Ringvorlesung der Universität Augsburg
Lehrstuhl für Vergleichende Literaturwissenschaft / Lehrstuhl für Amerikanistik

 

 

© Universität Augsburg

Große Werke der Literatur

 

Die Ringvorlesung, in Augsburg inzwischen eine Institution, will an interessante Literatur heranführen, das Monumentale verlebendigen und näherbringen, das Schwierige auflösen, aber auch Verständnis für das Widersprüchliche oder Sperrige wecken. Grundsätzlich sollen Werke aus verschiedenen Nationalliteraturen vorgestellt werden. Und immer geht es, bei aller wissenschaftlichen Fundierung, um Anschaulichkeit und ganz einfach Freude am Lesen. Dass die Vortragenden ihre Themen frei gewählt haben, ist dafür sicher eine gute Voraussetzung.

Große Werke des Films

 

120 Jahre nach den ersten öffentlichen Vorführungen ist der Film längst als eigenständige Kunst anerkannt, die ihre ‚Großen Werke‘ ebenso hervorgebracht hat wie die Literatur, die Musik oder die bildende Kunst. Über die Epochen- und Genregrenzen hinweg hat sich ein Kanon von Werken herausgebildet, der als Bezugsgröße für die Einordnung und Beurteilung von Filmen fungiert, der aber auch immer wieder aufs Neue befragt und revidiert werden muss. Die Ringvorlesung, die Vortragende aus verschiedenen literatur-, medien- und kunstwissenschaftlichen Disziplinen vereint, will diesen dynamischen Prozess der Kanonbildung, –fortschreibung und –revision mitgestalten, indem sie etablierte Filme neu interpretiert und aktuelle Filme für den Kanon vorschlägt.

Aktuell

 

PROGRAMM IM SOMMERSEMESTER 2024

Große Werke des Films IV

 

Veranstaltungsort/-zeit: Stadtbücherei Augsburg, 18:30-20:00 Uhr

 

 

  • 17.04.2024
    Quentin Tarantino, Pulp Fiction (1994)
    Matthias Krumpholz (
    Chiang Mai)


    Quentin Tarantino gilt als einer der wichtigsten Vertreter des amerikanischen Autorenkinos der 1990er Jahre, um dessen Person und insbesondere seinen zweiten Film Pulp Fiction ein regelrechter Kult entstanden ist. In Rezensionen gleichermaßen verehrt, wie auf Grund vermeintlich exzessiver Darstellungen von Gewalt und Drogenkonsum harsch kritisiert, markiert der Film aber gleichsam einen Wendepunkt vom Independent-Film hin zu einer Form des Indie-Blockbusters.
    In Pulp Fiction (1994) verschmelzen Gewalt, schwarzer Humor und groteske Dialoge zu einem modernen Klassiker des Gangsterfilms. Die episodische Erzählweise ordnet konventionelle Strategien des Genres neu und macht das Kino selbst zum Thema. Intermedialen Konstruktionen, die auf Musik, Film, Comic und Literatur (nicht nur) der amerikanischen Popkultur verweisen, erschaffen einen eigenen 'Tarantinoesken' Kosmos, dessen Spiel der Zeichen postmoderne Paradigmen bedient. In diesem Spannungsfeld bewegt sich der Vortrag selbst – der Autoren- und Regisseur-Figur Tarantino einerseits und einer filmischen Ästhetik des Pastiche andererseits.

     

  • 15.05.2024
    François Truffaut, L’Enfant sauvage / Der Wolfsjunge (1970)
    Heike Schwarz (Augsburg)

    L’Enfant sauvage wurde 1970 in Frankreich uraufgeführt und ein Überraschungserfolg, der nicht nur die Kinowelt beeinflusste. Regisseur François Truffaut verschmilzt in diesem Film die vergangene Ästhetik des Stumm- und frühen Tonfilms mit dem Genre des dokumentarischen Realismus und den Reformansätzen seiner Zeit. Zur Sensation wurde die Tatsache, dass der Film einen wahren Fall aus dem Jahr 1798 verarbeitete.

     
  • 12.06.2024
    Sergio Leone, Once Upon a Time in the West / Spiel mir das Lied vom Tod (1968)
    Martin Kaufhold (Augsburg)


    Spiel mir das Lied vom Tod ist wohl der bekannteste Italo-Western: voller ikonischer Szenen, Landschaften und Gesichter in opulenter Slow Motion, der Soundtrack von Ennio Morricone. Charles Bronson, Henry Fonda und Jason Robards in Hollywoods klassischen Männerrollen. Wortkarg, geübt mit der Waffe, mit dominanten Auftritten. Der Regisseur Sergio Leone sprach von einem „Tanz mit dem Tod“, in dem die Witwe McBain (Claudia Cardinale) nach einer anderen Melodie tanzt.

    Die beiden zentralen Männerfiguren sind durch ein finsteres Ereignis schicksalhaft verbunden, das sich erst im Laufe des Filmes langsam offenbart. Für den liberalen Henry Fonda ist die Rolle des Killers Frank eher untypisch, Charles Bronson hingegen ist als schweigsamer Rächer ganz in seinem Element. Ihre Gegnerschaft hält die Spannung in dieser archaischen Rachegeschichte bis zum Ende aufrecht. Die klassische Westernerzählung ist eingebettet in eine Welt des Wandels, verkörpert im Eisenbahnbau. In dieser Welt werden die Rollen neu verteilt. Die Witwe McBain ist der eigentlich starke Charakter des Films. Anders als die männlichen Protagonisten wird sie durch demütigende Erfahrungen nicht traumatisiert und beherrscht am Ende die Bühne, auf der die Schießkünstler zu Nebendarstellern werden. Diese zweite Ebene lässt den Film auch nach mehr als 50 Jahren noch knistern. Ein Abgesang auf die Männerwelt. Zu coolen Bildern. Manchmal fragwürdig. Immer lohnend.

  • 17.07.2024
    Richard Fleischer, Soylent Green (1973)
    Kirsten Twelbeck (Augsburg)



    1973 zeigte der Hollywoodregisseur Richard Fleischer, dass er weit mehr war als ein Virtuose des massenwirksamen Kinospektakels. Mit Soylent Green (1973) schuf er den ersten Film über die globale Erderwärmung und deren politische und gesellschaftliche Folgen.
    Soylent Green ist eine filmische Reaktion auf den Club of Rome Bericht zu den „Grenzen des Wachstums“ und eine Einladung zum Neudenken von zwischenmenschlichen Beziehungen, kulturellen Wertungen und Vorstellungen einer ökologischen Gerechtigkeit, die nicht-menschliche Lebenskontexte mit einbezieht.

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(c) Stadtbücherei Augsburg

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