Ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Worte. Scrollen Sie einfach nach unten und entdecken Sie interessante Geschichten und spannende Einblicke in das Leben rund um die Universität in der Ausstellung „50 Jahre  – 50 Bilder“. Viel Vergnügen.

1970 – Eröffnung der Universität Augsburg

Staatsakt zur feierlichen Eröffnung der Universität Augsburg im Stadttheater Augsburg, 16. Oktober 1970, in der ersten Reihe sitzend v.l.n.r. Gründungspräsident Prof. Dr. Louis Perridon, Dr. Ludwig Huber (CSU), Bischof Josef Stimpfle, Hugo Fink MdL (CSU) Foto: Fred Schöllhorn

 

Die im Foto dokumentierte feierliche Eröffnung der Universität fand wenige Tage nach dem Beginn des Vorlesungsbetriebs im Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fachbereich am 12. Oktober statt. Dieser Festakt steht am Ende einer langen und hürdenreichen Vor- und Gründungsgeschichte. Ihren Anfang hatte diese 1962 genommen, als der bayerische Landtag die Errichtung einer Medizinischen Akademie in Augsburg beschloss. Dieser Beschluss wurde jedoch nicht umgesetzt, stattdessen erhielt die Technische Hochschule (heute Technische Universität) München eine Medizinische Fakultät. Als „Trostpflaster“ für die enttäuschten Augsburger und bayerischen Schwaben sollte dann eine Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Hochschule modernster anglo-amerikanischer Prägung („Harvard am Lech“) dienen, die der bayerische Landtag 1966 beschloss.

Als die Vorbereitungen für diese Hochschule, deren reformorientierte Konzeption von dem damaligen Münchener Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre und späteren Gründungspräsidenten der Universität Augsburg, Prof. Dr. Louis Perridon (1918-2015), stammte, weitgehend abgeschlossen und die ersten Lehrstühle im Sommer 1969 schon ausgeschrieben waren, entschied sich der bayerische Kultusminister Dr. Ludwig Huber (1928-2003) im Herbst 1969 dafür, in Augsburg doch eine Universität zu gründen. Das Gründungsgesetz datiert vom 18. Dezember 1969, in Kraft trat es bereits am 1. Januar 1970.

Erster Fachbereich war der Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fachbereich, 1971 folgten der Katholisch-theologische sowie der Juristische Fachbereich, 1972 die Philosophischen Fachbereiche.

1971 – Ehemalige Universität und Philosophisch-theologische Hochschule Dillingen

Innenhof des Gebäudes der Universität Dillingen Kupferstich von Wolfgang Kilian, 1627

 

Als sich in den späten 1960er Jahren die Stimmen mehrten, in Augsburg eine Universität zu gründen, mischten sich auch die Studenten der Philosophisch-theologischen Hochschule in Dillingen in die Diskussion ein und forderten, an einer zu gründenden Universität in Augsburg auch einen Katholisch-theologischen Fachbereich einzurichten und die Dillinger Hochschule dafür zu schließen. Da in Dillingen vornehmlich der Priesternachwuchs ausgebildet wurde und der damalige Augsburger Bischof Josef Stimpfle daran interessiert war, diese Ausbildung am Bistumssitz in Augsburg sicherzustellen, kam es 1971 zur Errichtung eines Katholisch-theologischen Fachbereichs bei gleichzeitiger Schließung der Dillinger Hochschule. Ein großer Teil der Professoren und Studenten wechselte von Dillingen nach Augsburg.

Die Philosophisch-theologische Hochschule Dillingen war 1923 durch Umbenennung aus dem 1804 errichteten Lyzeum, einer Bildungseinrichtung zwischen Gymnasium und Universität, hervorgegangen. Das Lyzeum wiederum hatte in gewisser Weise die Nachfolge der in der Mitte des 16. Jahrhunderts vom Augsburger Bischof Kardinal Otto Truchsess von Waldburg gegründeten, 1563 den Jesuiten übergebenen und 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelösten Universität Dillingen angetreten.

Mit Blick auf diese Traditionslinie lässt sich mit Fug und Recht behaupten, dass die Universität Augsburg in gewisser Weise in der Nachfolge der Universität Dillingen als der ersten Universität in unserer Region steht, auch wenn sie natürlich als Reformgründung der 1960er bzw. 1970er Jahre ganz anderen Idealen verpflichtet ist als ihre Dillinger Vorgängerin, die ihre Gründung der Gegenreformation verdankte.

1972 – Pädagogische Hochschule Augsburg

Blick auf das Hauptgebäude (rechts) der Pädagogischen Hochschule Augsburg © Universität Augsburg

 

Eine der offenen Fragen, deren Lösungen schließlich in die Gründung der Universität Augsburg im Jahr 1970 mündeten, war die Zukunft der Pädagogischen Hochschule (PH) Augsburg, die institutionell an die Universität München angebunden war.
Wie die anderen Pädagogischen Hochschulen in Bayern konnte auch die Augsburger Einrichtung auf eine lange Traditionslinie zurückblicken. Mit dem Beginn der institutionalisierten Ausbildung der Volksschullehrer in Bayern wurde 1824 in Dillingen an der Donau ein Königliches Schullehrerseminar für die Ausbildung der männlichen katholischen Volksschullehrer in Bayerisch-Schwaben errichtet. Für die protestantischen Lehrer erfolgte die Ausbildung zentral im Schullehrerseminar im mittelfränkischen Altdorf, die angehenden Volksschullehrerinnen erlernten ihr Handwerk ausschließlich in verschiedenen klösterlichen Einrichtungen.
1841 wurde das Schullehrerseminar von Dillingen wenige Kilometer donauabwärts nach Lauingen verlegt. In Verbindung mit einer Reform der Ausbildung erfolgte 1924 die Umbenennung in „Lehrerbildungsanstalt Lauingen“. Der bereits von der Weimarer Verfassung und nach 1945 auch von der amerikanischen Besatzungsmacht geforderten Verlagerung der Volksschullehrerausbildung an die Hochschulen kam der Freistaat Bayern für Bayerisch-Schwaben insofern nach, als die Lehrerbildungsanstalt Lauingen 1954 in ein „Institut für Lehrerbildung“ überführt wurde, das 1956 seinen Sitz nach Augsburg verlagerte. 1958 wurde daraus die PH Augsburg, an der nun auch die angehenden Volksschullehrerinnen studieren konnten, bis 1967 aber nur katholische Bewerberinnen und Bewerber zugelassen waren. Nicht zuletzt das mangelnde Promotionsrecht der Pädagogischen Hochschulen führte zu Überlegungen, diese Einrichtungen ganz den Universitäten einzugliedern. Zum 1. August 1972 wurde die PH Augsburg aufgelöst und als Erziehungswissenschaftlicher Fachbereich der jungen Universität Augsburg angegliedert. Das zwischen 1958 und 1963 errichtete Gebäude der PH im Norden Augsburgs an der Schillstraße war mit seiner Campuskonzeption sowie seiner architektonischen Qualität wegweisend und modellhaft, weshalb es unter Denkmalschutz steht. 
Bis zur Fertigstellung des Neubaus für Kunst und Musik auf dem Campus waren im Gebäude der ehemaligen PH Augsburg die Lehrstühle für Musikpädagogik und Kunstpädagogik untergebracht. Danach gab die Universität diesen Standort auf, der Freistaat Bayern nutzt das Gebäude nun für das Bayernkolleg.

1973 – Prof. Dr. Franz Knöpfle wird zum Präsidenten der Universität Augsburg gewählt

Wahl des Präsidenten der Universität Augsburg am 27. Juni 1973 Foto: Prof. Dr. Gerald Hammer

 

Der 1973 gewählte Präsident Prof. Dr. Franz Knöpfle (1926-2013) unterschied sich in vielerlei Hinsicht von seinem Vorgänger Louis Perridon. Zwar konnte auch er eine doppelte Qualifikation als Jurist und Ökonom vorweisen, doch zog es Knöpfle nach dem Studium und der Promotion zum Dr. iur. 1953 in die bayerische Staatsverwaltung, wo er rasch Karriere machte als Persönlicher Referent der Ministerpräsidenten Seidel, Ehard und Goppel. Nach der 1965 erfolgten Habilitation nahm Knöpfle einen Ruf an die Verwaltungshochschule Speyer an, der er von 1969 bis 1971 als Rektor vorstand. 1972 folgte dann der Wechsel auf den Lehrstuhl für Öffentliches Recht, insbesondere Verwaltungsrecht und Verwaltungslehre an der Universität Augsburg, den er bis zu seiner Emeritierung 1996 innehatte – und schon 1973 die erfolgreiche Kandidatur für das Präsidentenamt. Knöpfle, der aus seiner betont konservativen Grundhaltung nie ein Hehl machte, sorgte für eine Beruhigung der nach den turbulenten Anfangsjahren stark aufgeheizten Atmosphäre an der Universität. In seiner Amtszeit kam die Universität Augsburg in der Normalität an. Zugute kamen ihm dabei sicherlich seine exzellenten Kontakte nach München, die Manches möglich machten. Kritiker warfen ihm auf der anderen Seite Unterwürfigkeit gegenüber den Anweisungen aus dem Kultusministerium vor, während er sich universitätsintern nicht selten als „Duodezfürst“ geriere. Trotz allem ist die Bilanz der Amtszeit Knöpfles positiv, da in diesen sechs Jahren nicht nur die ersten Bauten auf dem neuen Universitätscampus entstanden, sondern darüber hinaus wichtige Grundlagen für die weitere Entwicklung der Universität gelegt wurden. Das wären eigentlich die besten Voraussetzungen für eine Wiederwahl 1979 gewesen. Doch Knöpfle verbaute sich seine Chancen durch ungeschicktes Taktieren im Vorfeld der Wahl so gründlich, dass er seinem bis dato innerhalb der Universität weithin unbekannten Herausforderer und Kollegen aus der Juristischen Fakultät Karl Matthias Meessen unterlag.

1974 – Ehrensenatoren der Universität Augsburg

Wolfgang Pepper, Hugo Fink und Erwin Salzmann wird der Ehrensenatorentitel verliehen © Universität Augsburg

 

Wie andere Universitäten vergab und vergibt auch die Universität Augsburg Ehrungen verschiedenen Grades an Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben. Darunter stellt die Würde einer Ehrensenatorin bzw. eines Ehrensenators die höchste Ehrung dar. Vergeben wird sie für besondere Verdienste um die Universität. Bis heute wurden 27 Frauen und Männer in dieser Form geehrt.
Es ist gut nachvollziehbar, dass die Universität bei der erstmaligen Verleihung im Jahr 1974 drei Männer ehrte, die sich um die Gründung und die Anfänge der Universität Augsburg besonders verdient gemacht hatten.

Dr. Wolfgang Pepper (1910-1997), SPD, war von 1964 bis 1972 Oberbürgermeister der Stadt Augsburg. In seine Amtszeit fällt also die Gründung der Universität Augsburg. Diese förderte Pepper nicht zuletzt dadurch, dass die Stadt Augsburg dem Freistaat Bayern einen beträchtlichen Teil der Fläche, auf der der Campus entstehen sollte, unentgeltlich überließ. Wie aus der ihm verliehenen Urkunde ferner hervorgeht, erwarb sich Pepper auch besondere Verdienste beim Bau des ersten Studentenwohnheims. Wie die beiden anderen Geehrten war Pepper darüber hinaus Mitglied des Schwäbischen Hochschulkuratoriums, einer Vereinigung von Augsburger und schwäbischen Honoratioren, die sich seit 1966 intensiv um die Gründung einer Universität in Augsburg bemühten.

Hugo Fink (1910-1986) zählt zweifellos zu den wenigen Personen, die man als „Väter“ der Universität Augsburg bezeichnen kann. Dem CSU-Politiker, von 1952 bis 1966 als berufsmäßiger Stadtrat Kultur- und Wirtschaftsreferent der Stadt Augsburg, kam dabei zugute, dass er auch wichtige Positionen in der bayerischen Landespolitik inehatte. Von 1954 bis 1974 war er Mitglied des bayerischen Landtags, leitete dort zwischen 1961 und 1966 den Haushaltsausschuss und übernahm anschließend bis 1970 das Amt eines Staatssekretärs Im Bayerischen Staatsministerium des Innern.
Fink gehörte zu den ersten und engagiertesten Vorkämpfern für das Augsburger Universitätsprojekt und gab auch dann nicht auf, als die Widerstände in München unüberwindlich schienen oder die Hoffnung in Augsburg bisweilen der Mutlosigkeit wich. Fink gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Schwäbischen Hochschulkuratoriums und wurde bei der konstituierenden Sitzung des Kuratoriums der Universität Augsburg im Januar 1974 zu dessen erstem Vorsitzenden gewählt.

Dr. Erwin Salzmann (1904-1990), ein führender Vertreter der Augsburger Textilindustrie und von 1968 bis 1973 Mitglied des Bayerischen Senats, gehörte wie Fink zu den Gründungsmitgliedern des Schwäbischen Hochschulkuratoriums. Als tatkräftiger Förderer der Universität bemühte er sich um die Integration der Universität Augsburg in der Augsburger Bürgerschaft und im schwäbischen Raum. Als Nachfolger von Dr. Georg Haindl war Salzmann bis 1980 Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg und erwarb sich auch in dieser Funktion große Verdienste um die Universität.

1975 – Der Senat der Universität

Sitzung des Senats der Universität am 2. Juli 1975 © Universität Augsburg

 

 

Der Senat war nach dem Bayerischen Hochschulgesetz von 1973 das wichtigste Kollegialorgan der akademischen Selbstverwaltung jeder bayerischen Universität. Es setzte sich zusammen aus dem Präsidenten, den Vizepräsidenten und dem Kanzler sowie sechs Professoren, zwei Vertretern der wissenschaftlichen Mitarbeiter, einem Vertreter des nichtwissenschaftlichen Personals und zwei Vertretern der Studierenden. Die Gruppenvertreter gingen aus Wahlen hervor. Ihre Amtszeit betrug ein Studienjahr (1.10.-30.9. des folgenden Jahres).

Zu den Kompetenzen und Aufgaben des Senats gehörte v.a. die Erstellung der Vorschlagsliste für die Wahl des Präsidenten und der Beschluss über Vorschläge zur Ernennung des Kanzlers, die Entscheidung über alle von der Universität zu erlassenden Rechtsvorschriften, die Bestellung der Mitglieder der Ständigen Kommissionen und des Kuratoriums, die Entscheidung über den Entwicklungsplan, die Gliederung der Universität, die Voranschläge zum Staatshaushalt, die inneruniversitäre Mittelverteilung, die Einrichtung, Änderung und Aufhebung von Studiengängen sowie über die Vorschläge der Fachbereiche für die Berufung von Professorinnen und Professoren.

