Die Universität Augsburg erfüllt ihren staatlichen Forschungsauftrag sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung auf hohem akademischem Niveau. Im fünfzigsten Jahr ihres Bestehens umfasst sie acht Fakultäten und hat mit der Gründung der Medizinischen Fakultät im Jahr 2016 den Rang einer Volluniversität erreicht. Die klassischen Fakultäten werden durch leistungsstarke Netze, Zentren und Foren ergänzt, die – der Idee der Netzwerkuniversität Augsburg folgend – gegründet wurden, um inter- und transdisziplinäre Forschung in zukunftsorientierten Bereichen bestmöglich zu fördern.

Basierend auf den historisch gewachsenen Schwerpunkten der Universität und den strategischen Ausbauplänen der Universitätsleitung, werden in den nächsten Jahren folgende Profilfelder in enger Abstimmung mit den beteiligten Fakultäten und Zentren ausgebaut und strukturiert:

Lebenswissenschaften – Life Sciences

 

Mit dem Ausbau der Physik, der Informatik und der Medizin entstehen hohe Synergien in den Natur- und Technikwissenschaften, die den Ausbau der Life Sciences erfordern. Hier steht, neben der Entwicklung der Chemie-Disziplinen, ein Ausbau der Biologie im Vordergrund.

Die an der Universität bereits vorhandenen Kompetenzen werden zu einem zielorientierten Verbund zusammengeschlossen. Es wird ein Life Science Zentrum gegründet, dem im Endausbau Life Science-Professuren der medizinischen Fakultät (Molekularbiologie und Biochemie, Genetik, vorklinische Fächer, Theoretische Medizin, aber auch geeignete klinische Fächer), Life Science-Professuren der Mathematisch-Naturwissenschaftlich-Technischen Fakultät (z.B. Mathematik, Physik, Chemie, Materialwissenschaften), Professuren der Medical Information Sciences (Digitalisierung der Medizin), Professuren der Environmental Health Sciences (Umweltwissenschaften für die Medizin) sowie das Zentrum für interdisziplinäre Gesundheitsforschung (ZIG) angehören werden. Weiterhin ist daran gedacht, das UNIKA-T und verschiedene Aspekte der Ressourcenstrategie auf geeignete Weise in den Verbund einzubinden.

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Medizininformatik – Medical Information Sciences (MIS)

Die Medical Information Sciences bilden, in Kombination mit den Environmental Health Sciences, die beiden Forschungsschwerpunkte der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg. Die Kombination beider Bereiche hat das Potenzial, sich zu einem nationalen Alleinstellungsmerkmal der Universität zu entwickeln. Die Medical Information Sciences liegen am Schnittpunkt zwischen der Medizinischen Fakultät und der Fakultät für Angewandte Informatik. Aus der Stellungnahme des Wissenschaftsrats ergibt sich ein klarer Auftrag für den weiteren Ausbau des Profilfelds. Wichtige Themen sind: die Simulation biologischer Prozesse, die Visualisierung somatischer Daten oder softwareintensive Systeme für medizinische Institutionen.

Gesundheit und Umweltwissenschaften – Environmental Health Sciences (EHS)

Der Forschungsschwerpunkt Environmental Health Sciences erfasst in Verknüpfung von Expositions- und Reaktionsforschung die Auswirkungen von Umweltfaktoren auf Gesundheit und Krankheitsverläufe. Hier wird ein in Deutschland insgesamt nicht ausreichend bearbeitetes Forschungsfeld adressiert, das mit den Themen Gen-Umwelt-Interaktion und Umweltepidemiologie hochaktuell ist. Vielfältige Forschungsthemen schließen sich an: Klimawandel und Anpassungsstrategien, umweltbedingte Anteile an den Volkskrankheiten wie Allergien, Lungenerkrankungen oder Neurodermitis. Eine enge Verbindung besteht zum Wissenschaftszentrum Umwelt (WZU).

Darüber hinaus befindet sich ein Forschungsprogramm Environmental Humanities im Aufbau. Es handelt sich um Forschung zu Umweltthemen aus den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften.

