Ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Worte. Scrollen Sie einfach nach unten und entdecken Sie interessante Geschichten und spannende Einblicke in das Leben rund um die Universität in der Ausstellung „50 Jahre  – 50 Bilder“. Viel Vergnügen.

1970 – Eröffnung der Universität Augsburg

Staatsakt zur feierlichen Eröffnung der Universität Augsburg im Stadttheater Augsburg, 16. Oktober 1970, in der ersten Reihe sitzend v.l.n.r. Gründungspräsident Prof. Dr. Louis Perridon, Dr. Ludwig Huber (CSU), Bischof Josef Stimpfle, Hugo Fink MdL (CSU) Foto: Fred Schöllhorn

 

Die im Foto dokumentierte feierliche Eröffnung der Universität fand wenige Tage nach dem Beginn des Vorlesungsbetriebs im Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fachbereich am 12. Oktober statt. Dieser Festakt steht am Ende einer langen und hürdenreichen Vor- und Gründungsgeschichte. Ihren Anfang hatte diese 1962 genommen, als der bayerische Landtag die Errichtung einer Medizinischen Akademie in Augsburg beschloss. Dieser Beschluss wurde jedoch nicht umgesetzt, stattdessen erhielt die Technische Hochschule (heute Technische Universität) München eine Medizinische Fakultät. Als „Trostpflaster“ für die enttäuschten Augsburger und bayerischen Schwaben sollte dann eine Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Hochschule modernster anglo-amerikanischer Prägung („Harvard am Lech“) dienen, die der bayerische Landtag 1966 beschloss.

Als die Vorbereitungen für diese Hochschule, deren reformorientierte Konzeption von dem damaligen Münchener Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre und späteren Gründungspräsidenten der Universität Augsburg, Prof. Dr. Louis Perridon (1918-2015), stammte, weitgehend abgeschlossen und die ersten Lehrstühle im Sommer 1969 schon ausgeschrieben waren, entschied sich der bayerische Kultusminister Dr. Ludwig Huber (1928-2003) im Herbst 1969 dafür, in Augsburg doch eine Universität zu gründen. Das Gründungsgesetz datiert vom 18. Dezember 1969, in Kraft trat es bereits am 1. Januar 1970.

Erster Fachbereich war der Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fachbereich, 1971 folgten der Katholisch-theologische sowie der Juristische Fachbereich, 1972 die Philosophischen Fachbereiche.

1971 – Ehemalige Universität und Philosophisch-theologische Hochschule Dillingen

Innenhof des Gebäudes der Universität Dillingen Kupferstich von Wolfgang Kilian, 1627

 

Als sich in den späten 1960er Jahren die Stimmen mehrten, in Augsburg eine Universität zu gründen, mischten sich auch die Studenten der Philosophisch-theologischen Hochschule in Dillingen in die Diskussion ein und forderten, an einer zu gründenden Universität in Augsburg auch einen Katholisch-theologischen Fachbereich einzurichten und die Dillinger Hochschule dafür zu schließen. Da in Dillingen vornehmlich der Priesternachwuchs ausgebildet wurde und der damalige Augsburger Bischof Josef Stimpfle daran interessiert war, diese Ausbildung am Bistumssitz in Augsburg sicherzustellen, kam es 1971 zur Errichtung eines Katholisch-theologischen Fachbereichs bei gleichzeitiger Schließung der Dillinger Hochschule. Ein großer Teil der Professoren und Studenten wechselte von Dillingen nach Augsburg.

Die Philosophisch-theologische Hochschule Dillingen war 1923 durch Umbenennung aus dem 1804 errichteten Lyzeum, einer Bildungseinrichtung zwischen Gymnasium und Universität, hervorgegangen. Das Lyzeum wiederum hatte in gewisser Weise die Nachfolge der in der Mitte des 16. Jahrhunderts vom Augsburger Bischof Kardinal Otto Truchsess von Waldburg gegründeten, 1563 den Jesuiten übergebenen und 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelösten Universität Dillingen angetreten.

Mit Blick auf diese Traditionslinie lässt sich mit Fug und Recht behaupten, dass die Universität Augsburg in gewisser Weise in der Nachfolge der Universität Dillingen als der ersten Universität in unserer Region steht, auch wenn sie natürlich als Reformgründung der 1960er bzw. 1970er Jahre ganz anderen Idealen verpflichtet ist als ihre Dillinger Vorgängerin, die ihre Gründung der Gegenreformation verdankte.

1972 – Pädagogische Hochschule Augsburg

Blick auf das Hauptgebäude (rechts) der Pädagogischen Hochschule Augsburg © Universität Augsburg

 

Eine der offenen Fragen, deren Lösungen schließlich in die Gründung der Universität Augsburg im Jahr 1970 mündeten, war die Zukunft der Pädagogischen Hochschule (PH) Augsburg, die institutionell an die Universität München angebunden war.
Wie die anderen Pädagogischen Hochschulen in Bayern konnte auch die Augsburger Einrichtung auf eine lange Traditionslinie zurückblicken. Mit dem Beginn der institutionalisierten Ausbildung der Volksschullehrer in Bayern wurde 1824 in Dillingen an der Donau ein Königliches Schullehrerseminar für die Ausbildung der männlichen katholischen Volksschullehrer in Bayerisch-Schwaben errichtet. Für die protestantischen Lehrer erfolgte die Ausbildung zentral im Schullehrerseminar im mittelfränkischen Altdorf, die angehenden Volksschullehrerinnen erlernten ihr Handwerk ausschließlich in verschiedenen klösterlichen Einrichtungen.
1841 wurde das Schullehrerseminar von Dillingen wenige Kilometer donauabwärts nach Lauingen verlegt. In Verbindung mit einer Reform der Ausbildung erfolgte 1924 die Umbenennung in „Lehrerbildungsanstalt Lauingen“. Der bereits von der Weimarer Verfassung und nach 1945 auch von der amerikanischen Besatzungsmacht geforderten Verlagerung der Volksschullehrerausbildung an die Hochschulen kam der Freistaat Bayern für Bayerisch-Schwaben insofern nach, als die Lehrerbildungsanstalt Lauingen 1954 in ein „Institut für Lehrerbildung“ überführt wurde, das 1956 seinen Sitz nach Augsburg verlagerte. 1958 wurde daraus die PH Augsburg, an der nun auch die angehenden Volksschullehrerinnen studieren konnten, bis 1967 aber nur katholische Bewerberinnen und Bewerber zugelassen waren. Nicht zuletzt das mangelnde Promotionsrecht der Pädagogischen Hochschulen führte zu Überlegungen, diese Einrichtungen ganz den Universitäten einzugliedern. Zum 1. August 1972 wurde die PH Augsburg aufgelöst und als Erziehungswissenschaftlicher Fachbereich der jungen Universität Augsburg angegliedert. Das zwischen 1958 und 1963 errichtete Gebäude der PH im Norden Augsburgs an der Schillstraße war mit seiner Campuskonzeption sowie seiner architektonischen Qualität wegweisend und modellhaft, weshalb es unter Denkmalschutz steht. 
Bis zur Fertigstellung des Neubaus für Kunst und Musik auf dem Campus waren im Gebäude der ehemaligen PH Augsburg die Lehrstühle für Musikpädagogik und Kunstpädagogik untergebracht. Danach gab die Universität diesen Standort auf, der Freistaat Bayern nutzt das Gebäude nun für das Bayernkolleg.

