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Forschungsprojekte


  • Philipp Baur: Populärkultur und nuklearen Bedrohung der 1980er Jahre
    Im Rahmen einer Kulturgeschichte untersucht das Dissertationsprojekt populärkulturelle Verarbeitungen des Kalten Krieges der 1980er Jahre. Manifestationen dieser nuklearen Populärkultur (z.B. Nena - 99 Luftballons; Ernstfallromane wie Gudrun Pausewangs "Die letzten Kinder von Schewenborn; Filme mit atomaren Apokalypsen wie in "The Day After") können als Spiegel und Sprachrohr der Nachrüstungsdebatte gelesen werden. Bezeichnenderweise waren sie nicht nur  Randerscheinungen, sondern wurden zum Teil der öffentlichen Debatte und beinflussten die Diskussion über die Blockkonfrontation der 1980er Jahre. Weitere Infos hier.

  • Benedikt Brilmayer: Oskar Sala: Interpret, Instrumentenbauer, Komponist
    Obwohl Oskar Sala in der Szene der elektronischen Musik, die man hier nicht nur mit Namen wie Werner Meyer-Eppler und Karlheinz Stockhausen assoziieren sollte, bereits den Ruf eines Pioniers auf diesem Gebiet hat, ist sein Leben und Werk bisher nur in kürzeren Aufsätzen und Monographien untersucht worden. Das mag an der durchaus tiefgehenden Verbindung von Musiker und Physiker, von Künstler und Naturwissenschaftler, liegen, die diesem Dissertationsprojekt einen interdisziplinären Ansatz zugrunde legt. Oskar Sala war nicht nur Interpret und Komponist für das Trautonium, das er ab 1930 in Zusammenarbeit mit dessen Erfinder und Namensgeber Friedrich Trautwein entwickelt hat. Noch während der Kriegsjahre konzertierte er mit Kompositionen Harald Genzmers auf einer transportablen Variante des Trautoniums in Deutschland und den von den Nationalsozialisten besetzten Gebieten. Nach dem Krieg entwickelte er das Instrument in Eigenregie weiter zu einer ausgefeilten Studiovariante und komponierte neben Solomusik für Trautonium vor allem Filmmusik, die er stets auf Tonband aufzeichnete, um sie dann weiter zu bearbeiten. Von besonderem Interesse des Dissertationsprojektes ist die genaue Funktionsweise der Klangsynthese des Instruments, vereint es doch in zu damaliger Zeit unerreichter Einfachheit die Möglichkeiten des virtuosen Musizierens, mehrstimmigen Spielens sowie vollkommen kontrollierbaren Klangfarbenwechsels. Die elektro-physikalische Technik der Klangsynthese könnte sich bis auf die Imitation unterschiedlichster Instrumente in heute sehr gewöhnlich erscheinenden Synthesizern auswirken. Damit wäre das Trautonium der Urvater elektronisch erzeugter Musik, wie sie heute nicht nur in Filmen häufig anzutreffen ist, sondern auch in der sogenannten Ernsten Musik wie auch in der Populärmusik.

  • Monika Demmler: Blues, Jazz und Hip-Hop in afroamerikanischer Prosa-Fiktion
    Die afroamerikanische Kultur verfügt über ein reiches Repertoire an mündlichen Überlieferungen, unter denen der „Black Music“ ein herausragender Stellenwert zukommt. Wann immer es afroamerikanischen Schriftstellern darum ging, spezifisch „schwarz“ zu schreiben, bezogen sie sich auf die oralen Traditionen ihrer ethnischen Gruppe. Das Schreiben bedeutete für sie, aus der mündlichen Überlieferung heraus eine eigene literarische „Stimme“ zu finden. In der geplanten Dissertation werden formale Mittel des Blues, Jazz und Hip-Hop in afroamerikanischen Romanen bzw. Kurzgeschichten der 1920er Jahre bis hin zur Gegenwart analysiert und interpretiert. Daraufhin erfolgt ein sozialkritischer Vergleich der Funktionen von Blues, Jazz und Hip-Hop in der entsprechenden Prosafiktion. Schließlich wird der durchgeführte gesellschaftskritische Querschnitt nach dem kulturökologischen literaturtheoretischen Modell ausgewertet.

  • Dr. Daniel Mark Eberhard: Musikalische Identität und schulischer Musikunterricht
    Für Jugendliche ist die Frage nach der eigenen "Identität" höchst relevant. Musik (v.a. aus dem Bereich der Populären Musik) stellt dabei ein bedeutsames, wenn nicht das zentrale Medium zur Identitätsentwicklung und -konstruktion dar. Erschwert wird die eigene Identitätsarbeit durch heterogene, sich permanent wandelnde Einflüsse der Postmoderne. Diese werden mit Begriffen wie Globalisierung, Entgrenzung, Diversität usw. umschrieben und wirken in besonderem Maße auch auf die Musikentwicklung. So entwickeln Jugendliche z.T. multiple Identitäten, wandeln ihre Identität mehrfach, suchen Halt in Form von Gruppenidentitäten, gerade in Verbindung mit Musik, oder sind der Gefahr des Identitätsverlustes ausgesetzt. Ziel der Arbeit aus dem Bereich der systematischen Musikpädagogik ist es, zunächst den Begriff "musikalische Identität" zu klären und diesen in einem zweiten Schritt in Verbindung mit Potenzialen der Identitätsarbeit im Rahmen schulisch-institutionalisierten Musikunterrichts zu bringen. Im Zentrum steht diesbezüglich die Frage, inwiefern schulische Musikpädagogik  identitätsstiftend bzw. -fördernd sein kann.

