Qualifikationsarbeiten

Dissertationen

Marie Horstmeier: Lesen nicht literarischer Texte mit digitalen Medien als Möglichkeit zur Steigerung der Leseflüssigkeit bei mehrsprachigen Jugendlichen in Deutsch und einer anderen Sprache (Arbeitstitel)

 

Die Erforschung der Leseflüssigkeit geht auf eine lange Tradition im angloamerikanischen Raum zurück, wurde in den 1990er Jahren auch im deutschsprachigen Raum ins Visier gefasst (vgl. Samuels 2012 und Nix 2011) und beschäftigt aktuell sowohl Literaturdidaktiker*innen als auch Psycholog*innen, Bildungswissenschaftler*innen und Sonderpädagog*innen (vgl. die Arbeiten von Cornelia Rosebrock, Zohar Eviatar, Kasım Yıldırım und Jana Jungjohann). Die bisherigen Erkenntnisse sprechen eine klare Sprache: langsames, stockendes Lesen wirkt sich negativ auf das Textverständnis aus, weil die Konzentration nicht auf dem Inhalt, sondern auf dem Lesen liegt (vgl. Bertschi-Kaufmann et al. 2008). Eine Studie aus der Türkei belegt zudem den Zusammenhang von Leseflüssigkeit und Wortschatzerwerb (vgl. Yildirim et al. 2013). Tragbare Erkenntnisse speziell im Bereich der Zweitsprachen liegen kaum vor. Das vorliegende Vorhaben geht der Frage nach, wie sich bei Jugendlichen, die über migrationsrelevante Herkunftssprachen verfügen, die Leseflüssigkeit in zwei der zur Verfügung stehenden Sprachen in Abhängigkeit von einem Training mit Hilfe von digitalen Medien und mit Einbezug nicht literarischer Texte entwickelt. (Beginn: März 2019)

 

Literatur:

Bertschi-Kaufmann, Andrea et al. (2008)2: Lesefertigkeiten. Lesegeläufigkeit. Lesestrategien. Protokollheft. Lesen - das Training ab Klasse 5, Bd. 5. Seelze: Lernbuchverlag Friedrich.

Nix, Daniel (2011): Förderung der Leseflüssigkeit. Theoretische Fundierung und empirische Überprüfung eines kooperativen Lautlese-Verfahrens im Deutschunterricht. Weinheim/München: Juventa Verlag.

Samuels, S. Jay (2012): Reading Fluency: Ist Past, Present, and Future. In: Rasinski, Timothy/Blachowicz, Camille/Lems, Kristin (eds.): Fluency Instruction. Research-Based Best Practices. New York/London: The Guilford Press, pp. 3-16.

Yıldırım, Kasım et al. (2013). The Relationship Between Reading Fluency and Vocabulary in Fifth Grade Turkish Students. In: Literacy Research and Instruction 53, pp. 72-89.

 

 

 

Jacques Abel OnyaDeutsch mit dem Radio in Kamerun lernen: Eine empirische Untersuchung mit Schülergruppen in der Stadt Jaunde (Arbeitstitel)

Frederking, Krommer und Maiwald (2012, S. 77) gehen von der Annahme aus, dass ein rein buchorientierter Deutschunterricht heute nicht mehr zeitgemäß sei. Bei genauer Betrachtung treffen diese Ausführungen vollkommen in vieler Hinsicht zu. Zum einen, weil sich der Deutschunterricht im Medienzeitalter der Mediengesellschaft anpassen muss. Der Mensch hat sich in der Tat jederzeit der Massenmedien als Hauptwissensquelle bedient (Vgl. Luhmann 1996, S. 10). Dies gilt im 21. Jahrhundert bzw. im 3. Jahrtausend mehr denn je, da wir in einer medial geprägten Gesellschaft leben. Zum anderen ist der Medieneinsatz nicht nur heutzutage in fremdsprachendidaktischer Fachdiskussion fest verankert, sondern hat auch seine didaktische Effizienz bewiesen. So können zum Beispiel Radiotexte bzw. Podcasts die Förderung aller Fertigkeiten ermöglichen (Vgl. Würffel 2019, S. 558.). Für Peuschel (2012, S. 50-51) können Lernende durch Radioprojekte Teilhabe am digitalen Diskurs haben. In Kamerun steckt noch die Mediendidaktik „Deutsch als Fremdsprache“ in den Kinderschuhen und die Fertigkeit „Hören“ ist bislang ein Stiefkind der Unterrichtspraxis. Deshalb ist diese Arbeit, die u.a. empirisch deskriptiv, explorativ und interpretativ durchgeführt werden wird, von großer wissenschaftlicher Relevanz. (Beginn: November 2019)

 

Literatur:

Frederking,   Volker/Krommer,   Axel/Maiwald,   Klaus  (2012):  „Mediendidaktik   Deutsch.  Eine Einführung“.   Berlin: Erich Schmidt Verlag.

Luhmann, Niklas (1996): „Die Realität der Massenmedien“. 2. Erweiterte Auflage. Opladen: Westdeutscher Verlag.

Peuschel, Kristina (2012): „Sprachliche Tätigkeit und Fremdsprachenlernprojekte. Fremdsprachliches Handeln und gesellschaftliche Teilhabe in radiodaf-Projekten“. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

Würffel, Nicola (2019): „Hausaufgaben im DaF/DaZ-Unterricht. Ein altes Thema (digital) neu denken“. In: Info DaF. Bd. 46, Heft 5, 446-470.