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Materialwissenschaften und Ressourcen – Materials Resource Management (MRM)

Mit der Fertigstellung des neuen Gebäudes MRM im Jahr 2020 für die Disziplinen im Verbund der Materialwissenschaften, der Informatik und des Wirtschaftsingenieurwesens beginnt eine neue Ära gemeinsamer Forschungen, eines gemeinsamen Projektmanagements sowie der Kooperation mit Industriepartnern und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Auf dem Gelände entsteht ein eigener Wissenschaftsstandort für die Zukunft der Mobilitätstechnologie, der Lech Data Technology Campus, der weitere Ausbaumöglichkeiten bietet.

MRM-Forschung befasst sich mit der Entwicklung und öko-effizienten Implementierung strategischer, regenerativer Funktionsmaterialien, Prozesse, Produkte und Technologien. Das Potenzial neuer Produkte, z.B. faserverstärkter Polymere, und Technologien soll möglichst früh vorausgesagt werden, dafür ist Grundlagenforschung ebenso wichtig wie angewandte Forschung, zusätzlich geht es um Wertschöpfungsketten und die globale Verfügbarkeit wichtiger Ressourcen mit den daraus resultierenden Abhängigkeiten und Konfliktpotenzialen. Dies wird mit Methoden der Wirtschaftswissenschaften und der Ressourcenstrategie untersucht.

Erforschung von Raum und Zeit – Space and Time Sciences

Durch die enge Kooperation zwischen der Universität Augsburg und dem Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt, auch über den Konsortialrat der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus auf der Zugspitze, bieten sich am Standort Augsburg beste Voraussetzungen für innovative Forschung im Bereich der atmosphärischen Bedingungen für die Luft- und Raumfahrt. Universitäre Anknüpfungspunkte bestehen mit den Bereichen Earth System Sciences und Materials Resource Management.

Grundlagenforschung im Bereich Raum und Zeit aus einem ganz anderen Blickwinkel betreiben die Theoretische Physik und die Theoretische Mathematik einerseits sowie die Humanwissenschaften andererseits. Während vonseiten der erstgenannten letztlich die Frage nach Theorien von den Ursprüngen der Gesetzmäßigkeiten im Universum aufgeworfen wird, thematisieren die Geistes- und Kulturwissenschaften seit dem sogenannten spacial turn die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen in voneinander getrennten Räumen, Regionen und Kontinenten.

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Nachhaltige Regionalentwicklung – Sustainable Regions/Innovative Regions

Der Bezirk Schwaben bietet die Chance, in sehr unterschiedlichen Teilregionen neuartige Modelle für eine lebenswerte Umwelt zu schaffen. Ansatzpunkte sind das Genossenschaftswesen, Sharing-Economy-Konzepte, eine Neujustierung der Flächenbewirtschaftung, Homöostase aus Kultur- und Naturlandschaft, Biodiversität, generationenübergreifende Raumplanung, nachhaltige Tourismuswirtschaft, Versorgung mit Schlüsseltechnologien und -infrastrukturen, Berufsbilder, Gesundheitswissenschaft etc. Aus diesen Themen ergibt sich ein gebündelter Auftrag für die Regionalforschung, mit dem die Universität an Strahlkraft gewinnen und ihren Beitrag zum Prosperieren von Gesellschaft und Wirtschaft leisten kann.

Gesellschaft und Geschichte, Ökonomie und Recht – Normative System Science

Nach einigen Jahrzehnten des Vorrangs von ökonomischem Denken und finanzmarktlichem Handeln verschieben sich Gewichte im Spannungsgefüge von Wirtschaft, Staaten und Gesellschaften. Im Zuge der Globalisierung und Transnationalisierung wurden nationalstaatliche Begrenzungen überwunden, sowohl im Bereich der sogenannten „Märkte“ als auch im Bereich des Öffentlichen Rechts und des Völkerrechts. Nachdem sich der globale Datenraum zunächst ohne regulative Rahmenbedingungen entwickelte, wurden durch zwischenstaatliche rechtsverbindliche Vereinbarungen mittlerweile in ersten Ansätzen normative Systeme für Kommunikation, Handel und Wissenstransfer geschaffen.

