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Martin Riedelsheimer


Fictional Infinity: Postmodern Aesthetics, Deconstruction, Ethics (Arbeitstitel)

Eine Faszination mit der Unendlichkeit lässt sich in einer Vielzahl wissenschaftlicher Disziplinen feststellen – von Mathematik über Physik, Philosophie und Theologie bis hin zu den Kunst- und Kulturwissenschaften. In der Literatur ist Unendlichkeit ein Motiv, das aufgrund seiner paradoxen Unbestimmtheit ein enormes ästhetisches Potential entfalten kann. Als strenggenommen undarstellbares Phänomen ist das Unendliche einerseits im Diskurs des Sublimen verortet, andererseits besitzt es aufgrund seiner inhärenten Widersprüchlichkeit in besonderem Maße dekonstruktivistisches Potential.

Anhand von Texten von Autoren wie Flann O’Brien, John Barth, David Foster Wallace und John Banville soll mein Dissertationsvorhaben sowohl die formalästhetischen Besonderheiten von Unendlichkeitsdarstellungen in der Erzählliteratur beleuchten, als auch deren Funktionen. Dabei soll untersucht werden, wie das Unendliche, das selbst mit traditionellen Metanarrativen (z.B. Gott) assoziiert wird, ironischerweise zur postmodernen Delegitimierung solcher grands récits (im Sinne Jean-François Lyotards) beiträgt. Entscheidend ist jedoch, wie meine Arbeit zeigen soll, dass die ästhetische Wirkmacht des Infiniten über den lyotardschen postmodernen Pluralismus hinaus ein ethisches Moment entstehen lässt. Um diese Ethik des Infiniten in der Literatur zu verorten, soll mit Methoden der ethischen Literaturkritik untersucht werden, inwiefern die Unbestimmtheit des Unendlichen die radikale Alterität des Anderen in der Ethik Levinas’ widerspiegelt und inwiefern in der Unabgeschlossenheit des Infiniten die Unabschließbarkeit ethischer Reflexion impliziert ist.

Kontakt:martin.riedelsheimer@phil.uni-augsburg.de