Anna Roth
Manchmal muss man sich einfach trauen, eine Bewerbung abzuschicken und eine neue Möglichkeit auszuprobieren. Der eigene Berufsweg darf sich auch erst unterwegs entwickeln.

Anna Roth
Referentin E-Government, Bayerisches Staatsministerium für Digitales (StDM)

Wichtige Karriereschritte

seit 08/2023
Referentin für E-Government am Bayerischen Staatsministerium für Digitales (StMD)

05/2018 – 03/2021
Wissenschaftliche Hilfskraft am Ferdinand-Steinbeis-Institut Stuttgart
Mitarbeit an Forschungsprojekten zur digitalen Transformation, insbesondere in den Bereichen KMU, Großhandel und Gesellschaft

10/2018 – 12/2022
Masterstudium Digital Humanities, Universität Stuttgart

04/2015 – 09/2018
Bachelorstudium Kunst- und Kulturgeschichte, Universität Augsburg

Interview vom 26.07.2026

Frau Roth, Sie sind Referentin für E-Government beim Bayerischen Staatsministerium für Digitales. Würden Sie bitte kurz beschreiben, wie Ihr Arbeitsalltag aussieht und welche Aufgaben dazu gehören?
Die Arbeit in einem Ministerium ist vielseitig und abwechslungsreich und bringt ganz unterschiedliche Aufgaben und Themen mit sich. Mein Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung der bayerischen Kommunen. Wir unterstützen Kommunen ganz konkret dabei, Verwaltungsleistungen zu digitalisieren und Prozesse stärker zu standardisieren.

Ein wesentlicher Teil meiner Tätigkeit ist das Projektmanagement größerer Digitalisierungsvorhaben. Dabei koordiniere ich unterschiedliche Beteiligte, entwickle Konzepte und Lösungsansätze, begleite Abstimmungsprozesse und bin auch für die Planung und Steuerung größerer Budgets verantwortlich.

Daneben gehört die klassische ministerielle Arbeit zu meinem Alltag: Ich bereite beispielsweise Termine für Minister und Amtschef vor und begleite diese, wirke an Gremiensitzungen mit, beantworte Presse- und Landtagsanfragen und unterstütze die Hausspitze bei der Bewertung strategischer Fragestellungen.

Gerade diese Mischung finde ich spannend: Meine Arbeit reicht von konkreten Digitalisierungsprojekten bis hin zu politischen Fragestellungen. Dadurch beschäftige ich mich immer wieder mit neuen Themen und arbeite mit ganz unterschiedlichen Menschen und Institutionen zusammen.

 

Wie sind Sie in diesen Bereich gekommen und was begeistert Sie daran?

Mein Weg dorthin war tatsächlich nicht von Anfang an geplant. Nach meinem Bachelorabschluss an der Universität Augsburg bin ich über mein Masterstudium immer stärker mit Digitalisierungsthemen in Berührung gekommen. Parallel dazu habe ich am Ferdinand-Steinbeis-Institut Stuttgart an Forschungsprojekten zur digitalen Transformation mitgearbeitet. So hat sich mein beruflicher Schwerpunkt nach und nach entwickelt.

An meiner Arbeit schätze ich vor allem die Abwechslung: Ich arbeite mich in neue Themen ein, organisiere Termine und Gremiensitzungen und entwickle gemeinsam mit Partnern umsetzbare Lösungen. Digitalisierung finde ich dabei besonders spannend, weil es nicht nur um Technik geht. Es geht auch darum, wie Menschen arbeiten, wie Prozesse funktionieren und wie man (gesellschaftliche) Veränderungen sinnvoll gestalten kann.

Und ich finde es schön, in einem Bereich zu arbeiten, der nicht nur für ein einzelnes Unternehmen relevant ist, sondern ganz konkret die öffentliche Verwaltung und damit letztlich auch unsere Gesellschaft betrifft.

 

Welche Voraussetzungen muss man für Ihren Beruf mitbringen?

Wichtig sind Neugier, eine schnelle Auffassungsgabe und die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte zu erfassen. Im Ministerium begegnen mir immer wieder Fragestellungen, mit denen ich mich vorher noch nie beschäftigt habe. Dann muss ich relativ schnell verstehen: Worum geht es eigentlich? Wer ist beteiligt? Und was brauchen wir, um weiterzukommen?

Außerdem sollte man gerne mit Menschen zusammenarbeiten und sich gut ausdrücken können. Man sollte frei sprechen, die eigene Position verständlich vertreten und gut argumentieren können – zum Beispiel in Besprechungen, bei Präsentationen oder in Gremien. Dabei hilft es, sich auf unterschiedliche Gesprächspartner einstellen zu können.

Interesse an politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen ist natürlich ebenfalls hilfreich.

 

Was sind die 3 wichtigsten Kompetenzen/Softskills, die in Ihrem Beruf gefragt sind?

Für mich sind das Kommunikationsfähigkeit, Organisationstalent und Teamfähigkeit.

