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Olga Hog


Fremdheit und Differenzerfahrung in Texten von Autoren und Autorinnen aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur

In seinem 2012 erschienenen Roman Schimons Schweigen lässt Vladimir Vertlib den Ich-Erzähler über die eigene Migrationsvergangenheit reflektieren und konfrontiert ihn mit einer gewagten Aussage seines Gegenübers: „Du bist ein Mensch, der nirgendwo zu Hause ist [….]. Tragisch!“ Die Antwort auf diese Feststellung könnte nicht unerwarteter sein: „Vielleicht ist aber gerade diese Tragik mein Zuhause […]“.

Im Verlauf des Dissertationsprojekts werden Texte der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur von Autorinnen und Autoren aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion im Hinblick auf Subjektkonstitution, Fremdheit und Differenzerfahrung untersucht. Ziel ist es, einen neuen Umgang mit Sprache und die Entwicklung eines neuen Subjektverständnisses herauszuarbeiten, das auf transnationaler Identität basiert. Um diesen Schritt zu vollziehen, werden aktuelle Philosophien und psychoanalytische Ansätze herangezogen. Die so erarbeitete theoretische Grundlage soll mit den Entwicklungen in der Gegenwartsliteratur in Wechselwirkung gesetzt werden. Darüber hinaus wird auch der besondere historische Kontext und kulturelle Hintergrund der literarischen Texte in die Analyse einfließen, wobei die Thematik der Vergangenheitsbewältigung nach bisherigen Beobachtungen allen Texten zugrunde liegt und diese miteinander verbindet. So stehen familiäre Beziehungen, das Verhältnis zur vorwiegend jüdischen Religion, territoriale Entfremdung, Genderbesonderheiten und der individuelle Sprachgebrauch als Eckpfeiler für ein gesichertes Fundament im Argumentationsverlauf.

Kontakt: Olga.Voskobojnik@phil.uni-augsburg.de