1973 – Prof. Dr. Franz Knöpfle wird zum Präsidenten der Universität Augsburg gewählt

Wahl des Präsidenten der Universität Augsburg am 27. Juni 1973 Foto: Prof. Dr. Gerald Hammer

 

Der 1973 gewählte Präsident Prof. Dr. Franz Knöpfle (1926-2013) unterschied sich in vielerlei Hinsicht von seinem Vorgänger Louis Perridon. Zwar konnte auch er eine doppelte Qualifikation als Jurist und Ökonom vorweisen, doch zog es Knöpfle nach dem Studium und der Promotion zum Dr. iur. 1953 in die bayerische Staatsverwaltung, wo er rasch Karriere machte als Persönlicher Referent der Ministerpräsidenten Seidel, Ehard und Goppel. Nach der 1965 erfolgten Habilitation nahm Knöpfle einen Ruf an die Verwaltungshochschule Speyer an, der er von 1969 bis 1971 als Rektor vorstand. 1972 folgte dann der Wechsel auf den Lehrstuhl für Öffentliches Recht, insbesondere Verwaltungsrecht und Verwaltungslehre an der Universität Augsburg, den er bis zu seiner Emeritierung 1996 innehatte – und schon 1973 die erfolgreiche Kandidatur für das Präsidentenamt. Knöpfle, der aus seiner betont konservativen Grundhaltung nie ein Hehl machte, sorgte für eine Beruhigung der nach den turbulenten Anfangsjahren stark aufgeheizten Atmosphäre an der Universität. In seiner Amtszeit kam die Universität Augsburg in der Normalität an. Zugute kamen ihm dabei sicherlich seine exzellenten Kontakte nach München, die Manches möglich machten. Kritiker warfen ihm auf der anderen Seite Unterwürfigkeit gegenüber den Anweisungen aus dem Kultusministerium vor, während er sich universitätsintern nicht selten als „Duodezfürst“ geriere. Trotz allem ist die Bilanz der Amtszeit Knöpfles positiv, da in diesen sechs Jahren nicht nur die ersten Bauten auf dem neuen Universitätscampus entstanden, sondern darüber hinaus wichtige Grundlagen für die weitere Entwicklung der Universität gelegt wurden. Das wären eigentlich die besten Voraussetzungen für eine Wiederwahl 1979 gewesen. Doch Knöpfle verbaute sich seine Chancen durch ungeschicktes Taktieren im Vorfeld der Wahl so gründlich, dass er seinem bis dato innerhalb der Universität weithin unbekannten Herausforderer und Kollegen aus der Juristischen Fakultät Karl Matthias Meessen unterlag.

1974 – Ehrensenatoren der Universität Augsburg

Wolfgang Pepper, Hugo Fink und Erwin Salzmann wird der Ehrensenatorentitel verliehen © Universität Augsburg

 

Wie andere Universitäten vergab und vergibt auch die Universität Augsburg Ehrungen verschiedenen Grades an Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben. Darunter stellt die Würde einer Ehrensenatorin bzw. eines Ehrensenators die höchste Ehrung dar. Vergeben wird sie für besondere Verdienste um die Universität. Bis heute wurden 27 Frauen und Männer in dieser Form geehrt.
Es ist gut nachvollziehbar, dass die Universität bei der erstmaligen Verleihung im Jahr 1974 drei Männer ehrte, die sich um die Gründung und die Anfänge der Universität Augsburg besonders verdient gemacht hatten.

Dr. Wolfgang Pepper (1910-1997), SPD, war von 1964 bis 1972 Oberbürgermeister der Stadt Augsburg. In seine Amtszeit fällt also die Gründung der Universität Augsburg. Diese förderte Pepper nicht zuletzt dadurch, dass die Stadt Augsburg dem Freistaat Bayern einen beträchtlichen Teil der Fläche, auf der der Campus entstehen sollte, unentgeltlich überließ. Wie aus der ihm verliehenen Urkunde ferner hervorgeht, erwarb sich Pepper auch besondere Verdienste beim Bau des ersten Studentenwohnheims. Wie die beiden anderen Geehrten war Pepper darüber hinaus Mitglied des Schwäbischen Hochschulkuratoriums, einer Vereinigung von Augsburger und schwäbischen Honoratioren, die sich seit 1966 intensiv um die Gründung einer Universität in Augsburg bemühten.

Hugo Fink (1910-1986) zählt zweifellos zu den wenigen Personen, die man als „Väter“ der Universität Augsburg bezeichnen kann. Dem CSU-Politiker, von 1952 bis 1966 als berufsmäßiger Stadtrat Kultur- und Wirtschaftsreferent der Stadt Augsburg, kam dabei zugute, dass er auch wichtige Positionen in der bayerischen Landespolitik inehatte. Von 1954 bis 1974 war er Mitglied des bayerischen Landtags, leitete dort zwischen 1961 und 1966 den Haushaltsausschuss und übernahm anschließend bis 1970 das Amt eines Staatssekretärs Im Bayerischen Staatsministerium des Innern.
Fink gehörte zu den ersten und engagiertesten Vorkämpfern für das Augsburger Universitätsprojekt und gab auch dann nicht auf, als die Widerstände in München unüberwindlich schienen oder die Hoffnung in Augsburg bisweilen der Mutlosigkeit wich. Fink gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Schwäbischen Hochschulkuratoriums und wurde bei der konstituierenden Sitzung des Kuratoriums der Universität Augsburg im Januar 1974 zu dessen erstem Vorsitzenden gewählt.

