Forschung
Laufende Forschungsprojekte
DOC-BOX, PI: Aurore Thibaut (Liège), 2024-2027, EU: HORIZON-MSCA-2022-SE-01-01
Dieses europäische Projekt mit dem Namen “Development of a multimodal toolbox to ensure a fast and reliable diagnosis of consciousness disorders” wird von 16 europäischen Partnerinstitutionen durchgeführt. Es geht um die Verbesserung der klinischen und technischen (i.b. Elektrophysiologie) Diagnostik bei PatientInnen mit schweren Bewusstseinsstörung (“Disorder of Consciousness”, DoC) durch Entwicklung und Bewertung neuer klinischer Assessments sowie automatisierter Analysepipelines für multimodadel Diagnosik, wie z.B. hochauflösendes EEG (HD-EEG) oder fMRT.
Wirkt die Affolter-Methode® bei Apraxie gleich wie die Standardtherapie?
Rehabilitation of Apraxia using the Affolter Model®
Projekttitel: Apraxie Post-Schlaganfall Affolter Rehabilitatitons-Trial (APART)
Projektüberblick
Projektart: Forschungsprojekt
Laufzeit: 3 Jahre
Status: laufend/ in Vorbereitung
Medizinische Relevanz
Apraxie betrifft etwa ein Drittel der Patientinnen und Patienten nach Schlaganfall und beeinträchtigt die Ausführung alltagsrelevanter Handlungen trotz grundsätzlich erhaltener motorischer Funktionen. Sie stellt einen unabhängigen Prädiktor für funktionelle Einschränkungen, Pflegebedürftigkeit und reduzierte Selbstständigkeit dar. So erlauben bereits zu Beginn der Rehabilitation erhobene Apraxie-Werte eine konkrete Prognose hinsichtlich langfristiger Alltagskompetenz (Barthel-Index). Damit hat Apraxie eine hohe diagnostische und prognostische Bedeutung in der Rehabilitation.
Für etablierte Therapieansätze wie Strategie- und Gestentraining liegen bereits Hinweise auf positive Effekte auf die Alltagsfunktion vor. Dennoch besteht weiterhin ein klinischer Bedarf an Therapieansätzen, die Patientinnen und Patienten beim Transfer in komplexe, reale Alltagshandlungen unterstützen und auch zentrale Defizite der Handlungsplanung, Wahrnehmungsorganisation und Handlungsausführung adressieren. Das Affolter-Modell® setzt darüber hinaus auf sensomotorisch geführtes Lernen in realitätsnahen Alltagssituationen und zielt darauf ab, den Transfer therapeutisch erlernter Handlungen in den Alltag zu unterstützen.
Obwohl das Affolter-Modell® in der klinischen Praxis etabliert ist und seine zentralen Bestandteile kürzlich in einer multiprofessionellen Delphi-Studie systematisch beschrieben wurden, ist seine Wirksamkeit bei Patientinnen und Patienten mit Apraxie nach Schlaganfall bislang nicht ausreichend kontrolliert untersucht.
Vor diesem Hintergrund untersucht die APART-Studie, ob sich eine Behandlung nach dem Affolter-Modell® im Vergleich zur üblichen leitlinienorientierten Therapie auf die funktionelle Selbstständigkeit und die Apraxie-Symptomatik von Patientinnen und Patienten nach Schlaganfall auswirkt.
Ziele
- Evaluierung der Wirksamkeit der Afolter-Methode® bei Apraxie Patienten
- Vergleich mit der üblichen leitlinienorientierten Therapie hinsichtlich funktioneller Selbstständigkeit und Apraxie-Symptomatik
- Prospektive randomisierte klinische bi-nationale Studie in 2 Zentren
- Vergleich aktueller Standardtherapie und Affolter-Modell®
- Erstmalige klinische Erforschung des Affolter-Modells®
Erwarteter Beitrag
Die Studie überprüft, ob Das Affolter-Modell® bei Apraxie-Patienten eine gute Erweiterung der momentanen Standardtherapie ist oder sogar dieser überlegen ist. Ein positives Ergebnis soll dann zu einer Aufnahme der Therapie in die Standardversorgung (und Leitlinien) führen.
Kontakt
Dr. rer. nat. Julia Hock PhD Medical Research
Annika Gram M. Sc.
Wie zuverlässig sind Prognosen bei Bewusstseinsstörungen?
Outcome Prediction after Severe Brain Injury
Projekttitel: Outcome-Vorhersage bei Bewusstseinsstörungen nach schweren Hirnschädigungen: Analyse valider prognostischer Prädiktoren aus klinischen Leitlinien
Projektüberblick
Projektart: Promotionsprojekt (PhD)
Laufzeit: 3 Jahre
Status: laufend
Medizinische Relevanz
Entscheidungen über den Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen basieren häufig auf neurologischen Prognosen. Doch wie verlässlich sind diese Vorhersagen tatsächlich? Ein zentrales Problem ist dabei die Gefahr der selbsterfüllenden Prophezeiung: Wird aufgrund einer schlechten Prognose die Therapie abgebrochen, stirbt die betroffenen Person – unabhängig davon, ob die Prognose korrekt war. Das tatsächliche Erholungspotenzial bleibt so systematisch unbekannt. Fehleinschätzungen können damit nicht nur individuelle Schicksale besiegeln, sondern auch die Datenbasis verzerren, auf der künftige Prognosen beruhen. Ziel dieses Projekts ist es, die wissenschaftliche Grundlage solcher Entscheidungen kritisch zu überprüfen und zu verbessern
Ziele
- Validierung prognostischer Kriterien aus deutschen und europäischen Leitlinien
- Überprüfung der Übertragbarkeit auf reale klinische Entscheidungssituationen
- Analyse von zwei prospektiv erhobenen klinischen Datensätzen
- Vergleich bestehender Prognosemodelle mit realen Outcomes
- Entwicklung und Evaluation eines neuen Vorhersagemodells
- Explizite Adressierung des Self-fulfilling-prophecy-Problems in der Prognoseforschung
- Erweiterung der Outcome-Definition: nicht nur Wiedererlangen des Bewusstseins, sondern Grad der funktioniellen Erholung und Selbstständigkeit als primäres Zielkriterium
Erwarteter Beitrag
Das Projekt schafft eine fundierte Grundlage für zuverlässigere Prognosen bei Bewusstseinsstörungen. Langfristig kann dies zu besser informierten klinischen Entscheidungen und einer stärkeren evidenzbasierten Praxis beitragen.
