Pressemitteilung 122/21 - 08.12.2021

Indonesien: Renaturierung von Torfmooren kann Folgekosten in Milliardenhöhe einsparen

Die Wiederherstellung von Torfgebieten verringert laut einer aktuellen Studie zudem die Auswirkungen von Bränden auf Umwelt und Gesundheit

In Indonesien ist die Renaturierung von trockengelegten Torfgebieten ein kosteneffizienter Weg, die Folgen von Torfbränden für Umwelt, Klima und Gesundheit zu mildern. Dies ist das Ergebnis einer jüngst in Nature Communications publizierten Studie der Universität Leeds (Großbritannien) unter Beteiligung von Prof. Dr. Christoph Knote, Professor für Model-based Environmental Exposure Science an der Medizinischen Fakultät.

Abholzung und das Trockenlegen von Torfgebieten haben hohe Umweltfolgekosten. Wikimedia Commonsm (DenY Krisbiyantoro), CC BY-SA 4.0

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die positiven Folgen einer Wiederherstellung der Torfgebiete die Kosten der Renaturierung deutlich überwiegen und liefert Daten, um zum Gelingen laufender Renaturierungsmaßnahmen beizutragen.
Die indonesische Regierung hat sich verpflichtet, 2,5 Millionen Hektar zerstörtes Torfgebiet wiederherzustellen. Die voraussichtlichen Kosten für die Maßnahmen belaufen sich auf 3,2 bis 7 Milliarden US-Dollar. In der jüngst im renommierten Fachjournal Nature Communications veröffentlichten Studie errechnen die Autorinnen und Autoren, darunter der Augsburger Professor Dr. Christoph Knote, mit Hilfe von Satellitendaten und Modellen, dass Indonesien durch die Renaturierung von Torfgebieten in den Jahren 2004 bis 2015 Einsparungen in Höhe von 8,6 Milliarden US-Dollar hätte erzeugen können.

Fortschreitende Zerstörung sensibler Ökosysteme

Bis vor wenigen Jahrzehnten brannte es in den untersuchten Gebieten nur selten. Abholzung und Entwässerung für landwirtschaftliche Zwecke haben die Torfgebiete in jüngster Zeit jedoch weitgehend ausgetrocknet. Die Folge: Großbrände, die mittlerweile regelmäßig vorkommen. Nicht nur entzünden sich die trockenen Flächen leichter selbst, erschwerend kommt hinzu, dass vielerorts intensiv Brandrodung betrieben wird. Während die wertvolle Ressource Holz so nicht einmal genutzt wird, sind die gesundheitlichen Schäden für den Menschen sowie die Kosten der Umweltzerstörung enorm.

Wirtschaftliche Schäden und Todesfälle

Allein die Buschbrände von 2015, die umfangreichsten der letzten Jahre, verursachten wirtschaftliche Verluste in Höhe von 28 Milliarden US-Dollar. Die sechs größten Brände zwischen 2004 und 2015 verursachten insgesamt Verluste in Höhe von 93,9 Milliarden US-Dollar, zurückzuführen auf Schäden an Plantagen, Forst- und Landwirtschaft, CO2-Emissionen und gesundheitliche Auswirkungen durch Luftverschmutzung. 12.000 vorzeitige Todesfälle, verursacht durch CO2- und Feinstaubemissionen, hätten durch rechtzeitige Renaturierungsmaßnahmen verhindert werden können.
Dies, so die Autorinnen und Autoren, unterstreicht, dass die Selbstverpflichtung der indonesischen Regierung zur Wiederherstellung geschädigter Torfgebiete eine wichtige und kosteneffiziente Strategie zur Verringerung der durch Torfbrände verursachten Schäden ist.

Torfgebiete als wertvoller Kohlenstoffspeicher

Laut Studienautorin Laura Kiely (University of Leeds, jetzt University of California Riverside) hat die Moorrenaturierung einen weitreichenden Nutzen: „Werden Moorflächen renaturiert, gehen weniger Land und Eigentum der ortsansässigen Bevölkerung verloren. Die Verbesserung der Luftqualität wirkt sich ebenso positiv auf die Gesundheit der Menschen vor Ort wie auf die globale CO2-Bilanz aus. Umgekehrt zerstören die vielen Brände nicht nur landwirtschaftliche Flächen, stören Verkehr, Tourismus und Handel, sondern verursachen auch erhebliche CO2-Emissionen.“

In den indonesischen Torfgebieten sind schätzungsweise 57 Gigatonnen Kohlenstoff gespeichert. Dies entspricht etwa 55 Prozent des weltweiten Kohlenstoffs in tropischen Torfgebieten. Maßnahmen zum Renaturieren der Torfgebiete wären in erster Linie das Sperren von Entwässerungskanälen und das Pflanzen von Bäumen. Davon würde die ganze Welt profitieren.

„Diese Arbeit zeigt eindrücklich die enormen Kosten die entstehen wenn die Degradierung sensibler Ökosysteme wie Moorflächen zu zusätzlichen Bränden führt“, erklärt Prof. Christoph Knote von der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg, Mitautor der Studie. „Die Zerstörung von Ernten, Wäldern und Plantagen, zusätzliche CO2-Emissionen und vor allem auch die gesundheitlichen Schäden aufgrund der Emissionen von Feinstaub und weiteren Luftschadstoffen, sind die wichtigsten gesamtgesellschaftliche Auswirkungen, die hier ökonomisch bewertet und in Relation zueinander gesetzt wurden. Vor allem aber zeigte sich, dass eine Wiederherstellung der Moorflächen wirtschaftlich rentabel gewesen wäre."

 

Die Studie Assessing costs of Indonesian fires and the benefits of restoring peatland wurde am 02. Dezember 2021 in Nature Communications veröffentlicht: www.nature.com/articles/s41467-021-27353-x

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Lehrstuhlinhaber
Lehrstuhl für Model-based Environmental Exposure Science

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