Ebenso zeigt die zunehmende Geltung europäischen Rechts gegenüber dem nationalen Verfassungs- und Verwaltungsrecht, in wie hohem Maß die europäischen Länder und Gesellschaften miteinander verwoben sind, ohne dass ihre nationalkulturellen Unterschiede aufgehoben wären. Die damit verbundenen Spannungen zwischen Deregulierung, Regulierung und Normativierung einerseits sowie zwischen Eigenem und Fremdem andererseits bilden gegenwärtig eine Herausforderung sowohl für die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften als auch die Geschichts- und Sozialwissenschaften. Soweit es das Lehr- und Forschungsprogramm der betreffenden Fächer zulässt, wird die Universität mit finanziellen, personellen und infrastrukturellen Mitteln die Zusammenarbeit bis hin zur Vernetzung in Forschergruppen und Sonderforschungsbereichen fördern.

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Europawissenschaften – Language and Literature, Cultural and Political Humanities

Die Kultur-, Geistes- und Sozialwissenschaften an der Universität Augsburg weisen seit deren Gründung einen sowohl nationalen als auch transnationalen und internationalen Bezug auf. Wo feste Kooperationen im Bereich der Forschung oder mit dem Ziel integrierter Studiengänge angestrebt werden, wird die Universität solche Initiativen nachdrücklich unterstützen.

Es kann dabei nicht allein um Austauschbeziehungen gehen, vielmehr muss daran gearbeitet werden, Europa neu zu vermessen und in seinen historischen Grundlagen zu verstehen. Europa sucht nach einem Selbstverständnis, das den Herausforderungen des frühen 21. Jahrhunderts angemessen ist. Die Bürgerinnen und Bürger der EU rücken einerseits enger zusammen, andererseits führt die Relativierung des Nationalstaats dazu, dass europafeindliche Parteien, Lobbygruppen und Regierungen der nationalen Abschottung Vorschub leisten und die Bedeutung der Regionen steigt. Dies gilt einmal mehr für theologische, ethische und philosophische Fragen.

Um entsprechende Initiativen und Linien entsprechend zu verankern, wird die Universität Augsburg eine Europa-Arbeitsgruppe auf Präsidialebene einrichten, die mit dem Auftrag versehen wird, ein europäisches Programm für unsere Universität zu erarbeiten.

Lehr-/Lernforschung – Teaching/Learning Research

Seit 2015 forscht ein Verbund von Augsburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Bildungsforschung, Didaktik, Erziehungswissenschaften und Psychologie in einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Bund-Länder-„Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ geförderten Großprojekt zu Fragen und Herausforderungen der Heterogenität an Schulen. „Förderung der Lehrerprofessionalität im Umgang mit Heterogenität“, kurz LeHet, heißt das exzellente Programm. Zentrales Ziel ist die Weiterentwicklung der Lehrerbildung an der Universität Augsburg hin zu einer umfassenden und effektiven Förderung der Professionalität angehender Lehrer(innen) im Umgang mit Heterogenität. Basierend auf einem Arbeitsmodell zu den entsprechenden Lehrerkompetenzen, werden vier Kompetenzbereiche adressiert, für die zueinander kompatible, fachübergreifende und fachspezifische Lehr-Lernangebote entwickelt werden. Zentral ist dabei die enge Verzahnung zwischen Universität und schulischer Praxis, die durch Maßnahmen wie Tandemlehre, forschendes Lernen sowie eine starke Fallorientierung realisiert wird.

Die Universität Augsburg ist damit eine jener Bildungseinrichtungen, die deutschlandweit als führend in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung anerkannt sind. Jede Aktivität dieser Initiative wird aufgrund der Bedeutung und Dringlichkeit des Themas von der Universitätsleitung weiter entschieden unterstützt.

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Erdsystemwissenschaft – Earth System Sciences/Eco System Sciences

Das Weltall, die Erde mit allem natürlichen Vorkommen von Flora und Fauna, Oberflächen und tieferen Lagen sowie die von Menschen bewohnten Zonen bilden ein Gefüge, das in vielerlei Hinsicht gefährdet ist. Neben einzelnen Lotungen in Spezialdisziplinen ist es erforderlich, die Bewegungen im Gesamtgefüge mit Methoden der Geoinformatik, mit ausgereifter Messtechnik und Einzelstudien über Veränderungsprozesse an Schlüsselstellen wie Gletschern, ariden Randzonen und (Ur-)Wäldern vorzunehmen. Die Universität Augsburg hat in den Profilbereich Umweltwissenschaften in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut, mit einem klaren Schwerpunkt auf Kreisläufe und Systementwicklungen.

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