Paul Timm

Projektskizze

Die Gemeinde Obersalzberg im Landkreis Berchtesgaden war von den Nationalsozialisten seit 1933 sukzessive zum „Führersperrgebiet“ umgestaltet worden. Ab 1936 bauten sie das „Haus Wachenfeld“ zum berühmten „Berghof“ umfangreich aus, das als Hitlers persönliches Refugium bald zu einem zweiten Regierungssitz avancierte, in welchem der Diktator mehr als ein Drittel der gesamten NS-Zeit verbrachte. Der „Berghof“ erhielt als eigene Außenstelle der Reichskanzlei ein kilometerlanges, unterirdisches Bunkersystem – und wurde „überirdisch“ zu einem wichtigen Teil nationalsozialistischer Bildpolitik und der Hitler-Inszenierung, deren Wirkung weit über das Jahr 1945 hinausreichte. Im Zentrum des Promotionsvorhabens steht die Geschichte dieses Ortes und der geschichtspolitischen Kontroversen, die mit dem Erbe des Nationalsozialismus verbunden sind. Auf diese Weise lässt sich, so die zentrale Annahme, nicht nur das postnationalsozialistische Verhältnis zwischen Hitler und den Deutschen untersuchen, sondern zugleich auch die besonderen deutsch-amerikanischen Beziehungen in den Blick nehmen, die den Umgang mit dem „Berghof“ als militärischen sowie ideologischen Stützpunkt und touristischen Sehnsuchtsort prägten. Die Arbeit zielt also über eine Geschichte des Obersalzbergs auf eine Verknüpfung von lokaler, regionaler und transnationaler Nachgeschichte des Nationalsozialismus – und das von 1945 bis 1999 – ab. Die Geschichte des Obersalzberges als sehr spezifischer Täterort lässt sich als Sonde für eine multiperspektivische Geschichte deutscher „Vergangenheitsbewältigung“ lesen – wobei hier der Begriff der „Bewältigung“ ebenfalls meint, dass es dabei immer auch um die bauliche Gestaltung inmitten einer alpinen und touristisch so zentralen Gegend um Berchtesgaden geht, deren Bildgeschichte nicht erst mit dem „Berghof“ beginnt, sondern weit ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Das Dissertationsvorhaben versucht nicht nur die deutsche Sichtweise auf den Umgang mit dem Obersalzberg darstellen, vielmehr versteht es sich als multiperspektivische Verflechtungsgeschichte, die auch transnationale Perspektiven einnimmt. Hier sollen besonders die US-amerikanischen Blickwinkel dargestellt und analysiert werden. Insbesondere eine transnationale Erinnerung an die NS-Zeit soll so am Beispiel des Obersalzbergs aufgezeigt werden. Ganz ähnlich der Analyse der deutschen – insbesondere der westdeutschen – Erinnerungskultur werden auch hier Zäsuren erkenntlich, die Auswirkungen auf den transnationalen Umgang mit dem Obersalzberg hatten.

 

Forschungsschwerpunkte

  • Geschichte des Nationalsozialismus
  • Erinnerungskultur
  • Deutsche Geschichte des 20. Jhd.

Suche