Sitzungen des Senats der Universität Augsburg sind kaum fotografisch dokumentiert. Eine der ganz wenigen Ausnahmen ist die Sitzung vom 2. Juli 1975, die im Sitzungsraum im Gebäude A 1 in der Memminger Straße, in der die Universitätsleitung und die Verwaltung der Universität zunächst ihren Sitz hatte, stattfand. Es handelte sich dabei um die 4. Sitzung des 4. Senats der Universität Augsburg. Die Aufnahme zeigt leider nur einen Teil der damaligen Mitglieder des Senats. Von links nach rechts zu sehen sind Dr. Rudolf Frankenberger (Leiter der Universitätsbibliothek, Gruppe des hauptberuflichen nichtwissenschaftlichen Personals), Edmund Roßmann (Protokollant), Dr. Andreas Reich (Stellvertreter des Kanzlers, Gast der Sitzung), Präsident Prof. Dr. Franz Knöpfle, Kanzler Dr. Dieter Köhler, Vizepräsident Prof. Dr. Anton Rauscher (verdeckt), Vizepräsident Prof. Dr. Heinz Lampert, Prof. Dr. Louis Perridon (Gruppe der Professoren) und Dr. Joachim Vollmuth (Gruppe des hauptberuflichen wissenschaftlichen und künstlerischen Personals). Nicht zu sehen sind die weiteren Vertreter der Professoren (Herbert Buchner, Karl Forster, Karlheinz Kuntze, Konrad Schröder und Erich Weber), der weitere Vertreter der Gruppe des wissenschaftlichen Personals, Dr. Rainer Feuerstack, sowie die beiden studentischen Mitglieder des Senats, stud. paed. Sabine Lasser und stud. oec. Hartmut Gneiting.

1976 – Der neue Campus

Blick auf die Baumaßnahmen und die ersten Gebäude auf dem Campus: Universitätsbauamt (vorn) und Gebäude für die Philosophischen Fachbereiche und den Katholisch-Theologischen Fachbereich (hinten) (ca. 1976) (Foto: Fred Schöllhorn)

 

Bereits für die zunächst geplante Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Hochschule musste in Augsburg ein geeigneter Standort gefunden werden. Dabei legten sich die Planer in Augsburg schon 1966, als der Bayerische Landtag die Errichtung einer Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Hochschule in Augsburg beschloss, auf das Gelände des sog. Alten Flugplatzes fest, wo bis 1945 die Messerschmitt-Flugzeugwerke ihren Sitz hatten und das nach dem Bau des neuen Augsburger Flugplatzes in Mühlhausen für eine weitere städtebauliche Nutzung zur Verfügung stand. Als dann 1970 doch die Errichtung einer Universität auf dem Plan stand, gab es erneut intensive Debatten, wo sie angesiedelt werden sollte. So waren etwa auch verschiedene innenstadtnähere Standorte im Gespräch. Letztlich blieb es freilich beim Alten Flugplatz, denn die im Wachsen begriffene Stadt Augsburg suchte dringend nach einem geeigneten Standort für ein neues größeres Wohngebiet. Die große freie Fläche zwischen Siebentischwald, Haunstetten und Göggingen schien dazu ideal geeignet, auch hielt man die räumliche Verbindung eines neuen Wohngebiets mit einer neu zu errichtenden Universität für sehr aussichtsreich. Kritische Stimmen, die den Standort draußen im Süden vor der Stadt negativ beurteilten, weil er die Integration der Universität in die Stadt erschwere, fanden bei den Entscheidungsträgern letztlich kein Gehör.
Da die Universität Augsburg mit zunächst einem Fachbereich, aus dem bald aber schon sechs werden sollten, bereits rund 10 Monate nach ihrer Gründung den Lehrbetrieb aufnahm, standen zunächst noch keine neuen Gebäude zur Verfügung. Neben verschiedenen Provisorien in der Stadt konzentrierte sich alles zunächst am Standort Alte Universität an der Memminger Straße und Eichleitnerstraße (die zunächst noch Hessingstraße hieß), wo der Freistaat Bayern mehrere, vormals industriell genutzte Gebäude und Hallen mietete bzw. kaufte.
1974 erfolgte dann schließlich die Grundsteinlegung für den ersten Neubau auf dem Campus, der die Philosophischen Fachbereiche und den Katholisch-Theologischen Fachbereich sowie die Teilbibliothek Geisteswissenschaften und ein Hörsaalzentrum beherbergen sollte. 1977 war es fertiggestellt und konnte bezogen werden. Bereits zuvor hatte sich das staatliche Universitätsbauamt, das für alle Baumaßnahmen für die Universität verantwortlich war, ein eigenes Gebäude für sich in der nordöstlichen Ecke des Campus errichtet.

1977 – Einweihung des Neubaus für die Philosophischen Fachbereiche und den Katholisch-Theologischen Fachbereich

Einweihung des Neubaus für die Philosophischen Fachbereiche und den Katholisch-Theologischen Fachbereich im Oktober 1977 in Anwesenheit des bayerischen Kultusministers Prof. Dr. Hans Maier (ganz links) © Universität Augsburg

 

Während für den Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fachbereich bei der Aufnahme des Lehrbetriebs im Oktober 1970 immerhin die bereits im Hinblick auf die eigentlich geplante Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Hochschule angemieteten und adaptierten Gebäude in der Memminger Straße und für den Juristischen Fachbereich zu dessen Start 1971 die angekauften und umgebauten Gebäude in der Eichleitnerstraße zur Verfügung standen, entwickelte sich insbesondere die Unterbringung der Philosophischen Fachbereiche zu einem Wettrennen gegen die Zeit. Das bayerische Kultusministerium hatte den Studierwilligen den Beginn des Lehrbetriebs in diesen beiden Fachbereichen für das Wintersemester 1972/73 zugesagt, ohne dass freilich schon absehbar war, in welchen Räumlichkeiten der Lehrbetrieb denn stattfinden sollte. Zu diesem Zeitpunkt lag nicht nur die Fertigstellung der ersten Gebäude auf dem Campus in weiter Ferne, es wurde darüber hinaus in Augsburg noch intensiv darüber diskutiert, ob der geplante Standort des Campus überhaupt der richtige sei. Mit viel Improvisationskunst gelang es tatsächlich, den Lehrbetrieb in den beiden Philosophischen Fachbereichen in Räumen der Kongresshalle sowie einem eilig errichteten Bürogebäude an der Rumplerstraße (heute Büro Center Messe, BCM) provisorisch, aber pünktlich aufzunehmen. Der schon 1970 errichtete Katholisch-Theologische Fachbereich, der aus der Philosophisch-Theologischen Hochschule Dillingen hervorgegangen war, arbeitete bis 1971 noch in Dillingen weiter, bevor er dann angemietete Räumlichkeiten im Kloster Heilig Kreuz in der Innenstadt, das Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern in Göggingen sowie zusätzlich Räume im Gebäude der Juristischen Fakultät in der Eichleitnerstraße beziehen konnte.
So war, wie auf dem Foto zu sehen ist, die Freude und die Erleichterung groß, als die drei Fachbereiche 1977 das neue, einen Innenhof umschließende Gebäude auf dem Campus beziehen konnten, wo ihnen neben über 200 Büroräumen auch sieben Hörsäle, 50 Seminarräume, eine Cafeteria – die Mensa auf dem Campus öffnete erst 1983 ihre Pforten – sowie die Teilbibliothek Geisteswissenschaften zur Verfügung standen.

1978 – Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung mit der Universität Osijek

Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung mit der Universität Osijek am 12. April 1978 (links: Prof. Dr. Petar Anić (Rektor der Universität Osijek), rechts Präsident Prof. Dr. Franz Knöpfle) © Universität Augsburg

 

Die Informationsreise einer Delegation der kurz zuvor eigenständig gewordenen jugoslawischen Universität Osijek führte im Oktober 1976 unter anderem auch nach Augsburg. Aufgrund der Parallelen zwischen beiden Hochschulen (Neugründungen mit Reformkonzept, ähnliche Schwerpunkte in den Wirtschafts-, Rechts- und Erziehungswissenschaften) zeigten die Vertreter der Universität Osijek sehr schnell Interesse an einer institutionalisierten Partnerschaft. Nach einem Gegenbesuch einer Augsburger Delegation unter Leitung von Präsident Knöpfle im April 1977 kam es schnell zur Ausarbeitung eines Partnerschaftsvertrags, der am 12. April 1978 in Augsburg unterzeichnet wurde. Die beiden Universitäten vereinbarten darin u.a. den Austausch von Erfahrungen bei der Organisation und Durchführung des Lehrbetriebs sowie den Austausch von Lehrenden und Studierenden.

Seit 1980 erfolgte eine jährlich wiederkehrende Einladung an fünf Studierende aus Osijek zur Teilnahme am Internationalen Sommerkurs der Universität Augsburg, seit 1983 gab es regelmäßige wechselseitige Partnerschaftsbesuche. 1985 fand das erste gemeinsame Symposium zur Regionalentwicklung statt, dem später weitere folgten. Ab 1986 kam es zu regelmäßigen Forschungs- und Studienaufenthalten von Mitgliedern des Lehrkörpers und Studierenden verschiedener Fakultäten der Universität Osijek an der Universität Augsburg.

Da Osijek im Jugoslawien-Krieg seit 1991 schwer zu leiden hatte, organisierten Mitglieder der Universität Augsburg eine große humanitäre Hilfsaktion für ihre Partner-Universität. Obwohl die Universität größtenteils so schwer in Mitleidenschaft gezogen war, dass an einen regulären Studienbetrieb nicht zu denken war, verständigten sich beide Universitäten im Sommer 1992 in einer gemeinsamen Erklärung darauf, die Kooperation so bald wie möglich weiter fortzusetzen.

Für seine Verdienste als langjähriger Augsburger Koordinator der Partnerschaft mit der Universität Osijek erhielt der Ordinarius für Alte Geschichte, Prof. Dr. Gunther Gottlieb, 1993 die Ehrendoktorwürde der nunmehrigen kroatischen Universität.

1997 erfolgte eine Anpassung des Partnerschaftsvertrags an die veränderten staatlichen Gegebenheiten sowie eine Erweiterung und Präzisierung der Partnerschaftsziele.

Die 1978 geschlossene Vereinbarung begründete die erste Partnerschaft der Universität Augsburg mit einer ausländischen Universität. Aus diesen Anfängen hat sich in den seither vergangenen über 40 Jahren ein weltumspannendes Netz von Partnerschaften und Kooperationen entwickelt, das ein wesentliches Element der von der Universität verfolgten Internationalisierungsstrategie darstellt.

1979 – Prof. Dr. Karl Matthias Meessen wird Präsident der Universität

Amtsantritt des neuen Präsidenten der Universität, Prof. Dr. Karl M. Meessen (Foto: Fotostelle der Universitätsbibliothek Augsburg) © Universität Augsburg

 

Karl Matthias Meessen (1939-2015) absolvierte seine akademische Ausbildung und frühe Laufbahn vor allem an der Universität Bonn, wo er 1972 auch seinen ersten Ruf auf eine C2-Professur erhielt. Nach einer kurzen Zwischenstation in Köln nahm Meessen 1976 einen Ruf auf den Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Völkerrecht, Europarecht und internationales Wirtschaftsrecht an der Universität Augsburg an. Auch wenn er als einziger im Vorfeld der Präsidentenwahl 1979 frühzeitig seine Kandidatur angemeldet hatte, so war für ihn doch von Anfang an klar, dass er nur eine Amtsperiode amtieren wollte. Seine wissenschaftlichen Aufgaben waren ihm wichtig, weshalb er sich als erster bayerischer Hochschulpräsident bei seiner Wahl ausbedungen hatte, auch als Präsident seinen Lehrstuhlaufgaben weiter nachkommen zu können. Da Meessen stets dafür plädiert hatte, selbstbewusst die Interessen der Universität Augsburg gegenüber dem Kultusministerium in München zu vertreten, sahen manche in seiner Wahl nicht zuletzt den Wunsch nach einer Abkehr von der Politik Knöpfles. Auch mit seiner Ankündigung, Probleme im hochschulinternen Diskurs und möglichst auch Konsens zu lösen, setzte er sich klar von seinem Vorgänger ab. Trotz der ausgesprochen schwierigen Lage der öffentlichen Haushalte, die seine Amtszeit belastend prägte, gelang es ihm, geplante Bauprojekte (Mensa, Zentralbibliothek, Rektoratsgebäude) fortzuführen. Zu seinen größten Verdiensten zählt sicherlich der Aufbau des Faches Mathematik an der Universität Augsburg. Nicht durchsetzen konnte er hingegen sein wichtigstes Ziel, die Errichtung einer Medizinischen Fakultät. Das Bild zeigt links von ihm an der Wand einen Plan des Klinikums Augsburg und bringt dadurch zum Ausdruck, wie konkret und engagiert Meessen für eine Augsburger Universitätsmedizin kämpfte. Nachdem erbitterte, auch öffentlich ausgetragene Konflikte innerhalb der Katholisch-Theologischen Fakultät, von denen auch Meessen als Präsident direkt betroffen war, das Bild der Universität in der Öffentlichkeit belastet hatten, fiel es ihm umso leichter, 1983 im Einklang mit der soeben verabschiedeten Grundordnung der Universität nach bereits vier von sechs Amtsjahren seinen Rücktritt zu erklären, um sich wieder ganz seinem Lehrstuhl und anstehenden wissenschaftlichen Aufgaben zu widmen. Nach seinem Ausscheiden aus der Universität Augsburg im Jahr 1996 lehrte er noch bis 2004 an der Friedrich Schiller-Universität Jena.

1980 – Verleihung eines Wappens an die Universität Augsburg anlässlich ihres zehnten Geburtstags

Verleihung eines Wappens an die Universität Augsburg anlässlich ihres zehnten Geburtstags © Universität Augsburg
Verleihung eines Wappens an die Universität Augsburg anlässlich ihres zehnten Geburtstags © Universität Augsburg

 

„Gespalten; vorne in Gold übereinander drei halbe, rot bewehrte und gezungte, herschauende, schreitende schwarze Löwen am Spalt; hinten wiederum gespalten von Rot und Silber, mit einer Zirbelnuss auf goldenem Kapitell, das mit einem gekrönten Köpfchen belegt ist.“ So lautet die korrekte Beschreibung des Wappens der Universität Augsburg in der Fachsprache („Blasonierung“) der Heraldik.
Der Verleihung des Wappens durch das Bayerische Kultusministerium war eine intensive inneruniversitäre Diskussion über dessen Gestaltung vorangegangen. Die Geister schieden sich insbesondere daran, ob im Wappen ein Bezug zur ehemaligen Universität Dillingen hergestellt werden sollte und zwar durch den aufgelegten, also in der Mitte über dem Wappen positionierten sog. „Dillinger Hammer“. Obwohl der damalige Präsident Karl M. Meessen für diese Variante eintrat, gab es letztlich doch eine knappe Mehrheit dagegen.
So verweist das Wappen mit der Augsburger Zirbelnuß einerseits auf den örtlichen Sitz der Universität, nach dem sie ja auch benannt ist. Die unter der Zirbelnuß liegenden Farben Rot und Silber sind dem Wappenschild des Bistums und ehemaligen Hochstifts Augsburg entnommen. Die schwarzen Löwen auf goldenem Grund waren das Wappen des ehemaligen staufischen Herzogtums Schwaben, womit das Wappen die Verbindung der Universität mit ihrem schwäbischen Umland zum Ausdruck bringt.

