War die Universität Halle im 18. Jahrhundert eine Reformuniversität der Aufklärung?

  • Veranstaltungsdetails
  • 09.12.2019, 18:00 Uhr - 20:00 Uhr 
  • Ort: HS III, Hörsaalzentrum, Universität Augsburg, Universitätsstr. 10, Augsburg
  • Veranstalter: Institut für Europäische Kulturgeschichte
  • Themenbereiche: Akademisches (Gesamtuniversitäres), Sprache, Literatur und Geschichte, Geschichte
  • Veranstaltungsreihe: Colloquium Augustanum 2019/20
  • Vortragsreihe
  • Vortragende: Prof. Dr. Andreas Pečar
Portrait Andreas Pečar © Universität Augsburg

Das Institut für Europäische Kulturgeschichte lädt in der Reihe "Colloquium Augustanum" zum Vortrag von Prof. Dr. Andreas Pečar (Halle) zum Thema: "War die Universität Halle im 18. Jahrhundert eine Reformuniversität der Aufklärung? Einige ketzerische Betrachtungen" ein.


In der jüngsten Gesamtdarstellung zur Geschichte der deutschen Aufklärung aus der Feder von Steffen Martus heißt es über die Gründung der Universität Halle im Jahre 1691, diese sei von Beginn an eine „Universität der Aufklärung“ gewesen. Die Universitätsgründung wertet er als „politisches Experiment“, als „Teil eines ganzen Reformpakets“, ja als „Labor der Aufklärung“. Martus steht mit seinen Aussagen in der Tradition von Notker Hammerstein, auf den das Bild von Halle als „Reformuniversität“ und als „Aufklärungsuniversität“ in großen Teilen zurückgeht.
In meinem Vortrag möchte ich zunächst danach fragen, aufgrund welcher Prämissen der Universität Halle das Gütesiegel einer Reform- und einer Aufklärungsuniversität verliehen worden ist. In einem zweiten Schritt möchte ich diese Prämissen kritisch überprüfen und die hierfür zentrale Dichotomie von in Traditionen erstarrenden Landesuniversitäten einerseits und wenigen herausgehobenen Reformuniversitäten im alten Reich andererseits in Frage stellen. In einem dritten Schritt werde ich dann danach fragen, inwiefern das wissenschaftliche Profil der Universität Halle sich auf Planung und Steuerung, modern gesprochen: auf Governance, zurückführen lässt und wer denn die Universität in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gesteuert haben könnte.

Andreas Pečar ist seit 2011 Professor für die Geschichte der Frühen Neuzeit an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und dort gegenwärtig Sprecher des Landesforschungsschwerpunkts Aufklärung – Religion – Wissen sowie Vorsitzender der Historischen Kommission des Landes Sachsen-Anhalt. Seine Forschungen verstehen sich als Beitrag zur politischen Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit. Seine Themenschwerpunkte sind Hof- und Adelsforschung, die Geschichte der politischen Sprachen sowie die Aufklärungsforschung. Als Bücher liegen bisher vor: eine Untersuchung über den höfischen Adel am Kaiserhof (Die Ökonomie der Ehre, 2003), eine Arbeit über den politischen Biblizismus in Schottland und England zwischen Reformation und Bürgerkrieg (Macht der Schrift, 2011), eine Arbeit über Friedrich II. von Preußen als Schriftsteller (Die Masken des Königs, 2016) und eine Streitschrift über die Aufklärungsforschung, die er gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Damien Tricoire verfasst hat (Falsche Freunde, 2015). Eine Arbeit über die Universität Halle in den ersten Jahrzehnten seit ihrer Gründung ist in Vorbereitung (Die Universität Halle und der Berliner Hof. Eine höfisch-akademische Kommunikationsgeschichte).

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