 

 

Laura Schmidt: Gendersensibler DaZ-Unterricht im institutionellen Integrationskontext (Arbeitstitel)

„Die Einteilung in Geschlechter scheint in der ‚Natur der Dinge’ zu liegen, wie man manchmal sagt, um von dem zu sprechen, was normal, natürlich und darum unvermeidlich ist“ (Bourdieu 2017, 19). Das Konstrukt Gender ist nicht nur, wie Bourdieu andeutet, eine gesellschaftlich allumfassend präsente, scheinbar natürliche Kategorie, welche mit ihren Klassifikationen weitreichende Konsequenzen für jede*n bedeutet, sondern auch eine bedeutsame Differenzlinie im Fremdsprachenunterricht. Die in diesem Bereich erforschten Fragestellungen wurden seit langem ausschließlich in Untersuchungen zu geschlechtsspezifischem Lernen bearbeitet. Erst langsam öffnet sich die Fremd- und Zweitsprachdidaktik für dekonstruktivistische Perspektiven auf Geschlechtlichkeit (vgl. Baar 2014, S. 147 und Schmenk 2009, S. 18ff.). DaZ-Unterricht unter der Zielsetzung der Integration ist nachweislich durch Stereotypisierung und fehlende Ambiguitätstoleranz gekennzeichnet (vgl. Moghaddam 2010, S. 281), welche sich auch auf Gender und intersektionale Zusammenhänge mit anderen Differenzlinien bezieht. Damit eröffnet sich ein relevantes Forschungsfeld, in welchem sich das Dissertationsprojekt verortet und mittels Grounded Theory empirisch ein Modell für gendersensiblen DaZ-Unterricht entwirft, welches gegebenenfalls verengende Kompetenzkonzepte hinterfragt und einen besonderen Schwerpunkt auf die im Kontext Integration(skurs) auftretenden Hegemonien legt. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche Gelingensbedingungen ein auf Integration ausgerichteter DaZ-Unterricht aufweisen müsste, um gendersensibel sein zu können. (Beginn: Oktober 2019)

 

Literatur:

Baar, Robert (2014): Genderstudies in der Erziehungswissenschaft: Aspekte einer gendersensiblen (Grund-) Schulpädagogik. In: Astrid M. Fellner, Anne Conrad und Jennifer J* Moos (Hg.): Gender überall!? Beiträge zur interdisziplinären Geschlechterforschung. St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag, S. 145–161.

Bourdieu, Pierre (2017): Die männliche Herrschaft. 4. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Moghaddam, Roya (2010): Deutsch als Fremdsprache mit gendergerechter Didaktik? In: Ulrike Eberhardt (Hg.): Neue Impulse in der Hochschuldidaktik. Sprach- und Literaturwissenschaften. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss, S. 281–295.

Schmenk, Barbara (2009): Geschlechtsspezifisches Fremdsprachenlernen? Zur Konstruktion geschlechtstypischer Lerner- und Lernbilder in der Fremdsprachenforschung. 2. Aufl. Tübingen: Stauffenburg.

 

 

 

Christine Stahl: Förderung der Professionellen Unterrichtswahrnehmung von Lehramtsstudierenden in Bezug auf Elemente des sprachsensiblen Unterrichts (Arbeitstitel)

Die Fähigkeit lernrelevante Situationen im Unterricht professionell wahrzunehmen, zählt zu den zentralen Elementen pädagogischer Professionalität (vgl. de Boer & Reh 2012). Voraussetzungen hierfür sind das Wissen über Bedingungen eines lernwirksamen Unterrichts und die Anwendung dieses Wissens auf konkrete Unterrichtssituationen. Lehramtsstudierende fühlen sich nur unzureichend auf den Unterricht in sprachlich heterogenen Klassen vorbereitet. Forschungsarbeiten belegen, dass eine Professionelle Unterrichtswahrnehmung zu adaptivem Handeln befähigen kann (vgl. Seidel & Prenzel 2007; Sherin & van Es 2009) und bereits Teilkompetenzen davon im Studium ausgebildet werden können (vgl. Stürmer 2011). Dieser Ansatz beschreibt die Fähigkeit, relevante Unterrichtsereignisse zu analysieren, wobei zwei Teilprozesse – noticing und knowledge based reasoning – unterschieden werden. Fachbezogene Untersuchungen zur Professionellen Unterrichtswahrnehmung, welche den Blick auf fachdidaktische Wissensbestände angehender Lehrkräfte im Bereich des Deutschen als Zweitsprache richten, stellen noch ein Forschungsdesiderat dar. Im Rahmen einer Längsschnittstudie soll die individuelle Entwicklung angehender Lehrkräfte hinsichtlich ihrer Fähigkeit sprachsensiblen Unterricht in Unterrichtsvideographien einschätzen und theoretisch einordnen zu können, untersucht werden. (Beginn: Mai 2019)

 

Literatur:

de Boer, Heike & Reh, Sabine (2012): Beobachtung in der Schule - Beobachten lernen. Wiesbaden: Springer VS.

Seidel, Tina & Prenzel, Manfred (2007): Wie Lehrpersonen Unterricht wahrnehmen und einschätzen – Erfassung pädagogisch-psychologischer Kompetenzen bei Lehrpersonen mit Hilfe von Videosequenzen. In: Prenzel, M.; Gogolin, I.; Krüger, H.-H. (Hrsg.): Kompetenzdiagnostik. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, Sonderheft 8. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 201–218.

Sherin, Miriam & van Es, Elizabeth (2009): Effects of video club participation on teachers’ professional vision. In: Journal of Teacher Education 60, S. 20–37.

Stürmer, Kathleen (2011):  Voraussetzungen für die Entwicklung professioneller Unterrichtswahrnehmung im Rahmen universitärer Lehrerausbildung. Dissertation, Technische Universität München. 

 

 

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