Kommunikationsfähigkeit bedeutet in meinem Beruf nicht nur, komplexe Themen verständlich erklären und die eigene Position gut vertreten zu können. Gerade bei größeren Projekten treffen häufig Beteiligte mit sehr unterschiedlichen Interessen und Zielsetzungen aufeinander. Dann ist es wichtig, die verschiedenen Perspektiven zu verstehen, gut zu vermitteln und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die für die Beteiligten tragfähig sind.

Gleichzeitig laufen häufig mehrere Themen und Projekte parallel. Deshalb sollte man gut organisiert sein, Prioritäten setzen und auch bei vielen verschiedenen Aufgaben den Überblick behalten.

Und schließlich funktioniert die Arbeit im Ministerium selten allein. Man arbeitet viel im Team und mit anderen Behörden, Kommunen, Verbänden und Dienstleistern zusammen. Deshalb finde ich es wichtig, offen auf andere zuzugehen, unterschiedliche Sichtweisen ernst zu nehmen und gerne gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.

 

Welche Schwerpunkte hatten Sie im Studium gesetzt? Wie hat Sie das Studium auf Ihre jetzige Tätigkeit vorbereitet?

Mein Bachelor in Kunst- und Kulturgeschichte klingt zunächst vielleicht nicht nach dem klassischen Einstieg in ein Digitalministerium. Im Master Digital Humanities stellte sich dann die Verbindung zwischen Geisteswissenschaften und digitalen Technologien her. In Seminaren aus dem Bereich Informatik erwarb ich beispielsweise Kenntnisse darin, Sprache zu kodieren und maschinenlesbar zu machen, Daten zu analysieren oder eine digitale Edition zu programmieren.

Rückblickend profitiere ich heute sehr von dieser Kombination. Das geisteswissenschaftliche Studium hat mir vermittelt, mich selbstständig in komplexe Themen einzuarbeiten, Informationen kritisch zu bewerten und Zusammenhänge verständlich aufzubereiten. Der Master ergänzte dieses Fundament durch technisches Verständnis: Ich eignete mir an, wie Daten und digitale Technologien funktionieren und wie man sich praktisch mit technischen Fragestellungen auseinandersetzt.

Für meine heutige Tätigkeit ist gerade diese Verbindung hilfreich. Ich muss technische Themen verstehen und einordnen können, gleichzeitig aber auch die organisatorischen, strategischen und kommunikativen Seiten der Digitalisierung im Blick behalten.

Mein Studium hat mich deshalb weniger auf einen bestimmten Beruf vorbereitet, sondern mir eine Mischung aus analytischen, technischen und kommunikativen Fähigkeiten mitgegeben, die ich heute jeden Tag brauche.

 

Welche Zusatzqualifikationen sind in Ihrem Tätigkeitsbereich wichtig?

Ich glaube nicht, dass man für den Einstieg schon eine lange Liste an Zusatzqualifikationen mitbringen muss. Durch meine Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft hatte ich aber bereits Einblicke in verschiedene Digitalisierungsprojekte bekommen und dadurch erste praktische Erfahrungen gesammelt.

Vieles habe ich dann erst im Berufsalltag gelernt. Erste Kenntnisse im Projektmanagement, aber auch Erfahrungen in Kommunikation, Moderation und Präsentation sind für meine heutige Tätigkeit sehr hilfreich und lassen sich gut durch Weiterbildungen vertiefen.

Gerade im Bereich Digitalisierung verändern sich Themen außerdem ständig und mit hoher Geschwindigkeit. Deshalb finde ich die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln, mindestens genauso wichtig wie formale Zusatzqualifikationen.

 

Welchen Tipp können Sie Studierenden zur Berufsorientierung geben? Wie sind Sie dabei vorgegangen bzw. was hat Ihnen geholfen?

Ich würde vor allem dazu raten, neugierig zu bleiben und Dinge auszuprobieren. Man muss während des Studiums noch nicht genau wissen, wo man in zehn Jahren arbeiten möchte – ich wusste es jedenfalls nicht.

Mir hat mein Nebenjob als wissenschaftliche Hilfskraft sehr geholfen, weil ich dadurch gemerkt habe, welche Themen und Aufgaben mir Spaß machen. Mein eigener Weg von Kunst- und Kulturgeschichte über Digital Humanities bis ins Digitalministerium war auch nicht von Anfang an so geplant.

Und ich würde mich nicht davon abschrecken lassen, wenn eine Stellenausschreibung nicht zu hundert Prozent zum eigenen Lebenslauf passt. Gerade im Studium lernt man viele Dinge, die sich später auf ganz andere Bereiche übertragen lassen.

Manchmal muss man sich einfach trauen, eine Bewerbung abzuschicken und eine neue Möglichkeit auszuprobieren. Der eigene Berufsweg darf sich auch erst unterwegs entwickeln.

 

Welcher Hashtag beschreibt Ihren Werdegang am besten?

#EinfachMachen

 

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