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Antike Geschichtskultur(en) und Erinnerungsobjekte

In Gestalt materieller Überreste ragt die Vergangenheit in spätere Gegenwarten hinein. Oft wird solchen Überresten ein besonderer Zeugniswert zugeschrieben (so bereits in der antiken Historiographie) oder sie werden sogar zum Gegenstand kultischer Verehrung (etwa im christlichen Reliquienkult). Tatsächlich sind solche Relikte jedoch nicht einfach da, sondern sie müssen als solche zunächst einmal (an)erkannt werden. Materielle Erinnerungslandschaften sind damit in erster Linie ein Zeugnis für die Geschichtskultur der jeweiligen Gegenwart. Gegenstand meiner Forschung sind der konkrete Umgang mit materiellen Überresten der Vergangenheit, ihre Bedeutung für verschiedene Formen des Erinnerns, sowie die an sie geknüpften Geschichtsbilder und die soziale Funktion von Erinnerung überhaupt.

Ausgehend von der Beschäftigung mit real existierenden Relikten interessiere ich mich zudem für den Einsatz fiktiver Relikte als Beglaubigungsmittel in Reiseromanen und utopischer Literatur.

 

Publikationen:

Zwischen Relikt und Reliquie. Objektbezogene Erinnerungspraktiken in antiken Gesellschaften (= Studien zur Alten Geschichte 11), Berlin 2010 (zugl. Diss. Eichstätt 2008).

Vergessen, bewahren, erfinden. Vergleichende Perspektiven auf den Umgang mit Überresten der Vergangenheit in Griechenland und Rom, in: Chiai, G. F. u. a. (Hgg.): Athen, Rom, Jerusalem. Normentransfers in der antiken Welt (= Eichstätter Studien 66), Regensburg 2012, S. 257-311.

Inscriptions and other material relics of the past in Greco-Roman antiquity, in: Liddel, P.; Low, P. (Hgg.): Inscriptions and their uses in Greek and Latin literature (= Oxford studies in ancient documents), Oxford 2013, S. 33-63.

Die Stadt als (Alp-)Traum. Die Atlantiserzählung Platons und ihre Umdeutungen, in: Gaidolfi, S.; Hirschmüller, T.; Wenzl, G.; Wiedemann, J. (Hgg.): Metropolen: Politik – Kultur – Imagination, Würzburg 2014, S. 221-257

Between Greece and Rome: forging a primordial identity for an imperial aristocracy, in: Vanacker, W.; Zuiderhoek, A. (Hgg.): Imperial identites in the Roman world, London/New York 2016, S. 16-35.

Art. Reliquien, in: Reallexikon für Antike und Christentum 28 (2017), Sp. 1170-1205.

 

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Politische Kulturen und kulturelle Hybridisierungen

Jede Herrschaft ist auf Akzeptanz angewiesen und insofern legitimationsbedürftig. Ich beschäftige mich in diesem Zusammenhang besonders mit Herrschaftsrepräsentation im Hellenismus und der Frühen Kaiserzeit. Mein besonderes Interesse gilt derzeit den kleineren Königreichen am Rand des Seleukidenreiches. Die verfolgten Fragen betreffen dabei, die Bedeutung charismatischer Narrative in ihrem Verhältnis zur Verrechtlichung von Herrschaft, das Herrscherzeremoniell sowie die Bedeutung ethnischer, kultureller und religiöser Diskurse im Spannungsfeld zwischen indigenen Traditionen und hellenistischen Einflüssen. Davon ausgehend befasse ich mich mit Konstruktion und Bedeutung von Ethnizität sowie der Auseinandersetzung mit dem Fremden in antiken Gesellschaften.

 

Publikationen:

Europe and the Other: roots of European identity in Greco-Roman antiquity, in: Pinheiro, T.; Cieszynska, B.; Franco J. E. (Hgg.): Ideas of | for Europe. An interdisciplinary approach to European identity, Frankfurt a. M. 2012, S. 37-57.

Judenhass und Märtyrertum: zum kulturgeschichtlichen Kontext der Acta Alexandrinorum, in: Hartmann, A.; Weber, G. (Hgg.): Zwischen Antike und Moderne. Festschrift für Jürgen Malitz zum 65. Geburtstag, Speyer 2012, S. 119-209, auch als Open Access-Publikation auf Propylaeum-DOK.

Königtum, Priesterherrschaft und Monarchie Gottes: Konzeptionen und Problematik von Alleinherrschaft im Judentum der Zeit des Zweiten Tempels, in: Rebenich, S. (Hg.): Monarchische Herrschaft im Altertum (= Schriften des Historischen Kollegs: Kolloquien 94), Berlin/Boston 2017, S. 341-361.

 

 

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Analoge und digitale Hilfwissenschaften – Epigraphik und Digital Humanities

Seit meinem Studium begleitet mich die Faszination durch inschriftliche Quellen. Die Zusammenstellung elektronischer Hilfsmittel für das Tutorium Augustanum und die Arbeit an der Gnomon Bibliographischen Datenbank haben mich zudem zu einer vertieften Beschäftigung mit informatischen Techniken und Konzepten geführt. Beide Interessen verbinden sich derzeit in meiner Arbeit an einem digitalen Sammelbuch, das alle römischen Inschriften aus Augsburg mit Übersetzung und Kommentar für eine breitere Öffentlichkeit erschließen soll. Für die Gnomon Bibliographische Datenbank entwickle ich Prozesse der automatisierten Qualitätsprüfung und Verfahren für eine bessere Datenaggregation.

 

Publikationen:

Ein Berber im römischen Bayern? Eine Neulesung zu CIL III 5905 = 11906 (IBR 255/CSIR I 1,504), in: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 174 (2010), S. 267-271.

Nochmals zur angeblichen Brandmarkung von Sklaven nach der lex portorii Asiae, in: Epigraphica Anatolica 46 (2013), S. 188-204.

Valerius Maximus, T. Pompeius Reginus und eine Inschrift aus Orange, in: Rheinisches Museum 160 (2017), S. 329-342.

Tutorium Quercopolitanum. Ein althistorisches Proseminar, erste Fassung Eichstätt 2003, fortgeführt seit 2011 als Tutorium Augustanum, seit 2014 auch im Rahmen von historicum.net eStudies.

zusammen mit S. Thänert: Vom Thesaurus zum semantischen Netz. Potenziale von Data Mining in bibliographischen Datensätzen, in: Digital Classics Online 1 (2015), 34-45, als Open Access-Journal.

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