Archäologie und materielle Kultur in den Werken H.P. Lovecrafts

Anhand von Quellenmaterial verschiedener Textgattungen wird die Bedeutung materieller Kultur
sowie archäologischer und kunsthistorischer Wissenschaften für die Weltsicht und die fiktionalen
Werke des amerikanischen Horror-Science-Fiction Autors H. P. Lovecraft (1890-1937) untersucht.
Dabei wird geprüft welche Bezüge es zur zeitgenössischen archäologischen Forschung gibt.
Daran anschließend stellt sich die Frage, wie Lovecraft die Rezeption dieser Thematiken nutzt, um
seine fiktionalen Welten zu konstruieren sowie kulturhistorische und kulturphilosophische
Weltsichten, durch erdachte materielle Kultur den Rezipienten seiner Werke zu vermitteln. Durch
die Analyse dieser Wechselwirkungen leistet das Dissertationsprojekt einen Beitrag zur
Rezeptionsgeschichte der Archäologie in der Populärkultur.
Zu Genres, die an die Science-Fiction-Literatur angrenzen, wie der Fantasy- und Kriminalliteratur,
liegen bereits im größeren Umfang Beiträge zur Rezeptionsgeschichte der Archäologie vor, die
sich mit der Rolle der Archäologie und materiellen Kultur auseinandersetzen. Miles Russells
Sammelband „Digging Holes in Popular Culture, Archaeology and Science Fiction“ zeigt, dass
auch für das Feld der Science-Fiction die Wirkung realer Archäologie und materieller Kultur auf das
Fiktionale geprüft werden kann. Ein Beitrag zu den Werken H. P. Lovecrafts ist dagegen noch ein
Desiderat.
Gerade eine Auseinandersetzung mit Lovecrafts Werken erscheint aber besonders
gewinnbringend, denn eine Reihe von Aspekten zu Lovecrafts Rezeption materieller Kultur und
den entsprechenden Wissenschaften besitzen auch für heutige Gesellschaften noch große
Relevanz: Die Schaffung authentisch-immersiver Welten ist für verschiedenste Felder (v. a.
Unterhaltung und Bildung) und Medien (Text, Film, digitale Spiele usw.) von Bedeutung. Nicht nur
für Lovecraft und die Menschen seiner Zeit, sondern auch heute dient materielle Kultur als
Orientierungspunkt bei Identitätsfragen.
Problematische ist jedoch Lovecrafts „ethnisch-rassistische“ Ausdeutung von materieller Kultur und
sein morphologisches Kulturgeschichtsbild. Da sich diese beiden Aspekte z. T. auch in der
fiktionalen materiellen Kultur seiner bis heute viel rezipierten Geschichten widerspiegeln ist daher
eine kritische Analyse geboten.

 

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