Gesundheitsförderung und Prävention in der Jugendhilfe
Warum ist die Inanspruchnahme und Konzeption von Maßnahmen der
Gesundheitsförderung und Prävention abhängig vom sozioökonomischen
Status?


Es ist ein längst etabliertes Faktum, dass soziale und gesundheitliche Ungleichheit in
Zusammenhang stehen. Sozialbenachteiligte Menschen tragen ein deutlich höheres
Krankheitsrisiko, dennoch nehmen sie gleichzeitig weniger präventive Maßnahmen in Anspruch.
Die Gründe und Hintergründe dieses Phänomens zu erforschen ist Gegenstand des vorliegenden
Dissertationsprojektes. Ziel ist es, die Bedingungen der sozialen Ungleichheit im Gesundheitssektor
theoretisch zu erfassen, um durch eine solche Bestandsaufnahme evidenzbasierte Konzepte für
Prävention, in diesem bisher unzureichend untersuchtem Bereich, vorzulegen.
Dieses Phänomen wird in der Alltagspraxis der Jugendhilfe besonders deutlich: Gerade Kinder von
alleinerziehenden Eltern, die zudem durch die Jugendhilfe betreut werden, sind häufiger von Armut
und Krankheit bedroht oder weisen bereits bei Schuleintritt einen im Vergleich schlechteren
Gesundheitszustand vor. Vermeidbare gesundheitliche Ungleichheiten im Kindesalter sind schlicht
ungerecht und können folgenschwere (soziale) Konsequenzen bedeuten. Um die
Chancengerechtigkeit frühzeitig zu verbessern brauchen sie daher einen besonderen Schutz durch
die Gesellschaft. Im Präventionsgesetz ist das Ziel verankert, gesundheitliche Ungleichheit zu
verringern und damit explizit Menschen mit schlechterem sozioökonomischen Status mit
Maßnahmen zu versorgen. Hiermit ist zwar eine wichtige Weiche für die Erhöhung des
gesellschaftlichen und politischen Stellenwertes von Prävention und Gesundheitsförderung gestellt
worden (vgl. RKI, 2015), dennoch verbleibt eine wissenschaftliche Leerstelle zur gezielten
(evidenzbasierten) Umsetzung.
Der Theoretische Hintergrund für das vorliegende Dissertationsprojekt umfasst die sozial- und
gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen, den aktuellen Forschungsstand, Erklärungsmodelle
der gesundheitlichen und sozialen Ungleichheit, die Komplexität vom Nutzen und Nicht-Nutzen
entsprechender Angebote, sowie die gesundheitliche Ausgangslage von Kindern und Jugendlichen
in Bezug auf ihren sozioökonomischen Status. Darüber hinaus werden episodische Interviews mit
den Alleinerziehenden, sowie ggf. zudem Experteninterviews zum Thema durchgeführt. Ergänzend
ist eine umfangreiche Dokumenten- bzw. Aktenanalyse vorgesehen. Damit soll erfasst werden,
warum sozialbenachteiligte Menschen entsprechende Maßnahmen weniger in Anspruch nehmen
(können), um folglich zu erarbeiten, was die Zielgruppe braucht bzw. wie Konzepte der Prävention
in diesem Feld entwickelt werden müssen, um gerade Kinder mit niedrigerem sozioökonomischen
Status zu erreichen.

 

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