Klaus Weber bringt Robotern Witze bei. Man denkt an Wall-E, Bender, C-3PO, und findet die Vorstellung amüsant. Was scherzhaft klingt, ist jedoch gesellschaftlich relevante Forschung an der Fakultät für Angewandte Informatik der Universität Augsburg.

Witze von den Robotern reproduzieren, also schlicht abrufen und nochmal erzählen zu lassen, ist dabei nicht das Ziel. Vielmehr geht es darum, ihnen Humor beizubringen, einen Humor, auf den ein menschliches Gegenüber adäquat, also mit Belustigung, reagiert.

Am Lehrstuhl für Multimodale Mensch-Technik-Interaktion der Universität Augsburg, wo Weber und seine Kollegen arbeiten, gibt es mehrere Studien und Projekte rund um das Thema Roboterhumor. Das übergeordnete Forschungsthema ist Mensch-Maschine-Interaktion, vor allem in sozialen Situationen.
 

Reetis Gesichtsausdrücke

Studienobjekt auf Maschinenseite ist Reeti, ein sozialer Roboter. Reeti hat ein Gesicht, das einem Cartoon entsprungen zu sein scheint, er kann sprechen und seine Gesichtszüge bewegen.

Was lustig ist und was nicht, beziehungsweise welche Witze beim menschlichen Gesprächspartner ankommen und welches Verhalten in einer Witz-Situation authentisch ist, erfährt Reeti mittels reinforcement learning, einer Methode maschinellen Lernens. Dabei „lernt“ der Roboter durch das menschliche Feedback während vieler Durchläufe mit menschlichen Probanden und Probandinnen. Vorab wurde er mit einem großen Konglomerat verschiedener Witze, auch verschiedener Humorkategorien, „gefüttert“.

Zwei Ebenen sind entscheidend für Reetis Humorausbildung: Zum einen muss er die Art von Witzen erzählen, die das menschliche Gegenüber lustig findet, es geht also um Inhalte. Hier existieren einige Studien, die sich vor allem mit robotergenerierter Stand-Up-Comedy beschäftigen. Witzinhalte jedoch reichen bei weitem nicht aus, damit die Roboter überzeugend und authentisch als humorvoll wahrgenommen werden. Passendes paralinguistisches und nonverbales Verhalten muss daher zum anderen die Inhaltsebene ergänzen. Dazu gehören Intonation, Gesichtsausdrücke, Blicke, Gesten und Lachen. Der Roboter soll auf eine unauffällige, beobachtende, „menschliche“ Art lernen, die auf dem unausgesprochenen Feedback der Menschen beruht.

 

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Social signal interpretation – eine Lehrstuhlentwicklung

Reetis Lernprozess basiert auf einer Sozial-Signal-Analyse erklärt Klaus Weber. „Der Roboter beobachtet Sie, er ist quasi eine Kamera. Wir benutzen ein Tool, das wir am Lehrstuhl selbst entwickelt haben. Es ermöglicht eine Echtzeitanalyse sozialer Signale, bei unserer Studie sind das vor allem Lächeln und Lachen.“ Social signal interpretation, SSI, erkennt mit welcher Wahrscheinlichkeit der Mensch vor der Kamera, sozusagen dem Roboterauge, lachen und lächeln wird. Diese Werte nutzt der Roboter, um die Witzpräferenzen des jeweiligen Gegenübers zu erkennen und selbst passend zu reagieren. Menschen fühlten sich besser amüsiert und erleben den Roboterhumor als authentischer, wenn Reeti nicht nur ihren Humor erkennt und die „richtigen“ Witze erzählt, sondern auch selbst passende Gesichtsausdrücke und Reaktionen wie ein Lächeln zeigt.
 

Warum Humor wichtig ist

Warum nun ist Humor ein Forschungsthema am Lehrstuhl für Human-Centered Multimedia? Wie profitiert die Gesellschaft vom witze-erzählenden Reeti?

Humor ist wichtig für die menschliche Psyche, gemeinsames Lachen sorgt für positive Gefühle und Verbundenheit

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zum Gesprächspartner. Das gilt auch für Situationen mit sozialen Robotern – so die Prämisse der Forscherinnen und Forscher, die sich mit ihnen beschäftigen. Die soziale Interaktion mit der Maschine wird für den Menschen angenehmer.

Roboter, die in der Lage sind, menschliche Interaktion zu imitieren, haben das Potenzial, diverse soziale Situationen zu bereichern. „Vorstellbar und realistisch sind zum Beispiel Szenarien, in denen soziale Roboter ältere, vielleicht einsame Menschen unterstützen,“ sagt Weber. Die Roboter könnten hier – zumindest teilweise – fehlende Sozialkontakte kompensieren und das Bedürfnis der Menschen einen angenehmen, genussvollen Alltag zu erleben befriedigen.

In diese Richtung forscht Hannes Ritschel, wie Weber wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Human-Centered Multimedia, der Reeti mittel reinforcement learning beibringt, Geschichten so zu erzählen wie die jeweiligen Zuhörer es als angenehm und anregend empfinden.
 

Echter Humor oder Algorithmus?

Die Roboter lernen und imitieren etliche der menschlichen Facetten sozialer Situationen, aber haben sie Humor im menschlichen Sinn?

„Tatsächlich“, erklärt Weber, „hat ein Roboter nur so viel Humor wie man ihm gibt. Er versteht ihn aber nicht, das muss man ganz klar sagen. Selbst wenn es so wirkt, als habe er Humor – er selbst weiß es nicht. Im Endeffekt handelt es sich also um das simulierte Verständnis eines menschlichen Bedürfnisses.“ Das wiederum basiere auf reiner Mathematik: Matrizenrechnung und Algorithmen.

 

Hier sehen Sie Reeti in Aktion:

 

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