UPD 5/21 - 14.01.2021

Schizophrenie: Behandlungsleitlinien verbessern

Forschungsprojekt SISYPHOS untersucht, wie Therapieaussichten verbessert werden können

Augsburg/ARS – Leitlinien spielen für die Qualitätssicherung bei der Patientenversorgung eine maßgebliche Rolle, werden jedoch in der Versorgungspraxis teilweise nicht ausreichend angewendet.. Das Projekt SISYPHOS unter Leitung von Prof. Dr. Alkomiet Hasan untersucht am Beispiel von Schizophrenieerkrankungen, wie Barrieren in der Anwendung von Leitlinien überwunden werden können. Ziel ist, die Patientenversorgung kontinuierlich zu verbessern und die Versorgungsleitlinien an den aktuellen Wissensstand anzupassen. Das Projekt wird vom Gemeinsamen Bundesausschuss aus Mitteln des Innovationsfonds für 18 Monate mit insgesamt ca. 750.000 Euro gefördert.

Das Projekt SISYPHOS unter Leitung von Prof. Dr. Alkomiet Hasan untersucht am Beispiel von Schizophrenieerkrankungen, wie Barrieren in der Anwendung von Leitlinien überwunden werden können. Colourbox

Schizophrenie gehört zu den schwersten psychischen Erkrankungen mit langwieriger Therapie und damit einhergehend enormen Behandlungskosten. Häufige Rückfälle, eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität, eine um etwa 15 Jahre niedrigere Lebenserwartung sowie eine deutliche Reduktion der Fähigkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe, kennzeichnen die Erkrankung. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an Schizophrenie zu erkranken, beträgt hierzulande etwa ein Prozent. Für die Qualitätssicherung der Patientenversorgung in Psychiatrie und Psychotherapie spielen Leitlinien eine maßgebliche Rolle. Sie schaffen rationale und verbindliche Kriterien für Abläufe und Entscheidungskriterien und fördern so die gute klinische Praxis.

Die Leitlinien-Entwicklung wurde zwar von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften vorangetrieben und koordiniert. Nach wie vor werden Leitlinien in der Versorgungspraxis jedoch nicht ausreichend angewendet. Hinzu kommt, dass medizinisches Wissen immer schneller wächst, die Leitlinienentwicklung darum immer komplexer wird und sie deshalb zum Zeitpunkt der Veröffentlichung häufig schon nicht mehr aktuell sind.

Diesem Problem will das Projekt SISYPHOS unter Leitung von Prof. Dr. Alkomiet Hasan, Inhaber des Lehrstuhls für Psychiatrie und Psychotherapie an der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg und Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Augsburg, entgegenwirken. Das Forscherteam untersucht, wie Barrieren in der Anwendung im Rahmen einer systematischen Implementierung überwunden werden können. Das Projekt wird vom Gemeinsamen Bundesausschuss aus Mitteln des Innovationsfonds für 18 Monate mit insgesamt ca. 750.000 Euro gefördert.

Leitlinienanwendung erforscht

Anhand der kürzlich aktualisierten S3-Leitlinie Schizophrenie untersucht SISYPHOS, wie hemmende und fördernde Faktoren bei der Leitlinienanwendung überwunden bzw. genutzt werden können und ob eine digitale Bereitstellung der Leitlinienversion per App der Printform hinsichtlich ihrer Umsetzung überlegen ist. Die Untersuchung erfolgt mittels einer nicht-interventionellen Beobachtungsstudie sowie einer Cluster-randomisierten Studie an 16 Kliniken in den bayrischen Bezirken Schwaben und Oberbayern.  Dies entspricht einem Einzugsbereich von rund drei Millionen Menschen. Sowohl Leistungserbringer als auch Betroffene, Stakeholder und nationale sowie internationale Experten und Expertinnen sind in das Projekt einbezogen.   

 „Lebendige Richtschnur“

Abschließend soll ein internetbasiertes generisches Handbuch zur Entwicklung und Revision von living guidelines bereitgestellt werden. Diese „lebendige Richtschnur“ dient der evidenzbasierten Abbildung des aktuellen Wissensstandes. Für die Umsetzung entwickelt SISYPHOS ein eigenes Procedere, welches anschließend in einem Pilotprojekt umgesetzt und evaluiert wird. Dies soll insbesondere darüber Erkenntnisse liefern, welche Faktoren die Anwendung solcher Leitlinien fördern oder hemmen. Weiter soll untersucht werden, ob die digitale Bereitstellung per App mit inkludierter Entscheidungshilfen, die sogenannte Evidenz-Eco-System MAGICapp, einer Druckversion überlegen sind bzw. bevorzugt genutzt werden.

Gesetzgeber fördert Projekte zur Versorgungsforschung

2016 wurde vom Gesetzgeber ein Innovationsfond eingerichtet, mit dem Projekte zur Versorgungsforschung gefördert werden sollen. Ziel ist es, anhand der gewonnenen Erkenntnisse die bestehenden Behandlungsoptionen und Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung zu verbessern. Gefördert werden Projekte im Bereich der neuen Versorgungsformen sowie der Versorgungsforschung. Von den auf die Förderbekanntmachung vom Dezember 2019 insgesamt 186 eingegangenen Anträgen wurden 33 bewilligt und die geförderten Projekte am 17. November 2020 veröffentlicht. Von ihnen erhofft sich der G-BA einen „besonderen Impuls – idealerweise von den Laboren und Unis hinaus bis direkt in die Versorgung“, verkündete der Innovationsausschuss. Universität Augsburg, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum gratulieren zur eingeworbenen Förderung und wünschen dem Projekt viel Erfolg.

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Die Augsburger Universitätsmedizin

…umfasst die Medizinische Fakultät der Universität Augsburg, das Universitätsklinikum Augsburg sowie – als Kooperationspartner – das Bezirkskrankenhaus Augsburg – Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Augsburg. Die Forschungsschwerpunkte der Medizinischen Fakultät liegen in den Bereichen Medizinische Informatik sowie Umwelt und Gesundheit. Rund 100 Professorinnen und Professoren werden im Endausbau in der bio- und humanmedizinischen Forschung und Lehre tätig sein. Seit dem Wintersemester 2019/20 bietet die Medizinische Fakultät einen humanmedizinischen Modellstudiengang an, der vorklinische und klinische Inhalte integriert und besonderen Wert auf eine wissenschaftliche Ausbildung der im Endausbau 1.500 Studierenden legt.

Das Universitätsklinikum Augsburg (UKA), seit 2019 in der Trägerschaft des Freistaates Bayern, bietet unter anderem durch seine Einbindung in universitäre medizinische Forschung und Lehre der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg der Bevölkerung der Stadt und der Region eine optimale medizinische Versorgung. Die tagesklinischen Betten mitgezählt, stehen am UKA 1.740 Betten zur Verfügung. 24 Kliniken, drei Institute und 19 Zentren garantieren in allen medizinischen Fachdisziplinen Diagnose und Therapie auf höchstem Niveau. Jährlich werden über 250.000 ambulante und stationäre Patientinnen und Patienten versorgt. Mit zirka 80.000 Patientinnen und Patienten pro Jahr ist die Notaufnahme des UKA die zweitgrößte der Bundesrepublik. Jährlich erblicken am UKA mehr als 2.450 Kinder das Licht der Welt. Mit 560 Ausbildungsplätzen ist die an das UKA angeschlossene Akademie für Gesundheitsberufe einer der größten Ausbildungsträger der Region.

Medienkontakt

Pia Winterholler
Referentin Kommunikation Medizin
Dekanat

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