Dr. Erwin Salzmann (1904-1990), ein führender Vertreter der Augsburger Textilindustrie und von 1968 bis 1973 Mitglied des Bayerischen Senats, gehörte wie Fink zu den Gründungsmitgliedern des Schwäbischen Hochschulkuratoriums. Als tatkräftiger Förderer der Universität bemühte er sich um die Integration der Universität Augsburg in der Augsburger Bürgerschaft und im schwäbischen Raum. Als Nachfolger von Dr. Georg Haindl war Salzmann bis 1980 Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg und erwarb sich auch in dieser Funktion große Verdienste um die Universität.

1975 – Der Senat der Universität

Sitzung des Senats der Universität am 2. Juli 1975 © Universität Augsburg

 

 

Der Senat war nach dem Bayerischen Hochschulgesetz von 1973 das wichtigste Kollegialorgan der akademischen Selbstverwaltung jeder bayerischen Universität. Es setzte sich zusammen aus dem Präsidenten, den Vizepräsidenten und dem Kanzler sowie sechs Professoren, zwei Vertretern der wissenschaftlichen Mitarbeiter, einem Vertreter des nichtwissenschaftlichen Personals und zwei Vertretern der Studierenden. Die Gruppenvertreter gingen aus Wahlen hervor. Ihre Amtszeit betrug ein Studienjahr (1.10.-30.9. des folgenden Jahres).

Zu den Kompetenzen und Aufgaben des Senats gehörte v.a. die Erstellung der Vorschlagsliste für die Wahl des Präsidenten und der Beschluss über Vorschläge zur Ernennung des Kanzlers, die Entscheidung über alle von der Universität zu erlassenden Rechtsvorschriften, die Bestellung der Mitglieder der Ständigen Kommissionen und des Kuratoriums, die Entscheidung über den Entwicklungsplan, die Gliederung der Universität, die Voranschläge zum Staatshaushalt, die inneruniversitäre Mittelverteilung, die Einrichtung, Änderung und Aufhebung von Studiengängen sowie über die Vorschläge der Fachbereiche für die Berufung von Professorinnen und Professoren.

Sitzungen des Senats der Universität Augsburg sind kaum fotografisch dokumentiert. Eine der ganz wenigen Ausnahmen ist die Sitzung vom 2. Juli 1975, die im Sitzungsraum im Gebäude A 1 in der Memminger Straße, in der die Universitätsleitung und die Verwaltung der Universität zunächst ihren Sitz hatte, stattfand. Es handelte sich dabei um die 4. Sitzung des 4. Senats der Universität Augsburg. Die Aufnahme zeigt leider nur einen Teil der damaligen Mitglieder des Senats. Von links nach rechts zu sehen sind Dr. Rudolf Frankenberger (Leiter der Universitätsbibliothek, Gruppe des hauptberuflichen nichtwissenschaftlichen Personals), Edmund Roßmann (Protokollant), Dr. Andreas Reich (Stellvertreter des Kanzlers, Gast der Sitzung), Präsident Prof. Dr. Franz Knöpfle, Kanzler Dr. Dieter Köhler, Vizepräsident Prof. Dr. Anton Rauscher (verdeckt), Vizepräsident Prof. Dr. Heinz Lampert, Prof. Dr. Louis Perridon (Gruppe der Professoren) und Dr. Joachim Vollmuth (Gruppe des hauptberuflichen wissenschaftlichen und künstlerischen Personals). Nicht zu sehen sind die weiteren Vertreter der Professoren (Herbert Buchner, Karl Forster, Karlheinz Kuntze, Konrad Schröder und Erich Weber), der weitere Vertreter der Gruppe des wissenschaftlichen Personals, Dr. Rainer Feuerstack, sowie die beiden studentischen Mitglieder des Senats, stud. paed. Sabine Lasser und stud. oec. Hartmut Gneiting.

1976 – Der neue Campus

Blick auf die Baumaßnahmen und die ersten Gebäude auf dem Campus: Universitätsbauamt (vorn) und Gebäude für die Philosophischen Fachbereiche und den Katholisch-Theologischen Fachbereich (hinten) (ca. 1976) (Foto: Fred Schöllhorn)

 

Bereits für die zunächst geplante Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Hochschule musste in Augsburg ein geeigneter Standort gefunden werden. Dabei legten sich die Planer in Augsburg schon 1966, als der Bayerische Landtag die Errichtung einer Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Hochschule in Augsburg beschloss, auf das Gelände des sog. Alten Flugplatzes fest, wo bis 1945 die Messerschmitt-Flugzeugwerke ihren Sitz hatten und das nach dem Bau des neuen Augsburger Flugplatzes in Mühlhausen für eine weitere städtebauliche Nutzung zur Verfügung stand. Als dann 1970 doch die Errichtung einer Universität auf dem Plan stand, gab es erneut intensive Debatten, wo sie angesiedelt werden sollte. So waren etwa auch verschiedene innenstadtnähere Standorte im Gespräch. Letztlich blieb es freilich beim Alten Flugplatz, denn die im Wachsen begriffene Stadt Augsburg suchte dringend nach einem geeigneten Standort für ein neues größeres Wohngebiet. Die große freie Fläche zwischen Siebentischwald, Haunstetten und Göggingen schien dazu ideal geeignet, auch hielt man die räumliche Verbindung eines neuen Wohngebiets mit einer neu zu errichtenden Universität für sehr aussichtsreich. Kritische Stimmen, die den Standort draußen im Süden vor der Stadt negativ beurteilten, weil er die Integration der Universität in die Stadt erschwere, fanden bei den Entscheidungsträgern letztlich kein Gehör.
Da die Universität Augsburg mit zunächst einem Fachbereich, aus dem bald aber schon sechs werden sollten, bereits rund 10 Monate nach ihrer Gründung den Lehrbetrieb aufnahm, standen zunächst noch keine neuen Gebäude zur Verfügung. Neben verschiedenen Provisorien in der Stadt konzentrierte sich alles zunächst am Standort Alte Universität an der Memminger Straße und Eichleitnerstraße (die zunächst noch Hessingstraße hieß), wo der Freistaat Bayern mehrere, vormals industriell genutzte Gebäude und Hallen mietete bzw. kaufte.
1974 erfolgte dann schließlich die Grundsteinlegung für den ersten Neubau auf dem Campus, der die Philosophischen Fachbereiche und den Katholisch-Theologischen Fachbereich sowie die Teilbibliothek Geisteswissenschaften und ein Hörsaalzentrum beherbergen sollte. 1977 war es fertiggestellt und konnte bezogen werden. Bereits zuvor hatte sich das staatliche Universitätsbauamt, das für alle Baumaßnahmen für die Universität verantwortlich war, ein eigenes Gebäude für sich in der nordöstlichen Ecke des Campus errichtet.

