UPD 54/22 - 08.06.2022

Elektronische Patientenakte – Fluch oder Segen?

Nach zweijähriger coronabedingter Pause startet der Augsburger Gesundheitsdialog am 14. Juni 2022 mit der Frage nach den Chancen und Risiken der elektronischen Patientenakte

Die elektronische Patientenakte ist Gegenstand der ersten Veranstaltung des 6. Augsburger Gesundheitsdialogs des Zentrums für Interdisziplinäre Gesundheitsforschung der Universität Augsburg. Hierzu diskutieren am 14. Juni 2022 vier Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und dem Gesundheitswesen im Zeughaus Augsburg. Neben datenschutzrechtlichen Überlegungen und Kenntnissen zu einer leistungsfähigen und vertrauenswürdigen IT-Infrastruktur wird auch die Expertise des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns in die Diskussion eingebracht. Interessierte aus der Augsburger Stadtgesellschaft sowie Fachleute aus dem Gesundheitswesen sind herzlich eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen.

© University of Augsburg

 

Zum thematischen Hintergrund: Seit dem 1. Januar 2021 hat der Gesetzgeber die Gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet, ihren Versicherten auf Wunsch eine elektronische Patientenakte (ePA) anzubieten. In diese können beispielsweise Befunde, Diagnosen, Therapiemaßnahmen, Arztbriefe oder Behandlungsberichte eingestellt und anschließend unterschiedlichen Leistungserbringern im Gesundheitsweisen zur Verfügung gestellt werden. Ziel des Gesetzgebers ist es, durch die elektronische Bereitstellung relevanter Patienteninformationen die Effizienz, Effektivität und die Qualität der Behandlung von Patientinnen und Patienten zu steigern, indem diese selbst steuern, wie die Daten in der sog. ePA-App bereitgestellt werden sowie wer Zugriff hat ihre Gesundheitsdaten hat. Daraus folgt aber auch, dass Ärztinnen und Ärzte nicht auf die Vollständigkeit der ePA verlassen können, da ihnen womöglich der Zugang zu manchen Informationen nicht gewährt wurde. Insofern ersetzt die ePA weder die Primärdokumentation der Ärzteschaft noch die Arzt-Arzt- oder die Arzt-Patienten-Kommunikation. Hinsichtlich dieser Ausgestaltung stellen sich eine ganze Reihe von Fragen:

  • Ist der Konflikt zwischen informationeller Selbstbestimmung und Patientenwohl sinnvoll gelöst worden?
  •  Welches Potenzial hat die ePA in Bezug auf die Steigerung des Patientenwohls und die finanzielle Nachhaltigkeit des Gesundheitssystems?
  • Wie sicher sind Patientendaten in der elektronischen Akte? Wie kann deren Sicherheit gewährleistet werden? Worauf können Patienten vertrauen? Welche Risiken bestehen?
  • Entsprechen die technischen Eigenschaften der ePA dem aktuellen Stand oder ist das System bereits bei Einführung veraltet?
  • Was sind die bisherigen Erfahrungen bzw. Probleme mit der ePA, aus Sicht der Patientinnen und Patienten und aus Sicht der Krankenkassen sowie Artzpraxen?

Über diese und weitere Fragen diskutieren beim Augsburger Gesundheitsdialog:

Prof. Dr. Beate Jochimsen
Hochschule für Wirtschaft und Recht, Berlin
Mitglied des Sachverständigenrats Gesundheit

Prof. Dr. Ulrich M. Gassner
Universität Augsburg
Gründungsdirektor der Forschungsstelle E-Health Recht

Prof. Dr. Frank Kramer
Universität Augsburg
IT-Infrastrukturen für die Translationale Medizinische Forschung

Martin Degenhardt
Geschäftsführer der Freien Allianz der Länder-KVen (FALK)
Politikexperte, Kassenärztliche Vereinigung Bayerns

 

Der Augsburger Gesundheitsdialog

… wird vom Zentrum für Interdisziplinäre Gesundheitsforschung der Universität Augsburg gestaltet und hat zum Ziel, allen interessierten Personen in Augsburg und Umgebung die Forschungsaktivitäten des ZIG vorzustellen, über aktuelle Themen zu informieren und mit der Stadtgesellschaft in einen aktiven Austausch zu treten. „Am ZIG arbeiten wir schon länger intensiv im Bereich Gesundheit, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz und bauen diesen Bereich derzeit im Rahmen der High-Tech-Agenda Bayern zu einem Forschungsschwerpunkt aus. Mit dem Veranstaltungsformat wollen wir gesellschaftsrelevante Themen wie die elektronische Patientenakte in die Gesellschaft hineintragen sowie einen intensiven und kritischen Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft fördern“, erklärt der Gesundheitsökonom Prof. Dr. Robert Nuscheler, stellvertretender Direktor des ZIG und Organisator des Augsburger Gesundheitsdialogs.

Der nächste Augsburger Gesundheitsdialog findet am 19.7.2022 im Zeughaus Augsburg zum Thema Lehren aus der Pandemie statt. Es diskutieren: Prof. Dr. Helmut Messmann (Pandemiebeauftragter des Universitätsklinikums Augsburg), Privatdozent Dr. Thomas Wibmer (Leiter des Gesundheitsamts der Stadt Augsburg), Dr. Andreas Schneider (Ärztlicher Leiter des Impfzentrums Augsburg) sowie Prof. Dr. Kerstin Schlögl-Flierl (Mitglied des Deutschen Ethikrats).

 

Das Zentrum für Interdisziplinäre Gesundheitsforschung (ZIG)

… wurde 2014 als zentrale Einrichtung an der Universität Augsburg gegründet. Derzeit vereint das ZIG rund 75 Forscherinnen und Forscher aus allen acht Fakultäten und sieben Einrichtungen der Universität Augsburg sowie assoziierte Mitglieder aus der Region Augsburg. Gemeinsam mit den externen Kooperationspartnern arbeiten die Forscherinnen und Forscher an zentralen Fragen zu Gesundheit und Krankheit, zur Medizin und zum Gesundheitssystem. Unterstützt und begleitet werden Auf- und Ausbau des Forschungszentrums durch einen Beirat mit ausgewiesenen Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft.
 

Termine und Ort:

Augsburger Gesundheitsdialog: Elektronische Patientenakte - Fluch oder Segen?
Dienstag, 14. Juni 2022, 18.00 bis 19.30 Uhr
Zeughaus Augsburg (Reichlesaal, 1. Stock), Zeugplatz 4, 86150 Augsburg
Der Eintritt ist frei.

Augsburger Gesundheitsdialog: Lehren aus der Pandemie
Dienstag, 19. Juli 2022, 18.00 bis 19.30 Uhr
Zeughaus Augsburg (Reichlesaal, 1. Stock), Zeugplatz 4, 86150 Augsburg
Der Eintritt ist frei.

 

Weitere Informationen zum Augsburger Gesundheitsdialog

 

Wissenschaftliche Ansprechperson

Lehrstuhlinhaber
Prof. Dr. Robert Nuscheler: Finanzwissenschaft, insbesondere Gesundheitsökonomik

Medienkontakt

Michael Hallermayer
Stellvertretender Pressesprecher, Stellv. Leitung
Stabsstelle Kommunikation & Marketing

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