UPD 58/22 - 21.06.2022

Spannungsfeld der ökologischen Transformation

Internationales Doktorandenkolleg aus Geistes- und Sozialwissenschaftlern lädt vom 24. bis 26. Juni 2022 zu einem Wissensaustausch im Bereich der Umweltforschung an die Universität Augsburg ein.

Die ökologische Transformation beschäftigt nicht nur die Naturwissenschaften. Längst forschen Sozial- und Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zu den gesellschaftlichen Folgen, zu Handlungsansätzen und potenziellen Auswegen aus der sozial-ökologischen Krise. Bei der Eröffnungskonferenz des Doktorandenkollegs „Um(welt)denken – die ökologische Transformation der Gesellschaft“, die vom 24.-26 Juni 2022 an der Universität Augsburg stattfindet, geben die Promovierenden sowie internationale Expertinnen und Experten Einblick in ihre Forschung.

 

 

 

20 Promovierende aus den Sozial- und Geisteswissenschaften untersuchen im Rahmen eines interdisziplinären Doktorandenkollegs Spannungen, Ambivalenzen und Zumutungen der sozial-ökologischen Transformation. Die Eröffnungskonferenz bietet den Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern eine erste Bühne für ihre Projekte im Bereich der Umweltforschung. © Universität Augsburg

Was machen Klimawandel, Luftverschmutzung, die globale Müllproblematik oder das Artensterben mit unserer Gesellschaft? Warum ist die Diskrepanz zwischen den wissenschaftlichen Erkenntnissen und der mangelnden Bereitschaft, individuelle Freiheiten zugunsten der Zukunft des Planeten aufzugeben, so groß? Wie viel Verantwortung sollte Politik an jeden Einzelnen übertragen und an welchen Stellen steuernd eingreifen? All diese Fragestellungen, die über eine rein naturwissenschaftliche Betrachtung hinausgehen, greift das Doktorandenkollegs „Um(welt)denken auf. „Wir haben erkannt, dass wir an der Universität Augsburg viel Potenzial im Bereich Umweltforschung haben. Daraus ist die Idee für ein interdisziplinäres Doktorandenkolleg entstanden“, erzählt Humangeograph Prof. Dr. Matthias Schmidt. Er ist Sprecher des im Oktober 2021 vom Wissenschaftszentrum (WZU) der Universität Augsburg und dem Rachel Carson Center for Environment and Society (RCC) der Ludwig-Maximilians-Universität München eingerichteten Kollegs. Coronabedingt zeitlich verlegt, findet die dazugehörige Eröffnungskonferenz mit dem Titel „Ambivalences of Ecological Transformation“ nun vom 24. bis 26. Juni 2022 an der Universität Augsburg statt.

Programm: Zwischen Politik, Literatur und der Geschichte der Agrarrevolution

Dem Aufruf, auf der Eröffnungskonferenz zu referieren, sind viele international renommierte Forschende gefolgt. Das vielschichte Programm reicht von Fallstudien über Literaturanalysen bis hin zu Berichten aus der politischen Praxis. „Auf der Konferenz sollen Ambivalenzen, Paradoxien oder auch Widerstände und Zumutungen der notwendigen sozial-ökologischen Transformation thematisiert werden“, erklärt Prof. Schmidt, der die Eröffnungsansprache halten wird.

Am ersten Konferenztag liegt der Fokus zunächst auf den Widersprüchen im politischen Diskurs. Ob es um den Katastrophenschutz in den USA, den Balanceakt in der Europäischen Wirtschaftspolitik oder die Einstellung der Öffentlichkeit zur Umwelt geht – überall gibt es Spannungen und Kommunikationsschwierigkeiten. Der zweite große Themenblock befasst sich mit der Toxizität, der Umweltsanierung und der Frage, wie lebenswertes Leben in einer dauerhaft schafstoffbelasteten Umwelt aussehen kann. Keynote-Speaker ist die Umweltsoziologin Dr. Debra Davidson von der University of Alberta, die sich mit der Wahrnehmung der Menschen und ihren Emotionen im Hinblick auf Umweltveränderungen befasst.

Der zweite Tag startet mit einem Roundtable zum Thema „I beg to differ – Terminologies of Expressing Difference and Differentiation“. Darauf folgen literaturwissenschaftliche Beiträge; unter anderem die Beschäftigung mit fiktionaler Gegenwartsliteratur, die als Antwort auf die gegenwärtige ökologische Transformation ein dystopisches Bild der Zukunft zeichnet. Danach folgt ein kritischer Blick auf Industriezweige wie zum Beispiel die Bergbauindustrie und den Abbau sogenannter Grüner Metalle in Mexico. Keynote-Speaker an diesem Tag ist der Umwelthistoriker Frank Uekötter von der University of Birmingham, der zu der Geschichte der Agrarrevolution, der damit einhergehenden Verseuchung ganzer Landstriche und der Verdrängung von Kleinbauern spricht. Am Sonntag, 26. Juni, geht es vornehmlich um die Grenzen der Transformation, insbesondere der Energiewende und grüner Infrastruktur allgemein.

Workshops und Poster der Promovierenden

Begleitend zu den Vorträgen werden insgesamt fünf Workshops angeboten. Drei davon werden von den Promovierenden des Doktorandenkollegs geleitet. Sie versuchen auf spielerische Art, Widersprüchlichkeiten erfahrbar zu machen und dennoch Lösungen anzuvisieren. Dabei kommt den 20 Promovierenden des Kollegs das interdisziplinäre Denken und die unterschiedlichen Forschungsmethoden ihrer jeweiligen Fachrichtungen – von empirischen Studien über Archivarbeit bis hin zu Textanalysen – zugute. Die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler stammen aus folgenden Disziplinen: Amerikanistik, Anthropologie, Didaktik der Geographie, Ökonomie, Umweltethik, Umweltgesundheitswissenschaften, Umwelthumanwissenschaften, Umweltphilosophie, Geschichte, Humangeographie, Ibero-Romanistik, Wissenschafts- und Technologiestudien und Theologie.

Bei halbstündigen Posterpräsentationen erhalten die Promovierenden, die im Rahmen des Kollegs jeweils von drei Forschenden verschiedener Fächer betreut werden, zusätzlich die Möglichkeit, ihre Forschungskonzepte zu präsentieren. „Sie können somit auf sich und ihr Forschungsthema aufmerksam machen und dieses mit etablierten Forschenden und interessierten Konferenzteilnehmenden diskutieren“, erklärt Prof. Schmidt.


Veranstaltungsinfos:
Die Eröffnungskonferenz findet auf dem Campus der Universität Augsburg statt. Am Freitag, 24. Juni, werden die Räumlichkeiten des Hörsaalzentrums der Physik (Gebäude T) genutzt, an den beiden darauffolgenden Tagen findet die Konferenz in der Juristischen Fakultät (Gebäude H) statt. Aufgrund des internationalen Charakters ist die Verkehrssprache Englisch. Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenlos, um Anmeldung wird allerdings gebeten.

 

Wissenschaftliche Ansprechpersonen

Lehrstuhlinhaber
Humangeographie und Transformationsforschung
Koordinatorin Environmental Humanities
Wissenschaftszentrum Umwelt

Medienkontakt

Michael Hallermayer
Stellvertretender Pressesprecher, Stellv. Leitung
Stabsstelle Kommunikation & Marketing

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