1977 – Einweihung des Neubaus für die Philosophischen Fachbereiche und den Katholisch-Theologischen Fachbereich

Einweihung des Neubaus für die Philosophischen Fachbereiche und den Katholisch-Theologischen Fachbereich im Oktober 1977 in Anwesenheit des bayerischen Kultusministers Prof. Dr. Hans Maier (ganz links) © Universität Augsburg

 

Während für den Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fachbereich bei der Aufnahme des Lehrbetriebs im Oktober 1970 immerhin die bereits im Hinblick auf die eigentlich geplante Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Hochschule angemieteten und adaptierten Gebäude in der Memminger Straße und für den Juristischen Fachbereich zu dessen Start 1971 die angekauften und umgebauten Gebäude in der Eichleitnerstraße zur Verfügung standen, entwickelte sich insbesondere die Unterbringung der Philosophischen Fachbereiche zu einem Wettrennen gegen die Zeit. Das bayerische Kultusministerium hatte den Studierwilligen den Beginn des Lehrbetriebs in diesen beiden Fachbereichen für das Wintersemester 1972/73 zugesagt, ohne dass freilich schon absehbar war, in welchen Räumlichkeiten der Lehrbetrieb denn stattfinden sollte. Zu diesem Zeitpunkt lag nicht nur die Fertigstellung der ersten Gebäude auf dem Campus in weiter Ferne, es wurde darüber hinaus in Augsburg noch intensiv darüber diskutiert, ob der geplante Standort des Campus überhaupt der richtige sei. Mit viel Improvisationskunst gelang es tatsächlich, den Lehrbetrieb in den beiden Philosophischen Fachbereichen in Räumen der Kongresshalle sowie einem eilig errichteten Bürogebäude an der Rumplerstraße (heute Büro Center Messe, BCM) provisorisch, aber pünktlich aufzunehmen. Der schon 1970 errichtete Katholisch-Theologische Fachbereich, der aus der Philosophisch-Theologischen Hochschule Dillingen hervorgegangen war, arbeitete bis 1971 noch in Dillingen weiter, bevor er dann angemietete Räumlichkeiten im Kloster Heilig Kreuz in der Innenstadt, das Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern in Göggingen sowie zusätzlich Räume im Gebäude der Juristischen Fakultät in der Eichleitnerstraße beziehen konnte.
So war, wie auf dem Foto zu sehen ist, die Freude und die Erleichterung groß, als die drei Fachbereiche 1977 das neue, einen Innenhof umschließende Gebäude auf dem Campus beziehen konnten, wo ihnen neben über 200 Büroräumen auch sieben Hörsäle, 50 Seminarräume, eine Cafeteria – die Mensa auf dem Campus öffnete erst 1983 ihre Pforten – sowie die Teilbibliothek Geisteswissenschaften zur Verfügung standen.

1978 – Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung mit der Universität Osijek

Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung mit der Universität Osijek am 12. April 1978 (links: Prof. Dr. Petar Anić (Rektor der Universität Osijek), rechts Präsident Prof. Dr. Franz Knöpfle) © Universität Augsburg

 

Die Informationsreise einer Delegation der kurz zuvor eigenständig gewordenen jugoslawischen Universität Osijek führte im Oktober 1976 unter anderem auch nach Augsburg. Aufgrund der Parallelen zwischen beiden Hochschulen (Neugründungen mit Reformkonzept, ähnliche Schwerpunkte in den Wirtschafts-, Rechts- und Erziehungswissenschaften) zeigten die Vertreter der Universität Osijek sehr schnell Interesse an einer institutionalisierten Partnerschaft. Nach einem Gegenbesuch einer Augsburger Delegation unter Leitung von Präsident Knöpfle im April 1977 kam es schnell zur Ausarbeitung eines Partnerschaftsvertrags, der am 12. April 1978 in Augsburg unterzeichnet wurde. Die beiden Universitäten vereinbarten darin u.a. den Austausch von Erfahrungen bei der Organisation und Durchführung des Lehrbetriebs sowie den Austausch von Lehrenden und Studierenden.

Seit 1980 erfolgte eine jährlich wiederkehrende Einladung an fünf Studierende aus Osijek zur Teilnahme am Internationalen Sommerkurs der Universität Augsburg, seit 1983 gab es regelmäßige wechselseitige Partnerschaftsbesuche. 1985 fand das erste gemeinsame Symposium zur Regionalentwicklung statt, dem später weitere folgten. Ab 1986 kam es zu regelmäßigen Forschungs- und Studienaufenthalten von Mitgliedern des Lehrkörpers und Studierenden verschiedener Fakultäten der Universität Osijek an der Universität Augsburg.

Da Osijek im Jugoslawien-Krieg seit 1991 schwer zu leiden hatte, organisierten Mitglieder der Universität Augsburg eine große humanitäre Hilfsaktion für ihre Partner-Universität. Obwohl die Universität größtenteils so schwer in Mitleidenschaft gezogen war, dass an einen regulären Studienbetrieb nicht zu denken war, verständigten sich beide Universitäten im Sommer 1992 in einer gemeinsamen Erklärung darauf, die Kooperation so bald wie möglich weiter fortzusetzen.

Für seine Verdienste als langjähriger Augsburger Koordinator der Partnerschaft mit der Universität Osijek erhielt der Ordinarius für Alte Geschichte, Prof. Dr. Gunther Gottlieb, 1993 die Ehrendoktorwürde der nunmehrigen kroatischen Universität.

1997 erfolgte eine Anpassung des Partnerschaftsvertrags an die veränderten staatlichen Gegebenheiten sowie eine Erweiterung und Präzisierung der Partnerschaftsziele.

Die 1978 geschlossene Vereinbarung begründete die erste Partnerschaft der Universität Augsburg mit einer ausländischen Universität. Aus diesen Anfängen hat sich in den seither vergangenen über 40 Jahren ein weltumspannendes Netz von Partnerschaften und Kooperationen entwickelt, das ein wesentliches Element der von der Universität verfolgten Internationalisierungsstrategie darstellt.