1981 – Die Oettingen-Wallerstein-Bibliothek

Provisorische Aufstellung der Oettingen-Wallerstein-Bibliothek im Geb. A5 in der Memminger Straße © Universität Augsburg

 

Für 40 Mio DM erwarb der Freistaat Bayern 1980 die zuletzt auf der Harburg verwahrte Privatbibliothek des in Nordschwaben beheimateten Adelsgeschlechts der Fürsten von Oettingen-Wallerstein und übergab sie sogleich der Universitätsbibliothek Augsburg. Damit war nicht zuletzt die Absicht verbunden, die Bibliothek der jungen schwäbischen Universität mit einem wertvollen Altbestand auszustatten und damit dessen Nutzung durch die Forschung wesentlich zu erleichtern und zu verbessern.

Die Oettingen-Wallerstein-Bibliothek ist das Ergebnis einer mindestens seit dem 15. Jahrhundert andauernden Sammelleidenschaft von Angehörigen des auf mehrere Seitenlinien verteilten Hauses Oettingen. Eingang in die Sammlung fand im Laufe der Zeit aber etwa auch die bedeutende Bibliothek Marquard Fuggers (1595-1655). Den größten Zuwachs erfuhr sie allerdings durch die reichen und wertvollen Buchbestände der im Zuge der Säkularisation aufgehobenen Benediktinerklöster St. Mang in Füssen, Heilig Kreuz in Donauwörth und Mönchsdeggingen, des Birgittenklosters Maihingen im Ries sowie des Zisterzienserinnenklosters Kirchheim im Ries.

Von den rund 150.000 Bänden der Oettingen-Wallerstein’schen Bibliothek ist der weitaus größte Teil den Druckwerken des 16.-18. Jahrhunderts zuzuordnen. Die Glanzstücke der Sammlung wie etwa das um 710 entstandene Echternacher Evangeliar oder die überaus reich illustrierte Spanische Bilderbibel aus dem frühen 13. Jahrhundert gehören freilich zu den rund 1600 Handschriften. Daneben umfasst die Sammlung rund 1300 Inkunabeln (Wiegendrucke aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts) sowie 1800 Musikhandschriften und 600 Musikdrucke.

Bis zur Fertigstellung der Zentralbibliothek auf dem Campus musste die Oettingen-Wallerstein-Bibliothek, wie das 1981 entstandene Foto zeigt, provisorisch in der Halle A 5 in der Memminger Straße, in der seit 1970 zunächst große Teile der Universitätsbibliothek untergebracht waren, aufgestellt werden. Als das neu errichtete Gebäude der Zentralbibliothek 1985 bezugsfertig war, fand die Oettingen-Wallerstein Bibliothek dort in einem eigenen, besonders gesicherten und klimatisierten Magazinbereich ihre neue Heimat.

1982 – Eröffnungsfeier der Naturwissenschaftlichen Fakultät

Eröffnungsfeier der Naturwissenschaftlichen Fakultät am 3. November 1982 im Gebäude A 1 in der Memminger Straße; am rechten Tisch links vorne: Präsident Prof. Dr. Meessen, rechts vorne: Vizepräsidentin Prof. Ilse Lichtenstein-Rother © Universität Augsburg

 

Zwar waren bereits mit der Integration der Pädagogischen Hochschule Augsburg als Erziehungswissenschaftlicher Bereich im Jahr 1972 die für die Ausbildung der Volksschullehrer relevanten Fächer Didaktik der Mathematik und Didaktik der Biologie sowie von der 1971 aufgelösten Philosophisch-Theologischen Hochschule Dillingen ein Lehrstuhl für Biologie an die Universität Augsburg gekommen, doch damit wollte sich die Universität nicht zufriedengeben.
Nachdem in den Empfehlungen des Strukturbeirats, der 1974 nachträglich ein Konzept für die seit bereits vier Jahren im vollen Betrieb stehende Universität vorlegte, die Errichtung eines naturwissenschaftlichen Fachbereichs mit den Fächern Mathematik und Physik vorgeschlagen worden war, bemühte sich die Universität in den folgenden Jahren um die Realisierung dieses Projekts, dem für die weitere Entwicklung der Universität seitens der Universitätsleitung große Bedeutung beigemessen wurde. Den Durchbruch brachte schließlich das innovative Konzept, nicht auf die Grundlagenforschung zu setzen, sondern vielmehr die Anwendungsorientierung und damit den Nutzen für Industrie und Wirtschaft in den Mittelpunkt zu rücken. Dazu gehörte etwa der Ansatz, in der Ausbildung gezielt auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse zu vermitteln.
An der 1981 errichteten Naturwissenschaftlichen Fakultät war zunächst nur das Fach Mathematik vertreten. Erst als die parallel vorangetriebenen Pläne für eine Medizinische Fakultät, die natürlich auch einen starken naturwissenschaftlichen Schwerpunkt mit sich gebracht hätte, 1983 endgültig gescheitert waren, konnte auch an den schon lange in den Blick genommenen Aufbau des Faches Physik mit der Besetzung des ersten Lehrstuhls für Theoretische Physik im Jahr 1985 gedacht werden.
Ab 1989 konnte – zunächst mit dem Bezug eines neu errichteten Fakultätsgebäudes auf dem Campus neben der Mensa, in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre mit den großen Neubauten für das Institut für Physik entlang der Hugo-Eckener-Straße – das bauliche Provisorium an der Memminger Straße nach und nach aufgegeben werden.

1983 – Prof. Dr. Josef Becker wird Präsident der Universität

Übergabe des Präsidentenamts von Prof. Dr. Karl M. Meessen an Prof. Dr. Josef Becker am 9. November 1983 © Universität Augsburg

 

Gänzlich unspektakulär und mit einer Zweidrittelmehrheit bereits im ersten Wahlgang auch überzeugend verlief 1983 die Wahl des 1931 in Buchen/Odenwald geborenen Historikers Josef Becker zum neuen Präsidenten. Dieser hatte nach dem Studium (Geschichte, Germanistik, Französisch, Latein) in München und Paris, der Promotion (1958) und der Habilitation (1968) 1973 einen Ruf auf den Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Augsburg angenommen. Verdienste Beckers als Präsident sind auf vielen Feldern zu konstatieren. Von zukunftsträchtiger Bedeutung war etwa sein konsequenter Einsatz für den weiteren Ausbau der Naturwissenschaften, mit der Becker auf die an die Universitäten als Zielvorgabe herangetragene stärkere Orientierung an den ökonomischen und gesellschaftlichen Bedürfnissen reagierte. Mit der Gründung mehrerer interdisziplinärer Institute trug er maßgeblich zur Profilbildung der Universität Augsburg bei. Die ebenfalls in seine Amtszeit fallende Gründung mehrerer Stiftungen zugunsten der Universität weitete ihre Möglichkeiten in Forschung und Lehre beträchtlich aus. Becker knüpfte vielfältige Kontakte, gerade in Stadt und Region, um sie dort stärker zu verankern. Eine zunehmend professionalisierte Pressearbeit trug dazu bei, die Interessen der Universität einem größeren Publikum näherzubringen. Auffallend sind die vielen während der Amtszeit Beckers vorgenommenen akademischen Ehrungen, die freilich umgekehrt durch eine geschickte Auswahl der Geehrten wiederum Glanz auf die Universität fallen ließen. Angesichts dieser Verdienste war die Wiederwahl Beckers nach dem Ende der ersten Amtszeit 1987 für weitere vier Jahre nur eine Formalie, die freilich mit einer beeindruckenden Dreiviertelmehrheit in der Abstimmung gegen den Politologen Theo Stammen wiederum überzeugend ausfiel.

1984 – Ein erster provisorischer Campus: Die Alte Universität

Ansicht des Gebäudes A1 in der Memminger Straße/Ecke Schertlinstr. © Universität Augsburg

 

Die vom Freistaat Bayern ab 1970 angemieteten und für die Zwecke der Universität adaptierten Gebäude an der Memminger Straße von der Einmündung in die Eichleitnerstraße bis zur Einmündung in die Schertlinstraße hatten zuvor der Fa. Böwe als Firmensitz gedient. Zusammen mit dem unmittelbar westlich angrenzenden Gebäudekomplex (vormals Fa. Walter Friedrich) an der Eichleitnerstraße, die bis 1973 noch Hessingstraße hieß, entwickelte sich hier eine erste campusähnliche Situation, war auf dem Gelände neben – zunächst - zwei Fakultäten (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlicher Fachbereich, Juristischer Fachbereich) doch auch die Verwaltung der Universität, die Universitätsbibliothek, eine Mensa sowie ein größerer Hörsaal angesiedelt. 
Bis zur Fertigstellung des ersten Neubaus auf dem Campus 1977 fand die Universität in erster Linie hier, am Standort „Alte Universität“ statt. Auch wenn dieser Standort ursprünglich nur als vorübergehendes Provisorium gedacht war, so nutzte die Universität die Gebäude in der Memminger Straße letztlich bis zum Umzug der Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät auf den Campus Mitte der 1990er Jahre. Und in der Eichleitnerstraße 30, in dem die Juristische Fakultät von 1971 bis 1999 untergebracht war, residieren bis heute neben dem Studentenwerk Augsburg verschiedene Einrichtungen und Lehrstühle der Universität.
Das auf dem Foto abgebildete, 1961 errichtete Gebäude A 1 war nach einem ganz frühen Provisorium in der Stadtmitte bei der Regierung von Schwaben seit der Anmietung zum 1. Mai 1970 Sitz der Verwaltung der Universität und des Präsidiums. Nach der Fertigstellung des Präsidiums- und Verwaltungsgebäudes auf dem Campus im November 1984 und dem dadurch möglichen Umzug dieser Einrichtungen stand das Gebäude für die 1981 neu errichtete Naturwissenschaftliche Fakultät und das zuvor provisorisch im unmittelbar benachbarten Anna-Gymnasium an der Schertlinstraße untergebrachte Rechenzentrum zur Verfügung – bis diese 1989 ihrerseits in einen Neubau auf dem Campus umzogen.

1985 – Eröffnung der Zentralbibliothek

Blick auf das 1985 eröffnete Gebäude der Zentralbibliothek © Universität Augsburg

 

Bedenkt man, welche Rolle die Universitätsbibliotheken bei der Bereitstellung der Fachliteratur für Forschung und Lehre an Universitäten spielen, dann wird deutlich, welche Bedeutung die Eröffnung des Gebäudes 15 Jahre nach der Gründung der Universität und der ebenso langen provisorischen Unterbringung der Zentralbibliothek in einer ehemaligen Industriehalle in der Memminger Straße für die Universität Augsburg hatte.

Zwar war die Teilbibliothek Geisteswissenschaften mit ihren Präsenzbeständen schon 1977 mit den beiden Philosophischen Fakultäten und der Katholisch-Theologischen Fakultät in den ersten Neubau auf dem Campus eingezogen. Mit der Eröffnung des Neubaus 1985, der auch die Aufgabe des bisherigen Ausweichstandorts an der Ulmer Straße ermöglichte, war nun u.a. nun auch der große Magazinbestand auf dem Campus für Lehrende und Lernende schneller greifbar.

Mit dem Gebäude der Zentralbibliothek wurde die vom zentralen Platz an der heutigen Straßenbahnhaltestelle in Ost-West-Richtung verlaufende architektonische Achse erstmals über die eiszeitliche Hangkante hinaus nach oben verlängert. Die Zentralbibliothek stellt aufgrund dieser exponierten Lage bis heute einen besonderen Blickfang auf dem Campus dar.
Dabei zeichnet den in einer Bauzeit von vier Jahren errichteten Stahlbetonskelettbau eine zeitgemäße Architektur aus, die trotz der beeindruckenden Maße – 3000 m2 überbaute Fläche, 52.000 m3 umbauter Raum, Hauptnutzfläche 8.500 m2 – auf Monumentalität verzichtet.

Verfügte die Universitätsbibliothek am Ende ihres ersten Betriebsjahres 1970 über einen Bestand von lediglich 36.651 Bänden und 393 laufenden Zeitschriften, so weist die Statistik 1985 bereits 1.317.483 Bände (ohne die Oettingen-Wallerstein-Bibliothek), 165.253 sonstige Medien und 6824 laufende Zeitschriften aus. 2019 waren es sogar 2.251.924 Bände (ohne die Handschriften der Oettingen-Wallerstein-Bibliothek), 513.5593 andere Medien sowie 54.080 Zeitschriften (Print und elektronisch).

1986 – Die Kurt Bösch-Stiftung

Übergabe der Gründungsurkunde für die Kurt Bösch-Stiftung zugunsten der Universität Augsburg am 29. Januar 1986 durch Kurt Bösch (links) an den Präsidenten der Universität Augsburg, Prof. Dr. Josef Becker (rechts) © Universität Augsburg

 

Mehrere Stiftungen, die mit ihren Mitteln Forschung und Lehre an der Universität Augsburg unterstützen, existieren bis heute. Nicht zuletzt aufgrund der Person des Stifters nehmen die beiden Kurt-Bösch-Stiftungen dabei eine besondere Stellung ein.

Der 1907 in Augsburg als Sohn eines renommierten Schweizer Architekten geborene Kurt Bösch war seit der Zeit seines Wehrdienstes eng mit dem Wallis verbunden. Nach ersten Erfahrungen als Kaufmann in Zürich kam er zurück nach Augsburg, wo er seit 1952 als alleiniger Vorstand und Inhaber die Alpine AG zu einem Weltunternehmen auf dem Gebiet der mechanischen Verfahrenstechnik formte, das aber auch durch beispielhafte Sozialeinrichtungen Vorbildcharakter erlangte. Jenseits seiner unternehmerischen Aktivitäten betätigte sich Bösch als international renommierter Kunstsammler und -mäzen, unterhielt teilweise lebenslange Freundschaften mit Malern und Literaten, die er auch finanziell unterstützte.