  • Stefan Hartmann: Dissertation: Martin Kippenberger und die Kunst der Persiflage oder Theatrum Europaeum und Identität
    Ziel meiner Dissertation war zu zeigen, dass sich der deutsche Künstler Martin Kippenberger (1953-1997) auf ironische Weise mit Fragen der Identität beschäftigt hat. Hierzu galt es diejenigen populär-und alltagskulturellen Kontexte zu rekonstruieren, auf die der Künstler in seinen Werken Bezug nahm. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung griff Kippenberger auch populärkulturelle Ästhetiken der Zeit auf. Unter anderem aufgrund dieser strategischen Auflösung der Grenzen von High&Low, von Hoch- und Trivialkultur kann Kippenberger als paradigmatischer Künstler der Postmoderne gelten. Weitere Infos hier. Aktuelle Projekte: Popkulturelle Darstellungen von Geschichte und Kulturen, Banknoten-Fakes

  • Ina Jeske: "Zu weiß für die Schwarzen und zu schwarz für die Weißen." Rap als Ausdrucksform afrodeutscher Identitätskonstruktionen
    Afrodeutsche Künstler haben nicht nur die Anfänge der deutschen HipHop-Szene entscheidend geprägt, bis heute spielen sie vor allem im deutschen (Mainstream-)Rap eine große Rolle. Innerhalb der (HipHop-)Forschung wurde ihnen jedoch bisher vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit entgegen gebracht. Afrodeutsche RapperInnen sind in der deutschen Weißen Mehrheitsgesellschaft größtenteils ohne Schwarze Identifikationsfigur(en) aufgewachsen. Dies impliziert die Frage, ob Rap eine Form der Kompensation für die fehlenden (Schwarzen) Identifikationsmomente in der Weißen deutschen Mehrheitsgesellschaft ist. Gleichzeitig liegt die Vermutung nahe, dass sich durch die Auseinandersetzung mit dem besonderen Status als ‚sichtbare‘ deutsche Minderheit über das Medium Rap eine kulturelle Suche artikuliert, wobei die individuelle zu einer soziokulturellen Suchbewegung wird. Innerhalb dieser Bewegung werden Selbst- und Fremdwahrnehmungsmuster reflektiert, Themen wie Rassismus diskutiert und Identitätskonzepte entwickelt. Als Schwarze Kulturpraxis interpretiert, geht für die Künstler von Rap als Kommunikationsform eine große Attraktivität aus. Schwarze RapperInnen verfügen deshalb auch über ein besonderes Maß an Authentizität innerhalb der Szene. Da in der HipHop-Community Erfolg in erster Linie über Authentizität, den eigenen Stil (Style) und über Können (Skills) definiert wird, genießen Schwarze KünstlerInnen dadurch besonderes Ansehen. Gleichzeitig bieten die Raps den Künstlern eine Möglichkeit, ihre Lebenssituation zu reflektieren und sich dabei einem breiten, relativ jungen Publikum kreativ mitzuteilen. Die Annahme, dass afrodeutscher Rap als eine (Verarbeitungs-) Strategie im Umgang mit dem (eigenen) Status als sichtbare deutsche Minderheit fungiert, steht folglich im Mittelpunkt der Studie. Im Rahmen des Promotionsprojektes werden deutschsprachige Rap-Lyrics von afrodeutschen Künstlern (wie z. B. von Afrob, D-Flame, Samy Deluxe etc.) qualitativ analysiert. Ziel der Arbeit ist es, Rap als wirkungsmächtige Kommunikationsform der afrodeutschen (Rap-) Community und somit exemplarisch die Bedeutung künstlerischer Ausdrucksformen in einer heterogenen Gesellschaft herauszuarbeiten.
  • Dr. Anna Magdalena Ruile: Kulturunternehmen HipHop. Von der Szene zum Beruf.
    Die in der Europäischen Ethnologie entstandene Studie beschäftigt sich mit Akteuren der HipHop-Szene, die als Kulturunternehmer tätig sind. Die hierfür notwendigen Kompetenzen haben sie in weiten Teilen in der Szene erworben. Dort haben sie Einstellungen entwickelt, die sich an Handlungsautonomie, Leistungsbereitschaft, der Offenheit für lebenslange Lernprozesse und der Ausübung kreativer Praktiken orientieren. Die vorgefundenen Wertorientierungen und Einstellungen der Akteure resultieren jedoch nicht nur aus spezifischen Charakteristika der HipHop-Szene, sondern sind auch das Ergebnis verschiedener Modernisierungsprozesse. Politökonomische Wandlungen wie der Übergang von einem fordistischen in ein postfordistisches Arbeitsparadigma gehen Hand in Hand mit soziokulturellen Veränderungen wie dem sogenannten Wertewandel und der Etablierung neuartiger, posttraditionaler Gemeinschaften. Sie führen auf der einen Seite zu veränderten Ansprüchen der Individuen sowohl an sich selbst, als auch an ihre berufliche Tätigkeit, was subjektive Erfüllung und Entfaltung betrifft. Auf der anderen Seite bringen sie neue Anforderungen an die Subjekte mit sich, was ihre individuellen Kompetenzen in Bezug auf Flexibilität, Innovationsfähigkeit, Handlungsautonomie und Kreativität angeht. Die Dissertation schließt an eine frühere Studie mit dem Titel Lernen in Jugendszenen an und ist 2012 beim Tectum-Verlag erschienen.