1979 – Prof. Dr. Karl Matthias Meessen wird Präsident der Universität

Amtsantritt des neuen Präsidenten der Universität, Prof. Dr. Karl M. Meessen (Foto: Fotostelle der Universitätsbibliothek Augsburg) © Universität Augsburg

 

Karl Matthias Meessen (1939-2015) absolvierte seine akademische Ausbildung und frühe Laufbahn vor allem an der Universität Bonn, wo er 1972 auch seinen ersten Ruf auf eine C2-Professur erhielt. Nach einer kurzen Zwischenstation in Köln nahm Meessen 1976 einen Ruf auf den Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Völkerrecht, Europarecht und internationales Wirtschaftsrecht an der Universität Augsburg an. Auch wenn er als einziger im Vorfeld der Präsidentenwahl 1979 frühzeitig seine Kandidatur angemeldet hatte, so war für ihn doch von Anfang an klar, dass er nur eine Amtsperiode amtieren wollte. Seine wissenschaftlichen Aufgaben waren ihm wichtig, weshalb er sich als erster bayerischer Hochschulpräsident bei seiner Wahl ausbedungen hatte, auch als Präsident seinen Lehrstuhlaufgaben weiter nachkommen zu können. Da Meessen stets dafür plädiert hatte, selbstbewusst die Interessen der Universität Augsburg gegenüber dem Kultusministerium in München zu vertreten, sahen manche in seiner Wahl nicht zuletzt den Wunsch nach einer Abkehr von der Politik Knöpfles. Auch mit seiner Ankündigung, Probleme im hochschulinternen Diskurs und möglichst auch Konsens zu lösen, setzte er sich klar von seinem Vorgänger ab. Trotz der ausgesprochen schwierigen Lage der öffentlichen Haushalte, die seine Amtszeit belastend prägte, gelang es ihm, geplante Bauprojekte (Mensa, Zentralbibliothek, Rektoratsgebäude) fortzuführen. Zu seinen größten Verdiensten zählt sicherlich der Aufbau des Faches Mathematik an der Universität Augsburg. Nicht durchsetzen konnte er hingegen sein wichtigstes Ziel, die Errichtung einer Medizinischen Fakultät. Das Bild zeigt links von ihm an der Wand einen Plan des Klinikums Augsburg und bringt dadurch zum Ausdruck, wie konkret und engagiert Meessen für eine Augsburger Universitätsmedizin kämpfte. Nachdem erbitterte, auch öffentlich ausgetragene Konflikte innerhalb der Katholisch-Theologischen Fakultät, von denen auch Meessen als Präsident direkt betroffen war, das Bild der Universität in der Öffentlichkeit belastet hatten, fiel es ihm umso leichter, 1983 im Einklang mit der soeben verabschiedeten Grundordnung der Universität nach bereits vier von sechs Amtsjahren seinen Rücktritt zu erklären, um sich wieder ganz seinem Lehrstuhl und anstehenden wissenschaftlichen Aufgaben zu widmen. Nach seinem Ausscheiden aus der Universität Augsburg im Jahr 1996 lehrte er noch bis 2004 an der Friedrich Schiller-Universität Jena.

1980 – Verleihung eines Wappens an die Universität Augsburg anlässlich ihres zehnten Geburtstags

Verleihung eines Wappens an die Universität Augsburg anlässlich ihres zehnten Geburtstags © Universität Augsburg
Verleihung eines Wappens an die Universität Augsburg anlässlich ihres zehnten Geburtstags © Universität Augsburg

 

„Gespalten; vorne in Gold übereinander drei halbe, rot bewehrte und gezungte, herschauende, schreitende schwarze Löwen am Spalt; hinten wiederum gespalten von Rot und Silber, mit einer Zirbelnuss auf goldenem Kapitell, das mit einem gekrönten Köpfchen belegt ist.“ So lautet die korrekte Beschreibung des Wappens der Universität Augsburg in der Fachsprache („Blasonierung“) der Heraldik.
Der Verleihung des Wappens durch das Bayerische Kultusministerium war eine intensive inneruniversitäre Diskussion über dessen Gestaltung vorangegangen. Die Geister schieden sich insbesondere daran, ob im Wappen ein Bezug zur ehemaligen Universität Dillingen hergestellt werden sollte und zwar durch den aufgelegten, also in der Mitte über dem Wappen positionierten sog. „Dillinger Hammer“. Obwohl der damalige Präsident Karl M. Meessen für diese Variante eintrat, gab es letztlich doch eine knappe Mehrheit dagegen.
So verweist das Wappen mit der Augsburger Zirbelnuß einerseits auf den örtlichen Sitz der Universität, nach dem sie ja auch benannt ist. Die unter der Zirbelnuß liegenden Farben Rot und Silber sind dem Wappenschild des Bistums und ehemaligen Hochstifts Augsburg entnommen. Die schwarzen Löwen auf goldenem Grund waren das Wappen des ehemaligen staufischen Herzogtums Schwaben, womit das Wappen die Verbindung der Universität mit ihrem schwäbischen Umland zum Ausdruck bringt.

1981 – Die Oettingen-Wallerstein-Bibliothek

Provisorische Aufstellung der Oettingen-Wallerstein-Bibliothek im Geb. A5 in der Memminger Straße © Universität Augsburg

 

Für 40 Mio DM erwarb der Freistaat Bayern 1980 die zuletzt auf der Harburg verwahrte Privatbibliothek des in Nordschwaben beheimateten Adelsgeschlechts der Fürsten von Oettingen-Wallerstein und übergab sie sogleich der Universitätsbibliothek Augsburg. Damit war nicht zuletzt die Absicht verbunden, die Bibliothek der jungen schwäbischen Universität mit einem wertvollen Altbestand auszustatten und damit dessen Nutzung durch die Forschung wesentlich zu erleichtern und zu verbessern.

Die Oettingen-Wallerstein-Bibliothek ist das Ergebnis einer mindestens seit dem 15. Jahrhundert andauernden Sammelleidenschaft von Angehörigen des auf mehrere Seitenlinien verteilten Hauses Oettingen. Eingang in die Sammlung fand im Laufe der Zeit aber etwa auch die bedeutende Bibliothek Marquard Fuggers (1595-1655). Den größten Zuwachs erfuhr sie allerdings durch die reichen und wertvollen Buchbestände der im Zuge der Säkularisation aufgehobenen Benediktinerklöster St. Mang in Füssen, Heilig Kreuz in Donauwörth und Mönchsdeggingen, des Birgittenklosters Maihingen im Ries sowie des Zisterzienserinnenklosters Kirchheim im Ries.

Von den rund 150.000 Bänden der Oettingen-Wallerstein’schen Bibliothek ist der weitaus größte Teil den Druckwerken des 16.-18. Jahrhunderts zuzuordnen. Die Glanzstücke der Sammlung wie etwa das um 710 entstandene Echternacher Evangeliar oder die überaus reich illustrierte Spanische Bilderbibel aus dem frühen 13. Jahrhundert gehören freilich zu den rund 1600 Handschriften. Daneben umfasst die Sammlung rund 1300 Inkunabeln (Wiegendrucke aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts) sowie 1800 Musikhandschriften und 600 Musikdrucke.

