Beschlüsse des Studentischen Konvents vom 06.07.2022

In der Sitzung des Studentischen Konvents vom 06.07.2022 wurden folgende Beschlüsse gefasst:

 

Verbesserung des Modellstudiengangs Medizin

An der medizinischen Fakultät soll zu den medizinischen, rechtlichen, gesellschaftspolitischen und ethischen Aspekten von Schwangerschaftsabbrüchen und über LGBTQIA+ inklusive Behandlung in der Gesundheitsversorgung aufgeklärt und gelehrt werden. Dies sollen zukünftig verpflichtende Teile der medizinischen Ausbildung an der Universität Augsburg sein.

Begründung: Dieser Antrag soll zwei Lücken in der Lehre des Modellstudiengangs Medizin aufgreifen, bei dem wir Verbesserungspotential sehen und sich daher eine Beschäftigung mit den Thematiken in

LGBTQIA+ inklusive Behandlung in der Gesundheitsversorgung soll an der medizinischen Fakultät

Hinblick auf eine Gesellschaft lohnt, die sich durch Awareness-Konzepte auszeichnen möchte und daran arbeitet, patriarchale Wissensstrukturen zu dekonstruieren und aufzulösen.

Einerseits soll es um die fehlende Aufklärung über LGBTQIA+ inklusive Behandlung gehen und andererseits um die Lehre von Schwangerschaftsabbrüchen im Medizinstudium. Diese beiden Themen sollen zukünftig Teil der medizinischen Ausbildung an der Universität Augsburg sein und diesen daher durch seine Praxisnähe auszeichnen.

Das Gender-Data-Gap zeigt auf, dass sich die heutige Gesundheitsversorgung und Forschung auf binäre Körperkategorien und besonders auf die Behandlung männlicher cis Patienten spezia- lisiert hat. In großflächig angelegten Studien der medizinischen Forschung, wird im Durchschnitt ein 80kg schwerer, 170cm großer weißer Mann untersucht. Vernachlässigte Forschung bei „Frauenkrankheiten“, wie Endometriose und PMS oder Dossierungsunterschiede bei Medika- menten für Cis-Frauen führen daher zu einer Schlechterstellung von weiblichen Personen bei der Gesundheitsversorgung.

Noch weit schlimmer ist es bei bspw. inter* oder trans* Personen, die das aktuelle binäre Ge- schlechterbild der Gesundheitsversorgung nicht in den Blick nimmt. Diese Personen müssen in der Regel meist mehr über ihren eigenen Körper wissen als die behandelnde Ärzt*innen, da diese nicht sensibilisiert oder entsprechend ausgebildet sind und nicht über notwendiges Wissen verfügen. Dies ist ein nicht hinnehmbarer Zustand, dem entgegenzuwirken ist. Damit eine nach- haltige Veränderung stattfinden kann, muss dies bereits in der neuen Generation von Ärzt*innen geschehen.

LGBTQIA+ Personen haben oft ein gestörtes Verhältnis zum Gesundheitssystem durch unsen- sible Vorannahmen über deren Körper. Dieses Verhältnis zwischen LGBTQIA+ Personen und Medizin bzw. Gesundheitswesen ist teilweisevon Diskriminierung bei der Gesundheits-Versorgung und den Gesundheits-Diensten kann

geprägt von einer historischen und bis in die Gegenwart anhaltenden Stigmatisierung und Pathologisierung. Die Erfahrung bzw. Erwartung auch dazu führen, dass Präventions-Angebote nicht angenommen und medizinische Behandlungen hinausgezögert oder vermieden werden.1

Viele vermeiden oder verzögern die das Aufsuchen von medizinischen Versorgungsmöglich-

keiten oder erhalten eine unangemessene oder minderwertige Pflege aufgrund von wahrge-

nommener oder tatsächlicher Homo- oder Transfeindlichkeit und Diskriminierung durch Ge-

sundheitsdienstleister und Institutionen.

Durch Sensibilisierung der angehenden Ärzt*innen soll hier entgegengewirkt werden.

