Zusammenfassung

Die Studie untersucht die Reaktionen der Aktienmärkte auf Greenwashing-Vorwürfe bei europäischen Unternehmen. Bisherige empirische Evidenz zu den finanziellen Implikationen von Greenwashing ist begrenzt und zeigt oft gemischte oder nicht signifikante Ergebnisse, was auf eine Forschungslücke hindeutet, die diese Studie adressiert.

 

Um diese Lücke zu füllen, wurden 296 Greenwashing-Vorwürfe gegen europäische STOXX Europe 600 Unternehmen zwischen 2018 und 2023 manuell erfasst. Der Ansatz beinhaltet eine detailliertere Klassifizierung von Greenwashing-Typen, Schweregraden und finanzieller Relevanz als frühere Studien. Die Analyse basiert auf zwei theoretischen Kanälen: Informationsasymmetrie (Greenwashing verschleiert die wahre Nachhaltigkeitsperformance) und der Legitimierungstheorie (Greenwashing untergräbt das Vertrauen der Stakeholder).

 

Zitierung:

Dorfleitner, Gregor; Eckberg, Jens; Utz, Sebastian; Brehm, Theresa. What drives stock market reactions to greenwashing? An event study of European companies. Finance Research Letters 86. 2025.

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Die Ergebnisse zeigen, dass die kumulierten abnormalen Renditen im Durchschnitt nicht signifikant von null abweichen. Jedoch gibt es eine erhebliche Heterogenität in den Marktreaktionen, die von Unternehmens-, Ereignis- und Branchenmerkmalen abhängt. Unternehmen mit den geringsten Gesamtaktiva erleben signifikante negative Marktreaktionen. Compliance-bezogene Vorwürfe führen konsistent zu negativen Marktreaktionen, während finanziell materielle Fälle ebenfalls negative Auswirkungen haben. In Konsumgüterbranchen lösen zudem sozial relevante Vorwürfe unmittelbar nach Bekanntwerden negative Reaktionen aus.

 

Lehrstuhlinhaber
Prof. Dr. Sebastian Utz: Finanzwirtschaft mit dem Schwerpunkt Climate Finance

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Die Berichterstattung durch allgemeine Medien verstärkt die negativen Reaktionen, insbesondere in nicht-konsumorientierten Branchen und unmittelbar nach der Offenlegung. Eine positive ESG-Reputation wirkt als Puffer und mildert negative Reaktionen in finanziell materiellen Fällen ab. Dieser moderierende Effekt ist besonders bei EU-basierten Konsumgüterunternehmen und in der Zeit nach 2021 zu beobachten, was auf eine erhöhte Sensibilität des Marktes für ESG-Performance hinweist. Die Studie trägt maßgeblich dazu bei, frühere widersprüchliche Befunde in der Literatur zu Greenwashing zu vereinbaren, indem sie die entscheidende Rolle kontextueller Faktoren bei der Erklärung von Aktienkursreaktionen hervorhebt.

Relevanz der Studie

Die Studie untersucht erstmals umfassend die finanziellen Reaktionen von Aktienmärkten auf Greenwashing-Aktionen bei europäischen Unternehmen. Sie zeigt, dass die Marktreaktionen stark vom Kontext abhängen: z.B. von Unternehmensgröße, Branche, ESG-Ratings und der Art der Vorwürfe. Dabei wird deutlich, dass Greenwashing in bestimmten Fällen, vor allem bei kleineren Unternehmen, bei regulatorischen Verstößen oder in verbraucherorientierten Branchen, zu signifikanten Kursverlusten führt. Zudem zeigt die Studie, dass eine gute ESG-Reputation manche negativen Effekte abmildern kann. Damit liefert die Arbeit wichtige Erkenntnisse für Investoren, Unternehmen und Regulierungsbehörden, wie Greenwashing die Aktienmarktperformance beeinflusst und wann Greenwashing besonders risikoreich ist.

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