1986 errichtete Kurt Bösch zwei Stiftungen, von denen die Universität Augsburg fortan in besonderer Weise profitieren sollte. Die ‚Stiftung zugunsten der Universität Augsburg‘ verfolgt gemäß dem Willen des Stifters dabei das Ziel die "Pflege der Wissenschaft an der Universität Augsburg in Forschung, Lehre und Studium, insbesondere durch die Förderung der internationalen Beziehungen der Universität".
Seine enge Verbundenheit mit dem Wallis brachte Kurt Bösch dazu, in Sitten/Sion eine weitere Stiftung zu errichten, die "die Begegnung sowie den wissenschaftlichen, kulturellen und sprachlichen Austausch zwischen Welsch und Deutsch im Gebiete des Kantons Wallis" zum Ziel hatte. Aus seinem umfangreichen Immobilienbesitz in der Nähe von Sitten/Sion brachte er drei am Südhang des Rhonetals gelegene Häuser in die Stiftung ein, die fortan Übernachtungs-, Aufenthalts und Seminarräume für Lehrende und Studierende aus Augsburg und dem Wallis zur Verfügung stellten. Dieses Angebot zum gemeinsamen Austausch in einer inspirierenden Umgebung nutzten seither mehrere tausend Augsburger und Schweizer Studierende mit ihren Dozentinnen und Dozenten.

Kurt Bösch starb hochbetagt und vielfach geehrt, unter anderem mit der Würde eines Ehrensenators der Universität Augsburg, im Jahr 2000 in seiner Wahlheimat Augsburg.

1987 – Universitätstage: Die Universität stellt sich vor

Veranstaltung im Freien im Rahmen des Universitätstages 1987 in Günzburg © Universität Augsburg

 

Zwischen 1982 und 1990 gab es insgesamt 11 sog. Universitätstage. Im Gegensatz zum ‚Tag der Universität‘, einer Form der Akademischen Jahresfeier, handelte es sich bei dieser Veranstaltung mit ähnlich klingendem Namen um den Versuch, das Bildungsangebot der Universität Augsburg in der Region zu präsentieren. Die Universität kam damit nicht zuletzt ihrem Gründungsauftrag nach, die regionalen Bildungsreserven in Bayerisch- Schwaben zu erschließen.

Jedes Jahr wurde dabei eine andere Stadt angesteuert. Den Anfang machte 1982 Dillingen, das einst selbst eine Universität und dann bis 1971 eine Philosophisch-Theologische Hochschule, die schließlich als Katholisch-Theologische Fakultät an der Universität Augsburg fortwirkte, in seinen Mauern beherbergt hatte. Es folgten Kempten, dem bei seinen Bemühungen um eine ‚Alpen-Universität‘ kein Erfolg beschieden war, Lindau, Landsberg am Lech, Nördlingen, Mindelheim, Günzburg, Memmingen, Neu-Ulm, Donauwörth und Kaufbeuren.

Ein solcher Universitätstag begann üblicherweise damit, dass Dozentinnen und Dozenten vormittags  in den örtlichen Gymnasien ihre Fächer sowie die Studienbedingungen an der Universität Augsburg vorstellten, teilweise auch Unterricht hielten. Am Nachmittag präsentierte sich jeweils die gastgebende Stadt mit Führungen. Den Tag beschloss ein von der Universität angebotener wissenschaftlicher Vortrag, den in der Regel das ‚Collegium musicum‘ der Universität musikalisch umrahmte.

An der Spitze der Delegation der Universität stand stets ihr Präsident: 1982 und 1983 zunächst noch Prof. Dr. Karl M. Meessen, in den folgenden Jahren dann Prof. Dr. Josef Becker. Seine Aufgabe war es, die Universität kurz vorzustellen und ihre Forschungsschwerpunkte zu erläutern.

Mit den Universitätstagen gelang es nicht nur, für ein Studium in Augsburg zu werben, sondern auch die Universität und ihr Bildungsangebot in der Region stärker zu verankern.

1988 – Akademische Jahresfeier

Festvortrag von Roman Herzog im Rahmen der Akademischen Jahresfeier am 15.Juli 1988 im HS I © Universität Augsburg

 

Seit 1982 gibt es auch an der Universität Augsburg eine festliche Veranstaltung zum Abschluss des akademischen Jahres, die üblicherweise am Ende der Vorlesungszeit des das akademische Jahr beschließenden Sommersemesters stattfindet. Wurde diese Feier von 1982 bis 1987 in Form eines ‚Dies academicus‘ begangen, gab es 1988 erstmals eine ‚Akademische Jahresfeier‘, seit 1993 wird der ‚Tag der Universität‘ gefeiert.

Während schon in den Jahren zuvor neben dem Rückblick des Präsidenten auf das vergangene Jahr die Übergabe der Promotionsurkunden, die Verleihung von Preisen für hervorragende Dissertationen sowie der Festvortrag eines auswärtigen Gastes zu den zentralen Programmpunkten der Feier zählte, kam 1988 die Verleihung der Ehrensenatorenwürde an den Vorsitzenden der Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg, Dr. Gerd Wollburg, hinzu. Den anschließenden Festvortrag zum Thema „Wer hütet die Hüter der Verfassung?“ hielt der damalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts (und spätere Bundespräsident) Prof. Dr. Roman Herzog.

Den Tag beschloss ab 20 Uhr der große Sommernachtsball der Universität in der Mensa, bei dem die Gäste bis 4 Uhr morgens feiern konnten.

1989 – Die ersten Akademischen Ehrenbürger der Universität Augsburg

Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Universität Augsburg an Josef Felder, Friedrich Georg Friedmann und Hans Herwarth von Bittenfeld (v.l.n.r. in der ersten Reihe) © Universität Augsburg

 

Zu den bedeutendsten althergebrachten akademischen Ehren, die eine Universität in Deutschland seit 1919 vergeben kann, zählt die Würde eines Akademischen Ehrenbürgers. Im Gegensatz etwa zur Ehrendoktorwürde, die einer bzw. einem auswärtigen Gelehrten in Anerkennung ihrer bzw. seiner wissenschaftlichen Verdienste verliehen wird, oder der Ehrensenatorenwürde als Dank für besondere Verdienste um die jeweilige Universität werden mit der Akademischen Ehrenbürgerwürde Personen ausgezeichnet, die auf anderen Feldern Herausragendes geleistet haben.

Mit der auf einen Beschluss des Senats der Universität Augsburg vom 24. Mai 1989 zurückgehenden Ehrung von Josef Felder, Friedrich Georg Friedmann und Hans Herwarth von Bittenfeld wollte die Universität mit Blick auf die oft unselige Verbindung der Universitäten mit dem NS-Regime daran erinnern, „daß ihre Mitglieder da besonders gefordert bleiben, wo humane Grundnormen von Gesellschafts- und Staatsordnung in Frage gestellt werden“.

Entsprechend wurden 1989 drei Persönlichkeiten mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet, „die Beispielhaftes geleistet haben für die Wahrung jener Grundwerte, auf denen vor 40 Jahren in der Abgrenzung von einer verhängnisvollen Phase unserer Geschichte die Fundamente für eine neue, humane Staats- und Gesellschaftsordnung gelegt wurden“: Der in Augsburg geborene Josef Felder (1900-2000) als letzter noch lebender ehemaliger Reichstagsabgeordneter der SPD, der 1933 gegen das sog. Ermächtigungsgesetz stimmte, der Kulturhistoriker Prof. Dr. Friedrich Georg Friedmann (1912-2008), der seine Heimatstadt Augsburg wegen seiner jüdischen Wurzeln verlassen und ins amerikanische Exil fliehen musste, sich gleichwohl nach 1945 dem Dialog zwischen Christen und Juden verschrieb, sowie der aus einem alten Augsburger Patriziergeschlecht stammende Baron Hans Herwarth von Bittenfeld (1904-1999), der nach 1939 dem diplomatischen und militärischen Widerstand gegen Adolf Hitler angehörte.

1990 – Das 20-jährige Jubiläum: zwischen Euphorie und Protest

Festakt zur 20-Jahr-Feier der Universität mit studentischem Protest gegen die schlechte Anbindung des Campus durch den Öffentlichen Personennahverkehr am 20. Juli 1990 © Universität Augsburg

 

In Anbetracht ihrer noch jungen Geschichte nutzte die Universität Augsburg ihr 20-jähriges Gründungsjubiläum erneut für öffentlichkeitswirksame Feierlichkeiten. Wichtige Programmpunkte waren am 19. Juli 1990 eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „Universität Augsburg – gestern, heute, morgen“ sowie am 20. Juli ein Akademischer Festakt mit anschließendem Universitätsball. Wie nicht zuletzt das Thema der Diskussionsveranstaltung zeigt, ging es den Verantwortlichen ausdrücklich nicht um ein „akademisches Jubelfest“, sondern um die „Reflexion über die realisierten und die verfehlten Chancen“ der zweiten bayerischen Universitätsneugründung nach 1945. Zugleich sollte durch die Öffnung der Feier zu einem Stadtteilfest deutlich gemacht werden, dass sich die Universität nicht als Elfenbeinturm versteht, sondern den Kontakt zu den Bewohnerinnen und Bewohnern des Universitätsviertels und darüber hinaus der Stadt und Region sucht.
Die Ansprache des Präsidenten Prof. Dr. Josef Becker beim Festakt, der angesichts der vielen Anmeldungen kurzfristig in die Schwabenhalle im Messezentrum verlegt werden musste, war neben der Bilanz der bisherigen Erfolge geprägt vom Blick auf die vielen aktuellen Probleme der Universität – wie etwa die hohe Überlast (12.000 Studierende standen 8.0000 ausgebauten Studienplätzen gegenüber), der mühsame Fortschritt bei den Neubauten und der Rückstand der administrativen Infrastruktur im Vergleich zum Ausbau im wissenschaftlichen Bereich. Daneben stellte Becker mit Bedauern fest, dass zentrale Elemente des einstigen Reformkonzepts der Universität Augsburg mittlerweile eingestellt werden mussten.
Einige Studierende nutzten die Gelegenheit, im Rahmen des Festakts bei der Ansprache des Augsburger Oberbürgermeisters Dr. Peter Menacher auf dem Podium öffentlichkeitswirksam für eine baldige Anbindung des Universitäts-Campus an das Augsburger Straßenbahnnetz zu demonstrieren.

1991 – Prof. Dr. Reinhard Blum wird Rektor der Universität

Amtsübergabe des scheidenden Präsidenten Prof. Dr. Josef Becker (rechts) an den nunmehrigen Rektor Prof. Dr. Reinhard Blum (links) am 13. November 1991 © Universität Augsburg

 

Mit der Wahl des 1933 in Gnewin/Pommern geborenen Ökonomen Reinhard Blum 1991 ist der Wechsel hin zur Rektoratsverfassung verbunden. Blum hatte nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Köln und Kiel, der Promotion 1960, der Habilitation 1968 sowie ersten beruflichen Stationen in Kiel, Bonn und Münster 1971 einen Ruf auf den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Wirtschafts- und Unternehmenspolitik an der Universität Augsburg erhalten, zählte also zu den ersten Professoren der jungen schwäbischen Alma Mater. Zu den prägenden Elementen seiner Amtszeit gehören die Bauaktivitäten. Mit dem Sportzentrum, der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, der Juristischen Fakultät sowie dem Neubau für die Physik griff der Campus nun weiter nach Süden und Westen aus, zudem konnten die seit der Universitätsgründung genutzten Provisorien an der Memminger Straße geräumt werden. Mit der Errichtung weiterer interdisziplinärer zentraler Institute sowie der Ergänzung durch neue Lehrstühle setzte die Universität Augsburg unter dem Rektor Blum ihre Profilbildung fort. Die von Blum mit großem persönlichem Einsatz vorangetriebene Einführung des Baccalaureats in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät 1992 setzte zudem wichtige Zeichen für die Zukunft. Dies gilt ebenfalls für den Ausbau der Partnerschaften mit ausländischen Hochschulen. Und so war auch die Wiederwahl Blums 1995 für eine weitere vierjährige Amtszeit keine Überraschung. Er gewann in der Abstimmung mit einer deutlichen Zweidrittelmehrheit gegen den Althistoriker Gunter Gottlieb.

1992 – Verleihung des Ehrendoktortiteels an Marcel Reich-Ranicki

Verleihung der Würde eines Ehrendoktors der Philosophischen Fakultät II an Marcel Reich-Ranicki am 26. Februar 1992 (links Kruft, rechts Reich-Ranicki) © Universität Augsburg

 

Die höchste wissenschaftliche Auszeichnung, die eine Universität bzw. eine Fakultät verleihen kann, ist traditionell die Ehrendoktorwürde („Doctor honoris causa“). Mit ihr werden nicht der Universität angehörende Persönlichkeiten in der Regel in Würdigung ihrer besonderen wissenschaftlichen Verdienste ausgezeichnet. Die erste, 1973 an den früheren bayerischen Staatsminister für Unterricht und Kultus Dr. Ludwig Huber verliehene Augsburger Ehrendoktorwürde zielte dagegen auf dessen Verdienste um die Gründung der Universität Augsburg ab.
Wie aus der Laudatio auf Marcel Reich-Ranicki hervorgeht, erfolgte die Ehrung in seinem Fall „in Würdigung seiner Verdienste um die deutsche Literatur und in Anerkennung seiner Leistung als Kritiker“. Reich-Ranicki hatte nicht zuletzt als Literaturkritiker in der „Zeit“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ Bekanntheit erlangt, die er durch seine Sendung „Das literarische Quartett“ im ZDF seit 1988 noch weiter steigerte. Von den vielen Ehrendoktorwürden, die Reich-Ranicki im Laufe seines Lebens verliehen wurden, war die Augsburger Ehrung die erste einer deutschen Universität für ihn. 
Marcel Reich-Ranicki, dem ein Studium in Berlin während des Dritten Reichs wegen seiner jüdischen Abstammung verwehrt geblieben war, ist im Übrigen ein Beispiel dafür, dass auch Personen mit einer Ehrendoktorwürde ausgezeichnet werden können, die vorher keinen Hochschulabschluss erworben hatten. Außerdem darf er vielleicht als Beispiel dafür gelten, dass Universitäten mit der Ehrung einer bekannten Persönlichkeit bisweilen darum bemüht waren und sind, etwas von dem Glanz der Berühmtheit auch auf die eigene Universität zu lenken. 
Zu den bekannteren Ehrendoktorinnen und -doktoren der Universität Augsburg zählen neben Reich-Ranicki u.a. der frühere Bundespräsident Joachim Gauck (2005), die ehemalige Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth (2002) und der langjährige bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus Prof. Dr. Hans Maier (1988).

