Pressemitteilung 74/21 - 01.07.2021

Initiative Transparente Tierversuche startet

Universität Augsburg ist Erstunterzeichnerin der Initiative für transparente Information und offene Kommunikation über Tierversuche in der Forschung

Augsburg/CH – Am heutigen 1. Juli startet die Initiative Transparente Tierversuche der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Informationsplattform "Tierversuche verstehen". Die Universität Augsburg ist eine von 53 Erstunterzeichnern der Initiative, die sich für transparente, offene Kommunikation einsetzt.

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Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen getragene Informationsplattform „Tierversuche verstehen“ starten am heutigen Donnerstag, dem 1. Juli 2021, die „Initiative Transparente Tierversuche“. Darin erklären Forschungseinrichtungen mit lebenswissenschaftlicher Ausrichtung, transparent über Tierversuche zu informieren, den öffentlichen Dialog über tierexperimentelle Forschung aktiv mitzugestalten sowie untereinander Erfahrungen auszutauschen und Aktivitäten bekannt zu machen.

Die Universität Augsburg ist Erstunterzeichnerin der Initiative, gemeinsam mit insgesamt 53 Universitäten, Kliniken, außeruniversitären Forschungseinrichungen, forschenden Unternehmen sowie Fachgesellschaften und Förderorganisationen.

Weitere Einrichtungen sollen folgen. Eine eigens für die Initiative eingerichtete Webseite listet alle Unterzeichnenden auf, bietet Beispiele für gelungene Kommunikation zu Tierversuchen und stellt Informationen zur Unterstützung der Unterzeichnenden bei der Umsetzung der genannten Ziele zur Verfügung. Die Initiative folgt ähnlichen Aktivitäten in anderen europäischen Ländern, etwa Großbritannien, Frankreich und Spanien.

Sorgfältige ethische Abwägung

„Tierversuche sind ein gesellschaftlich kontrovers diskutiertes Themenfeld. Der transparenten Kommunikation über wissenschaftliche und ethische Aspekte der tierexperimentellen Forschung kommt daher eine besondere Stellung zu, um der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, dass aktuell leider noch nicht alle Tierversuche in der lebenswissenschaftlichen Forschung vermieden werden können – und gleichzeitig herauszustellen, dass jeder Tierversuch erst nach sorgfältiger ethischer Abwägung des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns gegen das potenzielle Leid der Tiere erfolgt“, sagt DFG-Präsidentin Professorin Dr. Katja Becker.

Die Vorsitzende der DFG-Senatskommission für tierexperimentelle Forschung, Professorin Dr. Brigitte Vollmar, zeigt sich erfreut über die große Anzahl an Erstunterzeichnenden: „Bereits 53 Forschungseinrichtungen unterstützen die Initiative Transparente Tierversuche! Wir sind zuversichtlich, dass viele weitere Einrichtungen ihrer Verantwortung für eine transparente Information über tierexperimentelle Forschung gerecht werden und sich der Initiative anschließen. Wichtig ist die Unterstützung durch die gesamte Wissenschaftsgemeinschaft, um so dem Transparenzgedanken größtmögliches Gewicht zu geben.“

Für Professor Dr. Stefan Treue, den Vorsitzenden der Steuerungsgruppe von Tierversuche verstehen, ist die Transparenzinitiative ein weiterer wesentlicher Schritt hin zu einem proaktiveren Umgang mit tierexperimenteller Forschung: „Im Jahr 2016 hat die Allianz der Wissenschaftsorganisationen die Plattform Tierversuche verstehen ins Leben gerufen, um das gesellschaftliche Interesse an Tierversuchen ernst zu nehmen und die Grundlage dafür zu schaffen, dass sich alle auf Basis solider und umfassender Informationen mit dem Thema auseinandersetzen können. Mit der heute gestarteten Initiative knüpfen wir daran an. Wir wollen die Unterzeichnenden darin unterstützen ihre transparente und offene Diskussion zur Forschung mit Tieren weiter voranzutreiben.“

Teil des Methodenspektrums

Die Initiative Transparente Tierversuche reiht sich am 1. Juli in verschiedene Kommunikationsaktivitäten weltweit ein. Anlass ist der von der European Animal Research Association (EARA) organisierte, internationale „Be Open about Animal Research Day”, ein Aktionstag, in dessen Rahmen Beispiele für Offenheit und Transparenz in der tierexperimentellen Forschung geteilt werden. Die begleitende Social-Media-Kampagne ist unter dem Hashtag #BOARD21 zu finden.

Die Ständige DFG-Senatskommission für tierexperimentelle Forschung und die von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen koordinierte Plattform Tierversuche verstehen haben die Initiative Transparente Tierversuche gemeinsam ins Leben gerufen. Die Senatskommission ist ein interdisziplinär zusammengesetztes Expertengremium, das sich mit aktuellen wissenschaftlichen Entwicklungen sowie den komplexen ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen des Tierschutzes und der tierexperimentellen Forschung beschäftigt. Sie berät die Gremien der DFG sowie Politik und Behörden. Tierversuche verstehen informiert aktuell und faktenbasiert über Tierversuche in öffentlich geförderter Forschung und trägt dazu bei, die gesellschaftliche Bedeutung tierexperimenteller Forschung zu vermitteln.

In der biomedizinischen Forschung stellen Tierversuche nach aktuellem Forschungsstand einen wichtigen Bestandteil des experimentellen Methodenspektrums dar. Für wesentliche grundlegende Erkenntnisse und medizinisch relevante Entwicklungen ist die Forschung mit Tieren essenziell. Zwar haben methodische Forschungsarbeiten der jüngeren Vergangenheit dazu beigetragen, dass Tierversuche in manchen experimentellen Ansätzen durch alternative Methoden ersetzt oder im Umfang reduziert werden können, ein vollständiger Ersatz von Tierversuchen ist jedoch noch nicht absehbar. Auch in Zukunft werden diese Versuche zum Erkenntnisgewinn und zur Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze und Methoden benötigt werden.

An der medizinischen Fakultät der Universität Augsburg, die im Aufbau begriffen ist, gibt es derzeit noch keine tierexperimentelle Forschung.

Weiterführende Informationen

Medienkontakt

Corina Härning
Stellvertretende Pressesprecherin
Stabsstelle Kommunikation & Marketing

Fachliche Ansprechpartnerin beim Sekretariat der DFG-Senatskommission für tierexperimentelle Forschung

Dr. Valeska Stephan Universitätsmedizin Rostock
Tel. +49 381 494-2565
valeska.stephan@med.uni-rostock.de

Fachlicher Ansprechpartner in der DFG-Geschäftsstelle

Dr. Andreas Görlich Gruppe Lebenswissenschaften 2: Mikrobiologie, Immunologie, Neurowissenschaften
Tel. +49 228 885-2566
andreas.goerlich@dfg.de

 

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