Kontakt
Danae Götze M. A.
Ist eine frühere Dekanülierung in der neurologischen Frühreha sicher und wirksam?
Proactive Early Decannulation in Neurological Early Rehabilitation (ProDec)
Projekttitel: Proactive Early Decannulation in Neurological Early Rehabilitation: A Multicenter Randomized Controlled Trial with Parallel-Group Design (ProDec)
Projektüberblick
Projektart: Promotionsprojekt (PhD)
Laufzeit: 30 Monate
Status: laufend
Medizinische Relevanz
Trachealkanülen sind in der neurologischen Frührehabilitation häufig notwendig, können jedoch mit Komplikationen verbunden sein und den Rehabilitationsverlauf verzögern. ProDec untersucht, ob eine frühere, kriteriumsbasierte Dekanülierung sicher möglich ist und die Versorgung von Patientinnen und Patienten verbessern kann.
Ziele
- Untersuchung, ob eine frühzeitige, kriteriumsbasierte Dekanülierung der Standardversorgung nicht unterlegen ist.
- Erhöhung der Rate erfolgreicher Dekanülierungen bis zur Entlassung.
- Reduktion von Komplikationen im Zusammenhang mit einer länger bestehenden Trachealkanüle.
- Verkürzung von Krankenhaus- und Rehabilitationsaufenthalten.
- Verbesserung funktioneller und patientenrelevanter Outcomes.
- Multizentrische randomisierte kontrollierte Studie (RCT)
- Vergleich einer frühen, kriteriumsbasierten Dekanülierung mit der Standardversorgung
- Regelmäßige klinische Untersuchungen während der neurologischen Frührehabilitation
- Erfassung funktioneller, neurologischer und respiratorischer Outcomes
- Nachuntersuchung sechs Monate nach Entlassung
- Bewertung klinischer und gesundheitsökonomischer Effekte
- Erste multizentrische randomisierte Studie zur proaktiven frühen Dekanülierung in der neurologischen Frührehabilitation.
- Standardisierte, kriteriumsbasierte Entscheidungshilfe für die Dekanülierung.
- Direkter Vergleich eines innovativen Versorgungsansatzes mit der aktuellen Standardbehandlung.
- Potenzial für eine schnellere Rehabilitation.
Erwarteter Beitrag
Das ProDec-Projekt soll zeigen, ob eine frühere Dekanülierung bei geeigneten Patientinnen und Patienten sicher möglich ist. Die Ergebnisse können dazu beitragen, die neurologische Frührehabilitation zu verbessern, Komplikationen zu reduzieren und die Versorgung evidenzbasiert weiterzuentwickeln.
Kontakt
Abgeschlossene Forschungsprojekte
OptiNIV, PI/ Konsortialführung Prof. Dr. Andreas Bender, 2021-2025, G-BA/ Innovationsfonds
Bei OptiNIV (www.optiniv.de) geht es um die Optimierung der nachklinischen Intensivversorgung von neurologischen RehabilitationspatientInnen. Leider gelingt es bei ca. 30% der neurologischen FrührehabilitationspatientInnen (z.B. nach Schlaganfall oder Schädel-Hirntrauma) nicht, sie von einer Beatmung und/oder Trachealkanüle zu entwöhnen („Weaning“). Betroffene werden nach Abschluss der Rehabilitationsbehandlung in die außerklinische Intensivpflege (AKI) entlassen, deren Fokus aber mehr im Bereich der Zustandserhaltung als im Bereich der Zustandsverbesserung liegt. Im Rahmen des bayernweiten OptiNIV-Projektes betreuen mobile Expertenteams der neurologischen Rehakliniken AKI-PatientInnen auch nach der Entlassung weiter und streben durch eine Kombination aus ambulanter und stationärer Diagnostik und Therapie innerhalb eines Jahres eine Entwöhnung von Trachealkanüle und/oder Beatmung an.
PerBrain (ERAPerMed 2019), PI: Jacobo Sitt (Paris), 2020-2025, BMBF
“A Multimodal Approach to Personalized Tracking of Evolving State-Of Consciousness in Brain-lnjured Patients” ist eine multizentrische prospective Kohortentsudie mit PatientInnen, die nach einer akuten Hirnschädigung eine schwere Bewusstseinsstörung (“Disorder of Consciousness”, DoC) erlitten haben. Bei diesen PatientInnen kommt es in bis zu 40% der Fälle zu einer Fehldiagnose, die u.a. auf der Schwierigkeit einer zuverlässigen klinischen Bewusstseinsdiagnose beruht. Im PerBrain-Projekt mit Partnern in Paris, Mailand und Tel Aviv werden DoC-PatientInnen daher nicht nur klinisch (CRS-R) sondern auch multimodal mit MRT, PET, HD-EEG, Quantifizierung der Reaktion auf Gerüche und TMS/EEG untersucht.