 

1993 – Baubeginn für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät

Richtfest für den Neubau für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät am 15. Juli 1993; im Bild: Rektor Prof. Dr. Reinhard Blum © Universität Augsburg

 

Wäre es nach dem Beschluss des Bayerischen Landtags vom 12. Juli 1966 gegangen, dann wäre in Augsburg keine Universität, sondern eine moderne Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Hochschule nach anglo-amerikanischen Vorbildern entstanden („Harvard am Lech“). Das Reformkonzept für diese Hochschule, die sich u.a. durch den Einsatz der modernsten didaktischen
Methoden, die Integration der Sozial- in die Wirtschaftswissenschaften sowie eine Fort- und Weiterbildungskomponente nach Abschluss des Studiums auszeichnete, stammte von dem damals an der Universität München lehrenden Ökonomen und Juristen Prof. Dr. Louis Perridon. 
Bis weit in das Jahr 1969 hinein liefen die Vorbereitungen für den Beginn des Vorlesungsbetriebs an der geplanten Hochschule, für die Gebäude an der Memminger Straße angemietet wurden, als im Herbst 1969 überraschend die Entscheidung für die Gründung einer Universität in Augsburg fiel, die bereits rund ein Jahr später ihren Lehrbetrieb im Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fachbereich aufnehmen sollte.  Das war nur deshalb möglich, weil eben schon alles für eine Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Hochschule vorbereitet war. Der Start der anderen Fachbereiche gestaltete sich demgegenüber teilweise deutlich schwieriger.
Obwohl dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fachbereich eigentlich zugesagt worden war, dass er so schnell wie möglich sein Provisorium an der Memminger Straße verlassen und in einen Neubau auf dem Campus ziehen könne, dauerte das Provisorium rund 25 Jahre. Es bedurfte sogar eines großen, öffentlichkeitswirksamen Protests der Studierenden zu Jahresbeginn 1991, den die Universitätsleitung unter Präsident Prof. Dr. Josef Becker demonstrativ unterstützte, um den Bau des Gebäudes auf dem Campus endlich durchzusetzen, nachdem die bayerische Staatsregierung kurz zuvor eine weitere Verschiebung des Bauvorhabens angekündigt hatte. 1993 konnte das Richtfest gefeiert werden, 1995 war das Gebäude bezugsfertig.

1994 – Eröffnung des Sportzentrums

Präsentation von archäologischen Funden aus der Glockenbecherzeit anlässlich der Eröffnung des Sportzentrums am 15. Juli 1994 © Universität Augsburg

 

Als im Mai 1991 mit den Bauarbeiten für das Universitäts-Sportgelände begonnen wurde, riefen schon beim Humusabtrag zum Vorschein gekommene Spuren von Pfostenlöchern, Gruben und Gräbern unmittelbar die Archäologen auf den Plan. Im Rahmen einer Notbergung auf einem Areal von ca. 230x100 Meter konnte neben den erwähnten Gruben und Pfostenlöchern ein Gräberfeld der sog. Glockenbecherkultur (ca. 2600-2200 v. Chr.) mit 22 Bestattungen sowie eine Bestattung aus der sog. Urnenfelderzeit (ca. 1300-800 v. Chr.) dokumentiert werden. 
Mindestens 18 der 22 freigelegten Gräber weisen eine Hockerbestattung auf, bei der die Blickrichtung der Toten stets nach Osten gerichtet war. Durch ihre jeweilige Lage im Grab sowie die spezifischen Grabbeigaben konnten zehn der Bestatteten als Männer und acht als Frauen identifiziert werden, was durch anthropologische Untersuchungen noch zu bestätigen war. Die Grabbeigaben schlossen insbesondere die Glockenbecher ein, die der dem späten Endneolithikum zugeordneten Kultur ihren Namen gaben.
Die im Umfeld des Sportzentrums gemachten Funde sind offenbar einem größeren Kontext zuzuordnen, denn bereits 1986 wurden Gräber, die in etwa in die gleiche Zeit zu datieren sind, südlich des Universitätsgeländes freigelegt. Sie belegen also eine weit in die Vergangenheit zurückreichende Besiedlungsgeschichte des heutigen Campusgeländes. 

 

1995 – 25 Jahre Uni Augsburg

Augsburg am 13. Juli 1995 mit Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber - und studentischem Protest wegen der Studienbedingungen © Universität Augsburg
Augsburg am 13. Juli 1995 mit Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber - und studentischem Protest wegen der Studienbedingungen © Universität Augsburg

 

Nur fünf Jahre nach dem Jubiläum von 1990 bot sich 1995 für die Universität Augsburg ein Vierteljahrhundert nach ihrer Gründung und Eröffnung bereits wieder eine Gelegenheit, zu feiern. 
Wie 1990 verteilte sich das Festprogramm auf die beiden letzten Tage der Vorlesungszeit im Sommersemester. Nach einem ökumenischen Festgottesdienst im Augsburger Dom ging es im Gegensatz zu 1990 in der nachmittäglichen, hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion ausschließlich um „Visionen für die Universität von morgen“. Den Tag beschloss ein erster akademischer Festakt anlässlich der Verleihungen zweier Ehrensenatorenwürden und der Preise für hervorragende wissenschaftliche Leistungen. 
Am Beginn des zweiten Tages stand der eigentliche Jubiläumsfestakt mit einer Festansprache des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber, in der er einerseits auf die bisherige Entwicklung der Universität Augsburg, deren Gründung er als „gelungen“ betrachtete, zurückblickte, diesen Rückblick aber auch mit einem Ausblick auf die Herausforderungen der Zukunft verband, für die er die Universität Augsburg gut gerüstet sah.
Kritische Anmerkungen kamen insbesondere von der Vertreterin der Studierenden, die in ihrer Ansprache vor allem das mangelnde Mitspracherecht der Studierenden bei wichtigen Entscheidungen in der und für die Universität beklagte. Mit Plakaten im Veranstaltungssaal machten die Studierenden einmal mehr ihrem Ärger über die eklatante Überlastsituation und den damit verbundenen Mangel an Lehrpersonal und Räumen öffentlichkeitswirksam Luft.
Ab dem Mittag luden ein Campusfest zwischen Mensa und Rektoratsgebäude sowie ein Stadtteilfest für Kinder und Jugendliche auf dem Europaplatz zum Mitfeiern ein.

1996 – Streit um Schilder

Ein Aufreger über viele Jahre hinweg: die Hinweisschilder zur Universität © Universität Augsburg
Ein Aufreger über viele Jahre hinweg: die Hinweisschilder zur Universität © Universität Augsburg

 

Mit der Fertigstellung der Westumfahrung von Augsburg, die die B 17 im Süden und die B 2 im Norden miteinander verbindet und unmittelbar am Universitätscampus vorbeiführt, ergab sich die Notwendigkeit einer entsprechenden Beschilderung der Ausfahrten in Richtung Universität. Die Lösung, für die sich die zuständige Behörde entschied, stieß in der Universität immer wieder auf Kritik. 
In der Universitätszeitschrift UniPress machte der Althistoriker Prof. Dr. Gunther Gottlieb 1996 seinem Unmut Luft. Schlimm genug sei schon die umgangssprachliche Abkürzung „Uni“, die auf einem offiziellen Straßenschild nichts zu suchen habe, noch dazu in der Großschreibung „UNI“. Den Gipfel des Unsinns sah Gottlieb aber in der durch die Bindestriche hervorgerufenen Verbindung mit der Messe und dem Zoo erreicht, durch die wahlweise eine Messe-Uni oder ein Uni-Zoo gelesen werden konnte. 
Vielleicht nicht ganz zu Unrecht fragte Gottlieb, ob man die seltsamen Formulierungen auf den Straßenschildern vielleicht dahingehend interpretieren müsse, dass die Stadt auch 25 Jahre nach der Gründung der Universität noch immer nicht so genau wisse, wie sie mit dieser Bildungseinrichtung umgehen solle. Aber vielleicht kann man die inzwischen erfolgten Korrekturen auf den Straßenschildern dahingehend interpretieren, dass die Universität in Augsburg jetzt „angekommen“ ist?

 

1997 – Das lange Warten der Juristischen Fakultät

Baufortschritt am Neubau für die Juristische Fakultät © Universität Augsburg

 

Neben dem Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fachbereich, der im Oktober 1970 den Lehrbetrieb aufgenommen hatte, war auch der ein Jahr später errichtete Juristische Fachbereich zunächst nur provisorisch untergebracht – und zwar in einem Gebäudekomplex an der Hessingstraße (1973 in Eichleitnerstraße umbenannt), den der Freistaat Bayern von der Fa. Walter Friedrich gekauft und für die Zwecke der Universität adaptiert hatte. Wie dem Wiso-Fachbereich war auch den Juristen zugesagt worden, dass sie so schnell wie möglich aus ihren Provisorien in Neubauten auf dem Campus – sobald die Bautätigkeit dort Fahrt aufgenommen haben würde – umziehen dürften.
Tatsächlich dauerte es bis zum 6. März 1996, als endlich der Spatenstich erfolgte. Am 6. Mai 1997 konnte Richtfest gefeiert werden und im Sommer 1999 bezog die Juristische Fakultät  - als letzte bis dahin provisorisch untergebrachte Fakultät – ihren Neubau auf dem Campus, auf der Nordseite des neu entstandenen kleinen Platzes, gegenüber der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät und direkt neben der Teilbibliothek Sozialwissenschaften, die auch die juristische Fachbibliothek beherbergt. 
Wie der Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fachbereich hatte sich auch der Juristische Fachbereich seit dem Beginn des Lehrbetriebs im Jahr 1971 einem besonderen Reformkonzept verschrieben. In einem Modellprojekt wurde in Augsburg die sog. einphasige Juristenausbildung getestet, die die bekannte Trennung in ein Studium und ein anschließendes Referendariat aufhob und stattdessen Theorie und Praxis stärker verzahnte. Trotz großer Erfolge, die sich nicht zuletzt an einer wesentlich kürzeren Ausbildungszeit und sehr guten Noten festmachen ließen, wurde der Modellversuch 1984 im Zuge der bundesweiten Neufassung des Richtergesetzes wieder eingestellt, womit ein weiteres zentrales Element des ursprünglichen Reformkonzepts der Universität Augsburg entfiel.

1998 – Physik an der Universität Augsburg

Feier zur Eröffnung des 2. Bauschnitts des Physik-Gebäudes am 10. September 1998 © Universität Augsburg

 

Zu den auffälligsten und das Bild des südlichen Teils des Campus prägenden Gebäuden zählen zweifellos die beiden zwischen 1994 und 1998 errichteten Bauabschnitte „Naturwissenschaften II“, die insbesondere die physikalischen Lehrstühle beherbergen. Die architektonische Formensprache macht dabei den hochtechnisierten Inhalt des Gebäudes schon auf den ersten Blick von außen sichtbar - und bildet damit einen deutlichen Kontrast zu den fast zeitgleich entstandenen, nachhaltig entworfenen und auf aufwendige Technik weitgehend verzichtenden Bauten für die Wirtschaftswissenschaftliche sowie die Juristische Fakultät. 
Die Anforderungen des in dem zuerst fertiggestellten südlichen Bauabschnitt untergebrachten Forschungsschwerpunkts „Elektronische Korrelation und Magnetismus“ machten besondere bauliche Maßnahmen zum Schutz vor mechanischen Schwingungen und elektromagnetischen Einflüssen, wie sie etwa von der westlich vorbeiführenden Straßenbahnlinie ausgingen, erforderlich. 
Die wenigstens zum Zeitpunkt der Errichtung größte Solaranlage einer deutschen Hochschule befindet auf dem Dach des südlichen Bauabschnitts. 
Zu den beiden Bauabschnitten gehört das nordwestlich vorgelagerte, mit dem nördlichen Trakt durch eine verglaste Brücke baulich verbundene Physik-Hörsaalzentrum mit vier Hörsälen und fünf Seminarräumen.

1999 – Prof. Dr. Wilfried Bottke wird Rektor der Universität

Übergabe des Rektorenamts von Prof. Dr. Reinhard Blum an Prof. Dr. Wilfried Bottke am 3. November 1999 © Universität Augsburg

 

Nachfolger Reinhard Blums wurde 1999 der Jurist Wilfried Bottke (1947-2010), der sich im zweiten Wahlgang gegen den Philosophen Klaus Mainzer und den Politologen Hans-Otto Mühleisen durchsetzte. Wie schon sein Vorgänger Reinhard Blum hatte auch Bottke zuvor bereits als Prorektor Erfahrungen in der Hochschulleitung gesammelt. Nach Studium und Promotion (1978) in München, der Habilitation (1982), mehreren Lehrstuhlvertretungen an verschiedenen Universitäten und Rufen nach Mannheim und Erlangen-Nürnberg wechselte Bottke als Ordinarius für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie an die Universität Augsburg. Als erster Augsburger Rektor schaffte Bottke eine dritte Amtszeit. Hatte er sich bei seiner ersten Wiederwahl 2003 noch mit denkbar knapper Mehrheit gegen den Mathematiker Friedrich Pukelsheim durchgesetzt, konnte er bei seiner zweiten Wiederwahl 2007 – nach der zwischenzeitlich erfolgten Rückkehr zur Präsidialverfassung als Präsident – eine Zweidrittelmehrheit gegen seinen Herausforderer, den Physiker Ulrich Eckern, erzielen. Bottke, für den die „kulturvolle Wissensmehrung“ die Hauptaufgabe der Universität darstellte, setzte die von seinen Vorgängern bereits vorbereitete Neuausrichtung der Universität auf die Naturwissenschaften sowie darüber hinaus – als Fernziel – die Ingenieurwissenschaften konsequent fort, ohne allerdings die weitere Entwicklung der Geisteswissenschaften einzuschränken, die er auch langfristig als wichtige Profilsäule der Universität verstand. Überhaupt setzte die Universität in der Ägide Bottkes die seit längerer Zeit währenden Bemühungen um eine klare und nachhaltige Profilbildung fort, ohne freilich zu dauerhaft gültigen und inneruniversitär unumstrittenen Festlegungen zu kommen. Zugleich mahnte er, dabei sicherlich auch getrieben von den Vorgaben der bayerischen und bundesdeutschen Wissenschaftspolitik, die vermehrte Einwerbung von Drittmitteln ein. Unter seiner Amtszeit führte auch die Universität Augsburg Studiengebühren ein, sorgte jedoch durch ein einzigartiges Mitsprache- bzw. Vetorecht der Studenten für deren sinnvollen Einsatz im Interesse der gebührenzahlenden Studierenden. Konnte Bottke die zahlreiche Bautätigkeit auf dem Campus (u.a. Fakultät für Angewandte Informatik, Zentrum für Kunst und Musik) als Leistung seiner Amtszeit positiv verbuchen, so blieb es ihm verwehrt, seine Bemühungen um die Aufwertung des Augsburger Klinikums zur Universitätsklinik in Verbindung mit einer Medizinischen Fakultät an der Universität Augsburg noch realisiert zu sehen. Auch wenn man innerhalb der Universität um seine angeschlagene Gesundheit wusste, so löste sein überraschender Tod am 8. August 2010 an der schwäbischen Alma Mater doch große Bestürzung aus.