Bis zur Fertigstellung der Zentralbibliothek auf dem Campus musste die Oettingen-Wallerstein-Bibliothek, wie das 1981 entstandene Foto zeigt, provisorisch in der Halle A 5 in der Memminger Straße, in der seit 1970 zunächst große Teile der Universitätsbibliothek untergebracht waren, aufgestellt werden. Als das neu errichtete Gebäude der Zentralbibliothek 1985 bezugsfertig war, fand die Oettingen-Wallerstein Bibliothek dort in einem eigenen, besonders gesicherten und klimatisierten Magazinbereich ihre neue Heimat.

1982 – Eröffnungsfeier der Naturwissenschaftlichen Fakultät

Eröffnungsfeier der Naturwissenschaftlichen Fakultät am 3. November 1982 im Gebäude A 1 in der Memminger Straße; am rechten Tisch links vorne: Präsident Prof. Dr. Meessen, rechts vorne: Vizepräsidentin Prof. Ilse Lichtenstein-Rother © Universität Augsburg

 

Zwar waren bereits mit der Integration der Pädagogischen Hochschule Augsburg als Erziehungswissenschaftlicher Bereich im Jahr 1972 die für die Ausbildung der Volksschullehrer relevanten Fächer Didaktik der Mathematik und Didaktik der Biologie sowie von der 1971 aufgelösten Philosophisch-Theologischen Hochschule Dillingen ein Lehrstuhl für Biologie an die Universität Augsburg gekommen, doch damit wollte sich die Universität nicht zufriedengeben.
Nachdem in den Empfehlungen des Strukturbeirats, der 1974 nachträglich ein Konzept für die seit bereits vier Jahren im vollen Betrieb stehende Universität vorlegte, die Errichtung eines naturwissenschaftlichen Fachbereichs mit den Fächern Mathematik und Physik vorgeschlagen worden war, bemühte sich die Universität in den folgenden Jahren um die Realisierung dieses Projekts, dem für die weitere Entwicklung der Universität seitens der Universitätsleitung große Bedeutung beigemessen wurde. Den Durchbruch brachte schließlich das innovative Konzept, nicht auf die Grundlagenforschung zu setzen, sondern vielmehr die Anwendungsorientierung und damit den Nutzen für Industrie und Wirtschaft in den Mittelpunkt zu rücken. Dazu gehörte etwa der Ansatz, in der Ausbildung gezielt auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse zu vermitteln.
An der 1981 errichteten Naturwissenschaftlichen Fakultät war zunächst nur das Fach Mathematik vertreten. Erst als die parallel vorangetriebenen Pläne für eine Medizinische Fakultät, die natürlich auch einen starken naturwissenschaftlichen Schwerpunkt mit sich gebracht hätte, 1983 endgültig gescheitert waren, konnte auch an den schon lange in den Blick genommenen Aufbau des Faches Physik mit der Besetzung des ersten Lehrstuhls für Theoretische Physik im Jahr 1985 gedacht werden.
Ab 1989 konnte – zunächst mit dem Bezug eines neu errichteten Fakultätsgebäudes auf dem Campus neben der Mensa, in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre mit den großen Neubauten für das Institut für Physik entlang der Hugo-Eckener-Straße – das bauliche Provisorium an der Memminger Straße nach und nach aufgegeben werden.

1983 – Prof. Dr. Josef Becker wird Präsident der Universität

Übergabe des Präsidentenamts von Prof. Dr. Karl M. Meessen an Prof. Dr. Josef Becker am 9. November 1983 © Universität Augsburg

 

Gänzlich unspektakulär und mit einer Zweidrittelmehrheit bereits im ersten Wahlgang auch überzeugend verlief 1983 die Wahl des 1931 in Buchen/Odenwald geborenen Historikers Josef Becker zum neuen Präsidenten. Dieser hatte nach dem Studium (Geschichte, Germanistik, Französisch, Latein) in München und Paris, der Promotion (1958) und der Habilitation (1968) 1973 einen Ruf auf den Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Augsburg angenommen. Verdienste Beckers als Präsident sind auf vielen Feldern zu konstatieren. Von zukunftsträchtiger Bedeutung war etwa sein konsequenter Einsatz für den weiteren Ausbau der Naturwissenschaften, mit der Becker auf die an die Universitäten als Zielvorgabe herangetragene stärkere Orientierung an den ökonomischen und gesellschaftlichen Bedürfnissen reagierte. Mit der Gründung mehrerer interdisziplinärer Institute trug er maßgeblich zur Profilbildung der Universität Augsburg bei. Die ebenfalls in seine Amtszeit fallende Gründung mehrerer Stiftungen zugunsten der Universität weitete ihre Möglichkeiten in Forschung und Lehre beträchtlich aus. Becker knüpfte vielfältige Kontakte, gerade in Stadt und Region, um sie dort stärker zu verankern. Eine zunehmend professionalisierte Pressearbeit trug dazu bei, die Interessen der Universität einem größeren Publikum näherzubringen. Auffallend sind die vielen während der Amtszeit Beckers vorgenommenen akademischen Ehrungen, die freilich umgekehrt durch eine geschickte Auswahl der Geehrten wiederum Glanz auf die Universität fallen ließen. Angesichts dieser Verdienste war die Wiederwahl Beckers nach dem Ende der ersten Amtszeit 1987 für weitere vier Jahre nur eine Formalie, die freilich mit einer beeindruckenden Dreiviertelmehrheit in der Abstimmung gegen den Politologen Theo Stammen wiederum überzeugend ausfiel.

1984 – Ein erster provisorischer Campus: Die Alte Universität

Ansicht des Gebäudes A1 in der Memminger Straße/Ecke Schertlinstr. © Universität Augsburg

 

