Ringvorlesung der Universität Augsburg
Lehrstuhl für Vergleichende Literaturwissenschaft / Lehrstuhl für Amerikanistik

 

 

© Universität Augsburg

Große Werke der Literatur

 

Die Ringvorlesung, in Augsburg inzwischen eine Institution, will an interessante Literatur heranführen, das Monumentale verlebendigen und näherbringen, das Schwierige auflösen, aber auch Verständnis für das Widersprüchliche oder Sperrige wecken. Grundsätzlich sollen Werke aus verschiedenen Nationalliteraturen vorgestellt werden. Und immer geht es, bei aller wissenschaftlichen Fundierung, um Anschaulichkeit und ganz einfach Freude am Lesen. Dass die Vortragenden ihre Themen frei gewählt haben, ist dafür sicher eine gute Voraussetzung.

Große Werke des Films

 

130 Jahre nach den ersten öffentlichen Vorführungen ist der Film längst als eigenständige Kunst anerkannt, die ihre ‚Großen Werke‘ ebenso hervorgebracht hat wie die Literatur, die Musik oder die bildende Kunst. Über die Epochen- und Genregrenzen hinweg hat sich ein Kanon von Werken herausgebildet, der als Bezugsgröße für die Einordnung und Beurteilung von Filmen fungiert, der aber auch immer wieder aufs Neue befragt und revidiert werden muss. Die Ringvorlesung, die Vortragende aus verschiedenen literatur-, medien- und kunstwissenschaftlichen Disziplinen vereint, will diesen dynamischen Prozess der Kanonbildung, –fortschreibung und –revision mitgestalten, indem sie etablierte Filme neu interpretiert und aktuelle Filme für den Kanon vorschlägt.

Aktuell

PROGRAMMANKÜNDIGUNG FÜR DAS SOMMERSEMESTER 2026

Große Werke des Films V

 

Veranstaltungsort/-zeit: Stadtbücherei Augsburg, 18:30-20:00 Uhr

Download Veranstaltungsplakat



 

22. April 2026 | Max Richter (Augsburg): Park Chan-wook, Decision to Leave / Die Frau im Nebel (2022)

 

Park Chan-wook etabliert mit seiner Rachetrilogie (Sympathy for Mr. Vengeance, Oldboy und Lady Vengeance) den koreanischen Film international, der spätestens mit Bong Joon-hos Parasite (2019) auch jenseits von Festivalkreisen ein breites Publikum erreicht.

Sein Kino verbindet formale Präzision und psychologische Brutalität. Verglichen mit Parks früherem Werk setzt Decision to Leave / Die Frau im Nebel (2022) auf Zurückhaltung: Anstatt expliziter Gewalt zeigt der Film obsessive Überwachung und Begehren durch Blicke. Ein schlafloser verheirateter Ermittler untersucht den mysteriösen Tod eines Mannes beim Bergsteigen. Seine Hauptverdächtige ist die Witwe des Opfers, eine chinesische Einwanderin. Was als Mordfall beginnt, entwickelt sich zum Melodrama, in dem Illusion und Realität ununterscheidbar werden. Der Film spielt dabei mit Wahrnehmungen und verhandelt, wie Sprache und Kommunikationsmedien das Verstehen des Anderen zugleich ermöglichen und verhindern.

Decision to Leave / Die Frau im Nebel erzählt sich nah am Kitsch und dennoch subtil. Der Vortrag situiert Parks Film in der Genretradition des Neo-Noir und fragt, was diesen dennoch zu einem unverkennbar koreanischen Werk macht.

 

 

20. Mai 2026 | Annika McPherson (Augsburg): Ryan Coogler, Sinners (2025)
 

Im Mississippi Delta der 1930er Jahre treffen im Juke Joint der Zwillinge Elijah ‘Smoke’ und Elias ‘Stack’ Moore (beide gespielt von Michael B. Jordan) die musikalischen Stilrichtungen Blues, Rock’n’Roll, Hip Hop, und Gospel mit westafrikanischen Trommeln und chinesischer Xiqu-Performanz aufeinander und verbinden sich in einer spirituellen Erfahrung von Tanz und Gemeinschaft. Diese wird durch vampirische Eindringlinge gefährdet, die ebenfalls komplexe Unterdrückungsstrukturen artikulieren. Zwischen irischem Tanz, den Gefahren des Ku Klux Klans, der Südstaaten-Hoodoo-Kultur, den Ambivalenzen des Christentums und indigenen Choctaw-Vampirjägern verhandelt Ryan Cooglers Film Sinners auf komplexe Weise die Jim Crow-Ära im U.S.-amerikanischen Süden sowie deren Nachwirkungen in Form eines filmischen Gesamtkunstwerks, dessen Nominierung für Auszeichnungen bereits Rekorde sprengt. Dies ist nicht zuletzt den vielfältigen Genres geschuldet, die der Film verbindet und durch die er seine zeitliche Verortung durchbricht, Resonanzen bis in die Gegenwart aufzeigt und die Grenzen der Solidarität ausleuchtet.

 

 

24. Juni 2026 | Ina Hagen-Jeske (Augsburg): Gary Winick, Bride Wars – Beste Feindinnen (2009)

 

Vom Antrag bis zum makellosen Brautlook wetteifern zwei Kindheitsfreundinnen um die perfekte Hochzeit. Durch einen schicksalhaften Zufall werden die beiden Protagonistinnen zu Konkurrentinnen um die stets ausgebuchte Hochzeitslocation ihrer Kindheitsträume: das altehrwürdige New Yorker Hotel The Plaza. Im erbitterten Wettstreit mutieren sie zu sogenannten Bridezillas, die fast das Wesentliche, nämlich die Liebesbeziehungen zu ihren Partnern, aus dem Blick verlieren.

Die US-amerikanische Komödie greift das dominante kulturelle Skript der weißen Hochzeit auf und persifliert gegenwärtige konsumorientierte, verschwenderische und eventisierte Ausprägungen von Hochzeitsfesten, die in westlich geprägten Gesellschaften als Ideal verhandelt werden. Gleichzeitig spielt der Film mit genderspezifischen Topoi von Bräuten und (toxischen) Frauenfreundschaften, welche im Vortrag (gender-)kritisch hinterfragt werden. Als übergeordneter kulturhistorischer Rahmen dient dabei der Wandel von Verlobungs-/ Hochzeitsritualen seit der Nachkriegszeit und die damit einhergehende Kommodifizierung von Hochzeiten.

 

 

15. Juli 2026 | Matthias Löwe (Augsburg): Charlie Chaplin, Modern Times (1936)

 

Charlie Chaplins Klassiker Modern Times (1936) handelt von ausbeuterischer Fließbandarbeit und der Great Depression in den USA. Zugleich ist Modern Times ein nostalgischer Stummfilm, mit dem sich Chaplin vergeblich gegen den Siegeszug des Tonfilms in Hollywood wehrte.

Anfahrt

(c) Stadtbücherei Augsburg

Suche