Musik und Atmosphäre. Präsenzen, Positionen und Situationen in neuen Konzertformaten

Seit Beginn des Jahrtausends lässt sich ein Paradigmenwechsel im klassischen Konzertleben feststellen. Zahlreiche Aktivitäten wurden initiiert, um das Konzertleben zu revitalisieren und ein neues (oftmals publikumsnäheres) Angebot zu schaffen. Es entstanden neue Konzertformate, die nicht ausschließlich die Interpretation musikalischen Erbes im klassischen Konzertrahmen in den Mittelpunkt stellten, sondern multidimensionale Angebote an die ästhetische Wahrnehmung anboten.  


In diesem Dissertationsprojekt wird der Blick auf diese neuen Konzertformate gelegt und die These aufgestellt, dass sich durch die multidimensionalen Ansätze mit z.B. partizipativen, performativen, transformativen, persuasiven, personalen, reflexiven, sensualen, räumlichen, transkulturellen oder narrativen Schwerpunkten, Rückwirkungen auf Präsenzen, Positionen und Situationen in diesen Konzerten ergaben. Sowohl eine Neupositionierung der erschaffenden, interpretierenden und rezipierenden Personen, als auch ein neues (Selbst-)verständnis von Werk und beteiligten Personen ging damit ein. In der Relation dieser Elemente (Präsenz, Position, Situation) entsteht, dies ist eine weitere These dieser Studie, eine besondere Konzertatmosphäre.  
Ausgehend von diesen Überlegungen wird forschungsleitend gefragt: Welche Präsenzen, Positionen und Situationen bildeten sich in neuen Konzertformaten aus und welche Auswirkungen übten sie auf die entstehenden Konzertatmosphären aus?  


Aufbauend auf aktuellen musikontologischen, rezeptions- und interpretationsästhetischen Positionen wird eine auf die neuen Konzertformate als Untersuchungsobjekt angepasste Kategorisierung vorgeschlagen. Verortet wird die Studie in einem aktuellen wissenschaftsästhetischen Kontext, ausgehend von der ästhetischen Theorie der Atmosphäre Gernot Böhmes.  


Mit einer Methoden- und Datentriangulation (Musikwissenschaftliche Werkanalyse, qualitativempirische Methode der teilnehmenden Beobachtung, Signifikanten-Interaktions-Analyse) wird das empirische Material ausgewertet, Präsenzen, Situationen und Positionen ermittelt und Rückschlüsse auf die besonderen Konzertatmosphären neuer Konzertformate gezogen.  


Cornelia Wild ist Mitglied der GGS Graduiertenschule für Geistes- und Sozialwissenscahften der Universität Augsburg und Stipendiatin der Bayerischen Gleichstellungsförderung.

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