2000 – Kunst am Campus

Installation der 1985 geschaffenen Skulptur „Flying man/I dream I could fly“ von Jonathan Borofsky im Gebäude der Juristischen Fakultät am 11. Dezember 2000 © Universität Augsburg

 

Auf dem Campus der Universität sind viele Kunstwerke zu entdecken, im Freien wie auch in Gebäuden. Manche stammen dabei von regionalen Künstlerinnen und Künstlern, manche aber auch von international bekannten Kunstschaffenden. Einen ganz besonderen Stellenwert nimmt dabei sicherlich die Skulptur „Flying man/I dream I could fly“ des Amerikaners Jonathan Borofsky (geb. 1942) ein, einem der bedeutendsten Vertreter der Gegenwartskunst. Nur acht Figuren-Installationen von Borofsky gibt es in Deutschland, von denen der riesige „Hammering Man“ vor dem Messegelände in Frankfurt am Main sicherlich eine der bekanntesten ist. 
Wie es gelang, die Skulptur eines derart renommierten Künstlers an die Universität Augsburg zu holen, wollte der am Gelingen wesentlich beteiligte frühere Prorektor Prof. Dr. Hans-Otto Mühleisen nicht so recht erzählen. So bleibt nur festzuhalten, dass der Künstler am 11. Dezember 2000 selbst nach Augsburg kam, um sein bereits 1985 entstandenes Werk, einen ca. 1,60 m großen Mann aus Fiberglas, der nur eine ockerfarbene Hose und ein blaues Shirt trägt, an dünnen Stahlseilen an der Decke des Foyers im Gebäude der Juristischen Fakultät aufzuhängen. Selbstverständlich ist die Hängung nicht zufällig, sondern vom Künstler zentimetergenau nach seinen Vorstellungen ausgerichtet. Auch einige malerische Details ergänzte Borofsky erst noch vor Ort. 
Wie andere „Flying Men“ von Borofsky lädt auch die Augsburger Skulptur zur Interpretation ein, wenngleich die schon im Titel angelegte Assoziation wohl eher an Freiheit und Leichtigkeit denken lässt als an die Gefahr eines Absturzes. 
 

2001 – Alois Zimmermann wird Kanzler der Universität

Übergabe des Amtes des Kanzlers der Universität Augsburg von Dr. Dieter Köhler an Alois Zimmermann am 2. Mai 2001 © Universität Augsburg


Es ist sicherlich nicht übertrieben, den ersten Kanzler der Universität Augsburg, Dr. Dieter Köhler, der dieses Amt nach über 30 Dienstjahren am 2. Mai 2001 an seinen Nachfolger Alois Zimmermann übergab, zu den Personen zu zählen, die die Universität Augsburg in den ersten 30 Jahres ihres Bestehens entscheidend, nachhaltig und vor allem kontinuierlich prägten. Sechs Präsidenten bzw. Rektoren an der Spitze der Universität sah er in diesen 31 Dienstjahren kommen und gehen. Seine Verdienste um die Universität Augsburg wurden 2005 mit der Verleihung der Ehrensenatorenwürde der Universität gewürdigt. 
Nachdem Köhler nach dem Jura-Studium in München und mehreren Stationen in bayerischen Behörden bereits zum 1. April 1970 an die eben erst gegründete Universität Augsburg berufen worden war, bestellte ihn das bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus auf Vorschlag des Gründungspräsidenten Prof. Dr. Louis Perridon zum 1. Oktober 1970 zum Kanzler, also dem Leiter der Universitätsverwaltung. Bereits rund zwei Wochen später begann bereits der Lehrbetrieb im Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fachbereich. 
Wegen der überstürzten Universitätsgründung zählte die rasche Bereitstellung von geeigneten Räumlichkeiten zur Unterbringung der ersten Fakultäten zu den vordringlichen Aufgaben Köhlers. Da die Errichtung der ersten Gebäude auf dem Campus noch in weiter Ferne lag, ging es vor allem darum, geeignete Gebäude zur Anmietung zu finden. Parallel baute Köhler die Universitätsverwaltung und die Zentralen Betriebseinheiten (z.B. Universitätsbibliothek, Rechenzentrum) auf, um von Beginn an einen ordnungsgemäßen Betrieb einschließlich der Studierenden- und Prüfungsverwaltung zu gewährleisten. Rasch ging es auch um die innere rechtliche Verfassung der Universität, die als sog. „Satzungsstreit“ zahlreiche Schlagzeilen in der Presse provozierte. Seit Mitte der 1970er Jahre konnten die ersten Baumaßnahmen auf dem Campus in Angriff genommen werden, bis zur Jahrtausendwende waren dann alle zuvor provisorisch untergebrachten Fakultäten in Neubauten auf den Campus untergebracht. Daneben hatte Köhler die Probleme der enormen Überlastsituation zu bewältigen, die die Universität angesichts einer weit über den geplanten Stand hinaus wachsenden Zahl an Studierenden über viele Jahre betraf. Trotz der vielen Widrigkeiten gelang es, mit den Naturwissenschaften zu Beginn der 1980er Jahre einen neuen zukunftsträchtigen Schwerpunkt an der Universität Augsburg zu begründen. So konnte Köhler 2001 seinem Nachfolger eine für neue Herausforderungen gut gerüstete und aufgestellte Universität übergeben.
 

2002 – Der Tag der Universität

Initiativenstraße im Rahmen des Tages der Universität am 12. Juli 2002 © Universität Augsburg

 

Von 1993 bis 2009 wurde an der Universität Augsburg der „Tag der Universität“ am Ende der Vorlesungszeit des Sommersemesters als Abschluss eines akademischen Jahres, das vom Beginn des Wintersemesters bis zum Ende des darauffolgenden Sommersemesters reicht, gefeiert. Er diente, wie die früheren und späteren Formen des „Dies academicus“ und der „Akademischen Jahresfeier“ in erster Linie des Rückblicks auf das vergangene akademische Jahr und der Verleihung von Preisen und Ehrungen. 
Eingerahmt wurden die Feierlichkeiten einerseits am Nachmittag des Vortags von der im Bild gezeigten „Initiativenstraße“ zwischen Rektoratsgebäude und Mensa, in der sich die Studierendenvertretung, Fachschaften und andere studentische Gruppen präsentierten, sowie am Abend des 12. Juli von einer „Nacht der Künste“ unter dem Motto „Farben-Formen-Klang-Räume“ in den Räumen der ehemaligen Pädagogischen Hochschule an der Schillstraße in Augsburg-Lechhausen.

 

2003 – Die Universität in Augsburg: "Nacht der Wissenschaft"

„Nacht der Wissenschaft“ im Zeughaus am 28. Juni 2003 im Rahmen der „Woche der Universität“ © Universität Augsburg

 

2003 gab es ein Novum an der Universität Augsburg zu vermelden. Erstmals schickte sie ihrem traditionellen, das Studienjahr abschließenden Dies academicus drei „Tage der Forschung“ auf dem Campus voraus und am Samstag davor präsentierte sie sich – ebenfalls erstmalig – im Augsburger Zeughaus in der „Augsburger Nacht der Wissenschaft“. Im Herzen der Stadt sollten über 30 Vorträge, Präsentationen, Vorführungen und Mitmach-Aktionen den interessierten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt und der Region Einblicke in den Forschungs-Alltag an der Universität vermitteln. Neben der unmittelbaren Vermittlung von Wissen war beabsichtigt, die Verbindungen zwischen Stadt und Universität einmal mehr zu intensivieren, zum anderen sollte die „Nacht der Wissenschaft“ auch für die anstehenden „Tage der Forschung“ und den Dies academicus werben oder zu einem Besuch eines der vielen Vorträge, die das ganze Jahr auf dem Campus angeboten werden, animieren. 
Das im Zeughaus ab 20 Uhr gebotene Programm repräsentierte nahezu die ganze Bandbreite der an der Universität vertretenen Disziplinen und reichte etwa von Vorträgen zur Augsburger Stadtgeschichte über intelligente Türschilder, selbstfahrende Fahrzeuge, den Einsatz einer Hochfrequenz-Videokamera in der Sportwissenschaft, den Blick in den Untergrund des Zeughauses und die Rekonstruktion des ersten historischen Museums in Europa bis hin zu einem Workshop für Rhetorik.
 

 

2004 – Forschungsschwerpunkt Umwelt

Einweihung des Innocube am 20. September 2004 © Universität Augsburg

 

Wie wohl kaum ein anderes Gebäude auf dem Campus symbolisiert der „Innocube“ getaufte Bau, dessen Einweihung am 20. September 2004 gefeiert werden konnte, den Forschungsschwerpunkt Umwelt der Universität Augsburg.  So beherbergt er neben sieben Gästewohnungen und -appartements insbesondere das „Anwenderzentrum Material- und Umweltforschung“ (AMU) sowie das „Wissenschaftszentrum Umwelt“ (WZU). In dem Gebäude befand sich ferner anfänglich das Europa-Büro des World Environment Center (WEC).
Finanziert mit Mitteln aus der sog. High-Tech-Offensive Bayern (HTO), einer privaten Spende sowie einer großzügigen Schenkung der Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg konnte der südlich des Physik-Hörsaalzentrums liegende Bau nach einer Bauzeit von nur eindreiviertel Jahren bezogen werden. Während das Erdgeschoß weitgehend von Laboreinrichtungen des AMU belegt wird und das oberste Geschoß für die Gästewohnungen und -appartements reserviert ist, stehen die Büros im ersten Stockwerk den hier angesiedelten Einrichtungen zur Verfügung.
Während das WZU die umweltwissenschaftlichen Kompetenzen der Universität Augsburg in fachübergreifenden Projekten bündeln sollte, trat das AMU mit der Aufgabe und dem Ziel an, die technologischen Kompetenzen und das innovative Potential des Instituts für Physik an die Industrie der Region – und darüber hinaus – zu vermitteln und zu vermarkten.  Die Laboreinrichtungen des AMU ermöglichen dabei ein breites Dienstleistungsspektrum, das auch physikalisch-chemische Materialanalysen einschließt.

2005 – Der Präsident bekommt seine Kette

Übergabe der von Dr. Georg Haindl (links) anläßlich des 35. Gründungsjubiläums der Universität gestifteten neuen Amtskette an Rektor Prof. Dr. Wilfried Bottke (rechts) © Universität Augsburg
Übergabe der von Dr. Georg Haindl (links) anläßlich des 35. Gründungsjubiläums der Universität gestifteten neuen Amtskette an Rektor Prof. Dr. Wilfried Bottke (rechts) © Universität Augsburg

 

Die Präsidenten der Universität Augsburg verfügten im Gegensatz zu den meisten ihrer Kollegen an anderen Universitäten zunächst über keine Amtskette, die zu feierlichen akademischen Anlässen getragen wurde. Mitte der 1970er Jahre äußerte der damalige Präsident Prof. Dr. Franz Knöpfle den Wunsch, die Universität Augsburg durch das Tragen einer Amtskette repräsentieren zu können, um nicht im Kreise seiner Amtskollegen immer unangenehm auffallen zu müssen.

Die Lösung wurde schließlich darin gefunden, dass von nun an die Präsidenten und Rektoren der Universität Augsburg leihweise auf die alte Rektorenkette der ehemaligen Philosophisch-Theologischen Hochschule Dillingen zurückgreifen konnten. Immerhin war diese Hochschule, die 1971 in der Katholisch-Theologischen Fakultät aufging, damit ja eine der Vorläufereinrichtungen der Universität Augsburg.

Als mit der Vergrößerung der Universitätsleitung zu Beginn des 21. Jahrhunderts der Wunsch nach einer zweiten Amtskette aufkam, um auch ein weiteres Mitglied der Universitätsleitung das Tragen einer Amtskette bei einem zeitgleich stattfindenden Termin zu ermöglichen, entstand die Idee, zwei neue, eigene Amtsketten anfertigen zu lassen.

Der Augsburger Industrielle Dr. Georg Haindl, dessen Vater einst wesentlich für die Gründung der Universität Augsburg gekämpft hatte, ließ es sich nicht nehmen, der Universität, an der er selbst studiert und promoviert hatte, zu ihrem 35. Geburtstag zwei Amtsketten zu schenken.
Die aufwendig gearbeiteten und jeweils mit einem sog. Augsburg-Safir geschmückten Ketten tragen sowohl die Wappen der Universität Augsburg und der Familie Haindl als auch in einer verschließbaren Schatulle eine kurze Chronik der Universität Augsburg.

2006 – Die Kinderuniversität Augsburg feiert Premiere

Vorlesung von Prof. Dr. Jochen Mannhart im Rahmen der „Kinderuniversität Augsburg“ am 13. Mai 2006 © Universität Augsburg

 

Nach dem Vorbild der Universität Tübingen waren auch an der Universität Augsburg im Sommersemester 2005 erstmals Vorlesungen ausschließlich für Kinder im Alter von etwa 8-12 Jahren im Rahmen der „Kinderuniversität“ angeboten worden.

Nach dem großen Erfolg im ersten Jahr war es für die damaligen Initiatoren, die Historiker Prof. Dr. Martin Kaufhold und Prof. Dr. Gregor Weber sowie den Informatiker Prof. Dr. Wolfgang Reif, eine Selbstverständlichkeit, auch für das Sommersemester 2006 wieder ein interessantes Programm zusammenzustellen. Die Reihe eröffnete am 13. Mai der Physiker Prof. Dr. Jochen Mannhart vom Lehrstuhl für Experimentalphysik VI, ein Experte der Hochtemperatur-Supraleitung, der den Kindern in seiner einstündigen, vom Bayerischen Fernsehen für den Kanal BR alpha aufgezeichneten Vorlesung mit dem Titel „Ein Zug fliegt durch Augsburg“ unter anderem erklärte, was es mit der Supraleitung elektrischer Ströme bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt auf sich hat.

In den beiden weiteren Vorlesungen im Sommersemester 2006 ging der evangelische Theologe Prof. Dr. Bernd Oberdorfer der Frage nach, „wo Gott wohnt“ und der ehemalige Bundesfinanzminister und Vorsitzende des Kuratoriums der Universität Augsburg, Dr. Theo Waigel, erklärte den Kindern, „wie die deutsche Regierung eigentlich arbeitet“.

Die Eltern bzw. sonstige Begleitpersonen, die bei den Vorlesungen nicht dabei sein durften, konnten diese aber auf Großleinwand in einem benachbarten Hörsaal live mitverfolgen oder sich in der nahegelegenen Cafeteria stärken.

