UPD 59/22 - 21.06.2022

Studierende entwickeln Ausstellung

Tilla von Gravenreuth. Gezeichnete Lebenslinien – l’esprit modern (29.06.-07.07.22)

Die von Studierenden der Kunstpädagogik aufbereitete Ausstellung „Gezeichnete Lebenslinien“ vermittelt einen Einblick in das Lebenswerk der Künstlerin Tilla von Gravenreuth (1909 bis 2000). Die Schau auf dem Campus der Universität Augsburg zeigt einen prägenden Abschnitt des späten Lebenswerks einer Künstlerin, die sich nach langer Unterbrechung erneut intensiv dem Zeichnen gewidmet hat.

Die Ausstellung Titel „Tilla von Gravenreuth. Gezeichnete Lebenslinien – l’esprit moderne“ ermöglicht dem interessierten Publikum und speziell auch den Studierenden am Lehrstuhl für Kunstpädagogik, eine Künstlerin für sich zu entdecken, die in den späten 1920er Jahren bei Bauhaus-Lehrer Oskar Schlemmer Unterricht nahm und in den 1980er-Jahren im Alter von 70 Jahren ein beachtliches Konvolut an figürlichen Zeichnungen anfertigte. Diese Künstlerin Tilla van Gravenreuth wurde 1909 in Grafeneck bei Tübingen als Mathilde Freiin von Tessin geboren und ist im Jahre 2000 als Freiherrin von Gravenreuth in Affing bei Augsburg verstorben.
 

Tilla von Gravenreuth, Ohne Titel, undatiert, Tusche, Aquarell auf Papier, 45,7 x 58 cm © Marian Freiherr von Gravenreuth u. R. Freiherr v. Schauenburg

„Die mit schwungvoller, dann wieder ganz zarter, teilweise nur angedeuteter Linie gefertigten und oftmals auch farbig lavierten Zeichnungen von Frauen, die mal modisch sehr weiblich, mal in Form der Aktzeichnung androgyn gezeigt werden, gaben Anlass, inhaltlich nach changierenden Frauenbildern sowie der Rolle von Künstlerinnen, früher wie heute, zu fragen“, erklärt Dr. Christiane Schmidt-Maiwald, Akademische Oberrätin am Lehrstuhl für Kunstpädagogik der Universität Augsburg den Forschungsansatz. Stilistisch stellten die Arbeiten eine interessante Schnittstelle zwischen Stilmerkmalen der 1920-30er-Jahre und der 1980er-Jahren dar. „Die ausdrucksstarke Linie des Expressionismus findet sich in die Neo-Expressionistische Ausdruckskraft und Farbigkeit überführt“, ordnet Schmidt-Maiwald ein.
 

Der Ausstellungskatalog erschien bereits 2020. Nach einer coronabedingten Pause kann nun auch die Ausstellung zum Spätwerk Tilla von Gravenreuths stattfinden. © Wißner-Verlag

Konzept und Umsetzung der Ausstellung

Die Konzeption des bereits im September 2020 erschienenen Katalogs und in Grundzügen der jetzigen Ausstellung entstand in der Diskussion zwischen der freien Kuratorin, Elisabetta Bresciani, die auch den Kontakt nach Affing vermittelte, der betreuenden Dozentin Christiane Schmidt-Maiwald und den Studierenden Regine Schurig sowie Ferdinand Babl; das Katalog-Layout entwarf Regine Schurig, das Hängungskonzept entwickelte Ferdinand Babl unter Einbeziehung von Impulsen aus einem Begleitseminar, das Layout von Ausstellungstexten, Plakaten und Einladungskarten entwickelte die Studentin Julie Seyler.

Das Projekt konnte dank der Brüder Rochus Freiherr von Schauenburg und Marian Freiherr von Gravenreuth aus Affing realisiert werden, die Zeichnungen aus dem Spätwerk ihrer Mutter zur Verfügung stellten. Eine Auswahl des Spätwerks Tilla von Gravenreuths (1909-2000) kann so erstmals einem breiteren Publikum vorgestellt werden.
 

