Prof. Dr. Dorota Miler LL.M. (McGill)
Fakultät: Jura
Lehrstuhl: Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht und Rechtsgeschichte
Art des Stipendiums: Habilitationsstipendium
Laufzeit: 01.11.2019 - 31.10.2020
Kurzvita
Dr. Dorota Miler studierte Rechtswissenschaften an der Adam-Mickiewicz-Universität in Posen (Polen), an der Universität Ostfinnland in Joensuu (Finnland) und am Institut für Rechtsvergleichung der McGill Universität in Montreal (Kanada). Ihre Doktorarbeit, eine rechtsvergleichende Studie zum Pflichtteilsrecht in Kanada und Deutschland, fertigte sie an der Universität Passau an.
Forschungsschwerpunkte:
• Bürgerliches Recht (i. B. Erbrecht)
• Arbeits- und Handelsrecht
• Rechtsvergleichung
• Internationales Privatrecht
• Klassisch-republikanische Ideen und Französische Revolution
Auszug aus der geförderten Arbeit
Circumvention of Law in Polish Private Law: A Comparative Analysis from Polish, German and European Perspectives
Das Problem der Rechtsumgehung ist in jeder Rechtsordnung bekannt, aber unterschiedlich verstanden und geregelt. Eine Rechtsumgehung findet im polnischen Recht statt, wenn ein Geschäft, das nicht gegen den Wortlaut einer gesetzlichen Norm verstößt, zu einem widerrechtlichen Ergebnis führt und im deutschen Recht wenn es dem Telos der Norm zuwiderläuft. Im Gegensatz zum deutschen und europäischen Recht wird im polnischen Privatrecht Rechtsumgehung allgemein verboten und führt grundsätzlich zu Nichtigkeit eines Rechtsgeschäfts. Mehrere Rechtsgeschäfte werden deswegen von polnischen Gerichten als nichtig erkannt, während in der deutschen und in der europäischen Rechtsprechung die Rechtsumgehung kaum praktische Bedeutung hat. Trotzdem wird die Rechtsumgehung und deren Voraussetzungen in der deutschen und (noch) nicht in der polnischen Literatur vertieft dogmatisch analysiert. Die Diskrepanz zwischen der Aufmerksamkeit, die der Erörterung der Rechtsumgehung in der polnischen Rechtsliteratur gewidmet wird, und ihrer praktischen Bedeutung in der polnischen Rechtsprechung wie auch die Zurückhaltung bei der Feststellung einer Rechtsumgehung in der deutschen und europäischen Rechtsprechung wirft die Frage auf, ob eine Rechtsumgehung wirklich so oft vorliegt, wie sie von polnischen Gerichten identifiziert oder erörtert wird.