UPD 138/15 - 15.09.2015

Gemeinsames visuelles Kulturerbe fruchtbar machen

Ethnologinnen und Ethnologen aus Augsburg erschließen gemeinsam mit mexikanischen Kolleginnen und Kollegen die Wilhelm Schirp Laabs Collection: 2017 sollen die aufschlussreichen Fotodokumente über Yukatan in den Jahren 1910 bis 1940 online verfügbar sein.

Augsburg/KPP ­ - Mittel aus dem deutsch-mexikanischen Forschungsförderungsprogramm PROALMEX ermöglichen es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Augsburg und Yukatan, die ethnologisch und historisch wertvolle Fotosammlung von Wilhelm Schirp Laabs zu erschließen. Der gebürtige Aachener, der 1905 nach Mexiko auswanderte, hat zwischen 1910 und 1940 die sozialen, kulturellen und politischen Verhältnisse und Entwicklungen auf der mexikanischen Halbinsel Yukatan mit eindrucksvollem und unter vielen Aspekten aufschlussreichem Bildmaterial dokumentiert.

Laabs arbeitete bei den Siemens & Haske-Elektrowerken in Merida, der Hauptstadt Yukatans. Als talentierter Amateurfotograf dokumentierte er alles, was in seiner neuen Umgebung seine Aufmerksamkeit weckte. Das Spektrum der Motive reicht von den Arbeitsverhältnissen in der Fabrik bis zu Versammlungen und politische Demonstration, von Alltagsgewohnheiten und besonderen Ritualen über Tagesausflüge und Familienfeiern bis hin zu lokaler Prominenz.

Spiegel eines drei Jahrzehnte langen Urbanisierungsprozesses

"In Laabs' Bildern spiegelt sich der Urbanisierungsprozess Meridas über drei Jahrzehnte hinweg", erläutert Dr. Alma Duran-Merk, Mitarbeiterin des Projekts am Augsburger Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Volkskunde. Der Bildbestand, der in der Universitätsbibliothek Augsburg digitalisiert vorliegt, sei zum einen eine Fundgrube für die mexikanische wie für die deutsche Ethnologie, er sei darüber hinaus aber auch aus den Perspektiven z. B. der Geschichtswissenschaft, der Architekturgeschichte oder der Migrations- und Genderforschung höchst aufschlussreich.

Dementsprechend wird die Bearbeitung der Laabs-Sammlung aus unterschiedlichen fachwissenschaftlichen und kulturellen Blickwinkeln in Angriff genommen. Technisch unterstützt von der Universitätsbibliothek Augsburg, kooperieren im Projekt vier Augsburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit fünf mexikanischen Kolleginnen und Kollegen am Centro de Investigaciones y Estudios Superiores en Antropología Sociales (CIESAS) in Mexiko Stadt und Merida.

Gemeinsames visuelles kulturelles Erbe erschließen, bewahren und verbreiten

Über die Klassifizierung der Bilder und über deren Einordnung in die jeweiligen Kontexte hinaus ist es der Anspruch des Forscherteams, Schirp Laabs' fotografisches Erbe möglichst umfassend und unter allen inhaltlichen Aspekten auszuwerten, um es dann der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. "Der volle Titel unseres Projekts lautet: 'Multiple Perspectives by Cataloging, Contextualization, and Archiving of Shared Visual Heritage: The Case of the Wilhelm Schirp Laabs Collection'. Er signalisiert", so Projektleiter Prof. Dr. Günther Kronenbitter, "dass es uns nicht nur um die Schirp Laabs-Sammlung als solche geht. Wir wollen an ihrem Beispiel vielmehr neue Wege erkunden und aufzeigen, auf denen sich visuelles kulturelles Erbe, das man mit anderen teilt, für alle - im konkreten Fall der Laabs-Sammlung für Mexiko und für Deutschland - optimal erschließen, bewahren und verbreiten lässt."

Ab 2017 online verfügbar

Auf zwei Jahre angelegt und von PROALMEX gefördert, sieht der Arbeitsplan des Projekts insgesamt vier gemeinsame Workshops vor, von denen zwei in Augsburg und zwei in Merida stattfinden. Bereits 2017 sollen die Bilder von Schirp Laabs in voll erschlossenem Zustand online für nicht-kommerzielle Zwecke zur Verfügung gestellt und zusammen mit den weiterführenden Projektergebnissen in einer Ausstellung präsentiert werden.

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PROALMEX

... ist ein bilaterales Kooperationsprogramm das gemeinsam vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und vom mexikanischen Consejo Nacional de Ciencia y Tecnologia (CONACYT) finanziert wird. Ziel des Programms ist es, die Zusammenarbeit wissenschaftlicher Institutionen beider Länder zu erleichtern, innovative Gemeinschaftsprojekte anzustoßen, transnationale Forschungsnetzwerke zu fördern und den wissenschaftlichen Nachwuchs zu unterstützen. Die Mittel für die Förderung durch den DAAD werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zur Verfügung gestellt.

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