Stand: 11.12.2020

 

Das Thema Prüfungsrecht ist leider kompliziert und steht meist in verwirrenden Gesetzestexten und Verordnungen festgeschrieben. Selbst bei Professor*innen halten sich viele falsche Informationen und unterschiedliche Dozierende handhaben manche Dinge anders als andere. Damit dies in Zukunft seltener vorkommt, haben wir für euch alle Informationen zusammengetragen und dabei die Rechtsabteilung der Universität bzw. das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (StMWK) befragt.

Einige Quellen haben wir euch verlinkt, andere geben wir auf Anfrage gerne (anonymisiert) heraus, da es sich beispielsweise um direkte Kommunikation per E-Mail handelt.

 

Die Informationen wurden zwar gründlich recherchiert, es kann aber keine Rechtsverbindlichkeit angenommen werden. Wenn ihr euch rechtlich beraten lassen möchtet, wendet euch an die Rechtsberatung des Studentenwerks und/oder an einen Rechtsanwalt!

Klausur und Krankheit

Übliches Vorgehen bei Krankheit

Wenn du bei einer Klausur krank bist, ist es empfehlenswert, sich bei der*dem Dozent*in krank zu melden.

Als Nachweis solltest du dir unbedingt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Krankmeldung) beim Arzt holen. Bitte achte darauf, dass auf der Krankmeldung eine Unterschrift und ein Stempel des Arztes bzw. der Praxis ist. Diesen musst du bei dem*der Dozent*in zwar nicht einreichen, kann dir aber später nützlich werden.

 

Härtefallantrag

Die Krankmeldungen werden besonders wichtig, wenn du vor dem Ende einer Frist im Studium stehst (z.B. der Orientierungsprüfung oder der Maximalstudienzeit) und diese vielleicht nicht mehr einhalten kannst. Bewahre daher die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen gut auf. Insbesondere bei längeren Krankheitszeiträumen oder Nichtteilnahme an Klausuren, die nicht jedes Semester angeboten werden, kann es zu großen Verzögerungen im Studium kommen, die dann nachgewiesen werden müssen.

 

Normalerweise entscheidet bei Arbeitnehmer*innen der*die Ärzt*in, ob jemand arbeitsfähig ist oder nicht. Dies ist bei Prüfungsleistungen (lt. StMWK) nicht so. Hier entscheidet die zuständige Prüfungsbehörde. Das bedeutet, dass ihr dieser (i.d.R. dem zuständigen Prüfungsausschuss) nachweisen müsst, dass ihr zum Zeitpunkt der Klausur nicht prüfungsfähig wart. Immer wieder erreichen die Studierendenvertretung Berichte, dass von Prüfungsausschüssen die vollständige Offenlegung der Diagnose verlangt wurde. Dem müsst ihr nicht nachkommen! Das Ministerium antwortete uns am 2. Oktober 2020 auf die Frage, ob in Attesten der Krankheitsgrund offengelegt werden muss, folgendes:

 

Deshalb muss das Attest eine Beschreibung der gesundheitlichen Beeinträchtigung enthalten. Es muss also daraus hervorgehen, weshalb ein Prüfling nicht an einer Prüfung teilnehmen kann, so dass der Prüfungsausschuss auf dieser Basis in der Lage ist, eine Entscheidung zu treffen, ob am Prüfungstag Prüfungsunfähigkeit vorliegt. Eine medizinische Diagnose muss das Attest nicht enthalten.

 

Das bedeutet, dass beispielsweise Symptome wie „starke Kopfschmerzen“ genannt werden können, wenn diese Auswirkungen auf die Prüfungsfähigkeit haben. Eine Diagnose wie „J06.9 grippaler Infekt“ (wovon „starke Kopfschmerzen“ eins von mehreren Symptomen sein kann) ist aber nicht notwendig.

 

Nachteilsausgleich bei chronischen Krankheiten und Behinderungen

Wenn du eine chronische Krankheit und/oder Behinderung hast, kannst du beim jeweils zuständigen Prüfungsausschuss (abhängig davon, an welcher Fakultät der Lehrstuhl, an dem die Prüfung geschrieben wird, verortet ist) beantragen.

