UPD 10/22 - 16.02.2022

Bayerische Friedens- und Konfliktforschung gestärkt

Eines von drei BMBF-geförderten Regionalclustern der Friedens- und Konfliktforschung kommt nach Bayern - Augsburger Erfolg im Wettbewerb um Forschungsmillionen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Ein Regionalcluster zur Friedens- und Konfliktforschung in Bayern, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), wird zum 1. April 2022 seine Arbeit aufnehmen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Weller, Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Augsburg, erhält das bayerische Antragskonsortium für das „Verbundvorhaben: Bayerisches Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung“ Fördermittel in Höhe von insgesamt 2,5 Mio. Euro für vier Jahre, für das Teilvorhaben Augsburg allein steht eine Million Euro zur Verfügung.

Stephan Weichenrieder / FREIE WÄHLER Landtagsfraktion

An dem interdisziplinären Vorhaben, das besonders an aktuellen gesellschaftspolitischen Themen und am Wissenstransfer interessiert ist, sind neben der Universität Augsburg das in München beheimatete außeruniversitäre Institut für Zeitgeschichte (IfZ) sowie die Universität Bayreuth und die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg beteiligt. In ihrem Forschungsverbund werden die Projektpartnerinnen ihre Forschung vernetzen sowie gemeinsame Strukturen etablieren, die wirkungsvolle Transfer- und Kommunikationsformate zur Verwertung der erarbeiteten Forschungsergebnisse bereitstellen. Der Forschungsverbund (Laufzeit: bis 31.03.2026) kann zudem verschiedene Initiativen zur Stärkung der bayerischen Friedens- und Konfliktforschung zusammenführen und fortsetzen, u.a. die „Bayerische Initiative für Friedens- und Konfliktforschung“ von Universität Bayern e.V. und der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen sowie entsprechende Bemühungen des Landtagsabgeordneten Dr. Fabian Mehring.

Forschungsthema: Deutungskämpfe im Übergang

Die inhaltliche Klammer des interuniversitären Forschungsverbunds mit insgesamt acht sozial- und geschichtswissenschaftlichen Einzelprojekten sind Deutungskämpfe im Übergang, weil deren Verlauf und Ausgang von größter Bedeutung für den aktuellen und zukünftigen gesellschaftlichen Frieden sind. Das Projektdesign dieses bayerischen Forschungsverbunds zielt einerseits auf die vergleichende Analyse unterschiedlicher Deutungskämpfe ab und fragt, unter welchen Voraussetzungen Deutungskämpfe zum Frieden beitragen. Andererseits werden wirkungsvolle Transfer- und Kommunikationsformate für Multiplikator*innen, regionale Öffentlichkeiten und die Politikberatung sowie die nachhaltige Strukturbildung der bayerischen Friedens- und Konfliktforschung in den Blick genommen.

Diese Praxisorientierung der Friedens- und Konfliktforschung auf gesellschaftliche Herausforderungen und den Wissenstransfer ist ein besonderes Kennzeichen auch des bisher einzigen bayerischen Lehrstuhls für Friedens- und Konfliktforschung, der 2008 an der Universität der Friedensstadt Augsburg eingerichtet wurde. Die nun bewilligte Förderung aus Bundesmitteln stärkt nicht nur den Augsburger Forschungsschwerpunkt, sondern auch die weitere wissenschaftliche Profilierung der Friedensstadt Augsburg. Die bereits etablierte Zusammenarbeit des Lehrstuhls von Prof. Weller mit verschiedenen Einrichtungen in der Friedensstadt - u.a. dem Friedensbüro und dem Kulturamt der Stadt Augsburg, der Augsburger Außenstelle der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, der Augsburg Peace Summer School etc. - erhält auf diesem Wege neue Impulse und Möglichkeiten, die Augsburg als Standort der Friedens- und Konfliktforschung stärken werden.

