Prof. Dr. Maren Röger

© Universität Augsburg

 

Fakultät: Philologisch-Historische Fakultät

Lehrstuhl: Verflechtungsgeschichte Deutschlands mit dem östlichen Europa

 

Art des Stipendiums: Promovendinnenstipendium

Laufzeit: 01.01.2021 - 31.12.2021

 

Kurzvita

Maren Röger promovierte 2010 an der Justus-Liebig-Universität Gießen im Fach Neuere und Neueste Geschichte. Anschließend war sie fünf Jahre als Post-Doc am Deutschen Historischen Institut in Warschau tätig und übernahm zudem eine Gastprofessur an der Universität Hamburg. 2015 folgte ihre Berufung auf die Juniorprofessur für Transnationale Wechselbeziehungen zwischen Deutschland und dem östlichen Europa. Darüber hinaus leitete sie 2017 das Bukowina-Institut als wissenschaftliche und organisatorische Geschäftsführerin.

 

 

Forschungsschwerpunkte:

•        Geschichte Ostmitteleuropas vom 19.–21. Jahrhundert

•        Geschichte von Migration und Zwangsmigration in der Moderne, »Flucht und Vertreibung«

•        Gewaltgeschichte, insbesondere Zweiter Weltkrieg und Holocaust    

•        Geschichte politischer Kommunikation, Mediengeschichte und public history

•        Geschlechter- und Sexualitätsgeschichte

 

Auszug aus der geförderten Arbeit

Karten in die Moderne: Eine visuelle Geschichte des multiethnischen Grenzlandes Bukowina 1895-1918

 

In der Monografie geht es um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, in der sich die europäischen Gesellschaften mit großer Geschwindigkeit veränderten, was die Zentren der Nationalstaaten und multiethnischen Imperien ebenso betraf wie deren Peripherien – auch das ganz im Osten Cisleithaniens gelegene Kronland Bukowina. Den „Durchbruch zur Moderne“ begleitete und beförderte ein Medium, das nach seiner Einführung schnell zum zentralen Kommunikationsmittel der Zeit wurde: die bebilderte Korrespondenzkarte. Sie wurde von großen Verlagen und kleinen Kaufleuten millionenfach hergestellt, von Angehörigen breiter Gesellschaftsschichten beschrieben und verschickt, aber auch – als Aneignung von Welt − gesammelt. In der Arbeit wird untersucht, welche Ansichten der Bukowina über das Massenmedium der Postkarten in den Jahren von 1895-1918 geprägt wurden, und wie diese wahrgenommen wurden. Dabei geht es um die rechtlichen Rahmenbedingungen und die wirtschaftlichen Akteure des Postkartenmachens, so dass mit den überwiegend kleinen Händlern in der Bukowina eine Gruppe in den Blick gerät, die in wirtschaftshistorischen Studien sonst unterbeleuchtet bleiben. Weiter interessieren die visuellen Narrative und die Aneignungen des Kronlandes durch die Schreibenden, darunter die Erzählungen von Moderne und Rückständigkeit – dem zentralen zeitgenössischen Diskurs in der Habsburger Peripherie. Ein zentraler Aspekt ist die Darstellung der Multiethnizität, da die Bukowina wie kein zweites Kronland Habsburgs von verschiedenen Ethnien geprägt war und die Hochphase der Postkartenproduktion und –Rezeption sowie der Hochphase des Nationalismus zeitlich zusammenfielen. Transportierten die Karten das Ideologem des „Bukowinismus“ oder gab es (kommerziell motivierte) Grenzen der vielbeschworenen bukowinischen Toleranz im Zusammenleben der Ethnien und Religionen?

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