 

Die Art des Nachteilsausgleichs variiert stark von Fall zu Fall, weswegen an dieser Stelle nur schwer allgemeingültige Aussagen getroffen werden können. Hierfür gibt es jedoch Beratungsangebote von Prüfungsamt, Studentenwerk und dem Beauftragten für Studierende mit Behinderung. Eine Übersicht dazu findet ihr hier.

 

Malusregelung

Ein Punktabzug bei Prüfungsbewertungen ist nicht zulässig. Dies hat uns sowohl das StMWK in einer Anfrage bestätigt, ebenso sprechen Gerichtsurteile dafür. Es können also nur für richtige Antworten Punkte verteilt werden. Ein Abzug von Punkten aufgrund von falschen Antworten darf nicht stattfinden.

 

Dies kann bei Single-Choice-Fragen (1 Antwort von einer von n Antworten ist richtig) und bei Multiple-Choice-Fragen (n Antwort(en) von n Antworten sind richtig) einen Unterschied machen.

 

Erreichbare Punktezahl der Klausur 10 Punkte (pro Aufgabe 5 Punkte). Die angekreuzten Antwortmöglichkeiten sind hier aus Darstellungsgründen unterstrichen.

 

Frage 1: Welche Farbe ist bei einer Ampel oben?

  1. Rot
  2. Gelb
  3. Grün
  4. Violett
  5. Blau

Frage 2: Was ergibt 5+10?

  1. 15
  2. 23
  3. 63
  4. 1
  5. 6

Hier ist also die erste Frage richtig beantwortet, die zweite falsch.

 

Richtige Bewertung: Es wurden 5 Punkte erreicht, da die erste Frage richtig beantwortet wurde.

Falsche Bewertung: Es wurden 0 Punkte erreicht, da die 5 Punkte, die in der ersten Frage gewonnen wurden, bei der zweiten Frage aufgrund einer falschen Antwort und der dabei angewandten Malusregelung wieder abgezogen wurden.

Erreichbare Punktezahl der Klausur 10 Punkte (pro Aufgabe 5 Punkte). Es können 0-5 von 5 Antwortmöglichkeiten richtig sein.
Die angekreuzten Antwortmöglichkeiten sind hier aus Darstellungsgründen unterstrichen.

 

Frage 1: Welche Tramlinien führen in den Süden von Augsburg?

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 6

Frage 2: Welche Fakultäten gibt es an der Universität Augsburg?

  1. Philologisch-Historische Fakultät
  2. Juristische Fakultät
  3. Geisteswissenschaftliche Fakultät
  4. Fakultät für Angewandte Informatik
  5. Ernährungswissenschaftliche Fakultät

Es wurde in Frage 1 alles richtig beantwortet, da die Tramlinien 2 und 3 in den Süden Augsburgs führen.
Zu Frage 2: Die Fakultäten aus Items a, b und d gibt es an der Universität Augsburg, die anderen nicht.

 

Richtige Bewertung: Es wurden 8 Punkte erreicht, da in Frage 1 alles richtig war (5 Punkte). Es wurden die richtigen Antworten als richtig eingeschätzt und die falschen als falsch. In Frage 2 sind die Items a und b zutreffend als richtig eingeschätzt worden, aber c fälschlicherweise als zutreffend. Außerdem wurde Item d fälschlicherweise als nicht zutreffend bewertet worden und Item e richtigerweise als nicht zutreffend (weitere 3 Punkte).

Falsche Bewertung: Es wurden 6 Punkte erreicht. Die Frage 1 wurde vollständig richtig beantwortet (5 Punkte). In Frage 2 wurden die Items a, b und e richtig beantwortet. Allerdings wurde Item c fälschlicherweise angekreuzt und Item fälschlicherweise nicht angekreuzt. Folgt man dieser Logik wurden also in Frage 2 3 Punkte gewonnen und 2 wieder verloren. Damit kommt man bei Frage 2 auf 1 Punkt.

Erreichbare Punktezahl der Klausur 10 Punkte (pro Aufgabe 5 Punkte). Es können 0-5 von 5 Antwortmöglichkeiten richtig sein.
Die angekreuzten Antwortmöglichkeiten sind hier aus Darstellungsgründen unterstrichen.