Große Variationsbreite wird sichtbar

Jeweils eine exemplarisch aussagekräftige Zeichnung aus den fünf Kapiteln wird im Zusammenspiel als Auftakt gezeigt, um die Spannbreite der eingesetzten Zeichenmittel, der Linienführung und der Farbnuancen auf einen Blick erfassen zu können sowie das Spektrum von gezeigter Körperlichkeit. Die einzelnen Zeichnungen sind begleitet von einem erläuternden Text, der auf Technik und Stil eingeht, aber auch gezielt Fragen an das Publikum stellt: zur Anregung für die spätere Podiumsdiskussion sowie zur intensiven eigenen Auseinandersetzung mit dem Gezeigten. Es folgen dann pro Wandabschnitt die einzelnen Kapitel, die vier bis fünf Zeichnungen umfassen. So wird ermöglicht, sich einen Überblick zur Variationsbreite zu verschaffen.

Da es sich um ein Kooperationsprojekt handelt, bei dem Studierende als zukünftige Vermittler*innen in kulturellen Institutionen sich praxisnah und zugleich mit eigenen Ideen und Vorstellungen einbringen sollten, gibt es eine Vitrine, die von Studierenden gefertigte Modelle zu erarbeiteten Ausstellungskonzepten zeigt. Auch die alternativen Ausstellungskonzepte werden im Sinne eines Making-Offs einsehbar sein, um nicht nur die fertige Ausstellung zu zeigen, sondern auch die inhaltliche und formale Genese an der Universität.

Ausstellung und Vernissage

Die Ausstellung mit dem Titel „Tilla von Gravenreuth. Gezeichnete Lebenslinien – l’esprit moderne“ wird am 29. Juni 2022 im Gebäude für Kunst und Musik eröffnet und ist dort bis zum 07. Juli im 2. Obergeschoss zu sehen (Gebäude G, Universitätsstr. 26). Sie war bereits für das Jahr 2020 geplant, wurde wegen der Pandemie verschoben und stellt den Abschluss eines Projektes dar, das es Studierenden im Studiengang Kunstpädagogik ermöglichte, sich praxisnah mit Nachlassforschung, Katalogarbeit und Ausstellungswesen vertieft auseinanderzusetzen.

Zur Eröffnung gibt es eine Vernissage ab 18 Uhr.

Vernissage - Geplantes Abendprogramm am 29.06.2022

18:00 Uhr: Grußworte (Lehrstuhlinhaberin/Leihgeber)

18:15 Uhr: Kurze Einführung in das Kooperationsprojekt und die Ausstellungskonzeption (Projektleiterinnen/ Studierende)

18:40 Uhr: Erster Rundgang durch die Ausstellung

19:00 Uhr: Beginn der Podiumsdiskussion mit der Vorführung des Dokumentarfilms (18:43 min.); im Anschluss Diskussion: Moderation: Prof. Dr. C. Kirchner, Lehrstuhlinhaberin des Lehrstuhls für Kunstpädagogik.

Podiumsgäste: Mag. Art. Elisabetta Bresciani, freie Kuratorin; Dr. Thomas Elsen, Leiter des H2-Zentrums für Gegenwartskunst Augsburg; Universität Augsburg; Michael Moratti, Leiter des Wißner-Verlags Augsburg; Dr. Gertrud Roth-Bojadzhiev, akad. Oberrätin i.R., Lehrstuhl für Kunstpädagogik 

Das Projektteam: Ferdinand Babl, Bachelor-Studiengang; Odile Langhammer, Bachelor-Studiengang; Dr. Christiane Schmidt-Maiwald, akad. Oberrätin am Lehrstuhl für Kunstpädagogik; Regine Schurig, Bachelor-Studiengang; Julie Seyler, Bachelor-Studiengang, steht für Fragen zur Verfügung.

 

Zur Website der Austellung

Ansprechpartner

Akad. Oberrätin
Kunstpädagogik

Medienkontakt

Dr. Manuela Rutsatz
Pressesprecherin, Leitung
Stabsstelle Kommunikation & Marketing

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