2007 – Der Mietek Pemper Preises der Universität Augsburg für Versöhnung und Völkerverständigung

Verleihung des Mietek Pemper Preises der Universität Augsburg an Carla del Ponte, die Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs für die Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien © Universität Augsburg

 

Es war nicht zuletzt die persönliche Bekanntschaft mit Mieczyslaw („Mietek“) Pemper (1920-2011), dem ehemaligen Häftling im KZ Krakau, der zusammen mit dem Unternehmer Oskar Schindler mittels der berühmten „Schindlers Liste“ 1100 Juden vor dem sicheren Tod im KZ Auschwitz bewahrte, die den Augsburger Unternehmer Dr. Georg Haindl nach eigenen Worten dazu bewog, 2007 den mit 10.000 Euro dotierten „Preis der Universität Augsburg für Versöhnung und Völkerverständigung“ zu stiften, der nach dem Tod Pempers, des Ehrenbürgers der Stadt Augsburg und Akademischen Ehrenbürgers der Universität Augsburg direkt nach diesem benannt werden sollte. Der Preis solle nach dem Wille des Stifters an Persönlichkeiten verliehen werden, „deren Lebensleistungen mit derjenigen Pempers vergleichbar sind“.
Mit Carla del Ponte, der Schweizer Juristin, die zunächst als Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofes für Ruanda amtiert hatte und dann die gleiche Funktion im Verfahren gegen die Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien übernahm, wurde eine Persönlichkeit geehrt, „deren engagiertem und entschlossenem Wirken als Chefanklägerin der substantielle Beitrag zu danken sei, den der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag insbesondere durch Konfliktverrechtlichung zu Versöhnung und Völkerverständigung zu leisten vermag“.
Der nunmehrige Mietek-Pemper-Preis für Versöhnung und Völkerverständigung wurde seitdem fünf weitere Male verliehen, zuletzt 2018 an Teresita Gaviria, die Vorsitzende des Vereins „Caminos de Esperanza. Madres de la Candelaria“.

2008 – Gründungspräsident Prof. Dr. Louis Perridon hält seine letzte Vorlesung

Prof. Dr. Louis Perridon hält am 6. Juni 2008 anlässlich seines 90. Geburtstags seine letzte Vorlesung zum Thema „Die europäische Wirtschaft vom 11. Jahrhundert bis zur Französischen Revolution“ © Universität Augsburg

 

Wie wohl keiner seiner Nachfolger im Amt des Präsidenten bzw. Rektors der Universität kann der 1918 in Rotterdam geborene und 2015 im hohen Alter verstorbene Niederländer Louis Perridon als ein „Mann von Welt“ gelten. Nach dem Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Paris, der Promotion zum Dr. iur. 1950 sowie der Habilitation 1954 übernahm Perridon zunächst leitende Funktionen in der Industrie, bevor er 1958 den Ruf an die Universität des Saarlandes annahm und damit seine Karriere als Hochschullehrer startete. Diese führte ihn 1965 auf den Lehrstuhl für Vergleichende Betriebswirtschaftslehre an der LMU München. Dort erarbeitete er das Konzept für die in Augsburg geplante Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Hochschule. Als aus dieser Ende 1969 überraschend die Universität Augsburg wurde, war es nur konsequent, Perridon zu ihrem Gründungspräsidenten zu ernennen. Zugleich nahm er den Ruf auf den Lehrstuhl für Mikroökonomie an, den er bis 1983 innehatte. Im Gegensatz zu seinen Nachfolgern kam Perridon nicht durch eine Wahl in sein Amt, da es ja am Beginn der Universität noch keine Gremien der akademischen Selbstverwaltung gab, die eine solche Wahl hätten vornehmen können. Er wurde vielmehr am 1. August 1970 vom damaligen bayerischen Kultusminister Dr. Ludwig Huber als Gründungspräsident ernannt. Vielleicht war es auch diese fehlende demokratische Legitimation, die schon bald dazu führte, dass Perridon im inneruniversitären Kampf der verschiedenen Gruppen (Professoren, Assistenten, Studierende, nichtwissenschaftliches Personal) um die Machtverteilung in den nach und nach entstehenden Gremien der akademischen Selbstverwaltung zwischen alle Stühle geriet. So sehr er sich auch um einen gerechten Ausgleich aller Interessen bemühte, wurde er doch immer wieder der Parteinahme für die jeweils andere Seite beschuldigt. Sein ambitioniertes Reformkonzept von einer praxisorientierten und zugleich demokratisch verfassten Universität wurde in diesen Auseinandersetzungen mehr und mehr zerrieben. So war es nicht ganz verwunderlich, dass er bei der ersten Präsidentenwahl 1973 seinem Herausforderer Franz Knöpfle, wenn auch denkbar knapp, unterlag. Wie er später einmal erzählte, habe er trotz dieser schwierigen Ausgangslage insgeheim doch ein bisschen auf eine Wiederwahl gehofft.
Bis ins hohe Alter sah man Perridon, der sich ungebrochen für die weitere Entwicklung „seiner“ Universität, die er mit aus der Taufe gehoben und in seiner kurzen Amtszeit geprägt hatte, immer wieder bei offiziellen Anlässen auf dem Campus, aber auch Vorlesungen hielt er auch weit nach seiner Emeritierung noch.

2009 – Die Unterschrift, die die Universitätsmedizin nach Augsburg brachte

Eintrag des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer in das Goldene Buch der Stadt Augsburg anläßlich eines Besuchs am 16. Februar 2009, der zur Geburtsstunde der Universitätsmedizin in Augsburg wurde. Foto: Siegfried Kerpf (Stadt Augsburg)

 

Erste Bemühungen um eine medizinische Ausbildungseinrichtung in Augsburg reichen bis in die 1950er Jahre zurück. Konkret wurden die Überlegungen, als der Wissenschaftsrat, das wichtigste Beratergremium der Bundesregierung für die Wissenschaftspolitik, 1961 einen Bedarf an zehn neuen medizinischen Ausbildungseinrichtungen in der Bundesrepublik verkündete, darunter sieben Medizinischen Akademien. Trotz verschiedener Bedenken und Widerstände beschloss der Bayerische Landtag am 12. Juli 1962 die Gründung einer Medizinischen Akademie in Augsburg. Schnell stellte sich freilich heraus, dass die in Augsburg vorhandenen Krankenhäuser für den Forschungs- und Lehrbetrieb nur bedingt geeignet waren. Zudem gab es starke Bestrebungen, die Technische Hochschule München (die spätere TU München) ebenfalls mit einer Medizinischen Fakultät auszustatten. An diesen Hürden scheiterte das Augsburger Projekt schließlich und statt der Medizinischen Akademie sollte in Augsburg eine Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Hochschule entstehen.

Ende der 1970er Jahre gab es einen erneuten Anlauf. Nun hatte die Universität Augsburg Interesse an einer Abrundung ihres Fächerspektrums um die Medizin und dem damit verbundenen Aufstieg zur Volluniversität. Stadt und Landkreis Augsburg wiederum, die Träger des 1982 fertiggestellten Augsburger Zentralklinikums, fürchteten die zu erwartenden Defizite des Klinikums und sahen ihr Heil in der Verstaatlichung als Universitätsklinikum. Doch auch dieser zweite Versuch scheiterte, nun am Veto des Wissenschaftsrates.

Als umso überraschender wurde der Eintrag des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer in das Goldene Buch anläßlich seines Besuchs in Augsburg am 16. Februar 2009 empfunden. Und Seehofer hielt Wort: Nach seiner Ankündigung in der Regierungserklärung im November 2013, an der Universität Augsburg eine Medizinische Fakultät zu errichten und das Klinikum Augsburg in ein Universitätsklinikum umzuwandeln und damit in staatliche Trägerschaft zu überführen, wurde ein Konzept für die Augsburger Universitätsmedizin entwickelt, das auch den Wissenschaftsrat überzeugte. So konnte zum 1. Dezember 2016 die Eröffnung der Medizinischen Fakultät gefeiert werden und seit 1. Januar 2019 gibt es in Augsburg ein Universitätsklinikum.

2010 – Das 40. Jubiläum

Festvortrag von Staatsminister a.D. Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Maier beim Festakt zum 40-jährigen Gründungsjubiläum der Universität am 26. Oktober 2010 © Universität Augsburg

 

Man kann sich kaum einen geeigneteren Festredner für eine Feier zum 40-jährigen Gründungsjubiläum der Universität Augsburg vorstellen als Staatsminister a. D. Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Maier, der die Universität zwar – knapp - nicht gegründet hat (diese Ehre kommt seinem Vorgänger Dr. Ludwig Huber zu), sie als zuständiger bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus aber vom Dezember 1970 bis zum Oktober 1986 begleitet und ihre weitere Entwicklung wesentlich gefördert und geprägt hat.

Maier ließ es sich nicht nehmen, zu der anläßlich des 40-jährigen Gründungsjubiläums erschienenen Festschrift einen eigenen kleinen Beitrag beizusteuern. Darin erinnerte er namentlich an die vielen Persönlichkeiten, die sich um die Gründung der Universität Augsburg verdient gemacht hätten – allen voran seinen Amtsvorgänger Ludwig Huber, dessen „liebstes Kind“, neben der Universität Regensburg, die schwäbische Alma Mater gewesen sei. Darüber hinaus skizzierte Maier den damaligen bildungspolitischen Kontext der Augsburger Universitätsgründung und ging auch auf deren ursprüngliches Reformkonzept ein. Nicht alle Blütenträume dieses Konzepts seien gereift und manche der Reformideen habe man an die Realität in den anderen Universitäten anpassen müssen. Augsburg habe sich dennoch „in seiner Gründerzeit den soliden Ruf einer Reformuniversität“ erworben.

In seinem Beitrag verweist Maier aber auch nicht zuletzt auf die Grundsteinlegungen und Gebäudeeinweihungen auf dem Campus, denen er in seiner Amtszeit beiwohnen konnte – von der Grundsteinlegung für die ersten Gebäude auf dem Campus im Oktober 1974 bis hin zur Eröffnung der Zentralbibliothek im Mai 1985. Auch Hinweise auf die Verleihung eines Wappens und den Ankauf der wertvollen Oettingen-Wallerstein-Bibliothek für die Augsburger Universitätsbibliothek im Kontext des 10-jährigen Jubiläums 1980 fehlen nicht.

Dankbar erinnert sich Maier schließlich an die Verleihung der Ehrendoktorwürde der damaligen Philosophischen Fakultät I im Jahre 1988, mit der die Universität neben seinen wissenschaftlichen Leistungen natürlich auch die Verdienste Maiers um ihren erfolgreichen Aufbau nach den schwierigen Anfangsjahren würdigte.

2011 – Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel wird Präsidentin der Universität

Amtseinführung der neuen Präsidentin Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel am 7. November 2011 © Universität Augsburg

 

Als der seit 1999 amtierende Präsident der Universität Augsburg, Prof. Dr. Wilfried Bottke, am 8. August 2010 völlig überraschend verstarb, übernahm der dienstälteste Vizepräsident, der Physiker Prof. Dr. Alois Loidl, als Ständiger Vertreter des Präsidenten zunächst die Leitung der Universität bis zur nächsten turnusmäßigen Wahl im Jahr 2011.

Bei dieser Wahl kandidierte Loidl gegen die Dekanin der Philologisch-Historischen Fakultät, die Ethnologin Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel. Eine Auswahlkommission hatte beide aus den eingegangenen Bewerbungen für die Wahl nominiert.
Am 26. Mai 2011 stellten sich die Kandidatin und der Kandidat in einer öffentlichen Veranstaltung vor und beantworteten Fragen. Der Universitätsrat schließlich wählte auf seiner Sitzung am 8. Juni 2011 bereits im ersten Wahlgang Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel zur neuen Präsidentin. Sie hält damit gleich zwei Rekorde: Sie ist nicht nur die erste Präsidentin der Universität Augsburg, sondern zugleich die erste Präsidentin einer staatlichen bayerischen Universität.

Die 1957 in Bonn geborene Sabine Doering-Manteuffel studierte Ethnologie und Volkskunde in Köln und Bonn. Nach der Promotion in Köln 1984 und der Habilitation in Mainz 1993 erhielt sie 1995 den Ruf an die Universität Augsburg, wo sie auf dem Lehrstuhl für Volkskunde (später: Europäische Ethnologie) dem früh verstorbenen Prof. Dr. Günther Kapfhammer nachfolgte.

In ihrer Antrittsrede zum Thema „Leistung und Leidenschaft. Eine Reformuniversität im Jahrzehnt der Netzwerke“ im Rahmen der feierlichen Amtseinführung am 7. November 2011 stellte die neue Präsidentin unter anderem ihr Konzept der „Netzwerkuniversität“ vor, das sie in ihrer Amtszeit umsetzen wolle.

Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel wurde nicht nur bei den folgenden Wahlen 2015 und 2019 im Amt der Präsidentin der Universität Augsburg bestätigt, sie ist darüber hinaus seit 2013 Vorsitzende der Bayerischen Universitätenkonferenz „Universität Bayern e.V.“ und wurde auch in diesem Amt 2021 erneut bestätigt.

 

2012 – die Mensa im neuen Gewand

Wiedereröffnung der renovierten Mensa am 27. März 2012 © Universität Augsburg

 

Eigentlich muss es verwundern, dass die Universität Augsburg in den ersten 30 Jahren ihres Bestehens, als die Zahl der Studierenden noch weit unter dem heutigen Niveau lag, seit der Eröffnung der Mensa auf dem Campus 1983 zunächst über drei Mensen verfügte, während heute die erwähnte Mensa die Hauptlast bei der Versorgung der über 20.000 Studierenden und rund 4.000 Mitarbeiter*innen allein zu tragen hat.

Die längste Tradition hatte dabei die Mensa der 1963 eröffneten Pädagogischen Hochschule an der Schillstraße, die auch nach der Integration der PH in die Universität 1972 die dort ansässigen Lehrenden, Lernenden und Mitarbeiter*innen verköstigte – bis in das 21. Jahrhundert hinein.

Von 1970 bis zur Aufgabe der angemieteten Gebäude in der Memminger Straße zum Ende des 20. Jahrhunderts stand am Standort „Alte Universität“ (mit der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, der Juristischen Fakultät, der Universitätsverwaltung (bis 1983), der Universitätsbibliothek (bis 1985) und anderen universitären Einrichtungen) im sog. Gebäude B1 eine eigene Mensa zur Verfügung.

Nachdem bereits 1977 mit dem Gebäude für die Philosophischen Fakultäten und die Katholisch-Theologische Fakultät der erste große Neubau auf dem Campus bezugsfertig war, ergab sich die Notwendigkeit, auch den dort Lehrenden, Lernenden und Arbeitenden eine Möglichkeit zu bieten, mittags eine Mahlzeit einnehmen zu können. Nach vierjähriger Bauzeit war es 1983 soweit.

Nach fast 30jähriger intensiver Nutzung sahen die Verantwortlichen 2010 die Notwendigkeit für eine gründliche Modernisierung der Mensa auf dem Campus. Nach einem rund zweijährigen Provisorium in Interims-Verpflegungsstätten konnte die runderneuerte Mensa im Frühjahr 2012 wiedereröffnet werden, wobei nicht nur das äußere Erscheinungsbild den modernen Ansprüchen angepasst worden war, sondern sich auch das gastronomische Angebot nun von ganz neuen Seiten präsentierte.

 

2013 – Eröffnung des Jakob-Fugger-Zentrums

Feierliche der Universität Augsburg am 11. Dezember 2013 © Universität Augsburg

 

Das „Jakob-Fugger-Zentrum. Forschungskolleg für transnationale Studien“ darf wohl mit Fug und Recht als eine erste Konkretisierung der von der Präsidentin Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel bei ihrem Amtsantritt 2011 in den Mittelpunkt ihrer Antrittsrede gestellten Idee der „Netzwerkuniversität“ interpretiert werden. Mit diesem Forschungszentrum, „das Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen miteinander vernetzt, ihre Kompetenzen bündelt und Synergien schafft“, sollten insbesondere die Augsburger Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften „international profiliert und bekannt gemacht“ werden.

