Dr. rer. nat. Sally Jahn
Fakultät: Fakultät für Angewandte Informatik
Lehrstuhl: Regionaler Klimawandel und Gesundheit
Art des Stipendiums: Langzeitstipendium, Promovendinnenstipendium
Laufzeit: 01.01.2022 - 31.12.2022
Kurzvita
Sally Jahn schloss ihren Bachelor of Science in Geographie (Nebenfach: Volkswirtschaftslehre) an der Ludwig-Maximilians-Universität München ab. Anschließend absolvierte sie ihren Master of Science in Klima- und Umweltwissenschaften an der Universität Augsburg. Während ihres Studiums verbrachte sie ein durch das PROSALMU-Stipendienprogramm gefördertes Auslandssemester an der University of Alberta in Kanada und absolvierte ein Forschungspraktikum am Alfred-Wegener-Institut in Potsdam. Ihren Mastertitel erhielt sie 2018 an der Universität Augsburg. Im selben Jahr nahm sie dort ihr Promotionsstudium an der Fakultät für Angewandte Informatik auf. Ihre Forschung bewegt sich im Bereich der Umweltgesundheitswissenschaften, an der Schnittstelle zwischen physikalischer Klimaforschung und medizinischen Fragestellungen.
Forschungsschwerpunkte:
• Hitze- und Ozonbelastung
• Verbundereignisse (Compound Events)
• Geostatistik
Auszug aus dem geförderten Projekt
Gesundheitsrelevante, kombinierte Ozon- und Temperaturextreme über Europa
Hohe Lufttemperaturen stehen immer wieder mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität in Zusammenhang. Ein Beispiel ist die Hitzewelle im Sommer 2003, die in Europa zu etwa 70.000 hitzebedingten zusätzlichen Todesfällen führte. Luftverschmutzung stellt laut der Europäischen Umweltagentur (EEA, 2021) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO, 2021) mittlerweile jedoch das größte einzelne umweltbedingte Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung dar. Bodennahes Ozon (O₃) gehört zu den wichtigsten Luftschadstoffen und entsteht durch photochemische Kettenreaktionen unter Sonneneinstrahlung.
Aufgrund der spezifischen Eigenschaften der Ozonbildung und weiterer zugrunde liegender Prozesse treten hohe Ozonkonzentrationen und Hitze häufig gemeinsam auf. Der Klimawandel führt zu steigenden Lufttemperaturen und begünstigt die Bildung und Anreicherung von O₃, was im 21. Jahrhundert zu einer noch stärkeren gesundheitlichen Belastung führen könnte. Eine zeitnahe Bewertung der Entwicklung umweltbedingter Stressoren und ihrer gesundheitlichen Auswirkungen im Kontext des fortschreitenden Klimawandels ist daher entscheidend, um Maßnahmen zur Luftreinhaltung sowie Strategien zur Minderung und Anpassung an den Klimawandel entsprechend anzupassen und zu präzisieren.
Vor dem Hintergrund dieses bestehenden und zunehmenden Gesundheitsproblems ist das Ziel des Promotionsprojekts, gesundheitsrelevante, kombinierte Auftreten erhöhter Ozon- und Lufttemperaturwerte (sogenannte kombinierte Ozon- und Temperaturextreme) in Europa zu untersuchen, zu modellieren und zu projizieren. Ein Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Identifikation der wichtigsten Umweltfaktoren, die das Auftreten dieser kombinierten Ereignisse beeinflussen, sowie auf der Analyse von Veränderungen ihrer Häufigkeit und Intensität unter veränderten klimatischen Bedingungen. In diesem Zusammenhang werden regionale und lokale Unterschiede in Ozonbelastung und Hitze, deren Muster und Charakteristika sowie verbundene Vulnerabilitäten untersucht.