 

Frage 1: Welche Farben finden sich auf dem Körper einer Biene?

  1. Violett
  2. Gelb
  3. Grün
  4. Rot
  5. Schwarz

Frage 2: Welche Ausgabetheken gibt es in der Mensa?

  1. Mediterran
  2. Überbackenes
  3. Grill
  4. Afghanisch
  5. Asia

In Frage 1 ist natürlich schwarz und gelb richtig, der Rest der Items falsch. In Frage 2 gibt es die Ausgabetheken a, c und e, die restlichen nicht.

 

Richtige Bewertung: Es wurden 5 Punkte gesammelt. In Frage 1 wurden die Items a und b richtig eingeschätzt (2 Punkte). In Frage 2 wurden die Items a, c und e richtig eingeschätzt (3 Punkte).

Falsche Bewertung: Es wurden 0 Punkte gesammelt. In der ersten Frage wurden die Items a und b richtig eingeschätzt, Items c, d und e nicht (1 Minuspunkt). In Frage 2 wurden die Items a, c und e richtig eingeschätzt, was 3 Punkte ergeben würde und Items b und d falsch, was wieder 2 Punkte abziehen würde. Daraus ergibt sich in der zweiten Frage 1 Punkt.
Hier wurden sogar Minuspunkte vergeben, was sich auf die Gesamtwertung ausgewirkt hat.

Klausureinsicht

Klausuren zu korrigieren ist für Dozierende rechtlich gesehen ein Verwaltungsakt, weswegen Studierende daher auch die Möglichkeit haben müssen, dagegen Einspruch einlegen zu können. Dozierende müssen es euch also erlauben, die Korrekturen eurer Klausur einzusehen.

 

Rechte bei der Einsicht / Klausuren kopieren

Ihr habt also einen Rechtsanspruch auf eine Klausureinsicht. Dies muss aber nicht heißen, dass sie Einsichtstermine für alle Studierende eines Kurses ankündigen müssen. Sie müssen jedoch mindestens auf Anfrage euch die Möglichkeit geben, die korrigierte Arbeit einzusehen.

 

In dieser Klausureinsicht habt ihr sogar noch weitere Rechte. Ihr dürft die Klausur nicht mit nach Hause nehmen, um sie eingehend zu prüfen. Euch muss es aber erlaubt werden, die Klausur inklusive der Aufgabenstellung mit den Korrekturen abzulichten oder zu kopieren. Das bedeutet, dass ihr die Klausuren mit dem Handy fotografieren oder kopieren dürft. Kopierkosten können, aber müssen nicht von den jeweiligen Lehrstühlen übernommen werden. Außerdem dürft ihr bei der Klausureinsicht nicht unter Druck (insbesondere zeitlich) gesetzt werden.

 

Eine Wiederverwendung von einzelnen Aufgaben oder ganzer Klausuren für spätere Prüfungstermine ist kein Grund, den Studierenden die Einsicht zu verwehren. Diese Informationen wurden sogar in einem Rundschreiben vom StMWK vom 29.10.2009 und im Jahr 2020 vom StMWK  in Form von E-Mails bzw. der Rechtsabteilung der Universität Augsburg in Einzelgesprächen bestätigt.

Für den Fall, dass Dozierende euch daran hindern sollten, eure Rechte wahrzunehmen, könnt ihr euch gerne an den Studierendenrat (StuRa) eurer Fakultät oder den AStA ( asta@asta.uni-augsburg.de) wenden.

 

Was tun, wenn die Korrektur fehlerhaft ist?

Dozierende sind auch nur Menschen. Wenn ihr also einen Fehler entdeckt, müsst ihr nicht gleich mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht drohen. Fragt erst einmal nach, wie der*die Dozierende zu seiner*ihrer Bewertung gekommen ist. Wenn das für euch nicht nachvollziehbar sein sollte, findet ihr mit Sicherheit Argumente, warum ihr das anders seht.

 

Außerdem: Zählt immer nach, ob der*die Dozierende die Punkte richtig zusammengerechnet hat. Das kommt häufiger vor, als man glaubt!

