Call for Papers

Mit Wirklichkeitskonstruktionen im Deutschunterricht umgehen

35. Tagung der AG Medien im Symposion Deutschdidaktik e. V.

an der Universität Augsburg von Fr. 04.12. bis Sa. 05.12.2020

 


Call for Papers

 

Wirklichkeit existiert stets als wahrgenommene Wirklichkeit. Sie wird aus Erfahrungen konstruiert und diskursiv immer wieder neu verhandelt. Diese Erkenntnis ist für eine demokratische und plurale Gesellschaft essenziell. Was wir als Wirklichkeit wahrnehmen und wie wir es bewerten, hängt entscheidend von subjektiven Wirklichkeitsannahmen und deren sozialer Aushandlung ab: z. B. Migration als Chance oder Krise, den Klimawandel als Erfindung der Chinesen oder als wissenschaftliche Tatsache.

 

In einer digitalisierten Welt findet die Aushandlung von solchen Wirklichkeitskonstruktionen zunehmend online statt – nicht zuletzt über sogenannte soziale Medien. Wie die aktuelle Debatte um Fake News und Echokammern zeigt, verschwimmt dort jedoch deutlich stärker als bislang die Grenze zwischen real und fiktiv, faktual und fiktional. Umso wichtiger wird in einem solchen Umfeld die Fähigkeit zur Orientierung, zur Kritik und zur diskursiven Partizipation.

 

Für die Deutschdidaktik ist die Konstruktion bzw. Konstruiertheit von Wirklichkeit von grundlegender Relevanz. Dabei geht es zunächst um die Mittel und die Praktiken, mit denen unterschiedliche faktuale und fiktionale Welten entworfen und inszeniert werden. Davon ausgehend lässt sich fragen, welche Kompetenzen notwendig sind, um diese reflektiert auf die eigene Lebenswelt beziehen und eventuell auch selbst verantwortungsvoll produzieren zu können – und wie man diese Kompetenzen von der Primar- bis zur Oberstufe im Deutschunterricht fördern kann.    

 

Fragestellungen für Beiträge zur Tagung könnten sein:


Wie lassen sich die Mittel und die Praktiken, mit denen unterschiedliche faktuale und fiktionale Welten entworfen und inszeniert werden, analytisch beschreiben?  
Wie kann man reale Inhalte und fiktive Stoffe sowie faktuale und fiktionale Medienangebote theoretisch und praktisch voneinander unterscheiden?
Wie ordnet man Grenzgänger wie etwa Reportagen, Docu-Fiction oder Reality-TV ein?  
Welche besonderen Herausforderungen stellen in diesem Zusammenhang die neuen Formen und Formate der digitalen Online-Kommunikation dar?
Wie verändern sich Sprache und Kommunikation, die Formation von Diskursen, das Prozessieren von Politik unter digitalen Gegebenheiten?   
Welche (rezeptiven, produktiven, reflexiven) Kompetenzen sind im Hinblick auf die genannten Fragen und Phänomene im Deutschunterricht zu entwickeln? Wie lassen sich diese von der Primar- bis zur Oberstufe curricular gestuft organisieren?

 

 

Literatur: Impulse

 

Bareis, Alexander J. (2019): Faktual und fiktional erzählte Welten. In: Bartsch, Christoph / Bode, Frauke (Hg.): Welt(en) erzählen: Paradigmen und Perspektiven. Berlin / Boston: de Gruyter (= Narratologia, Bd. 65), S. 87-114.
Birkner, Thomas / Gailberger, Steffen / Thummes, Kerstin (2018): ‚Fake News‘ im Deutschunterricht. Manipulationsversuchen auf Facebook & Co. produktionsorientiert auf die Schliche kommen. In: Gailberger, Steffen / Wietzke, Frauke (Hg.): Deutschunterricht in einer digitalisierten Gesellschaft. Unterrichtsanregungen für die Sekundarstufen. Weinheim: Beltz Juventa, S. 61-90.
Brendel-Perpina, Ina (2019): Literarische Wertung als kulturelle Praxis. Kritik, Urteilsbildung und die digitalen Medien im Deutschunterricht. Bamberg: University of Bamberg Press (= Bamberger Studien zu Literatur, Kultur und Medien, Bd. 26). (URL: https://d-nb.info/1189141116/34)
Kuhla, Karoline (2017): Carlsen Klartext: Fake News. Hamburg: Carlsen.
Martínez, Matías (2016): Grenzgänger und Grauzonen zwischen fiktionalen und faktualen Texten. Eine Einleitung. In: Der Deutschunterricht 68, H. 4, S. 2-8.
Nickel-Bacon, Irmgard (2003): Vom Spiel der Fiktionen mit Realitäten. In: Praxis Deutsch 30, H. 180, S. 4-12.
OECD (Hg.) (2019): PISA 2018 Results (Volume I): What Students Know and Can Do, PISA, OECD Publishing, Paris, S. 85-102. (URL: https://doi.org/10.1787/5f07c754-en)
Schmidt, Siegfried J. (2002): Was heißt „Wirklichkeitskonstruktion“? In: Baum, Achim / Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Fakten und Fiktionen. Über den Umgang mit Medienwirklichkeiten. Konstanz: UVK (= Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaften, Bd. 29), S. 17–30.
Strässle, Thomas (2019): Fake und Fiktion. Über die Erfindung von Wahrheit. München: Hanser.
Tholen, Toni / Wibrow, Patricia Cifre / Gimber, Arno (2018): Einleitung. In: Tholen, Toni / Wibrow, Patricia Cifre / Gimber, Arno (Hg.): Fakten, Fiktionen und Fact-Fictions. Hildesheim: Olms, S. 9-21.  

 


Hinweise zur Einreichung

 

Willkommen sind Vorschläge für Vorträge von 25 Minuten mit Bezug zum Tagungsthema. Wir bitten Sie, Ihr Abstract (max. 2.500 Zeichen inklusive Leerzeichen) per E-Mail an das Organisationsteam (agmedien2020@philhist.uni-augsburg.de) bis zum 01. Mai 2020 einzureichen.
Die Beiträge werden im Nachgang zur Tagung in der Open-Access-Zeitschrift MiDU – Medien im Deutschunterricht (http://www.medienimdeutschunterricht.de/) publiziert. Voraussetzung ist dafür eine Annahme im Peer Review.

 


Informationen zur Tagung

 

Am Freitagabend, 04.12.2020, findet ein Werkstattgespräch mit der Süddeutschen Zeitung zum Tagungsthema statt. Anschließend wird es ein gemeinsames Abendessen in der Augsburger Altstadt geben. Die Tagung endet am Samstagmittag, 05.12.2020, gegen 13:00 Uhr. Danach findet die Mitgliederversammlung der AG Medien statt. Dort wird es noch einen kleinen Imbiss geben.
Weitere Informationen zur Anmeldung und zum Programm finden sich ab Juni 2020 unter https://www.uni-augsburg.de/de/fakultaet/philhist/forschung/tagungen-konferenzen/ag-medien-2020/.

 


Organisationsteam

 

Dr. Stefan Emmersberger  / Prof. Dr. Klaus Maiwald / Sigrid Bernhard

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