UPD 108/19 - 24.07.2019

Freiheit – Literarische Gespräche zum Augsburger Friedensfest

Zum zweiten Mal organisiert Literaturprofessorin Stephanie Waldow die Augsburger Gespräche zu Literatur und Engagement.

Augsburg/CH – Im Rahmenprogramm zum Augsburger Hohen Friedensfest finden 2019 zum zweiten Mal die Augsburger Gespräche zu Literatur und Engagement statt. Organisiert von Stephanie Waldow, Professorin für Neuere deutsche Literaturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Ethik, greifen die Gespräche die wiedererstarkte Rolle politischer Literatur und Kunst auf. Sie finden vom 28.-30. Juli 2019 in der Stadtbücherei statt.

Die Diskussion um Literatur und Engagement ist aktueller denn je. Gerade in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels, in Zeiten der Globalisierung und Medialisierung kommen Kunst und Literatur eine herausgehobene Stellung zu. Sie (er)finden neue Ausdrucksformen, definieren ihren Raum in der Gesellschaft neu, regen zur Reflexion an und leisten gegebenenfalls Widerstand. In Abgrenzung zur sogenannten politischen Literatur der 1960er und 70er Jahre legt die gegenwärtige Literatur ihren Fokus allerdings stärker auf die Reflexion von Normen und Werten, statt moralische Ansprüche zu generieren. „Hier zeigt sich vor allem ihre ethische Relevanz“, sagt Stephanie Waldow, Professorin für Neuere deutsche Literaturwissenschaft mit Schwerpunkt Ethik.

„Damit einher geht der Befund, dass der Begriff des Engagements in der gegenwärtigen Literatur und Kultur wieder eine herausgehobene Rolle spielt. Dies zeigt sich auch an der regen Anteilnahme, die zeitgenössische Autorinnen und Autoren, Künstlerinnen und Künstler am gesellschaftlichen Diskurs nehmen. Flankiert wird dieser Befund von der Beobachtung, dass auch der wissenschaftliche Diskurs die politische Literatur und Kunst wieder stärker in seinen Blick nimmt“, so Waldow weiter. Das 2018 neu gegründete Format der Augsburger Gespräche zu Literatur und Engagement reagiert auf diese Beobachtungen.

Ziel ist es, diesem gleichermaßen ästhetischen wie gesellschaftlichen Prozess eine Plattform zu bieten, die nicht nur Universität und Stadtbevölkerung ins Gespräch miteinander bringt, sondern darüber hinaus auch überregionales Interesse weckt und Augsburg so zu einem zentralen Standort literarischer und gesellschaftlicher Provenienz werden lässt. In geschlossener Runde und im öffentlichen Gespräch wird sich darüber ausgetauscht, wie sich soziale Wirklichkeiten verändern und wie sich Literatur und Kunst dazu stellen kann.

In enger Kooperation mit dem Sensemble Theater Augsburg und dem Friedensbüro der Stadt Augsburg finden die Gespräche in diesem Jahr vom 28.-30. Juli 2019 in der Stadtbücherei Augsburg statt. Diskutiert wird über das Thema Freiheit: Freiheit verstanden sowohl in gesellschaftspolitischer Hinsicht, aber auch Freiheit verstanden als ästhetische Kategorie. Wieviel Freiheit verträgt eine Gesellschaft, eine Demokratie, gerade in Zeiten von Terror und Rechtspopulismus? Wo sind die Grenzen der Freiheit zu ziehen? Wie bedroht ist die Freiheit durch Sicherheitswahn und Überwachungsmaschinerien? Wie gestaltet sich Freiheit in Zeiten von Flucht und Migration und ist Freiheit nicht letztlich auch kultur- und religionsabhängig? Also Freiheit nicht als Grundwert des Menschen, sondern als kulturell determinierter Wert oder gar als Produkt einer Verhandlung? Wie sieht das Verhältnis von Macht und Freiheit aus und schließlich, ist Freiheit unter diesen Voraussetzungen nicht vielmehr eine Praxis, statt eines unumstößlichen Wertes?

Freiheit sehen die Organisatoren dabei auch als die Verantwortung, mutig und offen zu sprechen und sich auf die „richtige“ Seite zu schlagen. Das erfordert Mut, der das eigentlich Geheimnis von Freiheit zu sein scheint. Orte für freimütige Rede wiederum stellen Kunst und Literatur bereit.

Wie diese Orte im 21. Jahrhundert aussehen könnten und welche Rolle dabei die unterschiedlichen Gattungen und Aufführungspraktiken spielen, von der Literatur, über die Musik bis hin zum Theater, darüber diskutieren in diesem Jahr Sibylle Lewitscharoff, Kathrin Röggla, Susanne Heinrich, Tanasgol Sabbagh, Christoph Peters, Pierre Jarawan, Rainer Merkel und Stefan Kaegi von Rimini Protokoll.

© Universität Augsburg

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Neuere Deutsche Literaturwissenschaft (Ethik)
  • Raum 4013 (Gebäude D)

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