Prof. em. Dr. Dr. h.c. (Metz) Josef Becker verstorben

Präsident Prof. Dr. Josef Becker in seinem Büro im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Universität in der Memminger Straße © Universität Augsburg

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Universitätsarchivs trauern um Prof. em. Dr. Dr. h.c. (Metz) Josef Becker, der bereits am 3. November 2021 im Alter von 90 Jahren verstarb, wie wir erst heute erfahren haben.


Neben seinen Funktionen als Ordinarius für Neuere und Neueste Geschichte (1973-1996) und Präsident der Universität Augsburg (1983-1991) erwarb sich Josef Becker nicht nur große, sondern entscheidende Verdienste um das Universitätsarchiv der Universität Augsburg.

 

Die in den frühen 1980er Jahren von seinen Professorenkollegen Pankraz Fried und Thomas Finkenstaedt vorgetragenen Initiativen für die Errichtung eines Universitätsarchivs griff Becker als damaliger Präsident der Universität dankbar auf und unterstützte sie tatkräftig.

Nach der formellen Gründung des Archivs 1985 durch einen Beschluss des Senats übernahm Becker auch formal die Leitung des Universitätsarchivs, wenngleich er Thomas Finkenstaedt bat, zunächst als geschäftsfüherender Leiter zu fungieren. Auch wenn das Universitätsarchiv mangels Personal und Räumlichkeiten zunächst nur auf dem Papier existierte, sorgte Becker doch schon 1988 vorausblickend dafür, dass später keine Überlieferungslücken zu beklagen waren, indem er verfügte, dass alle Einrichtungen der Universität die bei ihnen entstehenden Unterlagen grundsätzlich nach 10 Jahren an das Universitätsarchiv abzugeben hatten.

 

Nach dem Ablauf seiner Amtszeit als Präsident und der Emeritierung Thomas Finkenstaedts übernahm Becker zum 1. August 1992 wieder selbst die Funktion des Senatsbeauftragten für das Universitätsarchiv und arbeitete schon bald konkrete Pläne für dessen weitere Entwicklung, vor allem im Hinblick auf die personelle und räumliche Ausstattung, aus. 1994 legte er dem Senat zunächst eine Benützungsordnung für das Universitätsarchiv zur Beschlussfassung vor, die insbesondere die Nutzung der provisorisch im Staatsarchiv Augsburg gelagerten Bestände des Universitätsarchivs regelte. Noch im gleichen Jahr befasste sich der Senat mit dem von Becker ausgearbeiteten Entwurf für das Statut des Archivs, das nicht nur dessen Aufgaben benannte, sondern auch wichtige rechtliche und organisatorische Aspekte regelte.

 

Als sich in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre der Umzug der Juristischen Fakultät aus den provisorischen Räumlichkeiten an der Eichleitnerstraße auf den Campus konkret abzeichnete und eine neue Nutzung für die freiwerdenden Räume in Planung war, erkannte Becker die Gunst der Stunde und reklamierte einige der Räume im Gebäude F2 am Standort Eichleitnerstraße für das Universitätsarchiv, die schließlich in den Jahren 1999 und 2000 entsprechend für das Archiv adaptiert wurden.

 

Darüber hinaus sorgte Becker auch bei den bislang erfolglosen Plänen für die Einrichtung einer Archivarsstelle durch einen geschickten Schachzug für den entscheidenden Durchbruch, indem er die seit einer früheren Rufabwendung an seinem Lehrstuhl angesiedelte Forschungsassistentenstelle für die Einstellung des zukünftigen Archivars, zunächst wenigstens für die Dauer seiner Ausbildung an der Bayerischen Archivschule in München, zur Verfügung stellte. Der Universität Augsburg kam damit innerhalb der bayerischen Universitäten eine Vorreiterrolle zu, verfügte das Universitätsarchiv in Augsburg im Sommer 2000 doch somit über den ersten ausgebildeten Archivar des höheren Dienstes an einer bayerischen Universität. Das war nicht zuletzt das Verdienst Josef Beckers, der mit diesem „Augsburger Modell“ einen entscheidenden Anstoß dafür gab, dass heute praktisch alle bayerischen Universitäten über archivisches Fachpersonal verfügen.

 

Mit der Anstellung des frisch ausgebildeten Archivars und der Eröffnung der für die Zwecke des Archivs adaptierten Räumlichkeiten in der Eichleitnerstraße sah Becker seine „Mission“ als ehrenamtlicher Senatsbeauftragter für das Universitätsarchiv, die er auch im Ruhestand mit großem Engagement verfolgt hatte, als erfüllt an und übergab die Funktion 2001 an den nunmehrigen Akademischen Leiter Prof. Dr. Rolf Kießling.

 

Nach und nach übergab Josef Becker in den zurückliegenden Jahren den größten Teil seines wertvollen wissenschaftlichen Nachlasses dem Universitätsarchiv und ermunterte auch einige Kolleginnen und Kollegen aus der Augsburger Professorenschaft zu diesem Schritt.

 

Josef Becker hat sich sehr große und bleibende Verdienste um das Universitätsarchiv erworben. Man kann nur spekulieren, ob es das Universitätsarchiv ohne ihn heute überhaupt gäbe. Seine entscheidende Rolle am Beginn der Entwicklung des Universitätsarchivs ist jedenfalls unbestritten. So ist es für unser Team eine Selbstverständlichkeit, Josef Becker stets ein ehrendes Andenken zu bewahren. (16.11.2021)

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