Daneben wird ebenfalls im Gender-Data-Gap erkenntlich, dass es über Personen, die nicht dem heteronormativen Geschlechtermodel entsprechen, kaum vorhandene Daten in den gro- ßen Studien gibt. Meist ist die Anzahl der entsprechenden Person so gering, dass diese sta- tistisch nicht relevant sind und daher nicht erfasst werden. Es herrscht also kein Wissen über Krankheitsverläufe von diesen Personen. So findet ebenfalls wie bei Cis-Frauen eine drasti- sche Schlechterstellung in der Gesundheitsversorgung statt.

Angehende Ärzt*innen mit diesem Wissen auszustatten, sehen wir als verpflichtende Auf- gabe einer universitären Ausbildung an. Im Bereich der Medizinethik fordern wir daher eine feste Ansiedlung im Lehrkonzept. 

Ergänzend zu diesem Punkt haben sich mit der beschlossenen Streichung des §219a und einer hoffentlich baldigen Abschaffung des §218 des Strafgesetzbuch (StGB) auf bundespolitischer Ebene Veränderungen zum Thema Schwangerschaftsabbruch aufgetan. Die Universität Augs- burg soll in diesem Zuge ebenfalls mit Veränderung im Umgang mit Schwangerschaftsabbrü- chen in der Lehre des Modellstudiengangs Medizin folgen.

Weiterhin soll auf den Beschluss zur Thematik vom 11.12.2019 aufmerksamgemacht werden. 

1 vgl.: SCHLECHTERE GESUNDHEIT VON LESBEN, SCHWULEN, BISEXUELLEN, TRANS* UND INTER MENSCHEN. https://www.lsvd.de/de/ct/2615-Gesundheit-von-LSBTI#diskriminierung-gesundheitswesen, zuletzt aufgerufen am 03.07.2022.

Antragstellende: Philipp Pschera, Katja Gessner, Amirah Matterstock

 

Raumanträge digitalisieren

Raumanträge sollen zukünftig digital und einheitlich zu erstellen, bearbeiten und einzureichen sein – hierfür befürworten wir einen neuen, komplett digitalisierten Verwaltungsprozess, möglicherweise unter Einbeziehung eines hierfür geeigneten Tools. Als Zwischenschritt wäre eine Überarbeitung des aktuellen Raumantragsformulars angemessen.

Begründung: Bisher ist es so, dass man für Raumanträge direkt die Mitarbeiter*innen der Universitätsverwaltung in ihrem Büro aufsuchen muss oder Raumanträge in der Hauspost zirkulieren um die Unterschriften für Raumverfügbarkeit, technische Ausstattung oder Finanzierungsfragen zu erhalten. Durch vermehrte Home-Office-Zeiten im Vergleich zu präpandemischen Zeiten, sind die Mitarbeiter*innen der Universität nicht mehr mit Gewissheit an allen Tagen unter der Woche in ihrem Büro zu erreichen. Der Zeitaufwand zur Einholung von Unterschriften ist dadurch erhöht. Alternativ gibt es die umständliche Methode den Raumantrag per Mail einzureichen, wobei dieser in jeder Abteilung ausgedruckt und nach Unterzeichnung wieder eingescannt werden muss, damit die Unterschriften ordnungsgemäß hinzugefügt werden können. Viele Abteilungen arbeiten unseren Erfahrungen nach aktuell mit diesem aufwändigen Konzept.

Die digitale Bearbeitung der Raumanträge und automatische Weiterleitung an die richtige Stelle auf digitalem Weg würde dieses komplizierten Vorgehen auflösen. Antragstellende Studierende stünden nicht weiter vor dem Problem, dass sie sich erst mit den Strukturen der Universitätsverwaltung vertraut machen müssten, um die Kontaktmöglichkeiten der Mitarbeiter*innen der einzelnen Abteilungen (die aktuell nicht mehr auf der Website der Universität aufrufbar sind) zu recherchieren. Des Weiteren sind Zeit- und Papiereinsparung Nebeneffekte, die den Beteiligten zugutekommen.