Die vom Freistaat Bayern ab 1970 angemieteten und für die Zwecke der Universität adaptierten Gebäude an der Memminger Straße von der Einmündung in die Eichleitnerstraße bis zur Einmündung in die Schertlinstraße hatten zuvor der Fa. Böwe als Firmensitz gedient. Zusammen mit dem unmittelbar westlich angrenzenden Gebäudekomplex (vormals Fa. Walter Friedrich) an der Eichleitnerstraße, die bis 1973 noch Hessingstraße hieß, entwickelte sich hier eine erste campusähnliche Situation, war auf dem Gelände neben – zunächst - zwei Fakultäten (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlicher Fachbereich, Juristischer Fachbereich) doch auch die Verwaltung der Universität, die Universitätsbibliothek, eine Mensa sowie ein größerer Hörsaal angesiedelt. 
Bis zur Fertigstellung des ersten Neubaus auf dem Campus 1977 fand die Universität in erster Linie hier, am Standort „Alte Universität“ statt. Auch wenn dieser Standort ursprünglich nur als vorübergehendes Provisorium gedacht war, so nutzte die Universität die Gebäude in der Memminger Straße letztlich bis zum Umzug der Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät auf den Campus Mitte der 1990er Jahre. Und in der Eichleitnerstraße 30, in dem die Juristische Fakultät von 1971 bis 1999 untergebracht war, residieren bis heute neben dem Studentenwerk Augsburg verschiedene Einrichtungen und Lehrstühle der Universität.
Das auf dem Foto abgebildete, 1961 errichtete Gebäude A 1 war nach einem ganz frühen Provisorium in der Stadtmitte bei der Regierung von Schwaben seit der Anmietung zum 1. Mai 1970 Sitz der Verwaltung der Universität und des Präsidiums. Nach der Fertigstellung des Präsidiums- und Verwaltungsgebäudes auf dem Campus im November 1984 und dem dadurch möglichen Umzug dieser Einrichtungen stand das Gebäude für die 1981 neu errichtete Naturwissenschaftliche Fakultät und das zuvor provisorisch im unmittelbar benachbarten Anna-Gymnasium an der Schertlinstraße untergebrachte Rechenzentrum zur Verfügung – bis diese 1989 ihrerseits in einen Neubau auf dem Campus umzogen.

1985 – Eröffnung der Zentralbibliothek

Blick auf das 1985 eröffnete Gebäude der Zentralbibliothek © Universität Augsburg

 

Bedenkt man, welche Rolle die Universitätsbibliotheken bei der Bereitstellung der Fachliteratur für Forschung und Lehre an Universitäten spielen, dann wird deutlich, welche Bedeutung die Eröffnung des Gebäudes 15 Jahre nach der Gründung der Universität und der ebenso langen provisorischen Unterbringung der Zentralbibliothek in einer ehemaligen Industriehalle in der Memminger Straße für die Universität Augsburg hatte.

Zwar war die Teilbibliothek Geisteswissenschaften mit ihren Präsenzbeständen schon 1977 mit den beiden Philosophischen Fakultäten und der Katholisch-Theologischen Fakultät in den ersten Neubau auf dem Campus eingezogen. Mit der Eröffnung des Neubaus 1985, der auch die Aufgabe des bisherigen Ausweichstandorts an der Ulmer Straße ermöglichte, war nun u.a. nun auch der große Magazinbestand auf dem Campus für Lehrende und Lernende schneller greifbar.

Mit dem Gebäude der Zentralbibliothek wurde die vom zentralen Platz an der heutigen Straßenbahnhaltestelle in Ost-West-Richtung verlaufende architektonische Achse erstmals über die eiszeitliche Hangkante hinaus nach oben verlängert. Die Zentralbibliothek stellt aufgrund dieser exponierten Lage bis heute einen besonderen Blickfang auf dem Campus dar.
Dabei zeichnet den in einer Bauzeit von vier Jahren errichteten Stahlbetonskelettbau eine zeitgemäße Architektur aus, die trotz der beeindruckenden Maße – 3000 m2 überbaute Fläche, 52.000 m3 umbauter Raum, Hauptnutzfläche 8.500 m2 – auf Monumentalität verzichtet.

Verfügte die Universitätsbibliothek am Ende ihres ersten Betriebsjahres 1970 über einen Bestand von lediglich 36.651 Bänden und 393 laufenden Zeitschriften, so weist die Statistik 1985 bereits 1.317.483 Bände (ohne die Oettingen-Wallerstein-Bibliothek), 165.253 sonstige Medien und 6824 laufende Zeitschriften aus. 2019 waren es sogar 2.251.924 Bände (ohne die Handschriften der Oettingen-Wallerstein-Bibliothek), 513.5593 andere Medien sowie 54.080 Zeitschriften (Print und elektronisch).

1986 – Die Kurt Bösch-Stiftung

Übergabe der Gründungsurkunde für die Kurt Bösch-Stiftung zugunsten der Universität Augsburg am 29. Januar 1986 durch Kurt Bösch (links) an den Präsidenten der Universität Augsburg, Prof. Dr. Josef Becker (rechts) © Universität Augsburg

 

Mehrere Stiftungen, die mit ihren Mitteln Forschung und Lehre an der Universität Augsburg unterstützen, existieren bis heute. Nicht zuletzt aufgrund der Person des Stifters nehmen die beiden Kurt-Bösch-Stiftungen dabei eine besondere Stellung ein.

Der 1907 in Augsburg als Sohn eines renommierten Schweizer Architekten geborene Kurt Bösch war seit der Zeit seines Wehrdienstes eng mit dem Wallis verbunden. Nach ersten Erfahrungen als Kaufmann in Zürich kam er zurück nach Augsburg, wo er seit 1952 als alleiniger Vorstand und Inhaber die Alpine AG zu einem Weltunternehmen auf dem Gebiet der mechanischen Verfahrenstechnik formte, das aber auch durch beispielhafte Sozialeinrichtungen Vorbildcharakter erlangte. Jenseits seiner unternehmerischen Aktivitäten betätigte sich Bösch als international renommierter Kunstsammler und -mäzen, unterhielt teilweise lebenslange Freundschaften mit Malern und Literaten, die er auch finanziell unterstützte.

1986 errichtete Kurt Bösch zwei Stiftungen, von denen die Universität Augsburg fortan in besonderer Weise profitieren sollte. Die ‚Stiftung zugunsten der Universität Augsburg‘ verfolgt gemäß dem Willen des Stifters dabei das Ziel die "Pflege der Wissenschaft an der Universität Augsburg in Forschung, Lehre und Studium, insbesondere durch die Förderung der internationalen Beziehungen der Universität".
Seine enge Verbundenheit mit dem Wallis brachte Kurt Bösch dazu, in Sitten/Sion eine weitere Stiftung zu errichten, die "die Begegnung sowie den wissenschaftlichen, kulturellen und sprachlichen Austausch zwischen Welsch und Deutsch im Gebiete des Kantons Wallis" zum Ziel hatte. Aus seinem umfangreichen Immobilienbesitz in der Nähe von Sitten/Sion brachte er drei am Südhang des Rhonetals gelegene Häuser in die Stiftung ein, die fortan Übernachtungs-, Aufenthalts und Seminarräume für Lehrende und Studierende aus Augsburg und dem Wallis zur Verfügung stellten. Dieses Angebot zum gemeinsamen Austausch in einer inspirierenden Umgebung nutzten seither mehrere tausend Augsburger und Schweizer Studierende mit ihren Dozentinnen und Dozenten.

