UPD 21/22 - 28.03.2022

Sprachdebatten – historische und aktuelle Perspektiven

Sammelband zu Debatten um eine jüdische Nationalsprache erschienen

Der Moment, in dem die Teilnehmer – und die wenigen Teilnehmerinnen – der ersten internationalen Sprachkonferenz für Jiddisch sich im Herbst 1908 in Czernowitz darauf verständigten, Jiddisch zu einer nationalen Sprache der Juden zu erklären, gilt als wichtiger Durchbruch für die Entwicklung des Jiddischen. Ihre Erklärung stellte zugleich ein Ereignis in den nationalsprachlichen Debatten dar, die in Österreich-Ungarn und Nachbarstaaten zu Beginn des 20. Jahrhunderts geführt wurden. Der von Bettina Bannasch, Alfred Wildfeuer und Carmen Reichert nun herausgegebene Sammelband „Zukunft der Sprache – Zukunft der Nation?“ eröffnet einen neuen, interdisziplinären Blick auf die Sprachkonferenz in der Bukowiner Hauptstadt

De Gruyter Oldenbourg

Das Forschungsprojekt „Die Nationalsprache der Juden oder eine jüdische Sprache? Die Fragen der Czernowitzer Sprachkonferenz in ihrem zeitgeschichtlichen und räumlichen Kontext“ brachte die in der Forschung zumeist getrennt betrachteten Diskurse um nationale (jüdische) Sprachen im Europa des frühen 20. Jahrhunderts zusammen. „Der dazu erschienene Sammelband zeigt, dass und inwiefern die Debatten dieser Konferenz weit über Czernowitz und den Beginn des 20. Jahrhunderts hinausweisen – bis hinein in unsere unmittelbare Gegenwart“, sagt Mitherausgeberin Prof. Dr. Bettina Bannasch, Professorin für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Augsburg.

Die Beiträge des vorliegenden Bandes fragen, welche Vorstellungen von nationalen Sprachen und Literaturen diese Auseinandersetzungen prägten. Wie gliedert sich die Czernowitzer Sprachkonferenz in die nationale Frage in Österreich-Ungarn ein? Welche Bedeutung hatte die Konferenz jenseits des Jiddischismus? Wie schlug sich die Sprachdebatte in den jüdischen Literaturen Mittel- und Osteuropas nieder?

Internationale Perspektiven

Hervorgegangen ist diese soeben erschienene Publikation aus der internationalen Abschlusstagung zum Thema „Zukunft der Sprache – Zukunft der Nation? Debatten um jüdische Sprache und Literatur im Kontext von Mehrsprachigkeit und Nationbuilding“, die als Abschluss eines dreijährigen Forschungsprojekts an der Universität Augsburg stattfand. Beiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der Ukraine, Tschechien, Polen, Kanada, der Schweiz und Deutschland beschreiben ihre Perspektiven aus unterschiedlichen Disziplinen.

Das Forschungsprojekt zum Jiddischen als Nationalsprache und zur Czernowitzer Konferenz wurde durch die Beauftragte für Kultur und Medien (BKM) der Bundesregierung gefördert. Die Projektleitung lag bei Prof. Dr. Bettina Bannasch (Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Universität Augsburg) und Prof. Dr. Alfred Wildfeuer (Variationslinguistik und DaZ/DaF, Universität Augsburg). Projektkoordinatorin war Dr. Carmen Reichert. Sie arbeitete drei Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin sowie ein Jahr finanziert über den Innovationsfond in diesem Projekt. Ab Mai 2022 nimmt sie ihre Arbeit als Leiterin des Jüdischen Museums Augsburg auf. Kooperationspartner waren die Juniorprofessur für Ostmitteleuropäische Geschichte (Prof. Dr. Maren Röger, heute Leipzig), das Bukowina Institut Augsburg sowie die Jiddisch-Dozentur der Abteilung für Jüdische Geschichte und Kultur an der LMU München (Dr. Evita Wiecki). Projektpartner sind die germanistischen Institute der Universitäten Tscherniwzi (in Kooperation mit dem dort angesiedelten Zentrum GEDANKENDACH) und Plzeň (in Kooperation mit dem dortigen Zentrum für Interregional-Forschung).

Publikation:

Zukunft der Sprache – Zukunft der Nation? Verhandlungen des Jiddischen und Jüdischen im Kontext der Czernowitzer Sprachkonferenz. Herausgegeben von: Carmen Reichert, Bettina Bannasch und Alfred Wildfeuer. Band 97 der Reihe Conditio Judaica. De Gruyter. März 2022.

  Link zur Publikation

 

 

Spendenaufruf für die Ukraine

Der erste Workshop, der im Rahmen des Projekts durchgeführt wurde, fand an der Universität Tscherniwzi/Czernowitz statt. Gastgeber war das dort angesiedelte Kultur- und Wissenschaftszentrum „Gedankendach“. Inzwischen hat sich durch den Krieg in der Ukraine die Situation dort dramatisch verändert. Die Projektpartner und -partnerinnen vor Ort engagieren sich für Flüchtlinge und Hilfslieferungen. Sie können ihre Arbeit unterstützen.

Kontodaten von „Gedankendach“ finden Sie unter: http://gedankendach.de/de/krieg-in-der-ukraine/

 

Ständig aktualisierte Informationen über die Spendenaktionen sowie Podcasts, mit denen Sie sich informieren können, finden Sie hier: www.ikgs.de/bukowinahilfe.

Kontakt

Professorin
Neuere Deutsche Literaturwissenschaft 2
Professor
Variationslinguistik und DaZ/DaF

Medienkontakt

Dr. Manuela Rutsatz
Pressesprecherin, Leitung
Stabsstelle Kommunikation & Marketing

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