 

Wenn Ihr euch mit dem*der Dozierenden immer noch nicht einig sein solltet, wurde von der Rechtsabteilung folgende Eskalationsstufen vorgeschlagen:

  • Beschwerde beim zuständigen Studiendekan (abhängig davon an welcher Fakultät der Lehrstuhl der dozierenden Person verortet ist).
    Sei freundlich, aber eindeutig und bestimmt. Setze deinen zuständigen StuRa (abhängig davon, an welcher Fakultät du studierst) und das AStA Sekretariat ( asta@asta.uni-augsburg.de) mit in CC. Aus Gründen der Transparenz und Fairness empfehlen wir auch, den*die Dozent*in ebenfalls mit in CC zu setzen.
  • Wenn dies nicht funktionieren soll, wende dich noch einmal in einer Mail an den zuständigen StuRa und den AStA ( asta@asta.uni-augsburg.de). Der AStA kann es bei der Universitätsleitung vorbringen.

Wichtig: Für Widersprüche zu Korrekturen können Widerspruchsfristen gelten, die in den Prüfungsordnungen der jeweiligen Studiengänge festgelegt sein können.

 

Korrekturzeiten

Offizielle Fristen zur Dauer einer Korrektur gibt es zwar nicht, im Sinne einer Studierbarkeit eines Studiengangs sollten sich die Korrekturzeiten jedoch in einem vernünftigen Rahmen halten.
Es wäre sinnvoll, wenn die Notenbekanntgabe vor dem Auslauf der Kursanmeldung für das neue Semester stattfinden würde. Sollte die Zeit dennoch knapp werden oder ihr aus anderen Gründen eine Bestätigung brauchen, ob ihr das Modul bestanden habt oder nicht, so könnt ihr euch von eurem*r Dozent*in eine Bescheinigung ausstellen lassen auf der dann steht, dass ihr die Püfung vermutlich oder vermutlich nicht bestanden habt.
Die endgültige Note gibt es aber natürlich erst nach einer abgeschlossenen Korrektur.

Anwesenheitspflicht

Grundsätzlich gilt: es existiert keine Anwesenheitspflicht an bayerischen Universitäten. Dies ist durch ein Rundschreibendes StMWK belegt.
Sollten trotzdem Anwesenheitslisten herumgereicht werden, kann deren Rechtmäßigkeit in den Prüfungsordnungen nachgelesen werden. Die Anforderungen für die Zulassung zu den Prüfungen stehen in euren jeweiligen Prüfungsordnungen eures Studiengangs (unter „Rechtssammlung der Fakultäten“ die entsprechende Fakultät und Studiengang auswählen).

Sollte tatsächlich eine legitime Anwesenheitspflicht herrschen, so müssen Fehlzeiten und wie mit ihnen umgegangen wird, geregelt sein. Es kann allerdings eher nicht die Regel geben, dass ihr nur bei 100% Anwesenheit zur Prüfung zugelassen werdet. Anwesenheit darf jedoch, sofern vorher in der Prüfungsordnung festgelegt, als Voraussetzung für die Prüfungszulassung gelten.

Prüfungsumstände

Hinsichtlich der Anforderungen an Dozierende im Rahmen der Lehrveranstaltungen gilt folgendes:
Prüfungstermin und Prüfungsort müssen spätestens 4 Wochen vor der Prüfung festgelegt sein. D.h. ab dem Moment in dem ihr euren Prüfungstermin mitgeteilt bekommt, müssen bis zum Ablegen der Prüfung mindestens 4 Wochen vergehen. Außerdem muss die Bekanntgabe innerhalb der Vorlesungszeit erfolgen. Eine genaue Angabe des Prüfungsortes muss mindestens 2 Wochen vor dem Prüfungstermin bekannt gegeben werden. Sollte es trotzdem kurzfristige Änderungen bei Prüfer oder Prüfungsort geben, so muss ein zwingender Grund vorliegen.

Fragen?

Falls sonst noch Fragen offen sind, kannst du dich gerne an das AStA Sekretariat ( asta@asta.uni-augsburg.de) wenden. Fragen und Anregungen von Dozierenden sind natürlich ebenfalls herzlich willkommen.

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