Eine Implementierung in das vorhandene qis-Portal sehen wir hier als günstigste Möglichkeit, da dort bereits die Raumverfügbarkeit geprüft und Kontaktmöglichkeiten der Mitarbeiter*innen eingesehen werden kann und dieses Portal im Zuge der Antragsstellung meist genutzt wird. Die Konzeption und Umsetzung der Möglichkeit Raumanträge digital einreichen zu können sollte Seitens der Universitätsverwaltung und des Rechenzentrums erfolgen, da diese über das meiste Wissen bezüglich der Anforderungen an und Einarbeitung neuer Funktionen in bereits vorhandene Systeme verfügen.

Die Studierendenvertretung könnte anschließend ein Erklärvideo zur richtigen Nutzung erstellen.

Antragstellende: Philipp Pschera, Ayla Heeg

 

Vereinheitlichung der Regelungen zum Nachteilsausgleich und deren Kommunikation

Wir fordern erstens einheitliche Regelungen zum Nachteilsausgleich über alle Fakultäten hinweg, die in der Prüfungsordnung sowie im Modulhandbuch des jeweiligen Studiengangs verankert sind. Zweitens sollen diese Regelungen transparenter gemacht und in entsprechendem Maße an alle Studierenden kommuniziert werden.

Begründung: Für Studierende mit Lernschwierigkeiten, Prüfungsangst, ADHS, Lese- und Rechtsschreibschwäche, Dyskalkulie oder anderen Einschränkungen, die für sie einen Nachteil bei der Ablegung bestimmter Prüfungen bedeuten, ist ein Nachteilsausgleich unabdingbar. Zwar ist dieser an der Uni Augsburg grundsätzlich möglich, beispielsweise durch eine Änderung der Prüfungsart in eine andere, nicht nachteilige Prüfungsleistung für die Studierenden, jedoch ist diese Möglichkeit meist nicht eindeutig in der jeweiligen Prüfungsordnung oder im Modulhandbuch integriert. Außerdem wissen viele Studierende gar nicht über die Möglichkeit eines Nachteilsausgleichs Bescheid, auch Dozierenden fehlt es hier oftmals an Wissen. Daher fordern wir einheitliche Regelungen, eine verständliche Dokumentation sowie eine adäquate Kommunikation und Erläuterung der Möglichkeit eines Nachteilsausgleichs gegenüber den Studierenden, sodass diese über ihre Rechte Bescheid wissen und diese in Anspruch nehmen können. Zur Feststellung der Einschränkungen soll eine gesonderte psychologische Stelle geschaffen werden.

Antragstellende: Gloria Leipersberger, Nicolas Frank, Lena Hauck

 

Hochschulwahlen online

Die Rechtsabteilung sowie der Wahlausschuss der Universität Augsburg werden aufgefordert in einem offenen Prozess die Durchführung der Hochschulwahlen in einem digitalen Format zu prüfen.

Begründung: Die diesjährigen Hochschulwahlen wurden wieder als Briefwahl durchgeführt. Die Wahlbeteiligung ließ, trotz hohem Aufwand an Information und Bewerbung, wieder mal zu wünschen übrig. An anderen Universitäten (z.B. Würzburg und der LMU München) werden bereits seit einigen Jahren die Hochschulwahlen digital durchgeführt. Zu beobachten ist teilweise eine etwas höhere Wahlbeteiligung, unter anderem durch die höhere Flexibilisierung für die Wahlberechtigten. Ein weiterer Punkt, welcher für die digitale Durchführung sprechen würde, wäre der Nachhaltigkeitsaspekt. Das Versenden von rund 20.000 Briefen könnte gegebenenfalls umgangen werden.

Der Antrag soll dennoch keine direkte Empfehlung für die digitale Durchführung darstellen, sondern vielmehr einen offenen Prozess in diese Richtung anregen. Sollte am Ende das Ergebnis sein, dass Durchführungen von Wahlen per Post oder in Präsenz bevorzugt werden, wäre dies ebenfalls eine wichtige Erkenntnis.

Antragstellende: Nicolas Frank, Rasmus Noeske, Maximilian Hiller

                               

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