Sabrina Hadwiger
Fakultät: Philologisch-Historische Fakultät
Lehrstuhl: Neuere Deutsche Literaturwissenschaft
Art des Stipendiums: Langzeitstipendium für Promovendinnen
Laufzeit: 01.01.2026 - 31.12.2026
Kurzvita
Sabrina Hadwiger, M.Ed., ist seit September 2023 Doktorandin an der Universität Augsburg und ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft. In ihrer Dissertation verwendet sie das Konzept der epistemischen Ungerechtigkeit nach Miranda Fricker als methodischen Rahmen. Ihr Projekt erhielt bereits ein Exposé – Stipendium vom Büro für Chancengleichheit und wurde auf mehreren (inter-)nationalen Konferenzen vorgestellt. Neben ihrer akademischen Tätigkeit engagierte sie sich aktiv in Projekten zur Prävention sexualisierter Gewalt, unter anderem in Zusammenarbeit mit Wildwasser e.V. und dem Deutschen Jugendinstitut (DJI).
Forschungsschwerpunkte:
• Deutsche Gegenwartsliteratur des 19. bis 21. Jahrhunderts
• Epistemische Ungerechtigkeit (und ihre literarische Darstellbarkeit)
• Literarische Repräsentation von Trauma im Kontext sexualisierter Gewalt
• Erzählte Selbstermächtigung
Abstract der geförderten Arbeit
„Niemand ist vorübergehend tot.“ Selbstermächtigendes Erzählen in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur
Das Dissertationsvorhaben untersucht, inwiefern literarische Narrative sexualisierter Gewalt als Formen selbstermächtigenden Erzählens gelesen werden können. Im Zentrum steht das Spannungsverhältnis zwischen Sprachlosigkeit nach Trauma und epistemischer Ungerechtigkeit, also dem systematischen Aberkennen von Wissen bestimmter Gruppen. Analysiert werden die Romane Blaue Frau (2021), Zwischen Du und Ich (2021) und Das Licht ist hier viel heller (2019), wobei die Verarbeitung sexualisierter Gewalt im Fokus steht. Methodisch wird auf Frickers Konzept epistemischer Ungerechtigkeit zurückgegriffen, wobei Literatur als epistemische Ressource verstanden wird.
Ein zentraler Fokus liegt auf der Definition und Anwendung von (erzählter) Selbstermächtigung, verstanden als Prozess der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen und als Akt damit verbundener Handlungen sowie als narrative Rahmung der Romane. Ziel ist es, epistemische Ungerechtigkeit in Gewalt- und Machtdiskursen zu überwinden. Erste literaturwissenschaftliche Studien im anglosprachigen Raum nutzen bereits Frickers Theorie, im deutschsprachigen Raum besteht hingegen noch Forschungsbedarf. Diese Lücke soll geschlossen werden.