UPD 23/21 - 18.03.2021

CARE REGIO: Bayerisch Schwaben wird Leitregion für digitale Pflege

Universität Augsburg mit Entwicklung eines Data Lake für Pflegedaten beteiligt

Augsburg/CH - In Bayerisch Schwaben entsteht mit dem Projekt CARE REGIO eine Leitregion für die digital unterstützte Pflege der Zukunft. Das Verbundprojekt der Hochschulen Kempten, Neu-Ulm, Augsburg, der Universität und des Universitätsklinikums Augsburg wird vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege mit rund 6,1 Millionen Euro gefördert. Am 18. März überreichte Staatsminister Klaus Holetschek den Förderbescheid. Die Universität Augsburg konzipiert, entwickelt und evaluiert in ihrem Teil des Projekts einen sogenannten data lake, der Datensammlungen zwischen Pflegeinstitutionen harmonisieren kann.

 

Die vielen Daten, die in Pflegeeinrichtungen entstehen, für Forschungszwecke zu harmonisieren und austauschbar zu machen, ist Ziel des Teilprojekts von CARE REGIO an der Universität Augsburg. Colourbox

Rund 3,5 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig, mit einem weiteren Anstieg muss in Zukunft gerechnet werden. Der allgemeine Kostendruck im Gesundheitswesen, der Fachkräftemangel und gestiegene Anforderungen belasten die Pflegekräfte. Modernen Technologien können die Qualität der pflegerischen Versorgung zu verbessern und Zeiteinsparungen erzielen. Nachhaltige Konzepte für eine zeitgemäße, digital unterstütze Pflege zu entwickeln, ist Ziel des Forschungsprojekts CARE REGIO, das mit rund 6,1 Millionen Euro vom bayerischen Gesundheitsministerium gefördert wird.

Gemeinsam entwickeln die Hochschule Kempten als Projektleiterin, die Universität Augsburg, die Hochschulen Neu-Ulm und Augsburg sowie das Universitätsklinikum Augsburg in Bayerisch-Schwaben eine Leitregion für digitale Pflege. Etablierte Strukturen und alle Betiligten sollen darin vernetzt werden. Alle bestehenden Versorgungsstrukturen in der Pflege werden analysiert und neue Möglichkeiten zur Erleichterung und Unterstützung basierend auf technisch-digitalen Systemen oder Prozessen aufgezeigt. Gemeinsam mit den Pflegebeteiligten erproben und diskutieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diese Möglichkeiten. Für die Durchführung werden Praxispartner wie Seniorenheim und ambulante Pflegedienste akquiriert, die einen Zugang in die Pflegepraxis sicherstellen.

Pflegedaten im data lake sammeln und harmonisieren

An der Universität Augsburg wird ein data lake für Pflegedaten konzipiert, entwickelt und evaluiert. Er soll eine Harmonisierung von Datensammlungen zwischen Pflege-Institutionen ermöglichen. Ziel ist es, relevante Daten für Forschung und Ausbildung zu generieren und diese inter-institutionell austauschbar zu machen. Damit können digitalisierte Forschungs- und Lehrprojekte in der Pflege vorangebracht und realisiert werden, die wiederum bessere Pflege und effektivere Prozesse ermöglichen. Datenschutz spielt bei diesem Vorhaben eine übergeordnete Rolle.

„Unser Forschungsfeld liegt an den Schnittstellen zwischen Medical Data Science, Datenintegration und der klinischen Forschung“, erklärt Frank Kramer, Professor für IT-Infrastrukturen für Translationale Medizinische Forschung an der Fakultät für Angewandte Informatik. „Wir werden den Weg von der Erfassung bis zur Auswertung und Interpretation von forschungsrelevanten Daten in der Pflege begleiten und streben eine stärkere Verzahnung von Informatik und Medizin an.“

Ressourcenbedarf im Anwendungsfall ermitteln

Jens O. Brunner, Professor für Health Care Operations/Health Information Management an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät betrachtet mit seinem Team einen spezifischen Pflege-Anwendungsfall. Daten aus dem Pflege-data lake werden systematisch analysiert, ausgewertet und der konkrete Pflegeprozess auf einer Station im Hinblick auf den Ressourcenbedarf analysiert, um strukturelle Verbesserungspotentiale ausfindig machen zu können. „Das Projekt wird uns neue Forschungserfolge im Bereich der Prozessoptimierung in der Pflege ermöglichen. Insbesondere werden wir datengetriebene Verfahren für die effektive und effiziente Pflege entwickeln. Das Universitätsklinikum Augsburg als unser Anwendungspartner wird zuerst von den Ergebnissen profitieren,“ sagt Brunner.

Über CARE REGIO

Das Verbundprojekt CARE REGIO entwickelte sich im Rahmen des Netzwerks Pflege Digital Bayern. In Phase 1 wurden von Juli 2019 bis September 2020 bereits bestehende Versorgungsstrukturen analysiert, Expertenbefragungen durchgeführt und konkrete Anwendungsfälle identifiziert. Basierend auf den Ergebnissen wurde ein Konzept mit zentralen Handlungsfeldern erarbeitet. Darauf aufbauend sollen in Phase 2 konkrete Maßnahmen für Verbesserungen der Rahmenbedingungen, Prozesse und Technologien in sechs Teilprojekten implementiert und evaluiert werden.

Bayerns Gesundheits- und Pflegeminister Klaus Holetschek betonte bei der Übergabe des Förderbescheids: „Wir müssen die Pflege zukunftssicher machen. Das ist eine unserer zentralen Aufgaben. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, die Anforderungen an den Pflegeberuf nehmen zu. Hier brauchen wir innovative, kluge Lösungen – und das Projekt CARE REGIO setzt genau an dieser Stelle an. Ich unterstütze das Projekt deshalb gerne und freue mich, dass sich die geballte Fachkompetenz in der Region zusammentut, um Schwaben als Leitregion für die Pflege Digital zu etablieren und damit auch den Pflegeberuf weiterzuentwickeln.“

Wissenschaftliche Ansprechpartner

Prof. Dr. Frank Kramer
Professor
Lehrstuhl für IT-Infrastrukturen für Translationale Medizinische Forschung
Ordinarius
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

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