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Sprachen des Friedens


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Gegenstand dieser Internetpräsentation sind die Sprachen mächtepolitischer Verträge im frühneuzeitlichen Europa. Die Inhalte speisen sich aus einer von Mitarbeitern des Instituts erstellten Datenbank, die ein umfassendes Verzeichnis der Sprachen beinhaltet, in denen die wichtigsten Mächteverträge der Frühneuzeit abgefasst sind. Sie kann zum einen Auskunft geben über deren Originalsprachen, zum anderen ermöglicht sie statistische Erhebungen zur Sprachverwendung in diesen Verträgen.

Hier hat die bisherige Forschung erhebliche Defizite aufzuweisen: Zum einen herrscht oftmals Unsicherheit über die tatsächlichen Sprachen vormoderner politischer Verträge. Einschlägige Handbücher und Vertragssammlungen weisen bei den Angaben zu den Vertragssprachen immer wieder Fehler auf, Übersetzungen werden als vermeintliche Originale angegeben. Zum anderen muss die bisherige Forschung zu den Praktiken der Sprachwahl bei politischen Verträgen sowie der Entwicklung der Sprachtrends im frühneuzeitlichen Europa als defizitär bezeichnet werden. Verbreitete Gemeinplätze über die Rolle der gängigsten Sprachen im frühneuzeitlichen Europa erweisen sich bei genauerem Hinsehen hinsichtlich der politischen Verträge vielfach als ergänzungs- und korrekturbedürftig.

Die Datenbank wurde zwischen 2009 und 2012 im Rahmen des BMBF-Projekts Übersetzungsleistungen von Diplomatie und Medien im vormodernen Friedensprozess von Mitarbeitern des Augsburger Teilprojekts Vertrags- und Vermittlungssprachen in frühneuzeitlichen Friedensverträgen am Institut für Europäische Kulturgeschichte erarbeitet. Insgesamt enthält sie Informationen zu den Originalsprachen von über 2.000 europäischen Mächteverträgen aus dem Zeitraum zwischen 1450 und 1789. Für die Programmierung und Wartung der Datenbank war Dr. German Penzholz verantwortlich, die Sammlung und Einspeisung der Daten wurde von Prof. Dr. Kay Peter Jankrift und Dr. Andrea Schmidt-Rösler durchgeführt.

Ziel des Projekts war es, anhand statistischer Auswertungen der Daten auf quantitativem Wege eine Annäherung an die politische Sprachlandschaft im frühneuzeitlichen Europa zu unternehmen: Welche Sprachen wurden als Vertragssprachen genutzt? Lassen sich Sprachtrends, Entwicklungen und Veränderungen feststellen? Welche Sprachen dominierten, in ganz Europa oder in bestimmten Regionen? Ergebnisse aus der Auswertung des Datenbestandes wurden von den Projektmitarbeitern in einer ganzen Reihe von Vorträgen und Veröffentlichungen vorgestellt.

Als Grundgerüst und empirische Basis für die Augsburger Datenbank diente die im Rahmen eines DFG-Projekts erstellte Mainzer Friedensvertragsdatenbank, die den Zugang zu Digitalisaten von 1.800 Friedens- und anderen politischen Verträgen der Vormoderne ermöglicht. Ergänzt wurde sie durch eigene Recherchen und Archivanfragen.

Anspruch auf Vollständigkeit kann sie jedoch trotz einer breiten Quellen- und Materialbasis nicht erheben, musste doch bei einigen Dokumenten die Frage nach der Sprache unbeantwortet bleiben. Dieses Problem stellte sich besonders bei Verträgen mit mehreren Ausfertigungen in unterschiedlichen Sprachen. Bei solchen war mehrfach das Gegeninstrument nicht zu ermitteln oder nicht einsehbar. Hier wäre eine Klärung nur durch Archivreisen möglich gewesen, auf die jedoch mangels Reisemittel verzichtet werden musste.

Auskunft über die technische Umsetzung der Datenbank, das methodische Vorgehen bei der Sammlung und Auswertung der Daten sowie die dabei auftretenden Probleme gibt folgender Artikel:

German Penzholz/Andrea Schmidt-Rösler: Die Sprachen des Friedens – eine statistische Annäherung. In: Burkhardt, Johannes/Jankrift, Kay Peter/Weber, Wolfgang E. J. (Hg.): Sprache. Macht. Frieden. Augsburger Beiträge zur Historischen Friedens- und Konfliktforschung. Augsburg 2014 (= Documenta Augustana Pacis; Bd. 1), S. 309-320.

Diese Internetpräsentation dient dazu, die Kernergebnisse der Datensammlung zur Verfügung zu stellen. Eine Onlinestellung der Datenbank in unmittelbar bearbeitbarer Form war auf Grund des technischen Aufwands nicht möglich. Sie steht jedoch für weitere Qualifikationsarbeiten und andere Forschungsbeiträge der am Institut für Europäische Kulturgeschichte tätigen Wissenschaftler zur Verfügung. 

Die Präsentation der Daten erfolgt in Listenform. Angegeben sind zu den Verträgen jeweils folgende Informationen: Vertragsdatum, der Titel des Vertrags, der Ort des Vertragsschlusses, die beteiligten Vertragspartner, die Vertragsart (Friedensvertrag, Bündnisvertrag, Handelsvertrag usw.) sowie die in den Verträgen verwendeten Sprachen (Vertragssprache und ggf. Zweitsprache).

Es kann zwischen unterschiedlichen Präsentationsformen gewählt werden:

Daten geordent nach