UPD 72 - 04.11.2020

Ethik im Medizinstudium

An der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg wird die Professur für Ethik der Medizin mit der Bioethikerin Prof. Dr. Verina Wild neu besetzt

Augsburg/PW/CH – Auf die neu eingerichtete Professur für Ethik der Medizin wird zum 1. November 2020 Prof. Dr. Verina Wild berufen. Das Fach Medizinethik soll Studierende auf die mitunter schwierigen Entscheidungen in ihrem Berufsleben vorbereiten und typische ethisch schwierige Fragen der Humanmedizin bearbeiten. Ihre besondere Expertise im Bereich Public-Health-Ethik wird Prof. Verina Wild im Bereich „Environmental Health Sciences“ der Medizinischen Fakultät einfließen lassen. Ihre spezielle Kenntnis zu ethischen Aspekten digitaler Gesundheit wird den Bereich „Medical Information Sciences“ bereichern. Auch zur aktuellen Covid-19-Pandemie arbeitet die Medizinethikerin.

Prof. Dr. Verina Wild, Ethik der Medizin Yves Krier

„Frau Prof. Wild wird eine wichtige Position an der Schnittstelle zwischen der Universität und dem Universitätsklinikum Augsburg einnehmen. Sie wird interdisziplinäre Forschungsverbünde unterstützen, deren Schwerpunkt auf medizinischen Fragestellungen liegt“, sagte  Universitätspräsidentin Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel. „Dies bietet insbesondere vor dem Hintergrund des starken translationalen Forschungsansatzes weitreichende Verbindungen mit der medizinischen Grundlagenforschung sowie mit den klinischen Profilzentren.“

Auch die Gründungdekanin der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Martina Kadmon, äußerte sich erfreut zur Besetzung der Professur: „Prof. Dr. Wild wird durch ihr Forschungsprofil hervorragend zu den Forschungsschwerpunkten der Medizinischen Fakultät beitragen. Gerade der Bereich Public-Health-Ethik bietet sehr gute Anknüpfungsmöglichkeiten an die Schwerpunkte Medical Information Sciences und Environmental Health Sciences.“ Prof. Dr. Verina Wild forscht und lehrt in den Bereichen Medizinethik bzw. Bioethik, Public-Health-Ethik und Global-Health-Ethik.

Ethische, gesellschaftliche und rechtliche Aspekte mobiler Gesundheitstechnologien

Schon heute sind Apps, Wearables und elektronische Sensoren Bestandteil der täglichen Gesundheitsprävention und der Krankheitsbekämpfung, Tendenz zunehmend. Prof. Wild ist Leiterin der internationalen und interdisziplinären Forschungsgruppe „META“, das Projekt deckt Perspektiven aus Bioethik, Public-Health-Ethik, Philosophie, Soziologie, Recht, Medizin, Public Health und Gender Studies ab. Die Forschungsgruppe untersucht die ethischen, gesellschaftlichen und rechtlichen Aspekte dieser mobilen Gesundheitstechnologien. Im Fokus steht die Untersuchung von Chancen und Risiken von mHealth Technologien für Individuen, für die Gesellschaft und für die globale Gesundheit. „META“ läuft noch bis zum Jahr 2024 und ist mit einem Volumen von 2 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) gefördert.

Public-Health-Ethik und das Beispiel der Covid-19-Pandemie

Bereits seit zehn Jahren setzt sich Prof. Verina Wild mit dem in Deutschland aktuell wachsenden Forschungsbereich „Public-Health-Ethik“ auseinander. Hier untersucht sie Fragen des Einflusses von Umwelt und Lebensbedingungen auf die Gesundheit, Fragen der gesundheitlichen Ungleichheit und Fragen zu Prävention und Gesundheitsförderung, auch im digitalen und globalen Kontext. Klimaveränderungen sind ein weiterer Bereich, der komplexe Fragen für die Gesundheit Einzelner und der Gesellschaft aufwirft und mit dem sich die neu besetzte Professur und ihr Forschungsteam ebenfalls beschäftigen werden. Wild ist außerdem Gründungsmitglied der im März 2020 gegründeten internationalen Ethik-AG des Kompetenznetzes Public Health Covid-19 und arbeitet derzeit zu verschiedenen Aspekten der Pandemie.

