Pressemitteilung 96/21 - 30.09.2021

Stärkung der biomedizinischen Grundlagenforschung

Universität Augsburg besetzt zwei neu eingerichtete Professuren am Institut für Theoretische Medizin

Augsburg – Das Institut für Theoretische Medizin ist ein Kristallisationspunkt für systematische Grundlagenforschung in der Biomedizin an der neu gegründeten Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg. Zum 1. Oktober verstärken Prof. Dr. Kerstin Stemmer auf der Professur für Molekulare Zellbiologie und Prof. Dr. Peter Wieghofer auf der Professur für Zelluläre Neuroanatomie die bereits besetzten Lehrstühle am Institut.


Die Besetzung der beiden Professuren ist eine wichtige Ergänzung für die biomedizinische Grundlagenforschung an der Universität, die seit Gründung der Medizinischen Fakultät neu errichtet und in den nächsten Jahren kontinuierlich ausgebaut wird.

Prof. Dr. Peter Wieghofer © University of Augsburg
Prof. Dr. Kerstin Stemmer Sylvia Willax / MRI

 

Durch die enge Zusammenarbeit der vorklinischen Disziplinen am Institut für Theoretische Medizin sollen kleine und große biologische Funktionssysteme gleichermaßen erforscht werden mit dem Ziel, zu einem umfassenden Verständnis des menschlichen Organismus und seiner Erkrankungen zu gelangen. „Eine große Bedeutung hat darüber hinaus die Kooperation mit der klinischen und klinisch-theoretischen Medizin. Es geht darum, neue Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in die Klinik zu übertragen und auf der anderen Seite Fragen und Erkenntnisse aus der klinischen Medizin auch in der Grundlagenforschung aufzugreifen“, erklärt Prof. Dr. Martina Kadmon, Gründungsdekanin der Medizinischen Fakultät.

Molekulare Zellbiologie

Prof. Dr. Kerstin Stemmer beschäftigt sich vor allem mit metabolischen Erkrankungen wie Fettleibigkeit und Diabetes und den zugrundeliegenden Stoffwechselprozessen: „Mein Forschungsschwerpunkt sind die extrazellulären Vesikel. Dabei handelt es sich um winzige membranumhüllte Bläschen, die von den Zellen unseres Körpers in die Blutbahn oder andere Körperflüssigkeiten ausgeschüttet werden. Ähnlich wie Hormone können diese Vesikel Signale zwischen Zellen und Organen übertragen und tragen damit zur Steuerung von Zellfunktionen bei. Damit dienen sie zum Erhalt des physiologischen Gleichgewichts, spielen aber auch bei der Entstehung zahlreicher Erkrankungen eine Rolle.“ Extrazelluläre Vesikel könnten zukünftig auch zur Krankheitstherapie und in der medizinischen Diagnostik eingesetzt werden. „Derzeit können im Blut zirkulierende extrazelluläre Vesikel noch nicht zweifelsfrei ihren Ursprungsorganen zugeordnet werden. Meine Gruppe forscht an Techniken, die dies in Zukunft erlauben sollen. Damit könnte man mit Hilfe einer Blutprobe Organfunktionen untersuchen, invasive Gewebeentnahmen ersetzen und somit auch Krankheits- oder Therapieverläufe engmaschiger kontrollieren“, führt die Neuberufene weiter aus. Darüber hinaus leitet Stemmer verschiedene präklinische Studien, die sich mit der Entstehung von diabetesbedingten Nierenerkrankungen sowie mit der operativen und medikamentösen Behandlung von Fettleibigkeit beschäftigen.

Zelluläre Neuroanatomie

Prof. Dr. Peter Wieghofer beschäftigt sich in seiner Forschung mit sogenannten Makrophagen. Diese besonderen Zellen gehören zu den Fresszellen und sind damit Teil des angeborenen Immunsystems; sie dienen unter anderem der Abwehr von Erregern, wie beispielsweise Bakterien. „Einer meiner Schwerpunkte liegt auf den im Bereich des Kopfes vorkommenden Makrophagen – zum Beispiel im Gehirn oder im Auge – mit einem Fokus auf dem Zentralen Nervensystem, das auch die Netzhaut miteinschließt“, erklärt der Neuberufene. Die von ihm untersuchten Zellen spielen beispielsweise eine Rolle bei der altersbedingten Makuladegeneration, bei der Sehzellen in der Mitte der Netzhaut zugrunde gehen, sowie bei Sehverlust und Blindheit infolge von Diabetes. Durch die enge Verknüpfung von Methoden wie der RNA-Sequenzierung mit mikroskopischen Verfahren weist er gute Anknüpfungspunkte an den Forschungsschwerpunkt Medical Information Sciences der Medizinischen Fakultät auf.

