmen des vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention geförderten Projektes "Green Hospital Plus" den Artikel "Indicator-based environmental and social sustainability assessment of hospitals: A literature review" im Journal of Cleaner Production publiziert. Dieser gibt einerseits einen Überblick über das Nachhaltigkeitsverständnis der relevanten Literatur und über die Vielzahl der dort vorgeschlagenen Nachhaltigkeitsindikatoren, und leitet andererseits eine „Best-Practice“-Taxonomie für indikatorbasierte Nachhaltigkeitsbewertungen von Krankenhäusern ab.

 

Der Artikel kann hier abgerufen werden.

 

 

Weitergehende Publikation aus dem Themenbereich

 

Zentrale Sterilgutversorgungsabteilungen (ZSVA) sind für den Krankenhausbetrieb essenziell, verursachen jedoch durch hohen Energie-, Wasser- und Ressourcenverbrauch erhebliche Umweltbelastungen. Dabei stehen operative Ziele, wie möglichst schnelle Durchführung von Reinigungsprozessen, oft in direktem Konflikt mit ökologischen Zielsetzungen. Vor diesem Hintergrund hat ein interdisziplinäres Team aus Forschenden am ZfK, an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät sowie an Dänemarks Technischer Universität (DTU) ein Optimierungsmodell entwickelt, das operative Entscheidungen in der ZSVA ökologisch und operativ abbildet und optimiert. Unter Verwendung deutscher und dänischer Ökobilanzdaten zeigt die Studie Verbesserungspotenziale in ZSVAs und mögliche Kompromisse zwischen operativer Effizienz und Umweltauswirkungen auf. Die Studie liefert damit sowohl Ansätze zur Prozessoptimierung im Detail als auch zur nachhaltigen Transformation des Krankenhausbetriebs als Ganzes.

 

Der Artikel befindet sich derzeit (Stand: April 2026) in Überarbeitung zur Veröffentlichung im Management-Science-Journal „Omega“.

 

Kontakt und Ansprechpartner

Mitwirkende an dem dreijährigen Projekt sind folgende Mitglieder des Zentrums für Klimaresilienz der Universität Augsburg:

 

  • Resource Lab der Universität Augsburg, vertreten durch Frau Dr. Thorenz (Koordination)
  • Prof. Dr. Helena Bilandzic und Dr. Anja Kalch (Arbeitsgruppe Gesundheits- und Umweltkommunikation; Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaften mit Schwerpunkt Rezeptions- und Wirkungsforschung)
  • Prof. Dr. Jens Brunner (Lehrstuhl für Health Care Operations/Health Information Management)
  • Prof. Dr. Manuel Ostermeier (Professur für Resilient Operations)
  • Prof. Dr. Axel Tuma (offizielle Leitung, Lehrstuhl für Production & Supply Chain Management)
  • Prof. Dr. Marcus Wagner (Lehrstuhl für Innovation und Nachhaltiges Management)
 
Wissenschaftlicher Kontakt:
 
Prof. Dr. Axel Tuma
stellvertretender Direktor
Zentrum für Klimaresilienz

E-Mail:

Akademische Oberrätin, Leitung Resource Lab
Institut für Materials Resource Management

Startseite:

E-Mail:

„Mit der Weiterentwicklung unserer Green HospitalPLUS Initiative treiben wir den Klimaschutz in den bayerischen Kliniken voran.

  Ich freue mich sehr, dass das Zentrum für Klimaresilienz uns auf diesem Weg mit seiner wissenschaftlichen Expertise begleitet“

 

 

Gesundheitsminister Klaus Holetschek 

 

 

 

 

 

„Unser Zentrum für Klimaresilienz hat mit seinen vielfältigen Disziplinen und seiner interdisziplinären Vernetzung die richtigen

  Kompetenzen, um die Green HospitalPLUS Initiative konstruktiv und ganzheitlich zu unterstützen“

 

 

Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, Präsidentin der Universität Augsburg

„Mit den Augsburger Ergebnissen ermöglichen wir eine Bewertung der Nachhaltigkeit von Krankenhäusern und entwickeln Angebote für wissenschaftlich fundierte und praxisorientierte Verbesserungsmaßnahmen. Damit leisten wir einen Beitrag, die Initiative Green HospitalPLUS weiter voranzubringen“

 

Prof. Dr. Axel Tuma, Leitung des Projekts und stellvertretender Direktor des ZfK

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