Sie selbst freut sich sehr auf die neuen Aufgaben und Gestaltungsmöglichkeiten in Lehre und Forschung. Prof. Wild sieht in der multidisziplinären Verknüpfung der Medizinischen Fakultät mit Medical Information Sciences (MIS) und Environmental Health Sciences (EHS) sowie im Modellcharakter des Medizinstudiengangs der Universität Augsburg „ein ideales, stimulierendes Umfeld, das zukunftsweisende Forschung und Reflexion ermöglicht und bereichert.“ Die Lehre ist ihr ein großes Anliegen, und sie freut sich darauf, Studierende für das Fach Ethik der Medizin zu begeistern und zu motivieren.

Zur Person

Prof. Dr. Verina Wild studierte Humanmedizin an der Georg-August-Universität in Göttingen, wo sie sich studienbegleitend bereits auf den Schwerpunkt Medizinethik konzentrierte. Mehreren klinischen Praktika in Europa, Afrika und Lateinamerika folgte die Promotion an der Universität Zürich, die 2008 mit dem Nachwuchspreis der Akademie für Ethik in der Medizin ausgezeichnet wurde. Als approbierte Ärztin war Wild von 2006-2007 in der Abteilung für Innere Medizin am Evangelischen Waldkrankenhaus Berlin Spandau beschäftigt, von 2008-2015 war sie als Oberassistentin und stellvertretende Institutsdirektorin am Institut für Biomedizinische Ethik der Universität Zürich tätig. Forschungsaufenthalte führten Verina Wild an die Columbia University, die Rutgers University und die University of Sydney.

Sie übernimmt beratende Funktionen an der Bundesärztekammer und der Weltgesundheitsorganisation. Im vergangenen Jahr wurde Prof. Dr. Verina Wild mit dem Prinzessin Therese von Bayern-Preis der LMU für herausragende Leistungen in Wissenschaft und Lehre und Vorbildfunktion für junge Forscherinnen ausgezeichnet. Jüngst arbeitete sie als stellvertretende Institutsdirektorin am Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 

Die Augsburger Universitätsmedizin

…umfasst die Medizinische Fakultät der Universität Augsburg, das Universitätsklinikum Augsburg sowie – als Kooperationspartner – das Bezirkskrankenhaus Augsburg – Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Augsburg. Die Forschungsschwerpunkte der Medizinischen Fakultät liegen in den Bereichen Medizinische Informatik sowie Umwelt und Gesundheit (Environmental Health Sciences). Rund 100 Professorinnen und Professoren werden im Endausbau in der bio- und humanmedizinischen Forschung und Lehre tätig sein. Seit dem Wintersemester 2019/20 bietet die Medizinische Fakultät einen humanmedizinischen Modellstudiengang an, der vorklinische und klinische Inhalte integriert und besonderen Wert auf eine wissenschaftliche Ausbildung der im Endausbau 1.500 Studierenden legt.

Das Universitätsklinikum Augsburg (UKA), seit 2019 in der Trägerschaft des Freistaates Bayern, bietet unter anderem durch seine Einbindung in universitäre medizinische Forschung und Lehre der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg der Bevölkerung der Stadt und der Region eine optimale medizinische Versorgung. Die tagesklinischen Betten mitgezählt, stehen am UKA 1.740 Betten zur Verfügung. 24 Kliniken, drei Institute und 19 Zentren garantieren in allen medizinischen Fachdisziplinen Diagnose und Therapie auf höchstem Niveau. Jährlich werden über 250.000 ambulante und stationäre Patientinnen und Patienten versorgt. Mit zirka 80.000 Patientinnen und Patienten pro Jahr ist die Notaufnahme des UKA die zweitgrößte der Bundesrepublik. Jährlich erblicken am UKA mehr als 2.450 Kinder das Licht der Welt. Mit 560 Ausbildungsplätzen ist die an das UKA angeschlossene Akademie für Gesundheitsberufe einer der größten Ausbildungsträger der Region.

Medienkontakt

Corina Härning
Redakteurin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stabsstelle Kommunikation & Marketing

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