Urbane Musikkultur in der Frühen Neuzeit. Stadtmusiker (Stadtpfeifer) in den Reichsstädten Dinkelsbühl, Nördlingen und Rothenburg ob der Tauber

Deutsche Forschungsgemeinschaft
Bild aus der Wenzelsbibel Foto von ADEVA GmbH, Graz, RE2000614 2020

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In den Archiven der drei ehemaligen Reichsstädte Dinkelsbühl, Nördlingen und Rothenburg ob der Tauber haben sich umfangreiche Aktenbestände zu den Stadtmusikern (Stadtpfeifern) erhalten. Dabei handelt es sich um Schriftstücke verschiedenster Art: Bewerbungen, Klagen, Berichte, Bettelbriefe usw. In den Schreiben, die in der Regel an den Magistrat der jeweiligen Stadt gerichtet sind, spiegelt sich die ganze Bandbreite an Aufgaben und Problemen, mit denen die städtisch angestellten Musiker in ihrer Zeit konfrontiert waren. Da sich die betreffenden Aktenbestände in Dinkelsbühl, Nördlingen und Rothenburg o. d. Tauber relativ vollständig und in gutem Zustand erhalten haben, bietet sich hier eine ideale Gelegenheit, den Alltag und das Leben der Musiker im Zeitraum zwischen ca. 1500 und dem Ende der Reichsstädte nach 1800 zu rekonstruieren. Dabei werden beispielsweise Netzwerke von weitverzweigten Musikerfamilien sichtbar, die über viele Jahrzehnte die Musikerszene in dieser Region dominierten. Auch über den Austausch zwischen den Reichsstädten geben manche Dokumente Auskunft, wie z. B. ein bisher unbekannter Schriftverkehr eines Rothenburger Stadttrompeters mit dem berühmten Nürnberger Trompeten- und Posaunenmacher Erasmus Schnitzer. Viele Zeugnisse finden sich auch zu den oft prekären Arbeitsverhältnissen, unter denen die Musiker vor allem auch während des 30-jährigen Krieges zu leiden hatten. Aufschlussreich sind die Akten außerdem im Hinblick auf die Vielfalt musikalischer Aktivitäten, denn die Stadtmusiker spielten alle mehrere Instrumente und musizierten nicht nur bei städtischen offiziellen Anlässen, sondern auch in den Kirchen sowie bei Hochzeiten und privaten Feierlichkeiten. Die Vielfalt des musikalischen Lebens in den drei Reichsstädten im Zeitraum um 1500-1800 aus den neu zu erschließenden Quellen sichtbar zu machen, ist Ziel dieses Projekts.

Dabei erfährt das Team der musikwissenschaftlichen Forscher wesentliche Unterstützung durch Experten für die Sprache der Frühen Neuzeit mit dem Schwerpunkt Bayern (Prof. Dr. Klaus Wolf), die bei der Auswertung der sprachlich sehr unterschiedlich gefassten historischen Quellen helfen.

Um auch anderen Forschern einen direkten Zugang zu den Aktenbeständen aus den Stadtarchiven Dinkelsbühl, Nördlingen und Rothenburg o. d. Tauber zu ermöglichen, wird im Zusammenhang mit diesem DFG-Projekt eine Digitalisierung der Quellen in Zusammenarbeit mit dem Internetportal „bavarikon“ angestrebt.

 

 

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