Zu den Personen

Prof. Dr. Kerstin Stemmer studierte Biologie an der Universität Konstanz und wurde dort 2009 ebenfalls im Fach Biologie promoviert. Ihre Doktorarbeit zur Erforschung prädiktiver Marker der Nierenkanzerogenese wurde mit dem Nycomed-Preis ausgezeichnet. 2011 wurde sie im Europäischen Register für Toxikologie aufgenommen, nachdem sie ein Postgraduierten-Studium bei der Deutschen Gesellschaft für experimentelle und klinische Pharmakologie und Toxikologie absolviert hatte. Nach zweijähriger Postdoc Zeit am Metabolic Diseases Institute der University of Cincinnati (USA) wechselte sie 2012 als Arbeitsgruppenleiterin an das Institut für Diabetes und Adipositas am Helmholtz Zentrum in München. Im Fokus ihrer Arbeit stand die Erforschung extrazellulärer Vesikel und die Entwicklung Inkretin-basierter Diabetestherapien, die 2014 mit dem geteilten Erwin-Schrödinger-Preis der Helmholtz-Gemeinschaft ausgezeichnet wurde. Nach der Habilitation in den Fächern Pharmakologie und Toxikologie war sie seit 2018 zusätzlich als externe Privatdozentin an der Universität Konstanz tätig. Im Zeitraum von April bis September 2021 war Stemmer als Professorin für Zelluläre Pharmakologie und Toxikologie an der Medizinischen Fakultät der Justus-Liebig-Universität Gießen tätig. Seit dem 1.10.2021 ist Stemmer Professorin für Molekulare Zellbiologie an der Universität Augsburg. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Prof. Dr. Peter Wieghofer studierte Biologie an der Technischen Universität Kaiserslautern sowie der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Von 2011 bis 2016 war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Neuropathologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg beschäftigt, wo er 2016 im Fach Biologie promoviert wurde. Im Anschluss daran war er bis zu seinem Wechsel nach Augsburg Arbeitsgruppenleiter am Institut für Anatomie der Universität Leipzig, wo er sich 2021 habilitierte. Seit dem 1.10.2021 ist Wieghofer Professor für Zelluläre Neuroanatomie an der Universität Augsburg.

Das Institut für Theoretische Medizin …

… umfasst die Fächer Anatomie, Physiologie, Medizinische Psychologie und Soziologie sowie Biochemie und Molekularbiologie und wird in Zukunft sechs bis neun Arbeitsgruppen beheimaten, die jeweils aus einer Professur und einer entsprechenden Anzahl an wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bestehen. Sie vertreten die medizinische Lehre in den Grundlagenwissenschaften in allen Abschnitten des Modellstudiengangs. Voraussichtlich im Jahr 2024 wird ein gleichnamiges Gebäude für das Institut am neuen Medizincampus der Medizinischen Fakultät fertiggestellt werden. Es wird mit insgesamt ca. 8.600 Quadratmetern Nutzfläche die vorklinischen Lehrstühle beherbergen, außerdem Labore, Praktikumsräume sowie einen Post-Mortem-Bereich mit Anatomie.

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Die Augsburger Universitätsmedizin

…umfasst die Medizinische Fakultät der Universität Augsburg, das Universitätsklinikum Augsburg sowie – als Kooperationspartner – das Bezirkskrankenhaus Augsburg – Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Augsburg. Die Forschungsschwerpunkte der Medizinischen Fakultät liegen in den Bereichen Medizinische Informatik sowie Umwelt und Gesundheit. Rund 100 Professorinnen und Professoren werden im Endausbau in der bio- und humanmedizinischen Forschung und Lehre tätig sein. Seit dem Wintersemester 2019/20 bietet die Medizinische Fakultät einen humanmedizinischen Modellstudiengang an, der vorklinische und klinische Inhalte integriert und besonderen Wert auf eine wissenschaftliche Ausbildung der im Endausbau 1.500 Studierenden legt.

Das Universitätsklinikum Augsburg (UKA), seit 2019 in der Trägerschaft des Freistaates Bayern, bietet unter anderem durch seine Einbindung in universitäre medizinische Forschung und Lehre der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg der Bevölkerung der Stadt und der Region eine optimale medizinische Versorgung. Die tagesklinischen Betten mitgezählt, stehen am UKA 1.740 Betten zur Verfügung. 24 Kliniken, drei Institute und 19 Zentren garantieren in allen medizinischen Fachdisziplinen Diagnose und Therapie auf höchstem Niveau. Jährlich werden über 250.000 ambulante und stationäre Patientinnen und Patienten versorgt. Mit zirka 80.000 Patientinnen und Patienten pro Jahr ist die Notaufnahme des UKA die zweitgrößte der Bundesrepublik. Jährlich erblicken am UKA mehr als 2.450 Kinder das Licht der Welt. Mit 560 Ausbildungsplätzen ist die an das UKA angeschlossene Akademie für Gesundheitsberufe einer der größten Ausbildungsträger der Region.

Medienkontakt

Dr. Anna Magdalena Ruile-Soentgen
Public Relations
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