Kurt Bösch starb hochbetagt und vielfach geehrt, unter anderem mit der Würde eines Ehrensenators der Universität Augsburg, im Jahr 2000 in seiner Wahlheimat Augsburg.

1987 – Universitätstage: Die Universität stellt sich vor

Veranstaltung im Freien im Rahmen des Universitätstages 1987 in Günzburg © Universität Augsburg

 

Zwischen 1982 und 1990 gab es insgesamt 11 sog. Universitätstage. Im Gegensatz zum ‚Tag der Universität‘, einer Form der Akademischen Jahresfeier, handelte es sich bei dieser Veranstaltung mit ähnlich klingendem Namen um den Versuch, das Bildungsangebot der Universität Augsburg in der Region zu präsentieren. Die Universität kam damit nicht zuletzt ihrem Gründungsauftrag nach, die regionalen Bildungsreserven in Bayerisch- Schwaben zu erschließen.

Jedes Jahr wurde dabei eine andere Stadt angesteuert. Den Anfang machte 1982 Dillingen, das einst selbst eine Universität und dann bis 1971 eine Philosophisch-Theologische Hochschule, die schließlich als Katholisch-Theologische Fakultät an der Universität Augsburg fortwirkte, in seinen Mauern beherbergt hatte. Es folgten Kempten, dem bei seinen Bemühungen um eine ‚Alpen-Universität‘ kein Erfolg beschieden war, Lindau, Landsberg am Lech, Nördlingen, Mindelheim, Günzburg, Memmingen, Neu-Ulm, Donauwörth und Kaufbeuren.

Ein solcher Universitätstag begann üblicherweise damit, dass Dozentinnen und Dozenten vormittags  in den örtlichen Gymnasien ihre Fächer sowie die Studienbedingungen an der Universität Augsburg vorstellten, teilweise auch Unterricht hielten. Am Nachmittag präsentierte sich jeweils die gastgebende Stadt mit Führungen. Den Tag beschloss ein von der Universität angebotener wissenschaftlicher Vortrag, den in der Regel das ‚Collegium musicum‘ der Universität musikalisch umrahmte.

An der Spitze der Delegation der Universität stand stets ihr Präsident: 1982 und 1983 zunächst noch Prof. Dr. Karl M. Meessen, in den folgenden Jahren dann Prof. Dr. Josef Becker. Seine Aufgabe war es, die Universität kurz vorzustellen und ihre Forschungsschwerpunkte zu erläutern.

Mit den Universitätstagen gelang es nicht nur, für ein Studium in Augsburg zu werben, sondern auch die Universität und ihr Bildungsangebot in der Region stärker zu verankern.

1988 – Akademische Jahresfeier

Festvortrag von Roman Herzog im Rahmen der Akademischen Jahresfeier am 15.Juli 1988 im HS I © Universität Augsburg

 

Seit 1982 gibt es auch an der Universität Augsburg eine festliche Veranstaltung zum Abschluss des akademischen Jahres, die üblicherweise am Ende der Vorlesungszeit des das akademische Jahr beschließenden Sommersemesters stattfindet. Wurde diese Feier von 1982 bis 1987 in Form eines ‚Dies academicus‘ begangen, gab es 1988 erstmals eine ‚Akademische Jahresfeier‘, seit 1993 wird der ‚Tag der Universität‘ gefeiert.

Während schon in den Jahren zuvor neben dem Rückblick des Präsidenten auf das vergangene Jahr die Übergabe der Promotionsurkunden, die Verleihung von Preisen für hervorragende Dissertationen sowie der Festvortrag eines auswärtigen Gastes zu den zentralen Programmpunkten der Feier zählte, kam 1988 die Verleihung der Ehrensenatorenwürde an den Vorsitzenden der Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg, Dr. Gerd Wollburg, hinzu. Den anschließenden Festvortrag zum Thema „Wer hütet die Hüter der Verfassung?“ hielt der damalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts (und spätere Bundespräsident) Prof. Dr. Roman Herzog.

Den Tag beschloss ab 20 Uhr der große Sommernachtsball der Universität in der Mensa, bei dem die Gäste bis 4 Uhr morgens feiern konnten.

1989 – Die ersten Akademischen Ehrenbürger der Universität Augsburg

Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Universität Augsburg an Josef Felder, Friedrich Georg Friedmann und Hans Herwarth von Bittenfeld (v.l.n.r. in der ersten Reihe) © Universität Augsburg

 

Zu den bedeutendsten althergebrachten akademischen Ehren, die eine Universität in Deutschland seit 1919 vergeben kann, zählt die Würde eines Akademischen Ehrenbürgers. Im Gegensatz etwa zur Ehrendoktorwürde, die einer bzw. einem auswärtigen Gelehrten in Anerkennung ihrer bzw. seiner wissenschaftlichen Verdienste verliehen wird, oder der Ehrensenatorenwürde als Dank für besondere Verdienste um die jeweilige Universität werden mit der Akademischen Ehrenbürgerwürde Personen ausgezeichnet, die auf anderen Feldern Herausragendes geleistet haben.

Mit der auf einen Beschluss des Senats der Universität Augsburg vom 24. Mai 1989 zurückgehenden Ehrung von Josef Felder, Friedrich Georg Friedmann und Hans Herwarth von Bittenfeld wollte die Universität mit Blick auf die oft unselige Verbindung der Universitäten mit dem NS-Regime daran erinnern, „daß ihre Mitglieder da besonders gefordert bleiben, wo humane Grundnormen von Gesellschafts- und Staatsordnung in Frage gestellt werden“.

Entsprechend wurden 1989 drei Persönlichkeiten mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet, „die Beispielhaftes geleistet haben für die Wahrung jener Grundwerte, auf denen vor 40 Jahren in der Abgrenzung von einer verhängnisvollen Phase unserer Geschichte die Fundamente für eine neue, humane Staats- und Gesellschaftsordnung gelegt wurden“: Der in Augsburg geborene Josef Felder (1900-2000) als letzter noch lebender ehemaliger Reichstagsabgeordneter der SPD, der 1933 gegen das sog. Ermächtigungsgesetz stimmte, der Kulturhistoriker Prof. Dr. Friedrich Georg Friedmann (1912-2008), der seine Heimatstadt Augsburg wegen seiner jüdischen Wurzeln verlassen und ins amerikanische Exil fliehen musste, sich gleichwohl nach 1945 dem Dialog zwischen Christen und Juden verschrieb, sowie der aus einem alten Augsburger Patriziergeschlecht stammende Baron Hans Herwarth von Bittenfeld (1904-1999), der nach 1939 dem diplomatischen und militärischen Widerstand gegen Adolf Hitler angehörte.

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