Als ein „Center for Advanced Studies“ soll das Jakob Fugger-Zentrum, das von einem dreiköpfigen Direktorium aus den Reihen der Augsburger Professor*innen geleitet wird und über eine eigene Geschäftsstelle verfügt, nationale wie internationale Kooperationen mit führenden Forschungszentren koordinieren und den wissenschaftlichen Austausch und damit auch den wissenschaftlichen Nachwuchs durch Gastdozent*innen, Tagungen, Kongresse und Fellows fördern.
Als eine zentrale Aufgabe ist ihm die „Förderung fächerübergreifender Forschungen über Phänomene und Probleme einer international verflochtenen Gesellschaft in Geschichte, Gegenwart und Zukunft“ ins Stammbuch geschrieben.

2014 – Eröffnung des neuen Gebäudes für Kunst und Musik

Feierliche Eröffnung des neuen Gebäudes für Kunst und Musik am 30. Juni 2014 © Universität Augsburg

 

Als bereits alle Fakultäten, die zuvor in Provisorien am Standort „Alte Universität“ untergebracht waren, Neubauten auf dem Campus bezogen hatte, warteten zwei Fächer, nämlich Kunst und Musik, noch immer auf diesen großen Moment, dessen erster Teil 2014 gefeiert werden konnte. Bis dahin waren sie im Gebäude der ehemaligen Pädagogischen Augsburg in der Schillstraße 100 untergebracht, die 1972 als Erziehungswissenschaftlicher Fachbereich in die Universität integriert worden war.

Dieser Standort war für diese beiden Fächer nicht ungünstig gewählt, standen in der Schillstraße doch zahlreiche Übungsräume für die angehenden Musiklehrer*innen und Werkräume für die Kunsterziehung zur Verfügung. Vor allem verfügte der Standort mit der Aula über einen hervorragenden Konzertsaal, der bei der Einweihung des Gebäudes der Pädagogischen Hochschule 1963 in Augsburg fast konkurrenzlos war.

Nicht zuletzt der musikerzieherische Schwerpunkt an der Pädagogischen Hochschule, deren Aufgabe die Ausbildung von Volksschullehrer*innen war, hatte seinen Ursprung in den Anfängen der staatlichen Volksschullehrerausbildung in Bayern im 19. Jahrhundert. Da die Volksschullehrer nicht nur die Jugend des Dorfs oder der Stadt zu unterrichten hatten, sondern auch in der jeweiligen Pfarrei die Gottesdienste an der Orgel musikalisch umrahmen und den Kirchenchor leiten sollten, war die musikalische Ausbildung seit jeher einer der Schwerpunkte der Lehrerausbildung gewesen.

Über einen eigenen Konzertsaal verfügt – wie das obige Bild zeigt - auch der Neubau für Kunst und Musik, dessen erster, zentraler Bauabschnitt am 30. Juni 2014 seiner Bestimmung übergeben werden konnte.

2015 – Der "Korbiniansapfel" und die umweltbewusste Universität

Am 8. Mai 2015, also 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der NS-Diktatur pflanzen der AStA, die KHG und die ESG einen „Korbiniansapfel“. © Universität Augsburg

 

Am 8. Mai 2015 jährte sich das Ende des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Herrschaft zum 70. Mal. Die Studierendenvertretung, die Katholische Hochschulgemeinde sowie die Evangelische Studentengemeinde nutzten diesen Tag für eine ganz besondere Form des Gedenkens. Sie pflanzten in Anwesenheit der Präsidentin Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel in der Nähe des Zentrums für Kunst und Musik einen sog. „Korbiniansapfel“, der nach dem katholischen Priester und Pomologen Korbinian Aigner (1885-1966) benannt ist. Bei seiner Flucht beim sog. Todesmarsch 1945 – Aigner war wegen seiner oppositionellen Haltung seit 1941 im KZ Dachau interniert – gelang es ihm, die Setzlinge mitzunehmen, die er während seiner Haft in Dachau aus Apfelkernen gezogen hatte.

Nach dem Krieg wirkte Aigner wieder als Priester und konnte sich nun auch wieder seiner Leidenschaft, den Äpfeln, widmen. Berühmtheit erlangten insbesondere seine Apfelbilder. Aigner hatte sich Äpfel und Birnen aller ihm zugänglicher Sorten beschafft und malte jeweils zwei jeder Sorte in Postkartengröße nebeneinander. Diese 938 Bilder, die heute im Archiv der TU München verwahrt werden, erlangten besondere Berühmtheit, seit sie 2012 auf der dOCUMENTA 13 in Kassel gezeigt wurden.

Der an der Universität Augsburg gepflanzte Korbiniansapfel entstammt übrigens der Sorte KZ-3, also einer jener Sorten, die Aigner im KZ Dachau gezüchtet hatte und die er in die Freiheit retten konnte.

Neben dem Gedenken an Aigner und das Ende von Krieg und NS-Herrschaft darf der Apfelbaum sicherlich auch als ein Symbol für den besonderen Umweltschwerpunkt der Universität Augsburg interpretiert werden.

2016 – Nachhaltigkeit und Materialwissenschaft an der Universität Augsburg

Grundsteinlegung für das Gebäude des Instituts für Materials Resource Management (MRM) am 23. September 2016 © Universität Augsburg

 

Der Neubau für das Institut für Materials Ressource Management (MRM) im Süden des Campus ordnet sich schon allein durch seine Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zum Technologiezentrum Augsburg (TZA) sowie zu den Gebäuden der Fraunhofer-Gesellschaft und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), aber auch durch einen integrierten Kooperationsbereich mit Professuren der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Augsburg in das Konzept der Netzwerk-Universität ein. Die vorgesehenen Baukosten von 43,2 Millionen Euro konnten aus den vom Freistaat Bayern für das „Technologienetzwerk Schwaben für Ressourceneffizienz und Health Care Management“ im Rahmen des Aktionsplans „Demografische Wandel, ländlicher Raum“ bereitgestellten Mitteln bestritten werden.

Die Planungen für den Neubau sahen vor, dass er künftig die Kompetenzfelder „Materialien & Ressourcen“ und „Produktion & Software“ mit den konkreten Forschungsschwerpunkten „Materials Engineering“, „Ressourcenstrategie und -management“, „Software & Systems Engineering“, „Mechatronik“, „Regelungstechnik“, „Produktionsinformatik“ und „Organic Computing“ aufnehmen sollte. Auf den 12.200 qm Gesamtfläche war aber auch eine Lehrinfrastruktur mit Seminar- und Übungsräumen sowie einem Platz für 120 Studierende bietenden Hörsaal für die technisch-ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge vorgesehen.

Mit Blick auf die zunehmende Bedeutung ressourcensparender und -effizienter Materialien und Technologien betonten Staatsminister Dr. Spaenle und Präsidentin Prof. Dr. Doering-Manteuffel in ihren Ansprachen die Bedeutung des Neubaus für den Wirtschafts- und Technologiestandort Augsburg/Schwaben.

Nicht ganz eingehalten werden konnte die eigentlich für Ende 2018 eingeplante Übergabe des Gebäudes, die mit rund zweijähriger Verspätung erst Ende 2020 erfolgen konnte.

2017 – Die Universität „Gegen einfache Wahrheiten“

Aktionstag „Gegen einfache Wahrheiten“ am 31. Mai 201 © Universität Augsburg

 

Es war vielleicht auch der Wahlsieg des amerikanischen Präsidenten Donald Trump und dessen These von den „alternativen Fakten“, der die Philologisch-Historische Fakultät der Universität Augsburg dazu bewog, für den 31. Mai 2017 einen Aktionstag „Gegen einfache Wahrheiten. Universität in der Verantwortung“ zu veranstalten. Damit wolle man „an die menschliche Vernunft appellieren, die es verbietet, es sich im vielfältigen Angebot alternativ angebotener ‚einfacher Wahrheiten‘ bequem zu machen“. Zudem solle ein Zeichen gesetzt werden, „ein Zeichen gegen Populismus und Rechtsradikalismus, für eine offene Gesellschaft mit offenen Grenzen und gelungener Integration“. Die Fakultät betonte damit, getreu dem Universitäts-Motto „Scientia et Conscientia“, die besondere Verantwortung der Universität für das demokratische Gemeinwesen und erinnerte an die von Öffentlichkeit und Transparenz, Kraft und Seriosität des wissenschaftlichen Arguments geprägten Wesenszüge universitärer Forschung, die von den aktuellen Entwicklungen in Frage gestellt würden.

Die Fakultät hatte sich für den Aktionstag ein ambitioniertes Programm vorgenommen: Allein am Vormittag standen rund 20 eineinhalbstündige Seminare auf dem Programm, die sich an konkreten Themen und Beispielen aus den verschiedenen an der Fakultät vertretenen fachlichen Perspektiven mit der Problematik „einfacher Wahrheiten“ beschäftigten. Um die Mittagszeit fand eine Zentrale Kulturveranstaltung mit Musik und Lesungen im Hörsaal I statt, nach der sich das Geschehen in die Stadt verlagerte. Vier Workshops im Zeughaus, ein Stadtspaziergang sowie Lesungen auf öffentlichen Plätzen in der Innenstadt sollten ganz gezielt die Stadtbevölkerung mit einbeziehen, bevor eine Abschlussveranstaltung wiederum auf dem Campus mit einer Filmvorführung und einer Podiumsdiskussion den Aktionstag beschloss.

2018 – Augsburg empfängt seine Studierenden

Erstsemesterempfang für die Studierenden der beiden Augsburger Hochschulen in der Kongresshalle am 29. Oktober 2018 © Universität Augsburg

 

Alles begann mit dem 25-jährigen Jubiläum der Universität 1995. Als „Geburtstagsgeschenk“ wollte die Stadt Augsburg von nun an jährlich am Beginn des Studienjahres im Wintersemester die Studienanfänger*innen aus dem ersten Semester zu einem „Erstsemesterempfang“ einladen, mit ihrem neuen Studienort bekannt machen und nicht zuletzt auf das vielfältige Freizeitangebot in Stadt und Region hinweisen.

War zunächst an einen großen Augsburg-Tag mit umfangreichem Programm inklusive Vorträgen und Stadtführungen gedacht, schrumpfte die Veranstaltung im Laufe der Planungen schließlich auf einen „Begrüßungs- und Begegnungsabend“ im Augsburger Rathaus zusammen. Neben Ansprachen des Oberbürgermeisters und des Rektors der Universität sowie einer musikalischen Umrahmung bot sich die Möglichkeit, den Goldenen Saal zu besichtigen. Auch für die Bewirtung war seitens der Stadt gesorgt. Im Erdgeschoß des Rathauses bot sich die Möglichkeit für die Stadt Augsburg, die Studierendenvertretung und das Studentenwerk, sich und ihr Angebot für die Studierenden zu präsentieren.

Wie das obige Foto zeigt, genügten schon bald die räumlichen Kapazitäten des Rathauses nicht mehr, um alle Erstsemester beim jährlichen Begrüßungsabend aufzunehmen, zumal ab einem gewissen Zeitpunkt auch die Studierenden der Hochschule (vormals: Fachhochschule) Augsburg in die Einladung einbezogen wurden. Damit wurde ein Umzug in die Kongresshalle notwendig. Der Termin am Beginn des Wintersemesters freilich blieb. Neu war hingegen eine „Kennenlernrunde“ in Form einer Podiumsdiskussion mit Vertreter*innen der Stadt Augsburg, der beiden Hochschulen, der jeweiligen Studierendenvertretungen und des Studentenwerks im Laufe der Veranstaltung. Auch bot die Kongresshalle mehr Möglichkeiten für Info-Stände. Und nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung boten viele Clubs in der Innenstadt „Welcome-Specials“ an, die sich insbesondere an die Erstsemester richteten.

2019 – Augsburg hat ein Universitätsklinikum

Festakt zur Überführung des Klinikums Augsburg in ein Universitätsklinikum am 9. Januar 2019 © Universität Augsburg

 

Die Überführung des Klinikums (vormals Zentralklinikum) Augsburg in eine Universitätsklinik hat eine längere Vorgeschichte.
Das erste städtische Krankenhaus in Augsburg entstand 1811 durch den Umbau des am Unteren Graben gelegenen „Paritätischen Zucht- und Arbeitshauses“, also des städtischen Gefängnisses. Da es sich dabei bestenfalls um ein Provisorium handelte, das in keiner Weise den zunehmenden Ansprüchen an eine zeitgemäße medizinische Versorgung entsprach, entschloss man sich zu einem Neubau an gleicher Stelle. Dieses zwischen 1855 und 1859 errichtete „Städtische Hauptkrankenhaus“, in dem Experten einen „Meilenstein in der Geschichte des deutschen Krankenhauswesens“ sahen, sorgte, durch An- und Umbauten immer wieder auf den aktuellen Stand gebracht, in den folgenden über 120 Jahren für die medizinische Versorgung der Augsburger Bevölkerung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg mehrten sich in Augsburg die Stimmen, die den Aufbau einer medizinischen Ausbildungseinrichtung am Lech forderten, in die das Hauptkrankenhaus, das seit 1947 mit dem sog. Westkrankenhaus auf einem ehemaligen Kasernenareal über eine große Filiale verfügte, eingebunden werden sollte. 1962 hätte es fast geklappt, aber die schon beschlossene Medizinische Akademie scheiterte nicht zuletzt daran, dass die städtischen Krankenhäuser eben doch noch nicht die nötigen Voraussetzungen dafür mitbrachten. Nichtsdestotrotz plante die Stadt nun schon für eine neues und modernes Zentralklinikum auf dem Kobelfeld, das auch Hörsäle umfassen sollte.

Nachdem das alte städtische Hauptkrankenhaus schon seit 1974 die Funktion eines Lehrkrankenhaus für die Medizinische Fakultät der Universität München übernommen hatte, kam es seit dem Ende der 1970er Jahre zu einem erneuten, von Universität und Stadt gemeinsam getragenen Versuch, in Augsburg möglichst eine medizinische Fakultät an der Universität zu errichten und das Zentralklinikum zum Universitätsklinikum aufzuwerten, da Stadt und Landkreis als Träger des einzigen Krankenhauses der höchsten Versorgungsstufe in der Region zunehmend unter den finanziellen Lasten stöhnten.

Unerwartet kam dann durch die Initiative des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer im neuen Jahrtausend der schon nicht mehr erhoffte Durchbruch. Die Universität bekam 2016 eine Medizinische Fakultät und in der Stadt Augsburg endete mit dem Universitätsklinikum in staatlicher Trägerschaft 2019 eine über 200-jährige Geschichte städtischer Krankenhäuser.

 

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