Glückwünsche von Universität und Politik

Über die positive Nachricht dieser Förderung der Friedens- und Konfliktforschung in Bayern freut sich auch Wissenschaftsminister Bernd Sibler. Er betonte: „Die Friedens- und Konfliktforschung leistet einen unverzichtbaren Beitrag zum Verständnis großer gesellschaftlicher Herausforderungen. Besonders wichtig ist dabei, dass die Erkenntnisse auch in die Gesellschaft hineingetragen werden. Die Beteiligten des bayerischen Antragskonsortiums unter Leitung von Professor Weller haben sich genau dies zum Ziel gesetzt und werden damit einen mustergültigen Beitrag zum Wissenstransfer in diesem so wichtigen Forschungsbereich leisten. Dank der eingeworbenen Förderung ist der Weg für ein interdisziplinär aufgestelltes Bayerisches Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung nun frei. Ich freue mich sehr, dass das innovative Konzept Anklang beim Bund gefunden hat und bin mir sicher, dass der Forschungsverbund das Feld der Friedens- und Konfliktforschung von Bayern aus national und international bereichern wird. Das ist ein toller Erfolg für den gesamten Wissenschaftsstandort Bayern.“ Universitätspräsidentin Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel schließt sich dieser Bewertung an: „Wir freuen uns sehr, dass mit diesem Projekt die Friedens- und Konfliktforschung an unserer Universität, aber auch in der Friedensstadt Augsburg eine Würdigung erhält und wir in diesem wichtigen wissenschaftlichen Thema weiterhin federführend wirken können."

Glückwünsche übersandte auch Eva Weber, Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg: „Die Friedensstadt Augsburg wünscht dem "Bayerischen Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung" einen guten Start und dankt den Initiatoren dieses interdisziplinären Projekts, allen voran Prof. Dr. Christoph Weller. Die langjährige Zusammenarbeit zwischen dem Friedensbüro der Stadt und dem Lehrstuhl für Friedens- und Konfliktforschung erfährt mit dem wegweisenden Projekt neue Impulse an der Schnittstelle zwischen der Wissenschaft und der Handlungsebene zur Stadtgesellschaft. Zugleich freuen wir uns über die mit der Ausstattung verbundene Aufwertung des Lehrstuhls in der Friedensstadt Augsburg, die neue Vorhaben für dieses Exzellenzcluster ermöglichen wird.“

Hintergrund

Die Evaluation der Friedens- und Konfliktforschung durch den Wissenschaftsrat 2019, veranlasst durch den Deutschen Bundestag, führte zu dem Resultat: „Die Friedens- und Konfliktforschung leistet einen unverzichtbaren Beitrag zum Verständnis und zur Bearbeitung großer gesellschaftlicher Herausforderungen“ (Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Friedens- und Konfliktforschung, Köln 2019: 8). Vor diesem Hintergrund stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung nun über 30 Mio. Euro für die thematische und regionale Vernetzung dieses wichtigen Forschungsfelds zur Verfügung, die auch zur Stärkung der bayerischen Friedens- und Konfliktforschung beitragen werden. Unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Weller (Universität Augsburg) konnte ein bayerisches Antragskonsortium über 2,5 Mio. Euro einwerben (ca. 1 Mio. € für die Universität Augsburg), um in den kommenden vier Jahren ein Bayerisches Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung (BZeFK) zu etablieren.

 

 Kooperationspartner*innen des Forschungsverbunds:

  • Prof. Dr. Christoph Weller, Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung, Universität Augsburg (Antrags-Koordinator)
  • Prof. Dr. Jana Hönke, Lehrstuhl Soziologie Afrikas, Universität Bayreuth
  • Prof. Dr. Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin
  • Prof. Dr. Simone Derix, Lehrstuhl für Neueste Geschichte, Universität Erlangen-Nürnberg
  • Prof. Dr. Dietmar Süß, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, Universität Augsburg
  • Dr. Julia Eichenberg, Forschungsgruppenleiterin am Institut für Fränkische Landesgeschichte

Wissenschaftliche Ansprechperson

Lehrstuhl für
Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung

Medienkontakt

Dr. Manuela Rutsatz
Pressesprecherin, Leitung
Stabsstelle Kommunikation & Marketing

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