Hier erscheinen in lockerer Reihenfolge Ideen, Reflexionen, Denkanstöße, die die Chancengerechtigkeit von Frauen in der Wissenschaft betreffen. 

      

 

1.

thinking visible

Im Zusammenhang mit Diskussionen um Chancengleichheit für Frauen in der Wissenschaft wird zuweilen die Forderung laut, dass es mehr Präsenz von erfolgreichen Wissenschaftlerinnen in den Medien brauche, um Geschlechter-Stereotypien aufzuweichen. Doch mehr Sichtbarkeit wie z.B. auf dieser Webseite birgt auch das Risiko, normative Identitätsvorgaben, die für Wissenschaftlerinnen gelten, zu reproduzieren. 

 

Was meine ich damit? 

Nun, indem wir die wissenschaftlichen Erfolge von Frauen oder ihre akademischen Spitzenpositionen besonders hervorheben, so stolz wir auch sind, etwa über die erste Präsidentin einer bayerischen Universität, werden indirekt auch die gegenteiligen Erwartungshaltungen kommuniziert. Oder die markant modernisierten Bilder von Wissenschaftlerinnen: Sicher, die Anlässe für die Präsentation beziehen sich ebenso wie bei männlichen Kollegen auf bedeutende wissenschaftliche Entdeckungen, die Verleihung von Preisen o.ä.. Aber die Wissenschaftlerinnen werden vielseitiger, origineller, schicker vielleicht auch jünger dargestellt, während sich die medialen Diskurse über Wissenschaftler in den letzten Jahren nur wenig gewandelt haben. Hier reicht es, wenn sich vermittelt, dass der wissenschaftliche Erfolg vor allem auf Intelligenz, harter Arbeit und Leidenschaft beruht. Dies wird den Frauen beileibe nicht abgesprochen, aber es muss/darf zusätzlich ein bisschen bunter zugehen. Und was wohl kaum je vorkommt, ist in einem Atemzug mit berühmten Vorgängern wie Newton oder Einstein genannt zu werden. (By the way: Wer kann schon aus dem Stehgreif mehr als vier, fünf berühmte Wissenschaftlerinnen der Vergangenheit nennen?) 

 

Worauf steuert die Entwicklung wohl zu? 

Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist rechtlich gesehen Fakt. Die Bemühungen der Universitäten um eine zahlenmäßige Ausgewogenheit von Professorinnen und Professoren  sind beachtlich. Aber wird ein zukünftiger Leibniz-Preisträger der UniA dereinst ganz selbstverständlich in einem Atemzug mit seiner berühmten Vorgängerin von der Informatik genannt? Wird ein Wissenschaftler, angeregt durch diese Webseiten, seine eigene mediale Performance flexibilisieren und wenn ja, wie? Und werden wir bei seinem Curriculum Vitae die Information erwarten, dass dieser Spitzenforscher seinen wissenschaftlichen Erfolg trotz mehrjähriger Elternzeit errungen hat? Wird die mediale Darstellung insgesamt diverser, und spiegelt dies dann die Realität? Wir dürfen gespannt sein. 

 

Mir scheint nur eines verhältnismäßig sicher: In 10 Jahren wird es keine Webseiten mehr geben, die sich schwerpunktmäßig der Visibilität von Wissenschaftlerinnen widmen. Und genau deshalb wird diese Webseite nicht umsonst gewesen sein. 

 

Prof. Dr. Susanne Metzner, Frauenbeauftragte der Universität Ausburg


Kommentare an frauenbeauftragte@uni-a.de

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