UPD 75/21 - 01.07.2021

Fritz Bauer Studienpreis für Menschenrechte und juristische Zeitgeschichte

Augsburger Absolventin und Promovendin wird für ihre Dissertation gewürdigt

Augsburg/MR – Dr. Juliane Ohlenroth erhält für ihre Augsburger juristische Dissertation "Der Oberste Gerichtshof für die Britische Zone und die Aufarbeitung von NS-Unrecht" den "Fritz Bauer Studienpreis für Menschenrechte und juristische Zeitgeschichte". Die Preisträgerin ist Absolventin der Juristischen Fakultät der Universität Augsburg sowie Promovendin von Prof. Dr. Arnd Koch, Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Juristische Zeitgeschichte.

Mit dem vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz ausgelobten Preis werden herausragende Dissertationen des rechtswissenschaftlichen Nachwuchses ausgezeichnet, die sich mit Leben, Werk oder Lebensthemen Fritz Bauers beschäftigen. Der Preis wird am 1. Juli, dem Todestag des ehem. hessischen Generalstaatsanwalts und Initiators des Frankfurter Auschwitz-Prozesses, durch die Bundesministerin der Justiz, Christiane Lambrecht, überreicht.

Die Augsburger Preisträgerin Dr. Juliane Ohlenroth mit Bundesjustizministerin Christine Lambrecht bei der Verleihung des Fritz Bauer Studienpreises für Menschenrechte und juristische Zeitgeschichte. © BMJV/Foto: Photothek

Juliane Ohlenroth analysiert in ihrer nun preisgekrönten Abhandlung die Urteilspraxis des Obersten Gerichtshofes (OGH), insbesondere mit Blick auf die Tatkomplexe "NS-Euthanasie", "Justizverbrechen", "Denunziationen" und "Reichspogromnacht". Sie zeigt auf, dass das mit Remigranten und Nichtparteimitgliedern besetzte Gericht zu gänzlich anderen Rechtsauslegungen gelangte als die Instanzgerichte und später der Bundesgerichtshof (BGH) kommt. Der zeitgenössisch vielfach umstrittene OGH steht - wie seiner Zeit Fritz Bauer - für eine andere, angemessenere Aufarbeitung von NS-Unrecht.

Die Preisträgerin 2021

Frau Dr. Ohlenroth war von 2011 bis 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Juristische Zeitgeschichte (Prof. Dr. Arnd Koch). Derzeit befindet sie sich im Juristischen Vorbereitungsdienst im OLG Bezirk München. Ihre Dissertation erschien 2020 in der Reihe "Beiträge zur Rechtsgeschichte des 20. Jahrhunderts" im Verlag Mohr Siebeck.

Der Fritz Bauer Studienpreis für Menschenrechte und juristische Zeitgeschichte

Der Preis erinnert an Fritz Bauer (1903-1968), den Initiator des Frankfurter Auschwitz-Prozesses. Als Generalstaatsanwalt in Hessen sorgte er dafür, dass wenigstens einigen Tätern des Völkermordes an den Juden Europas ab 1963 vor dem Landgericht in Frankfurt am Main der Prozess gemacht wurde.

Fritz Bauer stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie aus Tübingen. 1926 wurde er einer der jüngsten Richter Deutschlands. Er engagierte sich im Republikanischen Richterbund und im Reichsbanner „Schwarz-Rot-Gold“ für die Weimarer Demokratie. Von den Nazis aus dem Amt getrieben und zeitweilig ins Konzentrationslager geworfen, überlebte Bauer bis 1945 im skandinavischen Exil. Ab 1949 arbeitete er zunächst in Braunschweig, später in Frankfurt in der Justiz. Während die westdeutsche Nachkriegsjustiz bei der Strafverfolgung der NS-Verbrechen zum großen Teil versagte, arbeitete Bauer unermüdlich dafür, die Taten gegen die Menschlichkeit vor Gericht zu bringen und Gerechtigkeit zu üben.

Die Würde des Menschen gegenüber der Staatsgewalt zu schützen, war Bauers wichtigstes Anliegen. Deshalb engagierte er sich in der Rechtspolitik für einen humanen Strafvollzug, der auch den straffällig gewordenen Menschen als Staatsbürger respektierte. Von der Öffentlichkeit und aus den eigenen Reihen der Justiz vielfach angefeindet, stritt Bauer bis zu seinem frühen Tod 1968 mutig und unerschrocken für die Gerechtigkeit und Würde aller Menschen.

Der Fritz Bauer Studienpreis für Menschenrechte und juristische Zeitgeschichte wird alle zwei Jahre vergeben. Der Preis ist mit einem Preisgeld von 5.000 Euro verbunden.

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Prof. Dr. Arnd Koch - Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Risiko- und Präventionsstrafrecht sowie Juristische Zeitgeschichte
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